CAFÉ BRAVO — DAS TEAM HINTER OTTO, TRIO UND PLUTO ÜBERNIMMT DAN GRAHAMS IKONISCHEN GLASPAVILLON

CAFÉ BRAVO — DAS TEAM HINTER OTTO, TRIO UND PLUTO ÜBERNIMMT DAN GRAHAMS IKONISCHEN GLASPAVILLON

Es gibt kaum einen Berliner Innenhof, der so bekannt ist und den ich so oft besucht habe, wie den der KW Institute for Contemporary Art. In Mitte auf der Auguststraße, in einer ehemaligen Margarinefabrik, sind die KW die Geburtsstätte der Berlin Biennale und bis heute eine der wichtigsten Adressen für zeitgenössische Kunst. Im spiegelnden Glaswürfel des amerikanischen Künstlers Dan Graham hat das Bravo mit neuem Betreiberteam nun gerade wieder eröffnet. Die Geschichte des Pavillons begann im Winter 1994. Nach einem Vortrag an der damaligen Hochschule der Künste entwickelte Graham die Idee für einen Ort, an dem Kunst und Alltag ineinander übergehen – eine funktionale Architektur aus poliertem Edelstahl und zweiseitigem Spiegelglas, irgendwo zwischen Pavillon und öffentlichem Wohnzimmer. Gemeinsam mit der Berliner Architektin Johanne Nalbach entstand das Café Bravo – seine erste Skulptur, die ausdrücklich zum Sitzen, Warten und Kaffeetrinken gedacht war. Zur ersten Berlin Biennale 1998 wurde diese Idee Realität. Nun beginnt eine neue Ära: das Café Bravo ist die neuste und vierte Institution des Teams hinter den bekannten und allseits beliebten Spots OttoTrio und Pluto.

Im Juli 2026 übernahm die neue Generation: Clemens Roesch, Eva Alken, Sören Zuppke und Vadim Otto Ursus. Einer von ihnen ist auch hier in Mitte verwurzelt – Vadim ist nur wenige Schritte entfernt aufgewachsen. Gemeinsam mit den Berliner Architekten von Studio Affin wurde der Pavillon neu eingerichtet, ohne seine Offenheit zu verändern. Maßgefertigte Sitzbänke und Fensterborde aus Kirschholz von Hanna Rothhaus, ein geschwungener Edelstahltresen von Luca Lombardini entlang der offenen Küche, Regale in sattem Grün und warme Holztöne nehmen die Farbigkeit des Innenhofs auf. Statt mit der Architektur zu konkurrieren, verstärken sie ihre Wirkung. Die wöchentlich frischen Blumensträuße aus dem Brandenburgischen Buchholz von Meggie Schneider lassen das Innere des Cafés mit dem Garten „Archipel“ der französischen Landschaftsarchitekten Le balto, verschmelzen. Bravo versteht sich als Museumscafé im besten Sinne. Ein Ort, an dem die Welt und die Nachbarschaft aufeinandertreffen. Beide verstehen die Stadt nicht als Publikum und Kundschaft, sondern als Teil eines fortlaufenden Werks aus Kunst und Fürsorge. Das Bravo begleitet den Tag vom Morgen bis in den Abend hinein – mit einem ruhigen Rhythmus und einer Küche, die auf Saisonalität und Sorgfalt setzt: vom ersten Kaffee und einem kleinen Frühstück (z.B. gekeimtes Hafermüsli mit Haselnussmus & Kompott oder Stulle mit Heggelbachkäse und Tomate) über einen wöchentlich wechselnden Mittagstisch bis hin zu einem Glas Wein am Abend. Ein paar feste Snacks bleiben den ganzen Tag über auf der Karte, dazu gibt es selbstgebackene Kuchen und Gebäck. Hausgemachte Limonaden, „Bravo Eistee“, Wasserkefir, Kaffee und wild gesammelte Tees sowie eine kleine Wein- und Cocktailkarte erfrischen im heißen Sommer. Für mich fühlt es sich an wie die Wiederentdeckung meines persönlichen Berliner Klassikers. Oder, einfacher gesagt: einer dieser seltenen Berliner Orte, die sich anfühlen, als wären sie schon immer da gewesen. Bravo, Bravo!

Text: Milena Kalojanov / Fotos: Robert Rieger

Bravo, Auguststr.69, 10117 Berlin–Mitte; Stadtplan

@bravoberlin

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