DIE MEISTERIN DER STREET PHOTOGRAPHY: VIVIAN MAIER IN DER WERKSTATTGALERIE NOACK

DIE MEISTERIN DER STREET PHOTOGRAPHY: VIVIAN MAIER IN DER WERKSTATTGALERIE NOACK

Als bei einer Auktion im Jahr 2007 mehrere Kisten mit Foto-Negativen auftauchten, hatte in der Kunstwelt noch keiner von Vivian Maier gehört. Heute, nach ihrem Tod, gilt sie als eine der wichtigsten Vertreterinnen der amerikanischen Street Photography. Auch ihre eigene Geschichte trägt zur Mythenbildung bei: Maier arbeitete lange als Kindermädchen – dass sie zeit ihres Lebens mit Geldsorgen zu kämpfen hatte und fotografierte, teilte sie mit niemandem. Im Verborgenen fertigte sie ihre Bilder an, ein Großteil ihrer Filmrollen blieb unentwickelt. Die Werkstattgalerie Hermann Noack widmet ihr in Kooperation mit der New Yorker Howard Greenberg Gallery nun eine Ausstellung, die das Werk der Fotografin in rund 120 Abzügen und Super 8-Filmen zeigen. Das Gespür für besondere Momente und Bildkompositionen musste Vivian Maier nicht lernen – ihre Alltagsszenen aus den Straßen New Yorks und Chicagos, die sie als Autodidaktin ab den 1950ern aufnahm, zeugen von einem außergewöhnlichen Blick auf die Welt.

Ihre Bilder zeigen Menschen, die sich unbeobachtet fühlen: schlafende Männer, händchenhaltende Paare und Gruppen im Gespräch vertieft. Den Glamour und Aufschwung der 1960er fängt sie ebenso ein wie das Elend, das ihr begegnete. Männer in Anzügen und Damen im Pelzmantel eilen in ihren Aufnahmen vorbei an Wohnungslosen und vermeintlich Kleinkriminellen, die von der Polizei abgeführt werden. Maier scheint dabei stets im Hintergrund zu bleiben. Als Fotografin, das ist zu spüren, drängt sie sich ihren Motiven niemals auf. Ihr Blick führt weder vor, noch urteilt er. Vielmehr ist Maier eine stille und zugleich brillante Beobachterin mit Sinn für humorvolle Details, die alles aufnimmt, das im Sucher ihrer Rolleiflex-Kamera bemerkenswert erscheint. Ihre eigene unbemerkte Chronistinnenrolle überträgt Maier in zahllose Selbstporträts: Streng dreinblickend hält sie sich in den Spiegelungen von Schaufenstern und blank polierten Radkappen fest. Ihr Gesicht erscheint fragmentarisch verzerrt – bisweilen ist sie nur als Schatten in den Bildern erkennbar. Sie ist präsent, doch für ihre Umwelt unsichtbar. Ein Glück, dass wir Vivian Maier und ihre Werke endlich sehen können.

Text: Laura Storfner / Fotos: © Estate of Vivian Maier, Courtesy Maloof Collection und Howard Greenberg Gallery, New York

Werkstattgalerie Hermann Noack, Am Spreebord 9, 10589 Berlin–Charlottenburg; Stadtplan

Vivan Maier – Streetqueen bis 27.02.2022, Mo–Do 9–16h, Fr 9–19h, Sa 12–19h, So 12–17h

@howardgreenberggallery
@hermannnoack
@vivianmaierarchive

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