Es gibt Daten, die sich tief in das europäische Gedächtnis eingebrannt haben: Der 11. Juli 1995 gehört dazu. Die bosnische Stadt Srebrenica wurde an jenem Tag zum Schauplatz eines Völkermords: Rund 8.000 muslimische Männer und Jungen wurden in der Nacht und den folgenden Tagen von bosnisch-serbischen Truppen unter dem Kommando von Ratko Mladić systematisch getötet. Es ist das schwerste Kriegsverbrechen, das Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs gesehen hat – verübt unter den Augen der internationalen Gemeinschaft, die Sicherheit versprochen, aber nicht geleistet hatte. Denn Srebrenica war von den Vereinten Nationen eigentlich zur Schutzzone erklärt worden. Am 31. Jahrestag des Völkermords bringen der Fotograf Armin Smailovic, der regelmäßig für das ZEIT-Magazin fotografiert, und der Regisseur Branko Šimić diese Geschichte als musikalisch-szenische Lesung (11.07.2026) auf die Bühne des Dokumentationszentrums Flucht, Vertreibung, Versöhnung.
Über 15 Jahre Recherche liegen ihrem Projekt zugrunde: Das Ausgangsmaterial bilden Gespräche mit einem der wenigen Überlebenden auf der einen und mit einem niederländischen UN-Soldaten, dessen Aussagen später zentral für das Tribunal in Den Haag wurden, auf der anderen Seite. Aus diesen Interviews entstand zunächst ein Theaterstück für das Thalia Theater in Hamburg, dann ein Hörspiel für den Deutschlandfunk – und nun diese Lesung, die insgesamt drei Perspektiven nebeneinanderstellt: die der Opfer, Täter und Beobachter. Jens Harzer, Schauspieler am Berliner Ensemble, und Vernesa Berbo, bekannt aus dem Gorki Theater, tragen die Texte vor. Amira Berbo begleitet die beiden musikalisch. Was entsteht, ist eine dichter Klangteppich aus Sprache, Dokumentarmaterial und Fotografie, der weniger erklären als erfahrbar machen will, was Erinnerung an einen Genozid bedeuten kann.
Text: Laura Storfner / Fotos: Sandra Kühnapfel, Armin Smailovic
Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung, Stresemannstr.90, 10963 Berlin–Kreuzberg; Stadtplan
Srebrenica: Musikalisch-szenische Lesung 11.07.2026. Im Anschluss an die Lesung sprechen die Künstlerinnen und Künstler mit Dr. Kathrin Jurkat über die Arbeit an dem Stoff.
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