DIE STADT ALS FREILICHTMUSEUM: KUNST GEGEN DEN BLUES IN GANZ BERLIN ENTDECKEN

DIE STADT ALS FREILICHTMUSEUM: KUNST GEGEN DEN BLUES IN GANZ BERLIN ENTDECKEN

Das kommende Wochenende steht im Zeichen der Kunst: Während das Gallery Weekend hybrid eröffnet und die Museen schließen müssen, weiten Künstler*innen ihre Aktionen auf den öffentlichen Raum aus. Bjørn Melhus findet für den aktuellen Corona-Blues ein eindrucksvolles Bild: Von Freitag bis Sonntag sendet er aus dem Nordturm des Frankfurter Tors zwischen 21 und 22 Uhr ein SOS-Lichtsignal in die Nacht. Anwohnende sind eingeladen, ihre Solidarität zu zeigen und zurück zu morsen. Um das Licht am Ende des Tunnels dreht sich die Video- und Soundinstallation von Mischa Leinkauf, die der Projektraum Open im Wedding zeigt. Hier wird die Schaufensterscheibe jeden Abend von 20 bis 24 Uhr zum Bildschirm umfunktioniert. Ein Zeichen für Zusammenhalt setzen auch über 40 Kunstschaffende im Prenzlauer Berg, die von Freitag bis Sonntag ihre Fenster und Balkone in temporäre Ausstellungsflächen verwandeln. Das Projekt, das in diesem Jahr in die zweite Runde geht, regt nicht nur zum Spaziergang an, sondern will auch die Geschichte und das Image des Viertels neu denken. Dass sich nicht nur unabhängige Kunsträume, sondern auch die Gastronomie ums Überleben kämpft, zeigen Nicole Janze und Andreas Uehlein: Mit dem Stück „Geisterkiez“ schaffen sie eine szenische Installation im Schaufenster der Kiezkneipe Uebereck.

Von Kreuzberg aus kannst Du momentan rund um die Uhr in den Himmel über Brasilien schauen: Ana Hupe, Barbara Marcel und Matheus Rocha Pitta bespielen die Plakattafeln der U1 am Kottbusser Tor. Ihr Projekt Südstellium nutzt das Firmament als Ausgangspunkt, um Kolonialismus, Ausbeutung und Umweltschäden zu kommentieren. Ein Mahnmal gegen die menschengemachte Zerstörung der Natur setzt der Künstler Gil Shachar in St. Elisabeth in Mitte: Seine Abformung eines 14 Meter langen Buckelwals, der 2018 an der Küste Südafrikas strandete, nimmt beinahe das gesamte Kirchenschiff ein. Im Innenhof der KW ertönt jeden Tag eine kurze Hommage an die Revolutionärin Rosa Luxemburg: Das Lied der Klangkünstlerin Susan Philipsz ist täglich um 12 Uhr mittags als persönliche Würdigung vom Band zu hören. Hoffnungsvoll stimmen die Textbilder der Künstlerin Anne-Lise Coste, die im Schaufenster-Ausstellungsraum des Institut Français in Charlottenburg zu sehen sind. Ihre visuelle Poesie trägt Botschaften voller Zuversicht ins Freie: Nous danserons – wir werden tanzen! Hoffentlich ist es bald soweit…

Text: Laura Storfner / Credit: Gil Shachar „The Cast Whale Project“, St. Elisabeth; Melhus 2021 „Tower to the People SOS“; Project space by Amélie Esterházy „Open Berlin“ / Fotos: Artland Sarah Kivi, Courtesy by Semjon Contemporary

LOQI Tower, Frankfurter Tor, 10243 Berlin–Friedrichshain; Stadtplan
Bjørn Melhus, Tower to the People: SOS – Save Our Souls, 30.4.–2.5.2021, täglich 21–22h

Open, Prinzenallee 35, 13359 Berlin–Wedding; Stadtplan
Mischa Leinkauf, Unten ist Oben, Innen ist Außen, bis 30.5.2021, 20–24h

Verschiedene Balkone und Fenster im Viertel, Berlin–Prenzlauer Berg; Übersichtskarte
Die Balkone 2 – Scratching the Surface, 30.4.–2.5.2021, Fr 16–19h, Sa + So 12–19h

Uebereck, Prenzlauer Allee 47, 10405 Berlin-Prenzlauer Berg; Stadtplan
Geisterkiez: eine szenische Installation im Uebereck, 30.4.2021, 20h30

U1 Kottbusser Tor, 10999 Berlin–Kreuzberg; Stadtplan
Südstellium, bis 20.5.2021, rund um die Uhr

St. Elisabeth, Invalidenstr. 3, Berlin–Mitte; Stadtplan
Gil Shachar, Cast Whale Project, bis 14.5.2021, täglich 11–20h

KW Institute for Contemporary Art, Auguststr.69, 10117 Berlin–Mitte; Stadtplan
Susan Philipsz, Rosa, 2002/2021, täglich 12h

Institut français, Kurfürstendamm 211, 10719 Berlin–Charlottenburg; Stadtplan
Anne–Lise Coste, Nous Danserons, bei Les Vitrines, bis 11.7.2021, rund um die Uhr

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