In Berlin verlierst Du zwischen Asphalt und Stadtkulisse schnell mal die Verbindung zur Natur. Was man aber manchmal aus den Augen verliert: man muss die Hauptstadt nicht verlassen, um den Asphalt gegen Grün einzutauschen. Genau mit diesem Gedanken bin ich in die Doppelausstellung „Draußen… Im Museum“ und „Draußen… Unter Kiefern“ ins Brücke-Museum gegangen. Das 1967 eröffnete Brücke-Museum liegt direkt am Grunewald. Viel passender könnte der Ort für die beiden Ausstellungen kaum sein. Beide beschäftigen sich mit der Beziehung zwischen Mensch und Natur und damit, wie Museen Natur nicht nur zeigen, sondern mit ihr zusammenarbeiten können. Die Ausstellung beginnt im Museum: rund hundert Werke der Brücke-Künstler:innen, darunter Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner, Max Pechstein und Karl Schmidt-Rottluff, treffen auf zeitgenössische Arbeiten des Ateliers le Balto und der Künstlerin Lizza May David. Schon hier entsteht das Gefühl, dass Innen- und Außenraum ineinander übergehen. Die großen Fenster holen den Wald ins Museum, während recycelte Holzschilder handbeschriftet aus organischer Farbe das Thema bis in die Gestaltung weiterführen. Im Vermittlungsraum „Outreach“, in Zusammenarbeit mit dem Zabriskie-Buchladen für Kultur und Natur und der Curando Initiative, wird aus dem Ausstellungsbesuch ein Dialog. Fragen wie „Was sehe ich, wenn ich an Natur denke?“ oder „Was verbindet mich mit anderen Lebewesen?“ richten sich direkt an Dich. Statt die Kunst nur wirken zu lassen, wirst Du dazu angeregt, selbst Stellung zu beziehen.
Durch diese Beiträge und ein Workshopprogramm verändert sich der Raum während der Laufzeit immer weiter. Mit diesen Fragen im Kopf geht es schließlich hinaus auf den Lehrpfad „Draußen… Unter Kiefern“. Hier wird das Konzept der Ausstellung besonders spannend: Die Kunst bleibt nicht im Museum, sondern wird Teil der Natur und ist dort Wind und Wetter ausgesetzt. Am Anfang des Pfades begegnet Dir Andreas Greiners Modell des Brücke-Museums, das sich mit der Zeit durch die Witterung verändern wird. Beschriftete Second-Hand-Spiegel weisen den Weg zu den einzelnen Stationen und lenken Deinen Blick automatisch stärker auf die Umgebung. Die Guerilla Architects bringen Dich durch ihre besonders platzierten Werke buchstäblich dazu, neue Perspektiven einzunehmen, während Club Real mit seinem „Betriebsrat der Lebewesen“ dazu anregt, Dich in die Lebewesen Deiner direkten Umgebung hineinzuversetzen. Mein persönlicher Favorit ist aber Jenny Kendlers „Venus“ aus Erde. Sie zeigt eine Skulptur, die uns allen als Marmorskulptur bekannt ist und normalerweise behutsam im Louvre aufbewahrt wird. Auf einmal reiht sie sich in den Grunewald ein und ist durch das Wetter alles andere als beständig. Statt die Kunstwerke vor dem Verfall zu schützen, macht das Brücke-Museum genau das Gegenteil sichtbar: Veränderung als Teil des Kunstwerks. Vielleicht ist genau das das Spannende an dieser Doppelausstellung. Sie zeigt Natur nicht nur als Motiv, sondern lässt sie selbst mitgestalten. Während die Ausstellung „Draußen… Im Museum“ vom 05. Juli bis zum 25. Oktober 2026 zu sehen ist, bleibt der Lehrpfad „Draußen… Unter Kiefern“ über mehrere Jahre bestehen. Keine Ausstellung, die beim zweiten Besuch genauso aussieht wie beim ersten.
Text: Isabelle Marten / Fotos: Nick Ash
Brücke-Museum, Bussardsteig 9, 14195 Berlin–Dahlem; Stadtplan
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