IM RAUSCH MIT PEER GYNT — ACHT STUNDEN IN DER VOLKSBÜHNE

IM RAUSCH MIT PEER GYNT — ACHT STUNDEN IN DER VOLKSBÜHNE

Wer bei acht Stunden Theater befürchtet, eine Nackenstarre zu erleiden oder mit dem Sitz zu verschmelzen, darf in der Volksbühne Gegenteiliges erleben. Oder einfach nach drei Stunden gehen. „Peer Gynt“ ist zurück, und mit ihm das maßlos vielschichtige Spektakel von Vegard Vinge, Ida Müller und Trond Reinholdtsen, das jeder Eile eine Absage erteilt. Im Zentrum der Vorstellung steht Peer – Bauernsohn, Lügner, Erfinder seiner eigenen Biografie. Er wechselt ständig die Register: Held, Geschäftsmann, Träumer, Überlebender seiner eigenen Geschichten. Alles an ihm bleibt in Bewegung, nichts stabilisiert sich. Neben Vegard Vinge selbst und Ida Müller sind unter anderem auch Martin Wuttke, Kathrin Angerer und rund achtzig weitere Spieler:innen Teil dieses Systems, das keine klare Trennung zwischen Rolle und Person zulässt. Maskenspiel, dröhnender Sound, Video und Projektionen ziehen Material aus ganz unterschiedlichen Richtungen heran – von norwegischen Landschaften bis zu Fragmenten aus Pop und Gegenwart. Im Zentrum bleibt Peer, der sich ständig neu entwirft, sich überhöht und dabei immer wieder verliert. Sein jugendlicher Größenwahn schwappt dabei fast in die erste Reihe, er scheint sich selbst zu nahe, und uns damit auch. Genau daraus bezieht der Abend seine Spannung: aus der ständigen Verschiebung dessen, was man gerade noch zu fassen glaubte. Und aus der Zeit, die er sich dafür nimmt.

Text: Emma Zylla / Fotos: Julian Röder

Volksbühne, Linienstr.227, 10178 Berlin–Mitte; Stadtplan

Peer Gynt 15.05., 17.05., 19.05., 21.05., 23.05.2026. Tickets buchen kannst Du hier.

@volksbuehne_berlin

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