MACHT, MORAL UND FAMILIÄRER ZERFALL — DIE SAAT DES HEILIGEN FEIGENBAUMS JETZT AUF MUBI STREAMEN

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Ein Film über Macht, Moral und familiären Zerfall: Mohammad Rasoulofs „Die Saat des heiligen Feigenbaums“ zeigt, wie politische Repression ins Innerste der Gesellschaft eindringt. Ab und zu überkommt sie mich, meist schleichend am Morgen, dann drückend am Nachmittag und abends ist sie mit voller Wucht da: die Sehnsucht nach einem wirklich guten Film. Wer das Gefühl kennt, kennt auch meistens die kleine, nervende Begleitfrage: aber was denn nun ansehen? Ein Glück, wer dieser Tage einen Mubi Account hat und das Oscar-nominierte Meisterwerk „Die Saat des Heiligen Feigenbaums“ von Mohammad Rasoulof noch nicht gesehen hat. Das ist nämlich zurzeit online auf der Streaming-Plattform verfügbar. Gedreht unter größter Geheimhaltung, erzählt der Film von Iman (Missagh Zareh), einem gläubigen Juristen, der mitten in der Protestwelle des Jahres 2022 zum Untersuchungsrichter am Revolutionsgericht ernannt wird.

Eine scheinbare Auszeichnung – doch die Beförderung bringt moralische Abgründe mit sich: Er soll Todesurteile absegnen, ohne Hintergründe oder Namen zu kennen. Während draußen die „Frau, Leben, Freiheit“-Bewegung erstarkt („Jin, Jiyan, Azadî“), beginnt es auch in Imans Familie zu brodeln. Seine Töchter Rezvan (Mahsa Rostami) und Sana (Setareh Maleki) sympathisieren zunehmend mit den Protesten, während seine Frau Najmeh (Soheila Golestani) versucht, Harmonie zu wahren. Als Imans Dienstwaffe verschwindet, kippt das Familiengefüge. Aus Misstrauen wird Verfolgung. Aus Kontrolle wird Gewalt. Die Familie flieht aufs Land – aber auch dort eskaliert die Lage. Ein intensives Kammerspiel entfaltet sich, das schmerzhaft deutlich macht, wie politische Repression in die intimsten Räume vordringt. Rasoulof setzt bewusst auf dichte Bilder, um den inneren Zerfall eines Mannes zu zeigen, der zwischen Macht und Schuld, Religion und Realität zerrieben wird. Das titelgebende Symbol – der heilige Feigenbaum – steht dabei für ein Regime, das sich wie ein wurzelstarkes Gewächs über alle Lebensbereiche legt. Getragen wird die fesselnde Geschichte von einer herausragenden schauspielerischen Leistung und einem feinsinnigen Gespür für Bilder. Echtes Kino eben. Und genau das Richtige für einen kühlen Sommerabend und das tiefe, dreistündige Einsinken ins Sofa – und in die Wirkmacht von Kino.

Text: Hilka Dirks / Stills: Die Saat des Heiligen Feigenbaums

Mubi

Die Saat des Heiligen Feigenbaums

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