Beim Sellerie Weekend öffnen mehr als hundert Projekträume ihre Türen und zeigen, wie viel subkulturelle Kunst noch immer in der Stadt stattfindet. Am ersten Mai-Wochenende (01.–03.05.2026) beginnt in Berlin traditionell mit voller Wucht die Kunstsaison. Seit einigen Jahren auch mit vermehrt subkultureller Sichtbarkeit: Es ist Sellerie-Weekend. Ursprünglich aus einer Initiative des Betreiber-Kollektivs des Spoiler Aktionsraum ins Leben gerufen, bündeln sich beim Festival-Programm die in der ganzen Stadt verteilten Off-Space-Kunstveranstaltungen. Da ist es nur natürlich, dass im Spoiler heute (30.05.) auch die Auftaktveranstaltung stattfindet: Eröffnungsparty von 20 bis 02 Uhr, unterbrochen von einer Performance der gleichermaßen lustigen wie radikalen Sophia Süßmilch, gefolgt von einem Konzert Gertie Adelaido (ab 21 Uhr). Wenn Moabit einfach zu weit weg ist, liegt vielleicht Neukölln nah: parallel eröffnet heute dort schon ab 17 Uhr Jens Einhorns malerische „Reise ohne Ende“ bei Paintshop an der Hasenheide, die seit kurzem genau genommen gar kein Projektraum mehr sind, sondern zukünftig den Schritt ins ernste Galeriegewässer wagen wollen. Von dort die Sonnenallee hinab trifft man ein paar Seitenstraßen später ab 18 Uhr auf die „Number One Most Precarious Group Show“ mit Arbeiten von Robert Barta, Martin Blake, Alice Morey, Anna Virnich und anderen. Wie immer beim Hinterhofgeheimtippraum Number One Main Road wird es sich mit Sicherheit lohnen. Eine weitere Gruppenschau, allerdings der ungewöhnlichen Art, eröffnet am Freitag (01.05.) ab 18 Uhr in einem Gebäudedurchgang am Friedrichshainer Straußberger Platz, organisiert von Raum www. Zehn Künstler:innen zeigen dort je eine frei installierte Arbeit: auf einem Vorhang. Mit dabei sind unter anderem Marlon Wobst, Daniel Hahn und Ellen Akimoto. Schon seit gestern zu sehen sind die Arbeiten Alex Heides im recht neuen Szenezugang, dem Schöneberger Klix. Am Samstag von 14 bis 18 Uhr wird hier abseits der Grunewaldstraße zum Apéro geladen – quasi betreutes Trinken in Anwesenheit des Künstlers.
Dass Berlin insgesamt und Kreuzberg ganz besonders kein Ponyhof ist, wissen wir schon lange und doch hat sich in der Reichenberger Straße in der Kwadrat Galerie zum Wochenende eine Gruppenausstellung zusammengefunden, die größtenteils Künstler:innen vereint, die in den goldenen 00er-Ponyhof-Jahren der Stadt die Szene prägten. Kuratiert von Olivia Berckemeyer finden sich hier Werke von Philip Topolovac und Philip Grözinger, von Michael Sailstorfer, Anselm Reyle, Michael Kunze, Gregor Hildebrandt und anderen. Die Zeitreise beginnt am Samstag (02.05.), ebenfalls ab 14 Uhr. Das letzte Mal bevor sich die Türen in der Inselstraße für immer schließen, kann man dieser Tage noch Die Möglichkeit einer Insel besuchen. „Enter the Void“ heißt die Ausstellung von Clemens Wilhelm, die aus einer acht-minütigen Videoarbeit besteht. Zu besuchen ist sie seit heute und nur bis zum 03.05.: you snooze, you loose. Wer dann immer noch nicht genug hat, sollte sich die Ausstellungen im Roam auf der Lindenstraße (Drei Positionen unter dem mysteriösen Titel „Pendelnde Rationalität“) und die Gruppenausstellung bei Bodrum Berlin (Alles umkreist die Frage, was passiert in den sozialen Ruinen?) nicht entgehen lassen. Oder einfach am besten alles andere besuchen, was man in diesem schönen, grünen Programm sonst noch finden kann. Guten Appetit.
Text: Hilka Dirks / Credits: Soziophobie, C-Print, 45×30 cm, 2020, 5+2 A.P.; Mysterious girl I wanna get close to you, C-Print, 60×40 cm, 2022, 5+2 A.P.; Gertie Adelaido; Daniel Theiler, Soziale Ruine, 2026; Jakob Ketzel, Garlands, 2023; Paint Shop Berlin; Lucila Pacheco Dehne; Spoiler; Alex Heide
Sellerie Weekend
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