Ich brauche nicht viel, um glücklich zu sein. Gib mir Käse, gib mir Wurst, gib mir Gürkchen, gib mir Brot. Ich bin schnell zufrieden, gib mir einfach gute Sachen. Gib mir: Vom Einfachen das Gute. Brotzeit hat hierzulande eine eigene Würde. Ein Brett, ein Messer, ein Laib, zusammensitzen, Brote schmieren. Was zählt, ist, was darauf liegt. Hier setzt Vom Einfachen das Gute an und kuratiert seit dreizehn Jahren die schönstmöglichen Brotzeiten der Stadt. Angefangen in Mitte, hat der Einzelhandel einen Fokus auf Käse und Wurst, auf kleine Produzent:innen, auf Höfe und Werkstätten, die manchmal nur ein einziges Produkt herstellen. Ich besuche den neuen Standort am Olivaer Platz in Charlottenburg. Drinnen erzählt mir Natascha an der Theke aufgeregt die Geschichten hinter den einzelnen Käsesorten, Marktleiter Leo die Geheimnisse von Vampir-Apfelsaft und spanischen Schinkensorten, die eher wie Edelsteine anmuten und mindestens so hochkarätig schmecken. Die Fleischtheke ist ohnehin mehr Installation als Wurst – skulpturale Coppiette stapeln sich neben Landjägern und genau der Mettwurst aus Hessen, die meine Oma früher auf dem Abendbrottisch liegen hatte, und ich werde ganz nostalgisch.
Ab dem Sommer soll es auch Steaks geben. Vom Einfachen das Gute hat gerne Sachen in der Auslage, die besonders sind. Dafür wird mit Liebe und Eifer recherchiert, ein ehemaliger Mitarbeiter scoutet in Italien nach Pasta aus Bergregionen, immer steht die Beziehung mit den Zuliefer:innen im Vordergrund, man kennt sich persönlich. Im Bistro neben dem Verkaufsraum werde ich mit Grilled Cheese mit Rotkraut versorgt, es gibt Kuchen, natürlich Brotzeit und offene Weine. Und während ich mein Käsebrot esse, denke ich: Mehr brauche ich wirklich nicht. Ein gutes Brot, ein Stück Käse mit Geschichte, ein Glas Wein vielleicht. Abendbrot als kleines Glück, sorgfältig zusammengestellt. Man geht mit einer vollen Tasche – und dem beruhigenden Gefühl, fürs Nächste schon vorgesorgt zu haben.
Text: Inga Krumme / Fotos: Vom Einfachen das Gute
Vom Einfachen das Gute, Olivaer Platz 18, 10707 Berlin–Charlottenburg; Stadtplan
@vomeinfachendasgute


