Große Fenster, durch die das Morgenlicht fällt. Ein dampfender Kaffee auf der Theke. Weiße Häkelgardinen werfen sanfte Schatten auf die Tische. Onette erinnert an Filmszenen, in denen Geschichten beginnen – vertraut wie ein New Yorker Klassiker, nur dass sie hier im Schöneberger Kiez geschrieben werden. An einem der Holztische sitzen zwei junge Menschen. Vielleicht ein Wiedersehen unter Freund:innen, vielleicht ein erstes Date. Sie trägt einen langen Faltenrock – sicher Vintage – und versetzt den Raum in eine andere Zeit. Tamara und Brie haben mit Onette ein Ecklokal geschaffen, das sich anfühlt, als wäre es schon immer da gewesen – dabei hat es erst im Juni 2025 eröffnet. Kennengelernt haben sie sich in London, bei einem Lunch im BAO, später zog es beide nach Berlin. Was als Zufall begann, wurde zur Freund:innenschaft – und zu einem Ort, den man oft vermisst: auf dem Teller wie im Stadtbild. Inspiriert von New Yorker Luncheonettes, Berliner Eckkneipen, der Dinerkultur Torontos und klassischen Gasträumen, in die man auch allein gern einkehrt – und bleibt.
Gemeinsam mit dem Architekturbüro Bates Rai ist ein Interieur entstanden, das Raum für diese Referenzen lässt: denkmalgeschützte Apothekenfliesen treffen auf eine sanfte Farbpalette, Tischnischen aus Kirschholz und kleine Perlmuttlampen erinnern an Gasthaus wie Diner zugleich. Edelstahloberflächen setzen einen zeitgenössischen Kontrast, ein großer Spiegel über der Bar lenkt das Licht durchs Lokal – je nach Tageszeit in immer neuen Nuancen. „Etwas Warmes mit Charakter“ wollten Brie und Tamara schaffen – und genau das ist Onette geworden. Serviert wird Comfort Food zu fairen Preisen: Hausmannskost, Brunch-Klassiker, saisonale Specials. Etwa Dreiviertel der Karte ist vegetarisch, das vegane Angebot wächst. Beliebt sind Leberkäse mit Kartoffelsalat, wechselnde Pies und das heiß begehrte Kartoffelknusperchen-Special, das meist schneller ausverkauft ist, als es nachproduziert werden kann. Ab Donnerstag verwandelt sich Onette am Nachmittag: Ab 15 Uhr ersetzt eine kleine Snackkarte das Tagesmenü, Wein fließt, die Stimmung wird abendlicher. Die Weinauswahl ist ebenso liebevoll kuratiert wie der Rest – und bleibt im Wandel, je nachdem, was das Team neu entdeckt oder mit der Nachbarschaft teilen möchte. In Zukunft sollen Gastköch:innen das Angebot bereichern. Was bleibt, ist das Gefühl, willkommen zu sein – beim Soda Float am Nachmittag, dem Grunewald-Salat zum Lunch oder einem Glas Wein am Abend. Allein, mit Freund:innen oder mit dieser einen Person, mit der man genau so einen Ort gesucht hat.
Text: Robyn Steffen & Inga Krumme / Fotos: Robyn Steffen
Onette, Grunewaldstr.11, 10781 Berlin–Schöneberg; Stadtplan
@onette_berlin


