In der Gruppenausstellung bei Bode denken Stimmen aus dem südlichen Afrika Bewegung neu – politisch, poetisch, persönlich. Berlin ist im September immer ein bisschen im Ausnahmezustand. Volle Stadt, volle Straßen, volle Köpfe, Back to School – alles scheint in Bewegung. Passender könnte der Titel der Ausstellung, die morgen (05.09.2025) bei Bode eröffnet, also kaum sein: Still Moving. Und auch inhaltlich könnte es kaum einen besseren Zeitpunkt für die Schau geben, als gerade jetzt, wo sich doch alle ein bisschen um sich selbst zu drehen scheinen. Kuratiert von der Choreografin und interdisziplinären Künstlerin Jessica Nupen, versammelt die Gruppenschau Stimmen aus dem südlichen Afrika, die Bewegung nicht als bloßes physisches Phänomen, sondern als politische, poetische und persönliche Erfahrung begreifen. Die Werke reichen von Malerei über Skulptur bis hin zu installativen Arbeiten und eröffnen dabei einen Dialog zwischen Erinnerung, Widerstand und Ritual. Renommierte Künstler:innen wie William Kentridge, Sam Nhlengethwa und Misheck Masamvu treffen auf jüngere Positionen wie Boemo Diale, Nthabiseng Kekana, Frances Goodman und Rosie Mudge.
Die Kuration zeigt, wie unterschiedlich Bewegung gedacht und sichtbar gemacht werden kann. Kentridge, international bekannt für seine verspielten Bewegtbilder und dynamische Zeichnungen, spielt mit Auslöschungen und Widersprüchen der Geschichte; Nhlengethwa verwandelt Jazz in eine visuelle Sprache des Überlebens und Masamvu malt mit roher, rhythmischer Energie das fragile Terrain Simbabwes. Diale und Kekana wiederum begreifen den Körper als Archiv, Goodman als Schlachtfeld, Mudge als glänzende Oberfläche voller Widersprüche. Gemeinsam ergibt sich ein Panorama, das Bewegung als Choreografie von Identitäten, Erinnerungen und Räumen erfahrbar macht. Oder wie Nupen selbst sagt: „Die Ausstellung fordert uns heraus, unsere Vorstellungen von Bewegung neu zu denken“. Und vielleicht auch, sie neu zu fühlen: Bewegung als Transformation, als vorsichtige oder kraftvolle Geste, als etwas, das immer da ist und selbst in der Stille geschieht.
Text: Hilka Dirks / Credit: Boemo Diale; Misheck Masamvu; Sam Nhlengethwa; Bode
Bode, Karl-Marx-Allee 82, 10243 Berlin–Friedrichshain; Stadtplan
Still Moving bis 19.10.2025. Die Eröffnung ist am 05.09.2025. Live-Musikperformance von Bastian Duncker (Saxophon), Sebastian Böhlen (Gitarre) und Sidney Werner (Bass).
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