Man würde meinen, in der Nähe der Torstraße gäbe es unendlich viele Orte fürs Zusammenkommen. In der Realität ertappe ich mich jedoch immer wieder, wie ich in den gleichen Lokalen lande – das gilt für den schnellen Kaffee am Morgen, die kurze Mittagspause, oder den Nachmittagsmoment zum Verweilen. Umso schöner, dass es plötzlich ein neues Café in meiner Nachbarschaft gibt, das meine Liste ergänzt: Nur wenige Gehminuten vom Rosa-Luxemburg-Platz entfernt, bespielt das Strom Café seit Ende Oktober 2025 den Innenhof der Backfabrik. Strom steht im wörtlichen wie im übertragenen Sinne für das Einströmen – von Freund:innen des Hauses, und die Bewegung und Energie vor Ort. Es versteht sich als Nachbarschaftscafé im Bistrostil, gleichzeitig als Hinterhof-Spot. In jedem Fall ist Strom ein Ort, bei dem Handwerk an vorderster Stelle steht: auf dem Teller, im Glas, bei der Gestaltung der Räume. Es erwartet Dich ein warmer Gastraum, für den Innenarchitektin Celeste Asfour Materialien gewählt hat, die über die Zeit ihre eigenen Geschichten erzählen werden: Handgeformte Terrakottafliesen, in denen kleine Unregelmäßigkeiten erkennbar bleiben. Tische aus recyceltem PVC. Das kleine Regal aus Holz und Spiegeln, das die Tische von der offenen Küche trennt. Sie reflektieren Celestes Aufmerksamkeit zum Detail und mit verspielten Objekten wird das Konzept aufgelockert, denn während des Prozesses hat das Team, gemeinsam mit Ida Ejsing, gemerkt: Es muss nicht immer alles so ernst sein. Die Details wie das pinke, runde Waschbecken im Bad, oder die tollen handgemachten Lampen aus Schweden und Italien, lassen mich den Raum jedes Mal neu entdecken.
Auch das Team trägt viel zu dieser Wärme und lockeren Atmosphäre bei: Elia Sylla ist gelernter Koch und Sommelier, leitet das Strom und entwickelt das Menü – zusammen mit Yelnur Vityk, Jernej Gaube und Luka Baronicevaite. Gemeinsam bilden sie ein Team, das das Café seit Tag eins prägt und gestaltet. Das Team repräsentiert auch die Vielfalt des Angebots: Kulinarisch bewegt sich Strom zwischen deutscher, skandinavischer und osteuropäischer Küche. Signatures wie Kartoffelsalat, Käsebemme und die Stromwaffel schmecken vertraut, gleichzeitig werden sie neu gedacht. Das Lunch Special wechselt täglich und das meiste wird in-house produziert, nur für das Sauerteigbrot haben sie sich mit Keit zusammengetan. Der Fokus liegt dabei nicht auf veganen Gerichten, jedoch gibt es immer leckere pflanzenbasierte Optionen auf dem Menü, wie z.B. der Kale-Kalamansi-Salat. In der kleinen Theke warten tagsüber hausgemachte Kuchen auf Dich, dazu gibt’s Kaffee mit Bohnen von Nano Kaffee. Drinks wie den Ruby Spritz und Arnold Palmer ergänzen das Getränkeangebot. Bald folgt auch eine Weinkarte mit Low Intervention Weinen, und ab Ende November 2025 öffnet Strom auch für gelegentliche Samstag-Specials. Und obwohl ich jetzt schon begeistert bin, kann ich es kaum abwarten, bis der Frühling kommt, denn dann wird der Innenhof bespielt und ganz bestimmt einer der neuen Hotspots. Die Fensterfronten werden weit geöffnet, die Bistro-Tische ausgepackt und ein Kaffee und Spritz nach dem anderen wird vom Tresen direkt nach draußen wandern. Wenn ich das Strom verlasse, bleibt ein Gefühl von Bewegung zurück – als hätte der Ort selbst mir ein wenig neue Energie mitgegeben. Es ist schön zu spüren, wie Wärme, Handwerk und Nachbarschaft hier zusammenströmen.
Text & Fotos: Robyn Steffen
Strom, Saarbrücker Str.36, 10405 Berlin–Prenzlauer Berg; Stadtplan
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