CAFÉ TIERGARTEN — EIN KLASSIKER IN NEUEM GLANZ UND MITTEN IM GRÜNEN

CAFÉ TIERGARTEN — EIN KLASSIKER IN NEUEM GLANZ UND MITTEN IM GRÜNEN

Hansaviertel, wir kommen. Denn hier ist Berlin irgendwie eigen – auf eine gute Art. Und seit das Café Tiergarten mit neuen Betreiber:innen zurück ist, lohnt sich ein Abstecher umso mehr! Zwischen Bäumen und dem dichten Grün des Tiergartens liegt das Schwedenhaus von Sten Samuelson und Fritz Jaenecke. Die markante blau-rot-weiße Wohnscheibe bildet mit dem gegenüberliegenden Wohnhaus von Oscar Niemeyer das architektonische Tor zum Viertel – entstanden 1957 im Rahmen der Internationalen Bauausstellung „Die Stadt von morgen“. Und genau hier, im Erdgeschoss des Schwedenhauses, hat seit 1957 das Café Tiergarten seinen Platz. Die Räume erzählen Berliner Geschichte: Ursprünglich von der Großbäckerei Wittler genutzt (in den 1920er-Jahren Europas größter Brotproduzent, später eng verflochten mit den NS-Machthabern, in den 1980ern schließlich geschlossen), wurde das Café Tiergarten danach jahrzehntelang als Kaffeehaus betrieben, bis es still wurde. 2024 hing ein „Zu vermieten“-Schild am Fenster. Hinter dem Neustart steht ein Team mit klarer Handschrift und Vision: der Künstler Simon Freund (zuletzt bei der Getränke-Brand Bouche tätig), Art-Direktorin Leonie Herweg (u.a. Betreiberin des Kunstraums Grotto), Gastronom Nicolas Mertens und Sophie Kretzschmar (Absolventin der Slow Food Universität im Piemont). Für sie war schnell klar: Dieser Ort soll wieder zum Leben erweckt werden – als offenes, modernes und internationales „Nachbarschafts-Wohnzimmer“.

Die Restaurierung war ein Balanceakt zwischen Denkmalschutz und Vision. Schritt für Schritt wurden die ursprünglichen Räumlichkeiten freigelegt und das originale Farbschema von 1957 mit Unterstützung einer Restauratorin in den lichtdurchfluteten Innenräumen rekonstruiert. Auch die Ausstattung folgt dem modern-internationalen Gedanken: Vintage-Tische von Alvar Aalto und Eiermann-Stühle, Porzellanleuchten von Ifö und Seidenlampen des New Yorker Designers Nick Poe. An den Wänden hängen künstlerische Positionen u.a. von Daniel Moldoveanu, Marcel Broodthaers, Thomas Schütte und Catharine MacTavish. Auf der großzügigen Sonnenterrasse mit Blick ins Grüne des Tiergartens genießt man einen Moment der Stille – mitten in der Stadt. Hier gibt es nicht nur hervorragenden Filterkaffee, Torten und Kuchen vom Blech, sondern auch frisch gebackene Focaccia (immer mittwochs), Brot, Oliven, Wein und Salbei-Croissants. Neben Lesungen und Weinverkostungen finden auch Yoga und Filterkaffe-Stunden statt, wie an diesem Samstag (30.09). Bis heute ist das Hansaviertel ein einzigartiges Ensemble und ein Ort voller internationaler Ideen für zeitgemäßes Wohnen – und voller Kontraste. Und schon jetzt ist das Café Tiergarten wieder das, was es sein soll: ein Ort der Begegnung, Ruhe, Kunst und Kultur. Schnörkellos und gut. Ein Stück Berliner Geschichte, das sich neu erzählt oder ein Stück Berliner Geschichte, das gerade erst wieder beginnt?

Text: Milena Kalojanov / Fotos: Robyn Steffen

Café Tiergarten, Altonaer Str.3, 10557 Berlin–Tiergarten; Stadtplan

@cafetiergarten

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