Einer der wenigen Busse bringt uns morgens früh nach Leuenberg, nordöstlich von Berlin. Während die Rücklichter des Busses immer kleiner werden, müssen wir uns, so plötzlich auf dem Land, erst mal sortieren. Zum Glück hat die leckere Landbäckerei Brot & Fein schon geöffnet. Eingereiht in die Warteschlange fühlen wir uns nicht mehr ganz so fremd. Ein Stück von dem frisch gebackenen Kuchen als Proviant eingepackt, und es kann losgehen. Wir wollen auf dem 66-Seen-Weg in Richtung Süden bis Strausberg wandern. Dafür folgen wir einfach der Markierung mit dem blauen Punkt – zweiundzwanzig Kilometer insgesamt. Direkt auf der anderen Straßenseite beginnt unser Weg, vorbei an den Schafen des Biobauern Behring. Zum Behringhof gehören auch große Streuobstwiesen mit unterschiedlichen alten Apfelsorten. Im Spätsommer gibt es hier Termine zum Selbstpflücken und Führungen zur nachhaltigen Landwirtschaft. Der Lange Haussee ist der erste von vielen Seen, die uns heute erwarten. Entstanden sind sie durch abfließendes Schmelzwasser in der Eiszeit, allesamt schmal und lang. Wir überqueren die Gleise der stillgelegten Wriezener Bahn und sehen durch die Bäume schon den Mittelsee glitzern. Auf einem kleinen Waldpfad laufen wir erhöht parallel zu seinem Ufer. Es ist ungewohnt hügelig hier und herrlich grün. Alte Eichen gemischt mit Buchen und Kiefern reichen bis ans Wasser heran. Nach diesem einsamen Stück kommen wir zum Campingplatz Waldkiez Tiefensee, der direkt am Gamensee liegt. Unser Weg führt quer über den Campingplatz mit offizieller Badestelle, Bootsverleih und Restaurant. Die Holzbank mit bestem Blick über den See ist noch frei, perfekt für unser erstes Picknick.
Weiter am Gamensee entlang, kurz über die Bundesstraße und wir wandern lange durch einen urwüchsigen Wald, umgestürzte Bäume werden extra liegen gelassen. Dazwischen mal ein Forst mit Kiefern, der Waldboden grün bedeckt mit Moos, zum Reinlegen schön. Berlin scheint unendlich weit weg. Neben einer sumpfigen Wiese sehen wir Bäume, die im Wasser stehen. Das Fredersdorfer Mühlenfließ hat hier sein Quellgebiet und begleitet von nun an unseren Weg. Es durchfließt den Paradiessee, Kesselsee, Fängersee und Bötzsee, also genau die Seen, an denen wir heute noch vorbeiwandern. Hinter dem malerischen Namen Paradiessee versteckt sich ein Paradies für Vögel und Fische. Der dunkle See, der wie der Kesselsee nebenan durch Torfstich entstanden ist, sieht mit seinen Bauminseln und abgestorbenen Bäumen ziemlich verwunschen aus. Am Fängersee entdecken wir die verlassene Wesendahler Mühle und erreichen schließlich die Spitzmühle und den wunderschönen Bötzsee. Nach achtzehn Kilometern Wanderweg, etwas müde und verschwitzt, freuen wir uns auf eine verdiente Badepause. Danach ist es zur Straussee-Fähre nicht mehr weit. Schon seit über 100 Jahren verbindet die Fähre über den Straussee die Waldseite „Jenseits des Sees“ mit Strausberg Stadt (Fährzeiten beachten). Ein paar Minuten weht uns ein erfrischender Wind ins Gesicht, dann ist die kurze Schiffsfahrt und gleichzeitig die schöne Sommerwanderung zu Ende. In Strausberg Stadt nehmen wir die S-Bahn zurück nach Berlin.
Text & Fotos: Daniela Bialk
Der Wanderführer „Von See zu See“ ist eine Einladung der Autorin Daniela Bialk, mal Pause vom Alltag zu machen und auf dem 66-Seen-Weg rund um Berlin wandern zu gehen. Das Buch bietet einen unerschöpflichen Fundus an Tagestouren, die alle bequem mit Bus & Bahn erreichbar sind. Erhältlich im lokalen Buchhandel oder online.