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MEHR ODER WENIGER GEKNICKTES BLECH: DIE STÄHLERNE STRENGE VON STAINLESS STUDIOS

MEHR ODER WENIGER GEKNICKTES BLECH: DIE STÄHLERNE STRENGE VON STAINLESS STUDIOS

Wie weit lässt sich Einfachheit im Produktdesign durchspielen? Ein Berliner Büro nimmt sich Stahlblech vor und startet einen Versuch. Wie könnten sie besser heißen als: Stainless Studios. Gegründet wurde Stainless Studios 2024 von Melissa und Nils, einem Geschwisterpaar, das seine geteilte Liebe für Minimalismus und Interior in Form bringen wollte. Ein bis vier Knicke stecken in ihren Designs, sonst nicht viel mehr als ein Schraubloch oder eine Schweißnaht. Mit Namen wie Kollwitz, Flora, Graefe und Bötzow geben die beiden Hommage an ihre Stadt, deren DNA sie sowieso in ihren Designs sehen. Bisher gibt es einen Nachttisch, ein Regal und Vasen, die Produktpalette wächst kontinuierlich. Alle Stücke entstehen in Deutschland, vom Entwurf bis zur Produktion. Die Geschwister arbeiten mit Handwerksbetrieben aus der Heimat rund um den Schwarzwald zusammen und setzen auf kurze Wege, faire Arbeitsbedingungen und einen möglichst geringen ökologischen Fußabdruck. Die Möbel werden mit einer Oberflächenveredelung versehen, die ihnen einen weicheren Look verleihen und die Objekte im Alltag besser altern lassen soll. Ob einem geknickten Edelstahlblech wirklich ein softerer Look verliehen werden kann, sei dahingestellt. Dahinstellen kann man aber auch ganz wunderbar die Möbel von Stainless Studios. Denn die passen durch ihre kühle Strenge in jeden Kontext. Eine Ode an den Stahl.

Text: Inga Krumme / Fotos: Mariana Cerrillo, Sigurd Grünberger

Stainless Studios

@stainlessstudiosberlin

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OPTIK FUJIYAMA: JAPANISCHE BRILLEN IN MOABIT

OPTIK FUJIYAMA: JAPANISCHE BRILLEN IN MOABIT

Wie ich gelernt habe, meine Kurzsichtigkeit zu lieben? Meine Brille ist für mich ein ästhetisches Statement, nicht bloß eine Sehhilfe. Wenn der Kauf einer neuen notwendig wird, steht entsprechend viel auf dem Spiel. Einer, der das besser versteht als die meisten, ist Yutaro Fujiyama – Optiker und Inhaber von Optik Fujiyama in Moabit. Der in Japan geborene Experte trägt selbst Brille und eröffnete sein Brillengeschäft im Oktober 2025, nachdem er in Düsseldorf seinen Optikermeister gemacht hatte. Sein kleines Geschäft ist dezent hochwertig eingerichtet – mit Teakholzschränken und klaren weißen Wänden. Aber was wirklich ins Auge fällt, sind die Fassungen. Die meisten stammen aus Japan, allerdings nicht, wie Yutaro betont, weil er selbst Japaner ist, sondern weil das Land einfach die besten Brillenfassungen herstellt. Yutaro zeigt Dir gern die besonderen Details: etwa die Modelle Titanika und Taylor with Respect, die aus einem einzigen Titanblech geschnitten sind. Oder die Matsuda-Fassungen, deren Bügel mit winzigen Verzierungen und Mikroperforationen versehen sind, was ihnen ein filigranes, präzises Aussehen verleiht. Viele dieser Brillen sind federleicht, aber es gibt auch einige Acetatmodelle für alle, die es auffälliger mögen.

Sobald Du Deine Wahl getroffen hast, testet Yutaro Deine Augen und hilft Dir dabei, Deine Zeiss-Gläser zu konfigurieren – mit jeder erdenklichen Beschichtung, Tönung, Stärke und Oberfläche. Für mich ist das der beste Teil: Fassungen und Tönungen so zu kombinieren, dass eine Brille entsteht, die den Leuten auffällt. Das ist mein Deal mit der Kurzsichtigkeit: Wenn ich dafür so eine prägnante Brille tragen kann, nehme ich schwache Augen gern in Kauf.

Text: Benji Haughton / Photos: Sophie Doering

Optik Fujiyama, Emdener Str.3, 10551 Berlin–Moabit; Stadtplan

@optik_fujiyama_berlin

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GLASPERLEN-CAPS, RAFFIA-KETTEN UND WOLLPATCHES ALS NOSTALGISCHEN SELBSTAUSDRUCK: ENTDECKE DAS ACCESSOIRE-LABEL KROON 02

GLASPERLEN-CAPS, RAFFIA-KETTEN UND WOLLPATCHES ALS NOSTALGISCHEN SELBSTAUSDRUCK: ENTDECKE DAS ACCESSOIRE-LABEL KROON 02

Wer die Streetstyles der letzten Fashion Week in Kopenhagen verfolgt hat, kam an einem besonderen Accessoire nicht vorbei: den „Bathing Caps“ des luxemburgischen Labels Kroon 02. Der funkelnde Kopfschmuck aus Glasperlen vereint für mich alles, was den aktuellen Zeitgeist der Mode ausmacht. Ihre Entwürfe laden dazu ein, sie spielerisch in jede Alltagssituation mit einzubinden und lassen Raum für die eigene Interpretation und Selbstausdruck. Und genau das zelebrieren Charlotte und Laurene Kroon mit der Marke: Die beiden Schwestern blicken nostalgisch auf kleine, persönliche Momente und bilden damit das Konzept für ihre Kollektionen. Charlotte ist die kreative Seele hinter Kroon 02: Mit Zwischenstationen bei Botter und Acne Studios, und ihrer Leidenschaft für Handwerk und Präzision, übersetzt sie ihre spielerische Neugierde in jedes einzelne Stück. Laurene sorgt dafür, dass das Label wächst und ist für den strategischen Teil verantwortlich. Aufgewachsen zwischen Wäldern, Feldern und Bergen in Luxemburg, spiegelt sich die Liebe zur Natur in jeder Entscheidung wider – mit hochwertigen Materialien, Zero-Waste-Prinzipien und engen Partnerschaften mit Werkstätten. Ihre Welt ist bunt, glitzert und fällt auf, ohne aufdringlich zu sein. Sie sind zeitlos in Fragen der Materialien und Farbgebung und setzen doch mit den Entwürfen Trends. Die Beaded Hoops, einer der Bestseller, verkörpern die Arbeitsweise des Labels: Die handbestickten Glasperlen-Ohrringe mit vergoldetem Messing sind in zwei Größen und zwölf Farben erhältlich und richten sich nicht an nur eine Generation: Durch das schlichte Design mit zahlreichen Add-on-Optionen lassen sie den nötigen Freiraum, um Deine ganz eigene Kreation daraus zu machen.

Persönlich trage ich die Beaded Hoops nur als Kombi: An jedem meiner sieben Ohrlöcher hängen sie – mal in grau, mal in gelb, immer einfarbig – dazu darf einer der Beaded Cuffs auf einer Seite nicht fehlen. Andere mögen die schlichte und klassische Variante und tragen sie als ein einzelnes Paar. Und bestimmt gibt es auch einige, die alle Farben kombinieren – die Möglichkeiten sind schier unendlich. Die Hoops kommen in kleinen Boxen, bedruckt mit einem Foto von Charlottes und Laurenes Mutter – eine Hommage an die eigene Kindheit. Im Frühling und Winter 2025 kollaborierte Kroon 02 mit Uniqlo und bewies einmal mehr, dass sie trotz großer Namen die Essenz ihres Labels nicht verlieren: Für die Kollektionen entwarf Charlotte Patches in ihren klassischen Techniken und schaffte durch Personalisierung Raum für spielerischen Ausdruck. Und vielleicht sind es nicht nur mehr schlichte Formen, oder gängige Materialien, die ein Stück zeitlos machen. Vielmehr sind es Entwürfe, die man selbst immer wieder neu denken und unkonventionell kombinieren kann – das lassen die Designs von Kroon 02 nicht nur zu, sondern sie laden offen dazu ein.  

Text & Fotos: Robyn Steffen

Kroon 02

@kroon02

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RAMEN AUS DEM ROTEN EIMER: DIE RAMEN KITS FÜR ZUHAUSE VON FOOD TECHNIQUE BERLIN

RAMEN AUS DEM ROTEN EIMER: DIE RAMEN KITS FÜR ZUHAUSE VON FOOD TECHNIQUE BERLIN

Wer sich in Berlin als Food-Connaisseur:in ausgibt, kennt die Ramen aus dem roten Eimer wahrscheinlich schon längst. Für alle anderen: Zeit, sie zu entdecken! Hinter dem einmaligen Konzept steckt Christopher Selig und sein unabhängiges, kulinarisches Projekt namens Food Technique Berlin, das während der Pandemie 2020 aus seiner Leidenschaft fürs Kochen entstand. Vor allem die Zubereitung von Ramen hat ihn damals gepackt – Fan der japanischen Nudelsuppenspezialität ist er schon seit seiner ersten Japan-Reise 2006. Seither setzt er sich mit traditionellen japanischen Kochtechniken auseinander. Das Resultat sind leichte, raffinierte Ramen mit zarter ausgewogener Brühe – ganz anders als die schweren Suppen, die man in Berlin oft serviert bekommt. Geschmackvolle Fleischbrühen und Dashi aus getrocknetem Fisch sowie Meeresfrüchten bilden die Basis der Ramen – dazu kommen seine frisch zubereiteten Nudeln und Toppings, bei denen er Wert auf hochwertige Zutaten legt. Christophers Konzept hat aufgrund seines einzigartigen Ansatzes große mediale Aufmerksamkeit erlangt. Das liegt vor allem an der herausragenden Qualität, vielleicht aber auch ein kleines bisschen an seinem besonderen Abhol-Konzept mit dem roten Eimer: Seine Ramen bietet er als Kits für Zuhause an – so zubereitet, dass Du eigentlich nur noch ein paar Töpfe und heißes Wasser benötigst (die Anleitungen dazu gibt’s online). Du kannst sie online vorbestellen und aus Christophers Küche in Friedrichshain oder aus seiner Wohnung in Mitte abholen. Wir empfehlen letzteres, denn genau hier kommt der rote Eimer zum Einsatz:

Aus dem zweiten Stock lässt Christopher Deine vorbestellten Ramen im Eimer herunter – so musst Du nicht durch seinen Hausflur laufen, der persönliche Kontakt bleibt aber dennoch bestehen, immer mit kleinem Schmunzeln im Gesicht. Inzwischen liefert Christopher seine Kits auch wöchentlich bundesweit aus. Wer die enge Verbindung als Gäst:in zu ihm und anderen Köch:innen erleben möchte, sollte eines seiner Pop-ups besuchen. Seit Jahren arbeitet Christopher immer wieder bei Veranstaltungen mit renommierten Ramen-Köch:innen aus Tokio und Michelin-Sterneköch:innen zusammen – viele seiner Berliner Pop-ups finden in der Chipperfield-Kantine in Mitte statt. Und auch für 2026 sind bereits mehrere neue Events geplant, darunter Pop-ups im Januar und Februar (die Daten werden auf Instagram veröffentlicht), gefolgt von einer weiteren Zusammenarbeit mit einer hochgelobten Ramen-Bar aus Japan Mitte März. Food Technique Berlin wächst, und wir warten sehnsüchtig auf die Eröffnung seines ersten eigenen Lokals – dafür sucht Christopher gerade noch nach den richtigen Räumen in Mitte oder Prenzlauer Berg. Falls Du über die Feiertage in der Stadt bleibst und Du zwischen Weihnachten und Neujahr etwas kulinarische Abwechslung benötigst, dann habe ich gute Nachrichten für Dich: Christopher bietet bis Weihnachten seinen regulären Verkauf an beiden Standorten an – mit zusätzlichen Specials für die Feiertage.

Text: Robyn Steffen / Fotos: Get Voila

Food Technique Berlin

Die Ramen für Weihnachten kannst Du am 22. & 23.12.2025 abholen, die für Silvester am 29. & 30.12. – Vorbestellung via Mail oder DM nötig.

@foodtechniqueberlin

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DER LÜCKELADEN: EINE ZEITKAPSEL FÜR SCHATZSUCHENDE

DER LÜCKELADEN: EINE ZEITKAPSEL FÜR SCHATZSUCHENDE

Die Gegend rund um den Nordbahnhof in Mitte war früher ein Zentrum der Berliner Kunstszene. Heute erinnert nur noch wenig daran. Der Lückeladen entlang der Bernauer Straße ist eines der letzten verbliebenen Geschäfte, das diese Zeit sichtbar macht – nicht nur als Fenster in Berlins Vergangenheit, sondern als Ort, an dem Du auch Deine eigenen Erinnerungen wiederfinden kannst. Der winzige Raum mit gerade einmal 14 Quadratmetern liegt direkt am Eingang des Nordbahnhofs und wurde 2014 zur Restaurierung freigegeben. Gestaltet wurde er von den lokalen Künstler:innen Norbert und Alexandra Stück, die in West-Berlin Bildende Kunst studiert haben. Seit den frühen 2000er-Jahren haben Norbert und Alexandra zahlreiche interdisziplinäre Experimentierräume und Ausstellungen im Auftrag renommierter Institutionen realisiert. Der Lückeladen ist gefüllt mit nostalgischen Fundstücken, die Norbert und Alexandra über viele Jahre hinweg mit großer Hingabe zusammengetragen haben. Der Raum ist zugleich kulturelle Ausstellung und Laden – mit zeitlosen Designobjekten aus unterschiedlichsten Teilen der Welt. Beim Eintreten fiel mir als Erstes der View-Master ins Auge: ein rotes Stereoskop, mit dem man durch das Einlegen einer Bildscheibe dreidimensionale Bilder betrachten kann. So etwas habe ich seit meiner Kindheit nicht mehr gesehen.

Als Zweites bemerkte ich den Plattenspieler. Norbert legte eine Platte auf und erklärte, dass diese rechteckig waren und mit verschiedenen künstlerischen Drucken versehen wurden, um zu verschleiern, dass es sich um Schallplatten handelte. Sie wurden innerhalb der Community heimlich weitergegeben, als bestimmte Pop-Künstler:innen in Deutschland verboten waren. Der Lückeladen ist nur eines von vielen Projekten. Norbert und Alexandra haben das, was für manche vielleicht weniger wert ist, in einen Schatz verwandelt. Jedes Objekt trägt eine ganze Lebensgeschichte in sich – von Musik über Schmuckstücke, Postkarten, Kunst, Süßigkeitenautomaten, alte Verpackungen, Spielzeug, Schreibwaren bis hin zu Briefmarken. Norbert kennt sie alle.

Text & Fotos: Ruby Watt

Lückeladen, Invalidenstr.20, 10115 Berlin–Mitte; Stadtplan

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