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DIE WÄNDE HOCHGEHEN: TRISHA BROWNS TANZ IN DER NEUEN NATIONALGALERIE

DIE WÄNDE HOCHGEHEN: TRISHA BROWNS TANZ IN DER NEUEN NATIONALGALERIE

Sieben Tänzerinnen und Tänzer, eingespannt in Seile und Körpergurte, schreiten aufrecht eine Museumswand entlang, als wäre die Schwerkraft reine Verhandlungssache. Als Trisha Brown „Walking on the Wall“ 1971 im Whitney Museum uraufführte, drehte sie mit einer denkbar schlichten Geste die Gesetze des Tanzes um neunzig Grad: Was im klassischen Ballett als virtuose Überwindung der Vertikalen gefeiert wird, verlegte sie in die Horizontale. Sie zeigte, dass das Gehen als banalstes aller Bewegungsmuster weder Spitzentanz noch Sprünge braucht, um der Erdanziehung zu trotzen. 

Bewegung verstand die Choreografin, die mit über hundert Arbeiten zu einer der kreativsten Figuren des postmodernen Tanzes wurde, stets als Forschung: Wo hört Alltag auf, wo beginnt Performance? Bis heute zählt „Walking on the Wall“ zu den Schlüsselwerken, wenn es um die Beantwortung dieser Frage geht. Anlässlich des 250. Jahrestags der amerikanischen Unabhängigkeit und in enger Zusammenarbeit mit der Trisha Brown Dance Company findet die Arbeit nun, neun Jahre nach Browns Tod, an der Glasfassade der Neuen Nationalgalerie einen neuen Ausgangspunkt.

Zum Auftakt der Berlin Art Week zeigt das Museum vom 09. bis 13. September 2026 die fünfte Ausgabe seines Festivals „Perform!„, kuratiert von Klaus Biesenbach, Lisa Botti und Gregor Quack. Täglich um 17 Uhr wird „Walking on the Wall“ auf der Terrasse gezeigt, am Sonntag zusätzlich um 14 und 18:30 Uhr. Daneben präsentiert die in Berlin lebende Kianí Del Valle mit ihrer KDV Performance Group die ortsspezifische Arbeit „Instrucciones para existir“ als Hommage an Trisha Brown und Replik auf den ikonischen Bau von Mies van der Rohe. 

Am Festival-Sonntag (13.09.) sind Miriam Kongstad, Deva Schubert und Josh Johnson mit von der Partie und füllen das Programm mit eigenen Stücken. Der Eintritt zu den Performances ist frei, eine Anmeldung meist nicht nötig – bei Platzmangel zählt schlicht, wer zuerst da ist. Und auch, wenn man auf der Terrasse festen Boden unter den Füßen hat, fühlt es sich beim Zuschauen zumindest mental für einen Moment vollkommen losgelöst an.

Text: Laura Storfner / Foto: Ivan Erofeev, Credits: Instrucciones Para Existir (Instructions for Existing), KDV Performance Group, 2026, Direction, Concept & Choreography : Kianí Del Valle, Original Sound Score: Devonté Hynes; Miriam Kongstad, Hard Play, 2026, Foto: Andrej Lamut

Neue Nationalgalerie, Potsdamer Str.50, 10785 Berlin–Tiergarten; Stadtplan

Perform! 09.–13.09.2026
Walking on the Wall täglich 17h (So zusätzlich 14h & 18h30)

@neuenationalgalerie

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BERLINS VERLORENE VISIONEN — SECHS S-BAHN-TOUREN ZEIGEN PROJEKTE, DIE NIE WAHR WURDEN

BERLINS VERLORENE VISIONEN — SECHS S-BAHN-TOUREN ZEIGEN PROJEKTE, DIE NIE WAHR WURDEN

Olympia 2000? Eine Universität für Meditation? Neben all den Bauprojekten, die diese Stadt neu geformt haben, ist Berlin auch die Heimat unzähliger unrealisierter Entwicklungen – von tragisch gescheiterten Träumen bis zu Vorhaben, bei denen man sich fragt: „Was haben die sich bloß dabei gedacht?“

Zu Ehren dieser 27 verlorenen Zukunftsvisionen hat der japanische Künstler Akira Takayama ein Programm aus sechs Führungen entlang der Ringbahn entwickelt, die von den wegweisenden Projekten erzählen, die nie über den Schreibtisch der Architekt:innen hinauskamen. What if Berlin heißt die Reihe, die bis zum 20.09.2026 läuft und von den Berliner Festspielen anlässlich des 75-jährigen Bestehens der Institution ausgerichtet wird. 

Die Touren schöpfen sowohl aus dem hauseigenen Archiv der Festspiele als auch aus jenen von Architekt:innen und Kulturinstitutionen und sind entlang von Themen wie den aufgegebenen sozialistischen Projekten Ost-Berlins und den Kulturprojekten organisiert, die einst die Wunden der Stadt heilen sollten. Jede der geführten Touren nimmt mit auf eine S-Bahn-Fahrt entlang einer Handvoll der 27 Stationen, aus denen sich die Ringbahn zusammensetzt, mit Start- und Endpunkten in Gesundbrunnen, Hohenzollerndamm und Sonnenallee. Nach dem Ausflug entlang des Rings kann man für bis zu drei der 27 Visionen abstimmen und so helfen, das Interesse an ihnen neu zu entfachen. Wird es „Radio Glasnost“, das „Haus der jungen Talente“ oder das „Denkmal für Freiheit und Einheit“? Die Entscheidung liegt bei dir, der S41 und der S42.

Text: Benji Haughton / Fotos: Camille Blake, Agit Trains S-Wedding

What if Berlin bis 20.09.2026. Tickets findest Du auf der Website.

@berlinerfestspiele

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ADRENALIN FÜR ALLE: EIN WOCHENENDE VOLLER GEBOTE IM AUKTIONSHAUS AM GRUNEWALD

ADRENALIN FÜR ALLE: EIN WOCHENENDE VOLLER GEBOTE IM AUKTIONSHAUS AM GRUNEWALD

Wer bei Auktionen sofort an Sotheby’s, elitäre Kreise und fünfstellige Rekordsummen denkt, war noch nicht im Auktionshaus am Grunewald. Vom 18. bis 20. September 2026 verwandelt sich das Haus wieder in einen Ort, an dem Kunstgeschichte kein Vermögen kosten muss und Auktionen Spaß machen. Mitsteigern kann hier jede und jeder – schon mit ein paar hundert Euro bist Du dabei. Am Freitag (18.09. ab 18 Uhr) startet die Versteigerung mit rund 230 Losen, bevor am Samstag und Sonntag jeweils ab 12 Uhr mittags Hunderte weitere Werke unter den Hammer kommen. 

Das Ausstellungsplakat „Still Life with Book“ von David Hockney geht mit einer Schätzung zwischen 100 und 200 Euro an den Start. Wer nach etwas Ausgefallenerem Ausschau hält, bietet auf eine Textilarbeit von Rosemarie Trockel: Das Seidentuch „Ohne Titel“, im Originalumschlag, liegt aktuell bei 220 Euro und macht sich perfekt um den Hals – oder als Wandornament. Von Yoko Ono werden mehrere Pins aufgerufen, die man mit Trockels Tuch kombiniert an die Jacke steckt oder als Miniskulpturen arrangiert (Schätzpreis 200-300 Euro). An Entdeckungen unter 500 Euro mangelt es nicht: etwa ein Schwarzweißdruck von Félix González-Torres mit einem Startpreis von 200 Euro und ein signierter Druck von Andreas Gursky, der aktuell bei 360 Euro liegt. Oder vielleicht doch ein Wandobjekt aus Holz von Imi Knoebel im selben Preissegment? 

Der unbezahlbare Adrenalinschub kommt dann beim Bieten selbst: der Moment, in dem Du die Hand hebst, das kurze Zögern, ob Dir jemand das Werk vor der Nase wegschnappt – und schließlich das Glücksgefühl, wenn Du ein echtes Kunstwerk mit nach Hause nehmen kannst. Genau deshalb ist eine Auktion wohl eine der unterschätztesten Wochenendaktivitäten Berlins: spannender als Kino, günstiger als gedacht. Am besten schaust Du Dir die Werke vorher live an und notierst schon mal die Losnummern. Die öffentliche Vorbesichtigung läuft bereits ab morgen (11.09.) – und das Team rund um Lena Winter und Sebastian Greber verrät noch mehr über die geheimen Favoriten.

Text: Laura Storfner / Fotos: Alexander Anufriev

Auktionshaus am Grunewald, Lise-Meitner-Str.7-9, 10589 Berlin-Charlottenburg; Stadtplan

Alle Termine zur Vorbesichtigung und Auktion findest Du hier

@aagrunewald

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20 JAHRE RADIALSYSTEM — EIN WOCHENENDE FÜR ALLE(S)

20 JAHRE RADIALSYSTEM — EIN WOCHENENDE FÜR ALLE(S)

Wer sich in diesem September zwischen Berlin Art Week, Street Festivals und Saisonwechsel-Trubel noch ein Wochenende freihält, um auf einen Geburtstag zu gehen, wird beim Open House des Radialsystems erfreut feststellen, dass dort ein geballtes Kulturprogramm an ein und demselben Ort stattfindet.

Ganze 20 Jahre nach seiner Eröffnung feiert das Radialsystem seinen Geburtstag mit einem langen Wochenende für alle. Dem Anlass gebührend gibt es Konzerte, Workshops, Lesungen, Tanz und Musik. Am Freitag (11.09.2026) beginnt das Programm bereits am Nachmittag und bietet Workshops, Lesungen und Screenings. Den Auftakt macht das große Konzert des mehrfach ausgezeichneten Andromeda Mega Express Orchestras.

Am Samstag (12.09.) geht’s bereits um 11 Uhr mit Renae Shadlers „Schrumpf! Greyline“ auf der Wiese und Terrasse los. Die Performance verbindet Tanz mit großen, vom Wind bewegten Skulpturen und ist besonders für Kinder und Familien gedacht. Das Radialsystem öffnet gleichzeitig seine Türen für ein Open House mit Picknick an der Spree, Workshops und musikalischen Interventionen. Wer selbst aktiv werden möchte, kann um 12 Uhr beim Tanz- und Malworkshop für Kinder und Familien von Sasha Waltz & Guests mitmachen. Um 13:30 Uhr folgt mit „Whats That Noise?“ eine Listening Party von Sandhya Daemgen. Ab 14 Uhr wird das Radialsystem im Rahmen von Unexpected Lessons 4: Decolonizing the Body in Dance zum Ort für verschiedene Perspektiven auf Körper, Tanz und Wissen. Im Kubus, mit Blick auf die Spree, lädt La Palabre Space bis 21 Uhr zum Verweilen, Lesen, Tee trinken und Austausch ein.

Von 16 bis 18 Uhr folgen im Saal zwei Lecture-Performances: In „Amazonia 20240“ beschäftigt sich Martha Hincapié Charry mit dem Körper als öko-feministischem Territorium. „The Cosmic Body“ von Dr. Rajyashree Ramesh betrachtet den Körper als Teil kosmischer Ordnungen und setzt sich mit indischen performativen Traditionen auseinander. Ebenfalls im Zuge der Unexpected Lessons folgt die Performance „On Unarriving“ von Sage Ni’Ja Whitson. Mit dem In C-Workshop von Sasha Waltz & Guests wird es am Nachmittag nochmal tanzpraktisch: Ab 13 Jahren können Teilnehmende das Bewegungsmaterial von Terry Riley’s „In C“ kennenlernen und ausprobieren, was hinter dem Konzept der getanzten Demokratie steckt. Am Abend folgt in der Halle die In C – special Performance von Sasha Waltz & Guests, in der Terry Rileys „In C“ auf die musikalischen Interpretationen von Acid Pauli, Rodney Barreto, Regis Molina, Daniel Allen Oberto und Karl Ivar Refseth trifft. 

Wer nicht genug davon bekommt, Tanz einfach auf sich wirken zu lassen, kann auf dem Deck bei „Temporary Title, 2026 – In the Middle, Somewhat Rehearsed“ von Xavier Le Roy vorbeischauen. In dem öffentlich zugänglichen Probenprozess arbeiten vierzehn Performer:innen mit Sound, Bewegung und Skulpturen und gewähren Dir Einblicke in die Entstehung ihrer neuen Arbeit. Und weil zum 20. Geburtstag niemand um 22 Uhr ins Bett geht, wird auf der After Party ab 23 Uhr mit Acid Pauli und Shirin weitergefeiert. Wir gratulieren zum 20–jährigen Bestehen einer unabdingbaren Berliner Kulturinstitution und wünschen Dir viel Spaß!

Text: Jessica Röhr / Fotos: Giulia Bruno, Yanina Isla, Grafik: Studio Landenberger Lee

Radialsystem, Holzmarktstr.33, 10243 Berlin–Friedrichshain; Stadtplan

20 Jahre: Radialsystem für Alle 09.–12.09.2026. Das komplette Programm findest Du hier.

@radialsystem_berlin

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WIE KLINGT ZEIT? RYUICHI SAKAMOTO IM HAMBURGER BAHNHOF

WIE KLINGT ZEIT? RYUICHI SAKAMOTO IM HAMBURGER BAHNHOF

Was hat Musik in einem Kunstmuseum zu suchen? Das ist eine der Fragen mit denen Co-Kuratorin Sachiko Namba die Ausstellung „Ryuichi Sakamoto | seeing sound, hearing time“ einleitet. Es ist die erste große Retrospektive des japanischen Künstlers und Komponisten in Europa. Heute Abend eröffnet sie in den Rieckhallen des Hamburger Bahnhof.

Zwischen Umweltschutz und Aktivismus, Film, Performance, elektronischer Musik und Pop – es ist schwierig, den Finger genau darauf zu legen, was Sakamoto ausmachte. Ende der 70er wurde er als Mitbegründer des Yellow Magic Orchestra in Tokio international bekannt. Die Gruppe verband elektronische Musik, Synthesizer-Technologien und digitale Produktionsweisen, lange bevor „Ambient“ und „Techno“ gängige Begriffe wurden. Ab Mitte der 2000er begann er damit, Musik im Raum zu installieren. Musik sei eine Kunstform, die nur in der Zeit existiert, sagte Sakamoto. Die Arbeit mit Klang als räumliche und visuelle Kunstform rückte zunehmend ins Zentrum seines Schaffens. Er entwickelte dreidimensionale Klangräume und arbeitete dabei eng mit Künstler:innen und Filmemacher:innen zusammen. 

Seine Installationen beschäftigen sich mit Wahrnehmung, Zeit, Natur, Technologie und Vergänglichkeit. Zusammenarbeit war dabei ein grundlegendes Prinzip seiner Kunst. Allen Kollaborateur:innen voran steht wahrscheinlich alva noto, oder Carsten Nicolai, mit dem er etwa die Filmmusik für „The Revenant“ (2015), einige Alben co-produzierte und mit dem ihn eine enge Freundschaft verband. Ein Raum wurde von ihm jetzt, dreieinhalb Jahre nach Sakamotos Tod, in der Ausstellung gestaltet: zwei Filmprojekte unterlegt von Tracks aus Sakamotos letztem Album „12“ werden dort gezeigt. Fünf große schwarz-tapezierte Installationsräume wurden insgesamt für die Schau geschaffen, allesamt geprägt von den unverkennbaren Texturen, Kratzern und Klängen des Meisters.

Man könnte Tage in dieser Ausstellung verbringen und jegliches Gefühl von Zeit vergessen, oder vielleicht vielmehr alle Zustände der Zeit durchleben und sich darin verlieren. Wie verändert Musik unsere Wahrnehmung von Zeit? Wie schafft sie Räume, in denen verschiedene Zeitebenen gleichzeitig stattfinden können? Wo kommen darin Umwelt und Kunst zusammen? Und welche Verantwortung tragen wir? Große Fragen, denen sich Sakamoto stellt, und wir uns spätestens beim Betreten der Ausstellung. Aber man solle es einfach halten zwischen all den Fragen, endet Sachiko Namba ihre Einführung. Ihr Rat: „Just enjoy the show“.

Text: Inga Krumme / Credits: Ryuichi Sakamoto „seeing sound, hearing time“, Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart, abgebildete Werke: async-immersion, 2023, TIME, TIME, 2024, Ryuichi Sakamoto + Shiro Takatani & IS YOUR TIME, 2017/24, Ryuichi Sakamoto mit Shiro Takatani © The Estate of Ryuichi Sakamoto / KAB Inc.

Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart, Invalidenstr.50, 10557  Berlin–Mitte; Stadtplan

Ryuichi Sakamoto „seeing sound, hearing time“ 11.09.2026 – 20.06.2027

@hamburger_bahnhof

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