Für Kaffee und Kuchen am Nachmittag ist das Eis-Café Surprise in Weißensee der perfekte Ort für mich. Ich staune immer wieder aufs Neue über die ungebrochene großmütterliche und warmherzige Aufmerksamkeit, mit der Michaela Greupner und ihre Servierer:innen dieses Café führen.
Michaela Greupner begann in den 1990er Jahren als Kellnerin und übernahm ein Jahrzehnt später als neue Inhaberin. Sie kennt daher sämtliche treuen Besucher:innen, die seit jeher vorbeikommen — und dann auch plötzlich nicht mehr. Schließlich findet auch in Weißensee ein Wandel statt. Das Café wirkt dabei als wichtiger Anker. An der Türschwelle ergreift mich sofort die Atmosphäre eines besonderen Ortes. Holzvertäfelter Tresen, roter Stoff auf Sitzbänken und Stühlen, Tischtücher mit Blumenmuster, echte Schnittblumen und obligatorische Zuckerstreuer, die sich zu einem eigenen Stillleben fügen. In mir tun sich nostalgische Gefühle auf. Orchideen auf der Fensterbank, wie bei meiner Oma, runden die Gemütlichkeit ab.
Die Kuchen- und Tortenvitrine ist mit Selbstgebackenem üppig bestückt. Mohnkuchen und Heidelbeersahnetorte. Schwarzwälder Kirsch oder Wiener Apfel. Schokokranz wie auch Eierschecke. Mir fällt die Entscheidung immer wieder aufs Neue schwer. Einfacher wird es mit Blick in die Karte nicht. Eine Vielfalt so prall wie die gefüllten Windbeutel, so bunt wie der Eisbecher Tropicana. Es finden sich die Klassiker Banana Split und Spaghetti-Eis, Heiße Feige oder Feuerkirsche. Ich bestelle zu meinem klassischen Filterkaffee einen Pfirsich Melba und beobachte, wie dieser, trotz voll besetzter Innen- und Außenplätze, präzise und mit Hingabe aufgetürmt wird. Vanilleeis, Pfirsich, Sahne, Sirup, Krokant, Waffel. Genauso hingebungsvoll mache ich mich darüber her.
Eis in Waffel und Becher gibt es selbstverständlich auch. Dieses ist genauso aus eigener Herstellung: Softeis, Milch-Sahneeis und Sorbets. Zu den Klassikern gesellte sich kürzlich Erdbeer Matcha. Bei aller Beständigkeit hat Michaela den Zahn der Zeit klar im Blick.
Ich sitze und beobachte das rege Treiben in der Kaffeestube. Verweile. Beobachte. Stammgäst:innen werden umarmt, es wird nach der Familie gefragt. So viel Zeit darf sein. Eilig hat man es hier als Gäst:in ohnehin nicht. Bestellt wird in mehreren Gängen. Die Auswahl ist schließlich so groß wie die Versuchung selbst, der man sich gewissenlos hingibt. Auch unter der Woche ist dies der perfekte Ort für eine Tasse Café Crema. Und Streuselkuchen. Oder lieber Palatschinken? Warum entscheiden? Für mich gibt es an diesem sonnigen Nachmittag zur Abkühlung noch einen Zitroneneis-Soda. Und Schwarzwälder Kirschtorte.
Text & Fotos: Valerij Stefanischin
Valerij Stefanischin ist Architekt und studiert seit 2026 Fotojournalismus an der Ostkreuzschule für Fotografie in Weißensee. Geboren in Kasachstan und in Schwarzwaldnähe aufgewachsen, führte ihn 2018 sein erster Job nach Berlin. Seitdem erkundet er seine neue Heimat am liebsten zu Fuß – immer auf der Suche nach authentischen Orten.
Eis-Café Surprise, Langhansstr.136, 13086 Berlin–Weißensee; Stadtplan
@eiscafe_surprise


