LIEBE AUF DEM BANANENBLATT SERVIERT: SO SCHÖN SIND DIE DINNER BEIM SUPPERCLUB DAUNDAUN

LIEBE AUF DEM BANANENBLATT SERVIERT: SO SCHÖN SIND DIE DINNER BEIM SUPPERCLUB DAUNDAUN

„Es fühlt sich an wie ein Geburtstag, auf dem man niemanden außer der Gastgeberin kennt“, sage ich zu der Frau neben mir. Wir sitzen in einem Wohnzimmer im Prenzlauer Berg und wurden uns eben erst vorgestellt. Sie lacht und stimmt mir zu. Das Wohnzimmer gehört Zaki, Hanno und Tochter Suraya, der Familie hinter Daundaun. Sie laden an diesem verregneten Samstag zum Abendessen ein. Seit 2019 veranstaltet die Familie Pop-ups im eigenen Zuhause, um Gäst:innen malaysisches Essen näherzubringen. Außer mir sitzen und stehen noch etwa 20 weitere Personen in der großen Wohnung, deren Herzstück mit Sicherheit die Edelstahlküche ist, in der Zaki emsig kleine Teigtaschen faltet. Nur, um sie wenig später auf den mit Bananenblättern (daun-daun bedeutet übrigens Blatt) eingedeckten Esstisch zu platzieren. Tembosa heißen die Teigtaschen, gefüllt mit Kartoffeln, Koriander, frischen Chilis und Erbsen – ein bisschen wie Samosa, sagt Zaki, aber eben aus Johor, dem südlichsten Zipfel Malaysias. Daneben liegen kleine Päckchen: Pulut Panggang, klebriger Reis mit Kokosflocken und Chili, in Bananenblätter gewickelt und gegrillt. Ein veganer Snack aus Brunei, und mein Highlight des Abends. Zum Hauptgang landen Schalen und Schüsseln auf dem Tisch, alle duften um die Wette:

für Ayam Percik wird Hähnchen in Kurkuma mariniert und über offener Flamme mit würziger Kokos-Zitronengras-Sauce bestrichen. Dazu reichen Zaki und Hanno Garnelen in Sambal, Acar Rampai Pulang Hari (malaysische Mixed Pickles) und Sojasprossensalat. Und es gibt Reis, Baby: Nasi Lemak ist Malay für Kokosreis und der perfekte Konterpart zu den würzigen Gerichten. Der visuelle Star des Abends ist aber Nasi Ulam Bunga Telang: Eingefärbt mit Schmetterlingserbsenblüten und gewürzt mit Thai Basilikum, Koriander und anderen Kräutern ist der schlumpfblaue Reis ein Fest für alle Sinne. Zaki erklärt jedes Gericht, was sie auf den Tisch stellt, mit Hintergrundgeschichte, Zutaten und vor allem mit richtig viel Liebe. Dazwischen stellt sie alle Beteiligten vor. Wer mitgeknetet, gekocht, gebraten hat, wer zum ersten, und wer schon zum 20. Mal zu Gast ist. Ihr geht es um Community und Familie, und das merkt man die ganze Zeit. Es wird viel gelacht, und beim Vorbereiten des Desserts tratschen Suraya und eine Freundin über die letzte Folge Love Island. Man fühlt sich ungezwungen und wohl. Teil der Community ist auch Hubert von der Neuköllner Weinbar The Rad, der das Dinner mit Naturweinen begleitet. Zum Abschluss wird das Dessert im Schlafzimmer serviert: Onde-Onde – kleine grüne Reisbällchen, gefüllt mit geschmolzenem Palmzucker, zwei Sorten Agar-Agar Santan und Kuih Bakar Ubi, einen Kuchen aus Cassava, den ich so schnell nicht vergessen werde. Am Ende des Abends habe ich Buchempfehlungen mit meiner Sitznachbarin ausgetauscht, mehrere neue Leute kennengelernt und werde mit Umarmung verabschiedet. So süß kann Gast-Sein schmecken.

Text: Inga Krumme / Fotos: Laura Hanowski

Daundaun, Kollwitzstr., Berlin–Prenzlauer Berg

@daundaun.berlin

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