Wer bei levantinischer Küche nur an Hummus und Falafel denkt, ist im Saint Farah an der falschen Adresse – oder vielleicht genau an der richtigen. Denn was Chefkoch Nadav Kundel hier auf die Teller bringt, ist einzigartig und zeigt, wie Mezze aufregend neu gedacht werden können. Seit Oktober 2025 werden im Saint Farah am Weinbergspark kleine Gerichte als Sharing Plates serviert. Nadav und sein Cousin Gil Azrielant bereichern den Kiez seither mit einem modernen Bistro-Konzept, das die Küche der Mittelmeer-Küste ehrt – und gleichzeitig die Kochkunst ihrer gemeinsamen Großmutter Farah. Geboren 1934 in Bagdad, arbeitete Farah als Schneiderin, bevor sie mit sechzehn Jahren an Tel Avivs Küste zog. Heute wird sie vor allem für ihr großzügiges Herz, ihre Gastfreundschaft und ihre Leidenschaft für gutes Essen geschätzt – von ihren fünf Kindern, dreizehn Enkeln und zehn Urenkeln, aber auch von vielen, die ihr im Leben über den Weg gelaufen sind. Für Nadav ist Saint Farah das erste eigene Restaurant in Berlin. Sein Anspruch: die Essenz eines modernen mediterranen Bistros mit seinem eigenen, kulinarischen Stil zu vereinen, der von seinen Reisen durch die ganze Welt geprägt wurde. Über zwanzig Jahre Wissen, technische Fertigkeit und Leidenschaft bringt er mit. Wer jetzt denkt, es gäbe schon genug Sharing Plates-Konzepte in Berlin und „die üblichen Mezze“ sollte sich hier vom Gegenteil überzeugen lassen. An meinem Abend bei Saint Farah war jeder Teller ausnahmslos aufregend – durch bekannte Aromen, die hier neu gedacht werden, oder eben ganz neue Aromen, die in bekannter Manier serviert werden.
Knuspriger Blumenkohl mit schwarzem Linsenpüree, Merguez-Ragout mit gerösteten Zwiebeln und Topinambur-Püree (lecker!), oder Beef Tartare mit eingelegten Senfkörnern, frischem Meerrettich, Schnittlauch und Sabayon aus Mark, serviert auf frisch gebackenem Fladenbrot. Gegrillte Mangoldblätter, gefüllt mit Lamm mit Rote-Bete-Ketchup als Dip, sind eine Hommage an die Großmutter – und schon jetzt das Highlight bei den Gäst:innen. Auch die Miesmuscheln in Butter, Speck, Chili-Crisp und Reiswein sind ein „Signature Dish“; auch wenn Nadav selbst nie solche für das Bistro bewusst definieren wollte. Stattdessen legt er viel mehr Wert auf die experimentelle Freiheit bei der Karte: Gerichte werden ausgetauscht, umgewandelt, neu kombiniert. Wer sich nicht entscheiden kann, fragt am besten nach dem „Trust the Saints“-Menü: Das Team wählt die Gerichte, bestimmt das Tempo und sorgt dafür, dass Du einen ausgelassenen Abend verbringst. Das machst Du am besten am Küchentresen, falls Du nur mit einer Begleitperson kommst: Dann werden nämlich vor Deinen Augen die Mezze vorbereitet, Du kannst Nadav und seinem Team beim Interagieren zuhören (was ich persönlich immer spannend finde), und Dir wird jeder Teller ausführlich erklärt. In großer Gruppe bieten sich die hölzernen Tische mit gemütlichen Stühlen mitten im Raum an. Mit den Weinreben, die die großen Glasfronten des Eckladens hinaufklettern und Dich von den lauten Straßen trennen, wird eine einladende Atmosphäre geschaffen. Die Getränkekarte listet hausgemachte Signature-Cocktails und Mocktails mit eigenen Sirups, Infusionen und mediterran inspirierten Gewürzen. Die Weine werden teils direkt aus dem Fass serviert. Hm, what else is left to say? Am besten testest Du es gleich selbst aus, bevor es bis in alle Ewigkeit ausgebucht ist…
Text: Robyn Steffen / Fotos: Elisabeth Rogov, Steffen Sinzinger
Saint Farah, Weinbergsweg 8a, 10119 Berlin–Mitte; Stadtplan
@saintfarah.berlin


