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IM CHOR MIT KUNSTSINNIGEN: HOLLY HERNDON & MAT DRYHURST LADEN MIT „STARMIRROR“ EIN FÜR DIE KI ZU SINGEN

IM CHOR MIT KUNSTSINNIGEN: HOLLY HERNDON & MAT DRYHURST LADEN MIT „STARMIRROR“ EIN FÜR DIE KI ZU SINGEN

Willst Du Deine Stimme hergeben – für die KI? Sie freiwillig trainieren mit Deinem ganz eigenen Timbre? Wenn ja, dann am besten ganz vorne Platz nehmen bei der Chorpobe im KW im Rahmen des Stücks „Starmirror“ von Holly Herndon & Mat Dryfus. Früh zu kommen ist empfohlen, denn die sonntäglichen Performances im Rahmen der aktuellen Ausstellung im KW Institute for Contemporary Art in der Auguststraße sind sehr populär. Kein Wunder, ist das Erlebnis, Teil einer Performance zu sein, doch sehr besonders. Aber nicht nur deswegen, auch das Thema zieht: Künstliche Intelligenz ist in aller Munde; nirgends kann man sich der Diskussion entziehen und mit Deinen Eingaben trainierst Du die Algorithmen jeden Tag. Aber hast Du schon öffentlich gesungen? Überhaupt: Wann hast Du das letzte Mal gesungen? Im KW kannst Du Dich nun ein bisschen wie im Lateinunterricht fühlen (den ich nie hatte), wie im Chor (zuletzt in der Schule) und natürlich ein bisschen wie im Theater (nur bist Du Teil der Aufführung).

Die Künstler:innen Holly Herndon & Mat Dryfus arbeiten schon lange an der Schnittstelle von Kunst, Musik, maschinellem Lernen und experimentellen Organisationsformen. Ihre Arbeiten setzen Mensch und Maschine in Verbindung. Und referenzieren Hildegard von Bingen – eine der frühesten Vertreter:innen der deutschen Mystik des Mittelalters, deren Werke von Themenfeldern wie Astrologie über Ethik bis zu Medizin reichen. Also, Du könntest Dich einmal mehr mit KI beschäftigen oder einfach einlassen auf ein Klangerlebnis und Kunstevent, das sicherlich unvergesslich bleiben wird. Als gesangliche Unterstützung ist übrigens jeden Sonntag ein anderer Berliner Chor vor Ort. Ich kann sagen, dass mit das Summen und Singen lateinischer Verse in trauter Einheit mit fremden Kunst-Freund:innen in Erinnerung bleiben wird und mich für einen Moment aus dem Hier und Jetzt getragen – und mich mit Fragen an meine Vorstellungen von Moral, Zukunft und Gemeinschaft zurückgelassen hat. Ich könnte mir kein besseres Programm für einen winterlichen Sonntagnachmittag vorstellen.

Text: Nina Trippel / Fotos: Frank Sperling / Credit: KW, Herndon, Dryhurst, Starmirror, Public Diffusion Waterfall; Starmirror Training Performance, Starmirror Ensemble unterstützt vom Kammerchor der Humboldt-Universität zu Berlin, Oktober 2025, Teil der Ausstellung Holly Herndon & Mat Dryhurst – Starmirror in den KW Institute for Contemporary Art, Berlin 2025

KW Institute for Contemporary Art, Auguststr.69, 10117 Berlin–Mitte; Stadtplan

Starmirror von Holly Herndon & Mat Dryfus bis 18.01.2026. Alle Chorproben findest Du hier.

@kwinstitutefcontemporaryart

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UNTERREDUNG MIT GE(I)STERN — DIE NEUE AUSSTELLUNG IM EIERHÄUSCHEN

UNTERREDUNG MIT GE(I)STERN — DIE NEUE AUSSTELLUNG IM EIERHÄUSCHEN

„It’s very difficult to keep the line between the past and the present. Do you know what I mean?“* heißt die textile Serie von Josefine Reisch und wirkt wie ein leiser Riss im Raum. Wer dieser Tage ins Eierhäuschen in Treptow kommt, taucht in die Vergangenheit ein. „Im Gespräch mit Geistern“ heißt die Schau im Spreepark Art Space (23.11.2025 bis 22.02.2026) – im Schatten des Kulturparks Plänterwald, jenes einzigen Vergnügungsparks der DDR, der später zum berühmten Lost Place wurde. Seine Geister erwachen im historischen Eierhäuschen, das schon viele Leben gelebt hat: als früheres Ausflugslokal aus dem 19. Jahrhundert, zwischen Requisiten von DDR-Fernsehproduktionen, die in den 1960ern im Haus lagerten, im Café der Jugend, das 1973 während der Weltfestspiele entstand. Nicht zuletzt auch in Form eines alten Radioformats wie „Sieben bis Zehn: Sonntagmorgen in Spreeathen“, das einst mehrfach live aus dem Eierhäuschen gesendet wurde. Die Künstler:innen – darunter Maithu Bùi, Franziska Pierwoss, Josefine Reisch und Gabriele Stötzer – verweben persönliche und kollektive Erzählungen über den Spreepark und die Lebensrealität in der DDR, in denen sich Vergangenes nicht abschließt, sondern weiterwandert und seine Gestalt verändert.

Ihre Geister treten selten laut auf, aber sie unterhalten sich. Maithu Bùis Installation „Mathuật – MMRBX“ greift die vietnamesische Tradition des Wasserpuppentheaters auf, in der Geschichten, Ahnen und Schmerz im kollektiven Gedächtnis weitergetragen werden, sich in Orten und Materialien festsetzen. Josefine Reisch interpretiert Erinnerungstücher, wie sie in der DDR verbreitet waren: fragile Stoffe, die heute mehr über Brüche erzählen als über Festlichkeiten. Jackie Grassmann und Ernst Markus Stein wiederum widmen sich dem Ei, einem Symbol, das gleichzeitig universell, politisch und intim ist. Eine begleitende Radioreihe knüpft an jene Sonntagmorgen-Sendungen an, die einst aus dem Eierhäuschen herausgingen. Franziska Pierwoss bringt historische Parolen zum Leuchten und öffnet sie zugleich für neue Überlagerungen. Und dann ist da Annemirl Bauer, eine der kompromisslosesten Stimmen gegen das repressive Kunstsystem der DDR. Die Ausstellung entfaltet ihre Geschichten nicht als Rückblick, sondern in Gesprächen – und in einem vielfältigen Programm, darunter ein Workshop zum biografischen Schreiben, Musik, Performances und ein Filmabend mit Werken aus Vietnam. Und: Das alles ist kostenlos zugänglich. Hin und wieder, wenn man durch die Fenster des Eierhäuschens in den heutigen Spreepark blickt, scheint die Linie zwischen damals und heute so dünn, dass ein paar Geister mühelos hindurchschlüpfen können.

Text: Emma Zylla / Credit: Josefine Reisch / Stills: Gabriele Stoetzer

*Es ist sehr schwer, die Linie zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu halten. Weißt du, was ich meine?

Spreepark Art Space, Kiehnwerderallee 2, 12437 Berlin–Plänterwald; Stadtplan 

Im Gespräch mit Geistern, 23.11.2025–22.02.2026. Opening 23.11.2025 11–18h u.a. mit Lesungen von Josefine Reisch und Gabriele Stötzer.

@spreeparkartspace

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TATORT MITTELMEER: EINE SZENISCHE LESUNG GEGEN DAS SCHWEIGEN

TATORT MITTELMEER: EINE SZENISCHE LESUNG GEGEN DAS SCHWEIGEN

Zehn Jahre SOS Humanity – zehn Jahre Rettung und Recherche. „Tatort Mittelmeer“ kehrt zum Jubiläum zurück nach Berlin, an den Ort, an dem die Initiative einst entstand. Für eine Nacht blickt das Deutsche Theater an einen Ort, den Europa sonst gern anders sieht: das Mittelmeer. SOS Humanity ist eine zivile Seenotrettungsorganisation, die seit 2015 Menschen vor dem Ertrinken im Mittelmeer schützt, Menschenrechtsverletzungen dokumentiert und politischen Druck für sichere Fluchtwege schafft. Seit Beginn ihrer Einsätze konnten sie mehr als 41.000 Menschen aus Seenot in Sicherheit bringen. Am Sonntag (23.11.2025) lesen TV-Ermittler:innen und Personen aus Film und Fernsehen – darunter Meret Becker, Ulrike Folkerts, Nina Kunzendorf, Heike Makatsch und Bjarne Mädel – Berichte von Geretteten, Retter:innen und Zeug:innen. Texte, die von Menschenrechtsverletzungen erzählen, von Völkerrechtsbruch, von der humanitären Katastrophe, die seit Jahrzehnten anhält. Künstler Aeham Ahmad, der 2015 als „Pianist aus den Trümmern“ weltweit bekannt wurde, setzt den Klangrahmen. Alle Einnahmen des Abends fließen in den Kauf und Umbau des zweiten Rettungsschiffes – der Humanity 2.

Text: Leo Sandmann / Fotos: Lorenzo Benelli, Pascal Buenning, Katarina Ivanisevic

Deutsches Theater, Schumannstr.13A, 10117 Berlin–Mitte; Stadtplan
Tatort Mittelmeer 23.11.2025

@deutschestheaterberlin

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BILDER EINER FLUCHT — „DER TRECK (1945)“ IM DOKUMENTATIONSZENTRUM FLUCHT, VERTREIBUNG, VERSÖHNUNG

BILDER EINER FLUCHT — „DER TRECK (1945)“ IM DOKUMENTATIONSZENTRUM FLUCHT, VERTREIBUNG, VERSÖHNUNG

Achtzig Jahre sind vergangen, seit das nationalsozialistische Deutschland kapitulierte – und seit Millionen Deutsche in den letzten Kriegsmonaten aus den Ostgebieten fliehen mussten. Die verzweifelten und entbehrungsreichen Trecks Richtung Westen wurden nur selten dokumentiert; meist existieren lediglich offizielle Aufnahmen der Wehrmacht. Nun präsentiert eine Ausstellung erstmals eine umfassende Sammlung professioneller Fotografien einer solchen Flucht. „Der Treck – Fotografien einer Flucht 1945“ im Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung zeigt 140 Aufnahmen, die die Fotograf:innen Hanns Tschira und Martha Maria Schmackeit im Frühjahr 1945 innerhalb von fünf Wochen machten. Mit ihren Leica-Kameras begleiteten sie rund 350 deutsche Zivilist:innen auf ihrem Weg aus Lübchen (heute Lubów) in Niederschlesien, während die vorrückende Rote Armee die deutschen Linien durchbrach. Diese bislang kaum bekannten historischen Fotografien werden durch aktuelle Arbeiten des Ostkreuz-Fotografen Thomas Meyer ergänzt. Meyer folgt der damaligen Fluchtroute und kehrt auch nach Lubów zurück, wo er heutige Bewohner:innen porträtiert – Menschen, die nach 1945 selbst im Zuge der neuen Grenzziehungen umgesiedelt wurden. Im Zusammenspiel mit den Aufnahmen von 1945 zeigen Meyers Porträts, wie die Erfahrungen von Flucht und Vertreibung über Generationen hinweg nachwirken.

Text: Benji Haughton / Fotos: Thomas Bruns, Hanns Tschira

Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung, Stresemannstr.90, 10963 Berlin–Kreuzberg; Stadtplan

Der Treck – Fotografien einer Flucht 1945 bis 18.01.2026, Eintritt ist frei.

@flucht_vertreibung_versoehnung

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WENN DIE KOMPAGNIE IM ORCHESTERGRABEN TANZT: DAS STAATSBALLETT ZEIGT „WUNDERKAMMER“

WENN DIE KOMPAGNIE IM ORCHESTERGRABEN TANZT: DAS STAATSBALLETT ZEIGT „WUNDERKAMMER“

Sie überwinden Gräben – im wahrsten Sinne – und kommen Dir am Orchestergraben ganz nahe: die Tänzer:innen des Staatsballetts im Stück „Wunderkammer„. Ende Oktober 2025 war die Premiere des spanischen Choreographs Marcos Morau und Du kannst das Stück Ende November 2025 sehen und dann wieder im April 2026. Eine Wunderkammer wird oft als Kuriositätenkabinett gesehen, in jedem Fall ist es Sammlung voller Objekte unterschiedlichster Herkunft – ein Ort, der zusammenbringt, was vielleicht nie zueinander gehört hat und dennoch in Beziehung gesetzt werden kann. Vor allem aber ist eine Wunderkammer als Ort des Staunens, einer, an dem der Blick schweift und sich immer wieder Neues erschließt. Genau dieses Gefühl erzeugt „Wunderkammer“, das gleichnamige Stück das zurzeit vom Staatsballett Berlin gezeigt wird. Ein einsam taumelnder Akkordeonspieler mit abstrahierten Wasserwellen und einem Kostüm mit Anklängen an die 1920er Jahre eröffnet das Stück. Doch Wunderkammer blickt nicht nostalgisch zurück, sondern nimmt – ganz im Sinne des Titels – mit auf eine eklektische, retrofuturistische Reise. Das Akkordeon bleibt nicht lange allein: Die Kompanie umkreist den Spieler, während abstrahierte Harmonikas als szenische Elemente Rauch verströmen und die Bühne des Schillertheaters in eine mystische Szenerie tauchen.

Es wird nicht nur getanzt, sondern auch gesungen – und so zeigt sich das Stück als musikalisch vielfältig. Die Kompositionen von Clara Aguilar und Ben Meerweein schaffen eine Klangwelt, die sich ständig neu zusammensetzt: von Akkordeonsound über elektronische Beats bis hin zu Orgelklängen, ist die Stimmung theatral, sakral, operesk – immer wieder mit neuen Wendungen. Das Bühnenbild von Max Glaenzel arbeitet mit wenigen, aber wirkungsvollen zentralen Elementen und schafft damit Räume, die sich zwischen Theaterfoyer, Tanzstudio und Kunstinstallation bewegen. Die Kompanie – eigentlich müsste hier jede einzelne Person erwähnt werden, aber das sprengt den Rahmen dieses Textes, trägt das Publikum 70 Minuten lang mit enormer Energie und Präzision. Mit dabei auch Leroy Mokgatle – gerade als beste:r Darsteller:in Tanz beim diesjährigen Deutschen Theaterpreis „Der Faust“ (für die Rolle des Puk in Sommernachtstraum) ausgezeichnet. Und wenn Du aus der Wunderkammer ins Licht des Foyers trittst, taumelst Du zurück in die reale Welt mit Klängen und Bildern im Kopf, die nachhallen. 

Text: Nina Trippel / Fotos: Marcos Morau

Komische Oper Berlin, Bismarckstr.110, 10625 Berlin–Charlottenburg; Stadtplan
Wunderkammer

@staatsballettberlin

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