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AUFBRUCH, TRADITION UND INTERDISZIPLINARITÄT — MENSCH MUSIK #6 VOM RUNDFUNK-SINFONIEORCHESTER BERLIN

AUFBRUCH, TRADITION UND INTERDISZIPLINARITÄT — MENSCH MUSIK #6 VOM RUNDFUNK-SINFONIEORCHESTER BERLIN

Fragen nach Heimat, Herkunft, Identität sind die verbindenden Elemente der Komponist:innen und Performenden im Haus des Rundfunks im Rahmen der Reihe „Mensch, Musik!„. Unter dem Titel „Heimkehr in die Fremde“ begibt sich die Dirigentin Ruth Reinhardt auf die musikalische Suche nach Antworten in den Stücken von Felix Mendelssohn Bartholdy, Bohuslav Martinů, Ursula Mamlok, George Walker und Dai Fujikura. Gegenüber gestellt werden diese den elektronischen und außergewöhnlichen Klängen des Briten Richard Scott. Doch nicht nur programmatisch schlägt der Abend Bögen – an Transkulturalität reiht sich Interdisziplinarität: Das verstörende Arrangement Aribert Reimanns der Mendelssohn-Heine-Vertonung wird von Oberarzt und Countertenor Philipp Mathmann vorgetragen, das titelgebende Stück Mendelssohns wird vom kolumbianischen Tänzer und Choreografen Gustavo Llano interpretiert — autobiografische Momente sind hier kein Zufall. Schließlich ergänzt noch Schauspielerin und Sprecherin Inka Löwendorf gesprochene Texte zum Thema Heimkehr und Fremde. So entsteht ein mehrperspektivischer, diverser Abend vor starkem Konzept. Und welches Ensemble wäre dafür besser geeignet als das traditionsreiche Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, das in den denkmalgeschützten, architektonisch einzigartigen Hallen des Haus des Rundfunks auf eine hundertjährige Tradition zurückblicken kann? Aufbruch trifft Geschichte, Bewegung auf Fundament und die Zuschauenden auf einen fantastischen Abend. Mensch, Musik!

Text: Hilka Dirks / Credit: Tauchgold, Jessica Schaefer & Peter Meisel

Haus des Rundfunks, Masurenallee 8–14, 14057 Berlin–Charlottenburg; Stadtplan

Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin – Mensch Musik! #6 Heimkehr in die Fremde, Fr. 03.02.2023. Tickets gibt’s hier.

@rsb_orchester

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DAS ENDE DER UNENDLICHKEIT — JANÁČEKS „DIE SACHE MAKROPULOS“ IN DER STAATSOPER

DAS ENDE DER UNENDLICHKEIT — JANÁČEKS „DIE SACHE MAKROPULOS“ IN DER STAATSOPER

Ein Prototyp der Femme fatale, die emotional verarmte, zwischen Rastlosigkeit und ihren Sehnsüchten zerrissene Operndiva Emilia Marty ist auf der Suche nach einem merkwürdigen Trank, der ihr ewiges Leben verspricht und dessen Rezept sich irgendwo zwischen den Dokumenten eines absurd komplexen, seit hundert Jahren andauernden Erbschaftsstreits befindet. Die inhaltliche Zusammenfassung Leoš Janáčeks Oper „Die Sache Makropulos“ liest sich so wild und emphatisch wie die für ihn charakteristischen Klänge seiner Musik. Inszeniert von Claus Guth und unter der musikalischen Leitung von Finnegan Downie Dear werden die Zuschauenden in der Staatsoper Unter den Linden förmlich eingesogen, so dicht sind die Melodien, Handlungsstränge und tiefgreifenden Fragen der Metaoper über Sinn und Unsinn von ewigem Leben.

Unterstützt wird die suggestive Kraft und der phantastisch-leichtfüßige Eindruck durch Etienne Pluss’ Bühnenbild und die Choreographien der Tänzer:innen: Der Querschnitt eines Wes-Anderson-Assoziationen erweckenden Ameisenhaufens, in welchem die Protagonist:innen durch Hotelflure, Theatergänge oder zwischen den Regalen einer Kanzlei herumirren, geplagt von den großen Fragen des Lebens: nach Sinn, Tod und Endlichkeit, Liebe, ihre Abwesenheit und den vielen sich bedingenden Verknüpfungen dazwischen. Der Dvořák Freund Janáček, der lange in Österreich und Deutschland arbeitete und die Sprache fließend beherrschte, bevorzugte in panslawistischer Tradition zeitlebens stets das Tschechische. Und so ist auch seine vorletzte Oper auf Tschechisch (mit englischen und deutschen Übertiteln): komponiert im Einklang mit der einzigartigen Harmonie der Sprache.

Text: Hilka Dirks / Fotos: Monika Rittershaus & Marcus Ebener

Staatsoper Unter den Linden, Unter den Linden 7, 10117 Berlin–Mitte; Stadtplan

Die Sache Makropulos 21.01.–02.02.2023. Tickets kannst Du hier buchen. Mit dem Code „Hallo2023“ sparst Du 20 Prozent beim Ticketkauf (maximal vier Karten pro Buchung im Rahmen eines begrenzten Kontingents. Einfach am Ende des Buchungsvorgangs im Webshop eingeben.)

@staatsoperberlin

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DER KLANG DER FREIHEIT — RADIOLAND IN DER NEUKÖLLNER OPER

DER KLANG DER FREIHEIT — RADIOLAND IN DER NEUKÖLLNER OPER

Es war einmal eine Zeit, in der das Private politisch wurde und die Jugend sich gegen die Elterngeneration auflehnte. Eine Zeit, in der Rockmusik so revolutionär war, dass man ihretwegen eigene Staaten gründete: Wir befinden uns in Großbritannien Ende der 1960er-Jahre. Die BBC verweigert sich dem Pop. Doch die Jugend will sich ihren wilden musikalischen Aufbruch nicht nehmen lassen. Die Lösung? Unabhängige Piratensender auf hoher See. Und so errichtet auch Familie Bates auf einer verlassenen Flakplattform im internationalen Gewässer ihre eigene Radiostation. Als die etablierten Radiosender endlich auf den Zug aufspringen und die neue Musik spielen, kommt Vater Roy Bates auf eine Idee: Was ist schon die Freiheit der Musik gegen die Freiheit eines eigenen Staates? Und so gründet er kurzerhand Sealand. Eine Utopie, ein Ideal, eine Idee der Freiheit, deren Staatsbürger:innenschaft bis heute im Internet für jede und jeden gegen wenig Geld erwerbbar ist. Mit ihrer neuen Inszenierung „Radioland — Die meist wahre, aber immer unglaubliche Geschichte vom Fürstentum Sealand“ gelingt der Neuköllner Oper erneut ein einprägsames, unterhaltsames und tiefgründiges Stück über jüngere (Pop)Musikgeschichte. Voll Tragik und Komik erzählt es von Radiopiraterie und Freiheit und davon, wie Visionen Realität werden. Und so verlässt man den Abend nicht nur mit der einmaligen Erfahrung Zeug:in einer Staatsgründung gewesen zu sein, sondern auch mit dem köstlichen Klang in den Ohren, der entsteht, wenn Utopien Realität werden.

Text: Hilka Dirks / Fotos: Thomas Koy für Neuköllner Oper

Neuköllner Oper, Karl-Marx-Str.131–133, 12043 Berlin–Neukölln; Stadtplan

Radioland Premiere 26.01.2023, reguläre Spielzeiten 27.01.–26.02.2023.

@neukoellneroper

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KURATIERTES KINO ZU HAUSE UND AUF DER LEINWAND — MUBI GO

KURATIERTES KINO ZU HAUSE UND AUF DER LEINWAND — MUBI GO

Mit Mitte zwanzig entdeckte ich den Film. Natürlich ging ich auch vorher ab und zu ins Kino oder sah gemeinsam mit Freund:innen was man gerade so sehen konnte, doch hatte ich eigentlich keine Ahnung. Bis ich begann, an einer Kunsthochschule zu studieren und mir eine Tutorin im ersten Semester Mubi empfahl. Ein globaler Streaming-Dienst für kuratierte Filme. Seit 2007 existiert die Plattform, die nicht nur jeden Tag einen neuen Film bereitstellt, sondern mittlerweile auch Features vertreibt und produziert. Ich meldete mich an und entdeckte eine vollkommen neue Welt, nein, Tausende neue Welten. Ich entdeckte Regisseur:innen und Genres, Autor:innen, Schauspieler:innen und Geschichten: Kurze, lange, narrative, abstrakte, dokumentarische und begann zu verstehen, was Film, was Kino, was Cinema wirklich sein kann. Wie groß und wichtig und magisch. Und auch wenn man sich mit Mubi fremde Bilder, Geschichten und Universen aufs heimische Sofa holen kann, wird doch das echte Kinoerlebnis nicht vernachlässigt: In Kollaboration mit den Yorck Kinos erhältst Du im Moment zusätzlich zur Streaming-Mitgliedschaft noch eine Freikarte pro Woche fürs Kino (exklusiv in Berlin): Via Mubi Go gibt es so jede Woche Zugang zu einem neuen, aktuellen, von der Mubi Redaktion kuratierten Kinoerlebnis, wie beispielsweise Charlotte Wells Drama „Aftersun“ (noch bis heute Abend) oder der Thriller „The Pale Blue Eye“ von Scott Cooper (ab 23.12.2022). Am einfachsten buchbar via App und die Mubi Mitgliedschaft am schönsten als Weihnachtsgeschenk. „We just have two hours to change people’s life“ sagte einst der US-amerikanische Filmemacher John Cassavetes: aber ab jetzt jede Woche.

Text: Hilka Dirks / Fotos: Savannah van der Niet & Daniel Horn für Yorck

Das aktuelle Mubi-Programm kannst Du hier einsehen und mehr über Mubi Go erfährst Du hier.

@mubideutschland

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HINTER DER MASKE — TANZ, AUSSTELLUNG UND PERFORMANCES BEI VINYAGO IM HUMBOLDT FORUM

HINTER DER MASKE — TANZ, AUSSTELLUNG UND PERFORMANCES BEI VINYAGO IM HUMBOLDT FORUM

Es geht um Identität, Annäherung, Diebstahl, Verlust und Vergänglichkeit: „Vinyago – Tanz und Ausstellung jenseits kolonialer Biografien“ im Humboldt Forum verbindet verschiedene Kunstrichtungen zu einer raumgreifenden Installation. Es ist das Ergebnis der Auseinandersetzung 19 tansanischer Künstler:innen mit der Sammlung des Ethnologischen Museums und der Präsentation des Hauses. Im Fokus: ostafrikanische Masken – wie der Titel auch schon verrät, denn auf Suaheli bedeutet „Vinyago“ Masken. Die historischen Varianten werden durch kontemporäre Masken aus Tansania ergänzt – aufgrund der deutschen kolonialen Vergangenheit stammen die meisten Artefakte der Sammlung aus dem heutigen Tansania – und in der Performance eins mit den Tänzer:innen. Installation und Performance fungieren hier als Brennglas: Sie zeigen und reflektieren den Widerspruch, in welchem sich ethnologische Museen bis heute befinden. Die Performances, in denen Tänzer:innen und Musiker:innen mit den Exponaten agieren, finden an den Wochenenden statt, im Anschluss gibt es Künstler:innen-Gespräche. Doch auch die Ausstellung hinterfragt konstant und konsistent die Präsentationsformen, Deutungshoheiten und Zugänglichkeiten.

Text: Alina Herbel / Fotos: Nicholas Calvin Mwakatobe & Stefanie Loos

Humboldt Forum, Schloßplatz 1, 10178 Berlin–Mitte; Stadtplan

Vinyago Ausstellung bis 08.01.2023 & Performances bis 18.12.2022

@humboldtforum

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