Früher wurde hier in den riesigen Sudpfannen Bier gebraut, heute sind es Ideen und Kunstwerke, die die Hallen der ehemaligen Brauerei in Neukölln füllen: Seit der behutsamen Sanierung 2016 hat sich das Kindl als Zentrum für zeitgenössische Kunst zu einer festen Größe in der Berliner Kulturlandschaft entwickelt – und das nicht nur wegen des 20 Meter hohen Kesselhauses. Hier realisierte die britische Künstlerin Cornelia Parker mit „Stolen Thunder (A Storm Gathering)“ eine immersive Installation, die noch bis zum 24.05.2026 zu erleben ist. Klang, Licht und Schatten erzeugen ein fiktives, körperlich erfahrbares Ereignis, das an expressionistischen Film erinnert und zugleich Klimakatastrophen und politische Instabilität reflektiert. Minimalistisch in der Geste und groß in der Wirkung sind auch die Arbeiten von Phoebe Collings-James. Noch bis zum 15. Februar ist im Maschinenhaus M1 die erste institutionelle Einzelausstellung der britisch-jamaikanischen Künstler:in in Deutschland zu sehen. Keramikskulpturen und eine neu geschaffene Soundarbeit verbinden persönliches und kollektives Erleben und machen die Auseinandersetzung mit Körper, Begehren und antikolonialen Praktiken räumlich erfahrbar. Im M1 VideoSpace präsentiert Cihad Caner hybride, animierte Monster, inspiriert von historischen und popkulturellen Figuren. Der 1990 in Istanbul geborene Künstler lässt sie singen und sprechen, und erkundigt sich damit abstrakt und doch direkt, wie wir es heute mit Integration und Gastfreundschaft halten. Mit der designierten Intendantin des Maxim-Gorki-Theaters Çaǧla Ilk spricht Cihad Caner am 4. Februar über die Motive der Ausstellung.
Das Zusammenleben in Metropolen beschäftigt auch Erik Schmidt, dessen Retrospektive „The Rise and Fall of Erik Schmidt“ bis zum 01.02.2026 im Maschinenhaus M2 zu sehen ist: Er entwirft mit einem narrativen Parcours aus Malerei, Zeichnung und Video ein vielschichtiges Selbstporträt, das queere Identität und Gemeinschaftsgefühl in sich trägt. Am 29.01. gibt der Künstler im Gespräch mit Krist Gruijthuijsen, dem neuen Direktor des Espoo Museum of Modern Art, weitere Einblicke in seinen Werdegang. All diese Schauen zeigen, was das Kindl im Kern ist: kein stiller Schaukasten, sondern ein vibrierendes Kaleidoskop. Ein Ort des Austauschs, der auf das Publikum und mit ihm reagiert. Das Kindl beweist so seit zehn Jahren als Institution, dass Kunst reflexiv, gesprächig und manchmal unbequem sein kann – es ist ein Haus, das verführt, vernetzt und zur Diskussion anregt. Das beeindruckende Gebäude, in dem der industrielle Atem der Vergangenheit noch spürbar ist, hat sich als lebendiger Diskursraum neu erfunden. Unter der Leitung von Kathrin Becker wird Kunst nicht nur gezeigt, sondern verhandelt: als Ausdruck von Empfindung, Machtverhältnissen und Ungewissheit in unserer globalisierten Welt.
Text: Laura Storfner / Fotos: Fabian Brennecke, Jens Ziehe, Marco Funke
Kindl – Zentrum für zeitgenössische Kunst, Am Sudhaus 3, 12053 Berlin–Neukölln; Stadtplan
Cornelia Parker: Stolen Thunder (A Storm Gathering) bis 24.05.2026
Phoebe Collings-James: The subtle rules the dense bis 15.02.2026
Landing / Bodies – Vortrag von Kathryn Yusoff (Professorin für Inhuman Geography, Queen Mary University of London), gefolgt von einem Gespräch mit Maïa Beyrouti (Künstlerin, Materialforschung, Berlin) und Kathryn Yusoff im Rahmen der Ausstellung Phoebe Collings-James. 21.01.2026 19h, in englischer Sprache.
Cihad Caner, Demonst(e)rating the Untamable Monster bis 15.02.2026
Çaǧla Ilk (Designierte Intendantin des Maxim-Gorki-Theaters, Berlin) im Gespräch mit Cihad Caner im Rahmen der Ausstellung Cihad Caner. Demonst(e)rating the Untamable Monster. 04.02.2026 19h, in englischer Sprache.
The Rise and Fall of Erik Schmidt bis 01.02.2026
Krist Gruijthuijsen (Direktor EMMA | Espoo Museum of Modern Art, Finnland) im Gespräch mit Erik Schmidt im Rahmen der Ausstellung The Rise and Fall of Erik Schmidt. 29.01.2026 19h, in englischer Sprache.
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