„You can say it, I don’t mind“, kommentiert der Präsident der USA die Frage einer Journalistin an den neuen New Yorker Bürgermeister, ob dieser Trump für einen Faschisten hält. Fast schon stolz scheint er auf das eigene Image zu sein. Weltweit ist eine Bewegung hin zur dunklen Seite der Macht zu beobachten; Faschismus wird mehr und mehr salonfähig. Trotzdem scheut man sich, über diesen Wandel zu reden. Ob nun Coping-Mechanismus oder Scheuklappen vor dem Unvermeidbaren – klar ist: Wir müssen uns mit dem Thema auseinandersetzen, um ihm uns entgegenzusetzen. Die Ausstellung „Global Fascisms“ im Haus der Kulturen der Welt macht einen Aufschlag. Aber wie visualisiert man Faschismus? Worin werden die Spuren von Machtstrukturen sichtbar? Wie viel Ästhetik liegt darin? Seit Anfang September 2025 zeigt die Gruppenausstellung diese Fragen auf und versammelt künstlerische Positionen, die den steigenden Autoritarismen unserer Zeit nachspüren: den Körpern, die sie formen, den Technologien, die sie antreiben, und den psychologischen Landschaften, die sie hinterlassen. Die Schau zeigt Werke von insgesamt 50 internationalen Künstler:innen, die sich mit dem wachsenden Einfluss faschistischer Denkweisen auseinandersetzen. Zeitgenössische Malerei, Film, Performance, Diskurs und digitale Kunst stehen neben historischen Arbeiten, die erschreckend ähnlich sind. Dabei immer wieder Thema: Die verführerische Ästhetik faschistischer Systeme und die Analyse der dahinterliegenden Logiken. Und die technischen und technologischen Fortschritte: Welche Rolle spielt etwa künstliche Intelligenz und das damit einhergehende (gerade ästhetische) Schubladendenken im Vormarsch des Faschismus?
Künstler Josh Kline zeigt, wie KI, Automatisierung und politischer Rechtsruck Arbeitswelten aushöhlen und Menschen ersetzbar machen. Jane Alexanders Skulpturen (Council with emblem) oszillieren zwischen Vertrautem und Bedrohlichem; sie suggerieren Autorität ohne klare Botschaft und fordern uns heraus, unsere Vorurteile zu hinterfragen. Eli Cortiñas seziert die Bildpolitik der Überwachungsgesellschaft und entwirft ein Gegenbild hybrider, widerständiger Körper. Hou Chun-Ming verwebt Queerness, Mythologie und politische Geschichte zu einem vielschichtigen Kommentar über Lust, Autorität und Repression. Anna Maria Maiolino zeigt, wie Migration, Militärdiktatur und Zensur künstlerische Sprache formen können, ohne an Klarheit oder Kraft zu verlieren. Und Fuyuhiko Tanaka macht mit „Japan Erection“ einen zotig-humorvollen wie schmerzhaften Kommentar zu Zerstörungswut und -potenzial patriarchaler Machtstrukturen. Zu sehen ist „Global Fascisms“ noch bis zum 07. Dezember 2025 – am letzten Ausstellungswochenende ist der Eintritt umsonst. Eine Einladung, nicht wegzusehen.
Text: Inga Krumme / Credits: Gülsün Karamustafa, Soldier (1976), Courtesy Gülsün Karamustafa, BüroSarıgedik.Salt Research und Gülsün Karamustafa Archive; Jane Alexander, Council with emblem (2025), Monitor (2023), Representative in law enforcement jacket, (2006,14), Bird in Step Out tunic (2024), Beast (2003), Emblem (2025), Courtesy Jane Alexander; Ausstellungsansicht Global Fascisms, Haus der Kulturen der Welt (HKW), 2025, Foto: Hanna Wiedemann/HKW
Haus der Kulturen der Welt (HKW), John-Foster-Dulles-Allee 10, 10557 Berlin–Tiergarten; Stadtplan
Global Fascisms 13.09.–07.12.2025. Das komplette Programm zur Ausstellung findest Du hier.
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