Wie klingt das Morgen? Und schreibt man darüber? Die 38. Jüdischen Kulturtage im November geben eine lesbare, fühlbare und tanzbare Antwort – in einem bunten Mosaik jüdischer Gegenwart, in Melodien und Begegnungen. Schon im Juli beginnt dieser Dialog mit einer Kostprobe. „Atid“ (hebräisch für Zukunft) ist das Motto des diesjährigen Festivals. Es ist die Aufforderung zur Hoffnung und zur Zusammenkunft, die die Jüdischen Kulturtage mit Musik, Humor und Erzählkraft antreibt. Die kulinarische Vision dieser Zukunft lässt sich bereits im Juli kosten – beim größten Koscheren Streetfood-Markt Europas, kostenfrei zugänglich im Hof der Neuen Synagoge. 40 Food-Stände und Trucks sind dabei, auf die Hand gibt’s Sabich, Falafel, frisch gepressten Granatapfelsaft und mehr. Für Unterhaltung für die ganze Familie ist auch gesorgt mit einem Programm das von Jazz bis zur Zaubershow und Hüpfburg reicht. Im November zeigt das Festival mit einem vielschichtigen Programm, was jüdische Kultur alles sein kann: zärtlich und laut, rhythmisch, politisch, überraschend. Das wird in über 40 Veranstaltungen wie Lesungen, Screenings, Konzerten und Workshops erfahrbar. Den Auftakt macht das Symphonie Orchester Berlin unter der Leitung von Igor Budinstein.
Entlang zeitgenössischer Klangwelten erzählt es jüdische Geschichte, gedenkt und erinnert an die Opfer von Terrorismus und Verfolgung – mit Filmmusik aus „Yentl“, „Das Leben ist schön“, „Anatevka“, live untermalt von Choreografien von Evgeny Kozlov. Zwischen Groove und Poesie lässt sich das verorten, was Jazz-Bassist und Komponist Avishai Cohen bei den Kulturtagen auf die Bühne bringt: mit seiner Band zeigt er neue und bekannte Kompositionen aus 30 Jahren musikalischer Laufbahn. Es folgt Literarisches: Der niederländische Autor Leon De Winter liest aus seinem neuesten Roman „Stadt der Hunde“ – einer besonderen Geschichte über Liebe, Verlust und Hoffnung im Nahen Osten. Außerdem: Das Yamma Ensemble zeigt – dreisprachig und multi-instrumental – Songs ihres aktuellen Albums „Teiman.“ Auf Sitar, Duduk und Cajon, mit eigenen Kompositionen und Melodien aus der Diaspora, erzählen sie die verborgenen Geschichten jemenitischer Jüd:innen. Für einen musikalischen Ausklang sorgen die politisch-poetischen Texte von Hadag Nahash, performt auf fusionierten Beats aus Hip-Hop, Funk und Folk. Auch der Film bekommt eine Bühne: Im Hackesche Höfe Kino wird paralell zu den Kulturtagen das Seret International Film Festival stattfinden. Die Zukunft ist jetzt. Und sie will weitererzählt werden. Vielleicht schon im Juli, ganz sicher im Herbst auf den Bühnen und in den Sälen der Stadt.
Text: Emma Zylla / Fotos: Boaz Arad
38. Jüdische Kulturtage Berlin 13.11.2025–23.11.2025
Synagoge Rykestraße, Rykestr.53, 10405 Berlin–Prenzlauer Berg; Stadtplan
Staatsbibliothek zu Berlin, Unter den Linden 8, 10117 Berlin–Mitte; Stadtplan
Fotografiska, Oranienburger Str.54, 10117 Berlin Mitte; Stadtplan
Hackesche Höfe Kino, Rosenthaler Str.40-41, 10178 Berlin–Mitte; Stadtplan
4. Koscheres Streetfood-Festival 06.07.2025 11–21h
Neue Synagoge (Hof), Oranienburger Str.28-31, 10117 Berlin–Mitte; Stadtplan
Zum Vorverkaufsstart der Jüdischen Kulturtage am 06.07.2025 beim Koscheren Street Food Market gibt’s 20 Prozent Nachlass auf ausgewählte Festival-Highlights sowie, dank einer Förderung des Aktionsfonds zur Unterstützung von Projekten gegen Antisemitismus, kostenfreie Tickets für das Eröffnungskonzert (so lange der Vorrat reicht).
@juedischekulturtageberlin


