Als Japanerin in Berlin habe ich eine besondere Schwäche für Orte, die mich für einen kurzen Augenblick zurück nach Japan versetzen – genau das tut Kissabo. Das Teehaus wurde vom polnischen Paar Gosia und Marcin eröffnet, die japanischen Tee über Jahre des Reisens für sich entdeckt haben und inzwischen enge Verbindungen zu den Menschen dort pflegen. Wenn Du bei Kissabo ankommst, lässt Du gefühlt die Stadt hinter Dir. Kissabo trägt eine nostalgische Ruhe in sich — es ist unaufgeregt, still, ein wenig entrückt von allem, was draußen passiert. Der Name sagt es bereits: ein Zusammenspiel von kissaten, einem traditionellen japanischen Nachbarschaftscafé, und sabō, einem Ort, der dem Tee und der Stille gewidmet wird. Was als reine Neugier bei Gosia und Marcin begann, wurde mit ihrem Teehaus zu einer eigenen Philosophie: verwurzelt in Handwerk, Tradition und den Werten, die sich rund um eine Schale Tee formen. Diese Haltung ist hier deutlich spürbar. Matcha wird frisch zubereitet, direkt von vertrauten Produzent:innen aus Japan bezogen und in handgefertigten Gefäßen serviert. Daneben werden Gyokuro, Genmaicha und Hōjicha langsam aufgegossen, jeder mit seinem eigenen Charakter.
Wer tiefer eintauchen möchte, wählt ein Matcha-Set, das drei Zubereitungen mit einer Auswahl handgemachter japanischer Süßigkeiten kombiniert. Das Mochi ist weich und süß, Daifuku wird mit roter Bohnenpaste und saisonalen Zutaten gefüllt, und auch Dango gibt’s frisch zubereitet und wird zusammen mit Tee serviert. Für eine andere Stimmung sorgt eine kleine Auswahl an alkoholfreien, saisonalen Cocktails. Der Raum selbst ist durchdacht: Plätze an der Bar geben den Blick auf die Zubereitung frei, ein Gemeinschaftstisch lädt zum Verweilen ein, und ein Tatami-Bereich schafft einen stillen Rückzugsort. In den Regalen findet sich eine kuratierte Auswahl japanischer Handwerksobjekte — darunter Teedosen von Kaikado, jene Art von Dingen, die man sofort in die Hand nehmen möchte. Falls Du einen Moment Abstand von der Stadt benötigst, und einen leisen Abstecher in eine andere Kultur machen willst, dann bist Du hier genau richtig.
Text: Akiko Watanabe / Fotos: Robyn Steffen
Kissabo, Kopenhagener Str.16, 10437 Berlin–Prenzlauer Berg; Stadtplan
@kissabo.berlin


