Gyms werden von Bros regiert. Wer schon einmal in einem Fitnessstudio war, kennt’s vielleicht, ich bestimmt: Man kommt rein und weiß nicht wohin mit sich. Um mich herum Typen an Kraftgeräten oder vorm Spiegel, seufzend und ächzend, gern ein bisschen zu laut, und alle folgen einer unausgesprochenen Choreographie, die ich nicht verstehe. Und ehrlich gesagt auch nicht will. So geht’s mir, vielen Frauen*, vor allem aber Queers in Fitnessstudios. Deshalb hat sich eine Person in Berlin zum Ziel gesetzt, einen Safe Space für queere Personen im Kraftsport zu schaffen: das Queer Power Gym. Gründer:in Eve macht selbst seit zwanzig Jahren Kraftsport und hat schnell erkannt, dass man als nichtbinäre Person oft fehl am Platz ist. Also hat Eve angefangen, Personal Trainings anzubieten – daraus wuchs die Idee, einen eigenen Ort zu schaffen. Im Queer Power Gym geht es deshalb nicht nur um Kniebeugen oder Bankdrücken. Schon beim Ankommen soll klar sein, dass Menschen willkommen sind: angesprochen mit Namen, korrekten Pronomen und ihren eigenen Zielen.
Viele kommen mit dem Wunsch nach klassischem Kraftaufbau, andere wollen Schmerzen reduzieren, wieder andere verfolgen bewusst gender-affirming Training. Für manche bedeutet das, gezielt Muskelmasse an bestimmten Körperstellen aufzubauen, etwa an Armen oder Rücken. Für andere geht es eher darum, in einem Raum zu trainieren, in dem ihr Körper nicht hinterfragt wird. Das Training wird als Small Group Personal Training mit maximal sechs Personen angeboten. Außer Eve gibt es bisher noch zwei weitere Trainer:innen. Das Format entwickelte sich aus dem ursprünglichen 1:1-Training: Die Fortschritte waren dort zwar groß, der Preis aber für viele nicht tragbar. In kleinen Gruppen bleibt die gleiche individuelle Betreuung weitgehend erhalten – ermöglicht aber mehr Menschen Zugang. Struktur spielt dabei eine zentrale Rolle, denn gerade am Anfang fühlen sich viele im Fitnessstudio verloren zwischen Geräten, Abläufen, Übungen. Im Queer Power Gym soll deshalb von Anfang an klar sein, was zu tun ist. Ein fester Rahmen, ein gemeinsames Training und vertraute Gesichter helfen, eine Routine zu entwickeln. Aus dieser entsteht eine diverse Community. Denn auch queere Bubbles bleiben in der Regel gern unter sich, man trifft sich normalerweise in der Bar, nicht im Gym. Bei Eve durchmischt sich LGBTQIA+, und es ist total schön. Manche bleiben nach dem Training noch auf ein alkoholfreies Bier am Späti, andere kommen einfach, weil sie sich in der Gruppe wohlfühlen. Noch ist das Projekt jung: Fast zwei Jahre hat Eve nach einer passenden Trainingsfläche gesucht, um sie letztlich am Oranienplatz in Kreuzberg zu finden. Da wartet jetzt ein Ort für Kraft, der nicht einschüchtert. Also Queers, ab zum Training, es gibt keine Entschuldigungen mehr. Endlich ein Gym, in dem wir uns nicht erklären (oder beweisen) müssen, bevor wir die Hantel in die Hand nehmen.
Text: Inga Krumme / Fotos: Evelyn Bastian
Queer Power Gym, Oranienstr.163, 10969 Berlin–Kreuzberg; Stadtplan
@queer.power.gym.berlin


