Alle waren traurig, als letztes Jahr das Kleine Grosz Museum seine Türen schloss. Ein Berliner Liebling, nicht zuletzt wegen des zugehörigen Cafés, einer Oase im Trubel der Potsdamer Straße, mit Kiesbeet, Karpfenteich, Bambus und allen weiteren Klischees der Ruhe (als Kompliment gemeint). Aber die Nachmieter:innen ließen nicht lange auf sich warten, und zum Gallery Weekend 2025 zog eine Wohngemeinschaft von Kunst, Kaffee und Kuchen in “Die Tankstelle” ein. Die Galerie Räume teilen sich Pace und die Galerie Judin, mit den Ausstellungen wechseln sie sich ab. Morgen Abend (27.06.2025) sind Judin an der Reihe – mit “Everybody’s in the Room” von Ellen Akimoto. Im Zentrum ihrer zweiten Soloausstellung mit der Galerie steht ein 12 Meter langes Gemälde, Namensgeber für die Schau. Aufgeteilt auf sechs großformatige Leinwände, die in wachsenden Abständen zueinander gehängt sind, beginnt die Arbeit mit der Darstellung eines überfüllten Innenraums. Der löst sich von einem zartgelben Zimmer mit schwarzer Katze in einen gusseisernen Balkon und abschließend eine unheimliche Gebirgslandschaft auf. Darüber schweben geisterhafte Silhouetten des Häuslichen: Gegenstände wie Ladekabel, Geschirrtücher und entwurzelte Zimmerpflanzen schweben luftleer und verzerrt vom Balkon. Das Geisterhafte findet sich noch öfter wieder (Ghost Room), zwischen fragmentarischer Architektur und menschlichen Fragmenten, die nicht zuletzt im für die Ausstellung gestalteten Vorhang zusammenkommen. Im Schaffensprozess hat sie sich viel mit CG Jung und seinen Theorien zum Bewussten und Unbewussten auseinandergesetzt und die zugehörige Vielschichtigkeit sichtbar gemacht..
Wo Akimoto ihren Arbeiten psychoanalytische Theorien zugrunde legt, freue ich mich vor allem über viel Malerei mit Katze (die beste Arbeit der Show ist zweifelsohne “Cat on A Rug 2”). Wer nach so viel Auseinandersetzung mit dem eigenen Inneren erstmal eine Pause braucht, der geht raus ins Zeit Café: In gewohnt beliebter Manier, dafür aber mit neuer Karte, die Dir alles für den schnellen Lunch, den Aftershow Snack oder Drink, oder ganz klassisch Kaffee & Kuchen zur Verfügung stellt. Wie der Name bereits vermuten lässt (den Spätzündern wird’s spätestens beim Zeit-Schriftzug im Café klar), hat sich hier der Verlag dafür eingesetzt, dass die Tanke als Café bestehen bleibt. Ein weiterer Hinweis auf die neuen Betreiber:innen: Der Soda Citron als Neuzugang auf der Karte – wer da wohl die Finger mit im Spiel hatte? Ansonsten gibt’s die üblichen Kaffee-Varianten, sowie Limonaden, Spritz, Wein und Bier. Dazu ein überschaubares Lunch Angebot und eine große Auswahl an Süßem: Focaccia, herzhafte Croissants und Brioche mit wechselnden Toppings, saisonales Gebäck, wechselnde Kuchen, grad zum Beispiel glutenfreien Mandelkuchen oder vegane Törtchen. Wo local geht, wird local gemacht: Das Zeit Café arbeitet fest mit Berliner Unternehmen zusammen, und auch bei den Speisen haben sie eine wahre Berliner Back-Ikone ins Boot geholt: Alles, was Dir im Café zum Verzehr angeboten wird, kommt frisch aus der Backstube von Gorilla. Wer also Abwechslung von seiner üblichen Bakery Tour in Neukölln oder einen Ausweg vom Galerie-Marathon auf der Potsdamer Straße braucht, kann gleich zwei Fliegen mit einer Klatsche schlagen und sich auf den Weg zur Tankstelle machen – es lohnt sich.
Text: Inga Krumme & Robyn Steffen / Fotos: Robyn Steffen, Trevor Good Courtesy Galerie Judin / Credit: Ellen Akimoto
Die Tankstelle, Bülowstr.18, 10783 Berlin–Schöneberg; Stadtplan
Ellen Akimoto: Everybody’s in the Room, 28.06.–24.08.2025
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