In letzter Zeit fühle ich mich kreativ etwas festgefahren. Laptop, Handy, Laptop, dazwischen eine mittelmäßige Serie – und wieder von vorn. Also beschloss ich: Ein neues, kreatives Hobby muss her. Eins, in das ich mich richtig verlieren kann, bei dem ich mit meinen Händen arbeite und eine Auszeit von Screens habe. Ich stieß auf Loam. Versteckt in Moabit ist Loam das Keramikstudio von Jana Marlene Lippert, Produktdesignerin, Keramikerin und Lehrerin aus Berlin, die Dir das Gefühl gibt, Du hättest das schon immer in Dir gehabt. Der Raum ist warm, bringt einen zur Ruhe – die Regale gefüllt mit Janas eigenen handgefertigten Keramikdesigns, zarten Porzellanstücke und ihre großen Signature-Spiralvasen. Alle arbeiten um einen langen Holztisch herum, an dem man Janas Ausführungen ebenso gut sehen kann wie die Arbeiten der anderen. Loam ist bei Workshops ein Studio, ein Keramikladen und ein Lernraum zugleich. Als begeisterte Teetrinkerin entschied ich mich sofort für den Kurs „Tassen und Becher“. Was mich hierher zog, war nicht nur mein Wunsch, etwas Schönes zu erschaffen, sondern auch, wie Jana über das Arbeiten mit Rohmaterial spricht: „Du denkst, Du beherrschst den Ton, aber manchmal ist es genau umgekehrt.“ Der Prozess beginnt mit einem Block Ton pro Person. Schon hier merkst Du, wie viel Spielraum es gibt: hoch oder niedrig, breit oder schmal, rund oder eckig – die Form liegt ganz bei Dir. Dann bekommt die Tasse einen Henkel – nochmal eine ganz eigene, große kreative Entscheidung.
Wird es geschlungen, verdreht, skulptural – oder etwas ganz Verrücktes, was Dir erst vor Ort in den Sinn kommt? Am Ende kommt die Glasur drauf, und mit ihr öffnet sich eine ganz neue Welt. Jana zeigt zunächst vor, was alles möglich ist, dann tritt sie einen Schritt zurück und Du bist dran. Stets ist sie da, um zu unterstützen – wenn der Ton z.B. reißt, hilft sie und sorgt dafür, dass Du beim nächsten Mal genau weißt, was zu tun ist. Der Riss ist weg und das eigene Selbstvertrauen wächst. Irgendwann vergesse ich völlig die Zeit: Ich liege auf dem Boden, sitze hockend neben meiner Arbeitsstation, verdrehe meinen Körper – damit der Henkel richtig an meiner Tasse anliegt. Der Ton gibt den Ton an – und das stört mich überhaupt nicht. Jana nennt das einen natürlichen Nebeneffekt des Materials: Ton hat sein eigenes Tempo. Wenn Du schließlich aufblickst, überrascht einen der Raum. Alle haben mit demselben Tonblock begonnen – und doch kreiert jede Person etwas anderes. Einen eckigen Becher mit quadratischen Henkeln, etwas Rundes und Tiefes wie eine Fischschale, jemand anderes modelliert die Henkel zu Schleifen. Kein Stück gleicht auch nur annähernd dem anderen. Wer also mal wieder etwas Analoges mit den eigenen Händen gestalten will, sollte bei Loam vorbeischauen. Du kannst einen Töpferkurs wie diesen buchen. Und wenn Dir das nicht reicht, beleg im Anschluss einfach einen sechswöchigen Kurs bei Jana.
Text: Stefania Basano / Fotos: Mohit Amlani
Loam, Elberfelder Str.18, 10555 Berlin–Moabit; Stadtplan
@loamberlin


