Die Deutsche Kinemathek gehört zu den Museen, die auch nach Jahren in Berlin noch immer ein Geheimtipp sind. Denn wer hätte geahnt, dass der Filmarchitekt hinter James Bond seinen Nachlass nach Berlin gegeben hat? In den Archiven der Kinemathek kann man in Ken Adams Denken und Zeichnen, seine Skizzen, Storyboards und Konzeptideen eintauchen. Der gebürtige Berliner, der im Teenageralter mit seiner Familie nach Großbritannien emigrieren musste, stieg im London der 1960er als Production Designer schnell auf. Für 007 entwarf er die verspielten Geheimagentengadgets, die heute ganze Kapitel der Filmgeschichte füllen. Während die Arbeiten von Ken Adam weiterhin im Archiv in Marienfelde zu sehen sind, bekommen andere eine neue filmreife Kulisse – denn die Deutsche Kinemathek ist umgezogen: vom Potsdamer Platz ins E-Werk nach Mitte. Das markante Backsteinareal entstand in den 1920ern, wurde einst als Umspannwerk genutzt und erlebte später, in den 1990ern, als Technoclub eine Renaissance. Nun wird mit Szenen, Stimmen, Ikonen und Objekten der Filmgeschichte eine neue Ära eingeläutet. Zur Eröffnung lädt die Kinemathek bis Sonntag (25.01.2026) zu eintrittsfreien Tagen mit Sonderveranstaltungen ein.
Besucher:innen können in der historischen Halle des E-Werks in die Installation „Screentime“ eintauchen. 130 Jahre Bewegtbildgeschichte werden als Parcours räumlich erlebbar. Dass es in der Kinemathek um mehr als bloßes Zuschauen geht, zeigt auch das Kinderprogramm: In Workshops vor dem Green Screen filmen Kinder und Jugendliche selbst, experimentieren mit Techniken und gestalten ihre eigenen Filmplakate. Am Eröffnungswochenende führt das Museumsteam aber auch in die Nachbarschaft zum Checkpoint Charlie, wo Filme wie „Octopussy“, „Funeral in Berlin“ gedreht wurden. In diesen Stadtspaziergängen durch die Nachbarschaft rund um das E-Werk werden Drehorte, Produktionsstätten und Orte der Berliner Filmvergangenheit vorgestellt. Der Umzug ist damit mehr als nur ein Tapetenwechsel – er ist ein Statement: Film- und Fernsehgeschichte gehört mitten ins Leben. Im E-Werk wird sie ab morgen (23.01.) für die ganze Familie erfahrbar – und in einen neuen, zeitgemäßen Kontext gestellt. Im Februar 2026 geht es, pünktlich zum Berliner Filmmonat, weiter mit der Berlinale Retrospektive zur Berlinale. Im Mittelpunkt steht dann Berlins Aufbruchsjahrzehnt: die 1990er. Die perfekte Gelegenheit, in Filme wie „Lola rennt“ und „Slacker“ abzutauchen. Oder, um es mit dem Titel der Retrospektive zu sagen: sich fühlen wie „Lost in the 90s“.
Text: Laura Storfner / Fotos: Deutsche Kinemathek
Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen, Mauerstr.79, 10117 Berlin–Mitte; Stadtplan
23.–25.01.2026 10–18h (freier Eintritt und Programm), 26.01.–06.02.2026 10–18h. Hier findest Du das vollständige Programm.
@deutschekinemathek


