WER GESEHEN WURDE — DAS BAUHAUS UND SEINE FOTOGRAFINNEN

WER GESEHEN WURDE — DAS BAUHAUS UND SEINE FOTOGRAFINNEN

Frauen gab es im und ums Bauhaus einige. Und in den letzten Jahren ist das Interesse an ihnen stetig gewachsen. Ein hartnäckiger Mythos aber hält sich: Die Vorstellung, der Arbeitsraum der Frauen sei auf die Textilwerkstätten beschränkt gewesen. Diese Vereinfachung ignoriert, dass Frauen in verschiedenen Abteilungen arbeiteten – sie studierten Architektur, Malerei, Design und Fotografie. Um sich dem entgegenzustellen, hat das Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung eine Ausstellung erarbeitet, die die Frauen des Bauhauses feiert – anhand seiner Fotografinnen. Heute Abend eröffnet „Neue Frau, Neues Sehen. Die „Bauhaus-Fotografinnen“ im Museum für Fotografie. Die erste Ausstellung unter der neuen Direktorin Brigitte Franzen des Bauhaus-Archivs zeigt rund 300 Fotografien aus der Sammlung, von denen einige Motive berühmt sind, ihre Autorinnen jedoch eher weniger. Die Schau wird im Museum für Fotografie als Teil der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin gezeigt. Es geht um Zugehörigkeit, Teilhabe und die Frage, wieso wir diese Frauen eigentlich nicht kennen. Dabei hinterfragt sie gängige Annahmen über das Bauhaus und ihre Künstlerinnen und bringt Persönlichkeiten wieder ans Licht, die lange vergessen oder übersehen wurden. Kuratorin Kristin Bartels zeigt Portraits, viel Architekturfotografie und allerlei experimentelle Arbeiten.

Highlights: Grit Kallin-Fischers rauchendes Selbstportrait, Grete Sterns Portraits von Tänzerinnen, Florence Henris fotografischen Experimente und natürlich Lucia Moholys Aufnahmen von Bauhaus Gebäuden, die, nachdem Moholy ins Exil musste, jahrelang ohne ihr Urheberrecht veröffentlicht wurden. Unter die zahlreichen fotografierenden Frauen und Künstlerinnen des Institute of Design in Chicago (New Bauhaus) reihen sich drei zeitgenössische Positionen: Kalinka Gieseler, Caroline Kynast und Sinta Werner wurden eingeladen, mit ihren Arbeiten in den Dialog zu den historischen Positionen der Schau zu gehen. Zu einigen der Werke wurden Schüler:innen der Nelson-Mandela-Schule eingeladen, Bildbeschreibungen zu verfassen, die per QR-Code abrufbar sind. Während der Laufzeit wird es ein umfangreiches Rahmenprogramm geben. Heute Abend (16.04.2026) eröffnet die Ausstellung, der zwei Jahre Forschung vorausgingen. Ein Blick zurück, der weniger ergänzt, korrigiert und vor allem zelebriert.

Text: Inga Krumme / Credit: Gertrud Arndt, VG Bild-Kunst, Bonn 2026; Grit Kallin-Fischer, Bauhaus-Archiv Berlin; Lucia Moholy, Bauhaus-Archiv Berlin, VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Museum für Fotografie, Jebensstr.2, 10623 Berlin–Charlottenburg; Stadtplan
Neue Frau, Neues Sehen. Die Bauhaus-Fotografinnen, bis zum 04.10.2026.

@bauhaus_archiv
@staatlichemuseenzuberlin

cee_cee_logo