Wie alle Jahre freue ich mich auf das neue Jahr: Mal ist es das Jahr des Wasser-Affen, dann das Jahr der Holz-Schlange oder – wie eben am 17. Februar 2026 – das Jahr des Feuer-Pferdes. Vielleicht haben es die einen oder anderen schon einmal gehört, oder ihr seid nun ganz verwirrt und denkt, ich habe mich hier um einige Monate vertan. Anders als im Westen feiern viele Länder – vor allem China, Vietnam, Singapur, Taiwan und Südkorea – das Lunar New Year, auch bekannt als Chinese New Year (Spring Festival), Seollal (in Korea) oder Tết (in Vietnam), nach dem alten chinesischen Mondkalender. Weswegen sich das Datum in jedem gregorianischen Jahr ändert. Jedes Jahr wechseln sich die zwölf Tierkreiszeichen ab, und nun verlassen wir das Jahr der Holz-Schlange und beginnen das des Feuer-Pferdes. Wie wichtig dieses Fest ist, hört man vor allem auch immer wieder aus den Nachrichten, wenn jährlich zum Neujahr die größte Völkermigration stattfindet und Chines:innen aus allen Regionen des Landes zurück in ihre Heimatstädte und Dörfer fahren, um dort mit der Familie in das neue Jahr zu starten. Man putzt sich fein raus: neue Kleidung – vor allem in der Glücksfarbe Rot – wird gerne gesehen. Die roten Umschläge (hongbao im Chinesischen oder lì xì im Vietnamesischen) sind mit Geld gefüllt und wohl das begehrteste Geschenk zu den Feiertagen. Altäre, Häuser und Wohnungen werden gründlich geputzt und prachtvoll dekoriert, und natürlich darf gutes Essen nicht fehlen. Und auch hier geht es um Aberglauben und Symbolik. (hier weiterlesen)
Ein ganzer gedämpfter Fisch symbolisiert Wohlstand und soll diesen im Überfluss bringen. Dumplings ähneln Goldbarren und stehen für Reichtum, lange Nudeln für ein langes und gesundes Leben, und süße Reisbällchen symbolisieren Zusammenhalt und Familie. Dieses kulturell wichtige Fest wird daher auch weltweit in der Diaspora gefeiert. Somit findet man in Berlin einige Restaurants und Orte, an denen man mit vielen Leckereien das neue Jahr einläuten kann. Das Moii Café ist ein kleines, aber feines taiwanesisches Café in Charlottenburg, das neben Mondkuchen auch leckere Torten und Getränke zum Lunar New Year anbietet. Mein absoluter Favorit ist der Osmanthus Latte mit Jelly, der Milky Jasmine Tea Cake und die Mango-Biskuitrolle. Das Jolly Restaurant ist eines der wohl bekanntesten Restaurants und die Anlaufstelle für Pekingente. Die rosig gebratene Haut, das zarte Entenfleisch, eingerollt in hauchdünne chinesische Pancakes und Baos, dazu süße Hoisin-Soße – perfekt für ein festliches Mahl mit Familie und Freund:innen.
Bei Dumpling Nian gibt es meine zwei liebsten Gerichte in einem – sozusagen doppeltes Glück auf einem Tisch: gedämpfter Wolfsbarsch mit Ingwer und Frühlingszwiebeln in Sojasoße sowie handgemachte Dumplings in verschiedensten Variationen, mit Schweinefleisch und Chinakohl, Shrimps oder Rindfleisch mit Karotten. Wer es unter der Woche nicht ins Meet You Restaurant schafft, das Chinesische Neujahr zu feiern, hat gute Chancen, bei einem leckeren Shanghainese Brunch alles aufzuholen. Hier gibt es nur am Wochenende (Samstag und Sonntag), hausgemachte Dumplings, Xiao Long Baos (Dumplings mit Suppe gefüllt), Jianbing (knusprige chinesische Crepes), Baos (gefüllte Hefeteigklöse), Chili Wontons & warme Sojamilch. Mein Geheimtipp: in einer großen Gruppe kommen und die ganze Karte teilen! Als Saigonesin ist Saigon Cơm Niêu meine Anlaufstelle für leckeres regionales Essen aus Südvietnam. Neben Klassikern wie Bánh Canh Cua, einer würzigen Krabben-Udon-Nudelsuppe, gibt es hier auch Thịt Kho Tàu – karamellisierten Schweinebauch mit ganzen gekochten Eiern, der traditionell zum vietnamesischen Neujahr Tết gegessen wird. Dieses Gericht steht symbolisch für Fülle, Vollständigkeit sowie Harmonie in der Familie (das runde Ei und die eckigen Schweinebauchstücke). Wer ein bisschen vietnamesische Kultur zu Tết erleben möchte, kann zum Neujahr bei der Pagode Linh Thứu vorbeischauen. Neben der Schönheit der Pagode gibt es reichlich veganes Essen, Musik und Unterhaltung. Außerdem kann man dort Wünsche für das neue Jahr an die Götter senden.
Auch im allbekannten Dong Xuan Center wird das Tết-Fest gefeiert. Hier bekommt man nicht nur handgemachte Bánh chưng (aus dem Norden Vietnams) oder Bánh tét (aus dem Süden Vietnams) – in Bananenblättern gewickelte Klebreisspezialitäten mit Mungbohnen und Schweinefleisch – sondern auch Xôi Gấc (roten Klebreis) sowie allerlei Variationen des beliebten vietnamesischen Nachtischs Chè. Noch bis zum Neujahr – in Korea auch bekannt als Seollal – gibt es bei Han BBQ ein ganz besonderes Special für alle Schweinebauch-Liebhaber:innen. Bis zum 17.02.2026 gibt es ein All-you-can-eat Samgyeopsal (Pork Belly) BBQ. Reis, Banchan und Salat sind inklusive. Für das Jahr des Pferdes hat sich Dotori ein 4-Gänge-Menü mit traditionellen koreanischen Neujahrsgerichten ausgedacht. Dazu gibt es ein passendes Pairing mit koreanischen alkoholischen Getränken – so kann man nur gut in das neue Jahr des Pferdes galoppieren!
Text: Alice M. Huynh / Fotos: Matthieu Joannon, Alison Pang, Robyn Steffen
Alice M. Huynh, geboren in den Allgäuer Alpen, ist seit über zehn Jahren Wahlberlinerin. Ursprünglich in der Modeindustrie in New York tätig, ist sie immer mehr in ihre wahre Leidenschaft gerutscht: Reisen und Essen. Seither arbeitet sie als Content Creator mit Fokus auf Lifestyle, Food und Travel.
Moii Café, Fasanenstr.46, 10719 Berlin–Charlottenburg; Stadtplan
Jolly Restaurant, Am Kupfergraben 4/4a, 10117 Berlin–Mitte; Stadtplan
Dumpling Nian, Eisenbahnstr.4, 10997 Berlin–Kreuzberg; Stadtplan
Meet You Restaurant, Fasanenstr.41, 10719 Berlin–Charlottenburg; Stadtplan
Han BBQ, Kantstr.120/121, 10625 Berlin–Charlottenburg; Stadtplan
Dong Xuan Center, Herzbergstr.128-139, 10365 Berlin–Lichtenberg; Stadtplan
Dotori, Gustav-Adolf-Str.159, 13086 Berlin–Weißensee; Stadtplan
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