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SEIT DEM ERSTEN ANZUG BIN ICH ANGETAN: MODE VON JANNE HALAND — EMPFOHLEN VON DAVE MURRIN

SEIT DEM ERSTEN ANZUG BIN ICH ANGETAN: MODE VON JANNE HALAND — EMPFOHLEN VON DAVE MURRIN

Janne Haland ist ein unabhängiges Modestudio mit dänischen und deutschen Wurzeln mit Sitz in Kreuzkölln. Janne arbeitet mit farbenfrohen Stoffen, selbst entworfenen Stoffmustern und Illustrationen und kombiniert Popkultur mit traditionellem Kostümdesign. Was ihre Stücke so einzigartig macht? Vielleicht das Improvisieren mit kleinen Mengen von Stoffen und die Verarbeitung von Restbeständen. Handwerk und intuitive Problemlösung für den menschlichen Körper treffen hier zusammen. Eingeladen ist jede:r, der/die eine individuelle Persönlichkeit hat. Ohne Geschlechts- oder Altersbeschränkung, mit Freude an Farben und der Wertschätzung für hochwertige Handwerkskunst: sich mit Janne zusammenzusetzen und Ideen auszutauschen, die dann in ein fertiges Produkt umgesetzt werden, ist ein lustiges und sehr persönliches Erlebnis. Die Qualität der Stücke und die Liebe zum Detail, die Janne in jedes einzelne Stück steckt, habe ich so noch nie erlebt. Jedes erzählt eine andere, tolle Geschichte, die es Dir ermöglicht, Teil der einzigartigen Welt von ihr zu werden. Das macht Lust auf mehr. Du kannst die Stücke in ihrem Online-Shop finden oder Du klopfst einfach an ihrer Ateliertür – sie wird sich freuen.

Dave Murrin ist DJ/Produzent aus Dublin und Mitinhaber des Plattenlabels Púca Sounds. Außerdem serviert er Dir mit ganz viel Liebe und Leidenschaft Naturwein und die besten Negronis der Stadt in der Bar Sway.

Text: Dave Murrin / Fotos: Gavin Kenny, Nele Haland, Toby Sheppard

Studio Janne Haland, Nansenstr.17, 12047, Berlin–Neukölln; Stadtplan

@janne_haland_fashion

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DRILLER QUEENS: DIE INKLUSIVE PLATTFORM FÜR HANDWERKER:INNEN AUFGABEN RUND UM DEIN ZUHAUSE

DRILLER QUEENS: DIE INKLUSIVE PLATTFORM FÜR HANDWERKER:INNEN AUFGABEN RUND UM DEIN ZUHAUSE

Theoretisch kann man das ja alles selbst. Und sonst hilft Youtube oder so. Aber Theorie ist das eine, und das andere, wenn das Loch zu groß ist, der Dübel nicht hält und das Wissen, wo die Stromleitungen laufen, nicht mit Sicherheit vorhanden ist. Also muss ein:e gelernte:r Handwerker:in her? Nicht unbedingt! Manchmal reicht auch schon eine Person, die sich das Handwerk einfach sehr gut selbst beigebracht hat und beherrscht, und mit ihrem Wissen und Equipment anderen helfen möchte – und das bitte und gerne ohne Mansplaining. Gut, dass es die Driller Queens gibt: die erste inklusive Handwerker:innen-Plattform, die offen für Menschen aller Gender ist und aus einem Team besteht, in dem sich über 80 Prozent als weiblich, trans und nicht-binär identifizieren. Das bedeutet aber nicht, dass Cis Männer hier nicht willkommen sind, im Gegenteil: bei den Driller Queens steht Inklusion nämlich an vorderster Stelle, denn genau das ist eins der Hauptprobleme in dieser Branche: Menschen anhand ihres Geschlechts exkludieren. Sie sind da, um Dir zu helfen – damit der Spiegel gerade hängt, die Lampe leuchtet, die Gardine hält und die Kommode richtig an der Wand verschraubt ist.

Will sagen, die Menschen, die via Driller Queens zu Dir nach Hause kommen, haben Wissen und Tools, aber eben auch Soft Skills, wie Kommunikationsfähigkeit und Respekt – für Dich und Deinen Raum. Das ist der Hammer? Genau. Und Humor hat die Plattform auch. Ich würde sagen: direkt auf Instagram folgen, damit Du nie vergisst, dass es diesen wunderbaren Service gibt, wenn Du ihn mal brauchst. Auch Sonderservice wird hier angeboten, wie zum Beispiel die Cat-Solutions – Katzennetze vor Deinen Fenstern. Und dann gibt es natürlich auch Dinge, die die Driller Queens nicht anbieten, wie zum Beispiel Bodenbeläge entfernen. Auf der Webseite kannst Du Dir mithilfe einer Liste eine Übersicht verschaffen – und Dir dann selbst Deine eigene anfertigen mit Dingen, die in Deiner Wohnung schon längst fällig sind. Das habe ich zumindest gemacht, und ich freue mich schon darauf, wenn ich die Kästchen, eins nach dem anderen, abhaken kann.

Text: Nina Trippel / Fotos: Arte, Joe Wray

Driller Queens

@drillerqueens

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RADIKALE POLITIK DES KÖRPERS: VALIE EXPORT IM C/O BERLIN

RADIKALE POLITIK DES KÖRPERS: VALIE EXPORT IM C/O BERLIN

Wir schreiben das Jahr 1968 und eine Frau führt einen Mann auf allen Vieren an einer Leine durch die Wiener Innenstadt: Die Frau ist die Medienkünstlerin Valie Export, der Mann ihr Kollege Peter Weibel, mit dem sie in den Sechzigern häufiger zusammenarbeitete. Die Aussage ihrer Kunstaktion fiel so einfach wie wirksam aus: Export verkörpert augenzwinkernd die aus dem Patriarchat befreite Frau, die Rollenbilder bis ins Extrem umkehrt. Den Grundstein dafür hatte sie bereits ein Jahr zuvor gelegt, als sie ihren bürgerlichen Namen ablegte und sich fortan, angelehnt an eine Zigarettenmarke “Valie Export”, geschrieben in Versalien, nannte. Weder den Nachname ihres Vaters, noch den ihres Ex-Mannes wollte sie mehr tragen. Stattdessen legte sie sich eine neue Identität wie ein Statement zu, die nur sie ausfüllen konnte. Das C/O Berlin widmet der 83-jährigen Österreicherin nun eine umfassende Retrospektive, die nachzeichnet, wie Export nicht nur soziale Normen, sondern das Sehen an sich, herausforderte.

Gezeigt wird darin eines ihrer bekanntesten Werke: Das Tapp- und Tastkino. In einer Fußgängerzone schnallte sie sich einen Karton vor den nackten Oberkörper und forderte Passant:innen auf, ihre Brüste – die Leinwand – für wenige Sekunden zu berühren und ihr dabei in die Augen zu schauen. Export wollte den Filmbegriff erweitern, vor allem ging es ihr aber um eine radikale Kritik am männlichen Blick auf den weiblichen Körper. Diese Auseinandersetzung zieht sich durch eine Vielzahl ihrer Arbeiten – so auch, als sie sich für die Aktion „Body Sign Action“ 1970 einen Strumpfbandhalter tätowieren ließ. Wie für viele Künstlerinnen ihrer Generation blieb ihr eigener Körper über die Jahre hinweg ihr wichtigstes Ausdrucksmittel. Mal führte sie ihn als Projektionsfläche männlicher Lust, mal als Schmerzempfänger vor. Dass es in ihren Arbeiten immer auch um die Frage danach geht, welchen Platz eine Frau in der Gesellschaft einnehmen kann, beweist ihre Fotoserie „Körperkonfigurationen“. Im Gegensatz zu den radikalen Aktionen wirken die Schwarz-Weiß-Fotografien auf den ersten Blick zurückhaltend. Doch in den Szenen liegt eine stille Kraft: Export erobert sich den öffentlichen Raum zurück, indem sie sich bäuchlings auf die Straße legt oder an Gebäude, Treppenstufen und Architektur schmiegt. Ihren Platz in der Kunstgeschichte kann Valie Export niemand nehmen. Sie ist, wie das C/O zeigt, zu Recht eine der wichtigsten Künstlerinnen der Gegenwart.

Text: Laura Storfner / Credits: Body Sign B, 1970, The Albertina Museum, Vienna © Valie Export, VG Bild-Kunst, Bonn 2023; Foto: Gertraud Wolfschwenger; Valie Export – Smart Export, Self-Portrait, 1970, The Albertina Museum, Vienna © Valie Export, VG Bild-Kunst, Bonn 2023, Foto: Gertraud Wolfschwenger; Aus der Mappe der Hundigkeit, 1968, gemeinsam mit Peter Weibel, Courtesy Galerie Thaddaeus Ropac © Valie Export, VG Bild-Kunst, Bonn 2023; Foto: Joseph Tandl

C/O Berlin Amerika Haus, Hardenbergstr.22–24, 10623 Berlin-Charlottenburg; Stadtplan

Valie Export: Retrospektive, bis 22.05.24.
Täglich 11–20h.

@coberlin

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HANDWERK, KUNST UND DESIGN VEREINT:  STUDIO JUMI

HANDWERK, KUNST UND DESIGN VEREINT:  STUDIO JUMI

Strenge Linien und Raster, kombiniert mit sanftem Material, in spielerischen, fast schon meditativen, Rhythmen – niemand anderes interpretiert Handweberei so schön, poetisch, wie Studio Jumi. Jumi sind Julia Buntzel und Miriam Rose Gronwald – 2022 hat sich das Künstlerduo zusammengetan, um gemeinsam an der Schnittstelle von Kunst, Handwerk und Design zu arbeiten und sich für den Erhalt der traditionellen Handweberei zu engagieren. Die beiden machen aber so viel mehr: Sie entwickeln das Weben als bildende Kunst weiter, zeigen, dass das Handwerk sich auch loslösen kann von alten Konventionen, ohne dabei Traditionen brechen zu müssen. Inspiriert vom Bauhaus und seinen Textilwerkstätten, in denen Künstlerinnen wie Anni Albers, Gunta Stölzl und Otti Berger bereits das Handwerk der Handweberei mit der Sprache der modernen Kunst verbanden, schöpfen Julia und Miriam Wissen, suchen gleichzeitig nach neuen Möglichkeiten, und verschieben die Grenzen des Webens weiter mit Auflösung und Verdichtung der gewebten Stoffstrukturen – am Ende entstehen einzigartige Kunstwerke, Fragmente, Form- und Materialstudien. Sie versuchen, die Geschichte des Webens lebendig zu halten, mit Auftragsarbeiten, ortsspezifischen Werken und limitierten Editionen in kleiner Auflage (auch hier bleibt jedes Stück ein Unikat). Sie tun es aber auch mit Workshops, die sie regelmäßig in ihrem Studio anbieten.

Bei “Sketching with Yarn” kannst Du Dich auf einem vierschäftigen Webstuhl an Material, Textur und Farbe herantasten und webst Deine eigenen Textilmuster an einem vierstündigen Nachmittag. Im “Napkins! The Art of Handcrafted Table Weaves”-Workshop stellst Du an einem Wochenende sogar Dein eigenes Set (bis zu vier) Tischservietten her. Fast schon magisch fühlt es sich an, nach wenigen Stunden mit zwei völlig unterschiedlichen Textilmustern nach Hause zu gehen – ohne jegliche Vorkenntnisse vor dem Kurs gehabt zu haben. Am Ende bleibt nur eins zu sagen: Danke. Danke, dass die beiden Textile Kunst so aufregend und zugänglich machen, danke, dass sie aufzeigen, wie Dinge auch ohne Verlust von Tradition neu interpretiert werden können, und danke, dass wegen Menschen wie Julia und Miriam ein solch wunderschönes Handwerk nicht in Vergessenheit gerät. 

Text: Robyn Steffen / Fotos: Chiara Lüghausen, Jean-Paul Pastor Guzmán, Robyn Steffen

Studio Jumi, Seelenbinderstr.141, 12555 Berlin–Köpenick; Stadtplan
Infos zu den nächsten Workshops findest Du hier

@studio.jumi

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HOT, HOTTER, HOU TANG — HOTPOT TEILEN AUF DER WOHL HISTORISCHSTEN FLANIERMEILE DES WESTENS

HOT, HOTTER, HOU TANG — HOTPOT TEILEN AUF DER WOHL HISTORISCHSTEN FLANIERMEILE DES WESTENS

Zwischen Luxusboutiquen und anreihenden Hotels, historischen Einkaufszentren und internationalen Restaurants gibt es seit Ende letzten Jahres (2023) einen Zwischenstopp mehr auf meiner Ku’damm Liste: das Hou Tang. Hier wird Hotpot à la Chengdu serviert – ein Feuertopf, der vor allem im Winter ein wahrer Klassiker in Ostasien ist. Die Einrichtung erinnert an Teestuben und belebte Marktplätze, eng ist der geflieste Flur, den Du Dir mit dem Service und deren Servierwägen teilst. Traditionelle Kunsthandwerke, wie Bambusgeflecht und Guo Hua-Malereien, rote Lampions und Neon-Schriftzeichen schmücken den Raum. Das Hou Tang kommt quasi straight aus China, denn dort stehen die Leute schon längst Schlange, um einen Tisch zu ergattern. Was es so begehrt macht? – Gründe gibt es viele. Hier musst Du aber vor allem keine Kompromisse eingehen: schon bei der Basis des Hotpots kannst Du zwischen mehreren Brühen entscheiden – musst aber nicht, denn mithilfe von kleinen Trennwänden lässt sich der Hotpot nach Belieben unterteilen, so sparst Du Dir das ewige Kopfzerbrechen, wer’s in Deiner Gruppe scharf mag (und wer überscharf), wer sich nur vegan ernährt oder wer alles Allergien hat. Am Ende landen bei uns drei verschiedene Brühen im Topf: die scharfe Variante, bei der Du selbst den Schärfegrad aussuchen kannst, mit Szechuanpfeffer, getrockneten Chilis, Sternanis, Gewürznelken und Kumin, eine Knochenbrühe vom Schwein und eine vegane Variante auf Tomatenbasis.

Und dann fängt das wahre Zusammenpuzzeln erst so richtig an, denn die Liste der Zutaten ist lang: Rind, Lamm, Schwein, Shrimps, Fleischbällchen, Nudeln, Wachteleier, Pilze, Pak Choi, Tofu-Haut – Klassiker findest Du so einige, aber auch viel Neues habe ich hier für mich entdecken können. Dazu stellst Du Dir Deine eigenen Saucen an einer Theke zusammen: Sojasauce, Sesamöl, Austernsauce, fermentierte Tofu-Paste, Frühlingszwiebeln, Knoblauch und Ingwer – Du kannst Dir alles nach Belieben zusammenmischen, zur Orientierung hängt aber auch das Einmaleins der traditionellen Saucen über der Theke. Für Getränke und Desserts ist ebenfalls ausgesorgt: die hausgemachte Zitronenlimonade sorgt für den perfekten Ausgleich zum scharfen Essen und auch der Jasmin-Milchtee lässt sich hervorragend kombinieren und ist fast schon Dessert zugleich. Aber eben auch nur fast: auf die Desserts solltest Du hier nicht verzichten, denn das Shaved Ice verpasst Dir zum Beispiel die perfekte Abkühlung nach dem heißen Feuertopf. Jede Straße hat ein Ende, nur der Ku’damm hat (gefühlt) keins – Hou Tang bringt das Chengdu der 1930er auf den Boulevard des Berliner Westens – und mit ihm auf Deiner Liste ist sogar hier auch mal ein Ende in Sicht. 

Text & Fotos: Robyn Steffen

Hou Tang, Kurfürstendamm 175, 10707 Berlin–Wilmersdorf; Stadtplan
Mo–So 12–23h

@houtang_hotpot

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