BERLIN IM FILM-FIEBER: UNSERE EMPFEHLUNGEN FÜR DIE 76. BERLINALE

BERLIN IM FILM-FIEBER: UNSERE EMPFEHLUNGEN FÜR DIE 76. BERLINALE

Ab dem 12. Februar 2026 ist es wieder so weit: Filmfestival-Direktorin Tricia Tuttle wird im Berlinale Palast die 76. Internationalen Filmfestspiele Berlin feierlich eröffnen. Dann heißt es, schnell zu sein und sich im Vorverkauf eines der begehrten Tickets zu sichern. Bereits jetzt leuchtet der Goldene Bär von den Plakatwänden der Hauptstadt. Die Vorfreude auf das zehntägige, vielfältige, starke und politische Programm (12.–22.02.2026) wächst: es warten 276 Filme aus mehr als 50 Ländern in elf verschiedenen Sektionen darauf, gesehen zu werden. Eröffnet wird das Festival mit „No Good Men„, dem dritten Spielfilm der preisgekrönten afghanischen Regisseurin Shahrbanoo Sadat. Das Werk dreht sich um die Geschichte von Naru (Sadat), der einzigen Kamerafrau bei Kabul TV, die überzeugt ist, dass es in Afghanistan keine guten Männer gibt. Doch kurz vor der Rückkehr der Taliban begleitet sie den Reporter Qodrat auf einen Außeneinsatz – und ihre Meinung ändert sich. Ob dieses Werk einen Preis gewinnt? Wer weiß – insgesamt gehen 22 Filme – allesamt Weltpremieren – im diesjährigen Wettbewerb um die begehrten Silbernen und Goldenen Bären ins Rennen. Am letzten Festivaltag werden die Preise von der Jury unter dem Vorsitz des deutschen Regisseurs Wim Wenders verliehen.

Hier sind einige Filme, die ich auf meine Watchlist gesetzt habe: In „À voix basse“ von Leyla Bouzid reist Lilia zur Beerdigung ihres Onkels nach Tunesien. Ihre Familie weiß nichts über ihr Leben in Paris – schon gar nicht über ihr Liebesleben. In „Gelbe Briefe“ von İlker Çatak erlebt das Künstler:innenehepaar Derya und Aziz die Willkür des Staates und verliert über Nacht Arbeit und Lebensgrundlage. Geneviève Dulude-de Celles schickt in „Nina Roza“ einen Kunsthändler aus Québec in seine verlassene Heimat im bulgarischen Hinterland, um die Gemälde eines mysteriösen Wunderkinds zu begutachten. In „Rose“ von Markus Schleinzer kommt ein Soldat (Sandra Hüller) in ein Dorf und behauptet, der Erbe eines verlassenen Gutshofs zu sein. Doch ein rätselhaftes Geheimnis umgibt ihn, und das Misstrauen der Dorfbewohner:innen wächst. „Rosebush Pruning“ von Karim Aïnouz erzählt die Geschichte der vier US-Geschwister Jack, Ed, Anna und Robert, die abgeschieden und wohlhabend in einer spanischen Villa leben – bis die Wahrheit über den Tod ihrer Mutter das fragile Familiengefüge ins Wanken bringt. In „Die Blutgräfin“ von Ulrike Ottinger begeben sich Isabelle Huppert und ihre Zofe auf eine wilde Jagd nach dem roten Lebenselixier und einem Buch, das das Ende des Vampirreichs bedeuten könnte. Die Sektion Perspectives zeigt den Debütfilm „Where To?“ des israelischen Regisseurs Assaf Machnes. Der 55-jährige palästinensische Uber-Fahrer Hassan fährt Partygänger:innen durch die Berliner Nächte. Ein junger Israeli, der sich darin zu verlieren droht, wird zu seinem Stammpassagier – beide verbindet ein gebrochenes Herz. Ebenfalls als Debüt präsentiert „Chronicles from the Siege“ des palästinensischen Regisseurs Abdallah Alkhatib das Leben einer Gruppe Menschen, deren Alltag durch die Belagerung ihrer Stadt aus den Fugen gerät. Um zu überleben, muss jede:r von ihnen unmögliche Entscheidungen treffen. Meine Lieblingssektion ist das Panorama: Anna Roller bringt mit „Allegro Pastell“ endlich ihren Film auf die Leinwand: Autorin Tanja und Webdesigner Jerome, beide Mitte 30, haben sich in ihrer Fernbeziehung zwischen Nähe und Distanz eingerichtet. Mahnaz Mohammadi erzählt in „Roya“ von einer iranischen Lehrerin, die wegen ihrer politischen Überzeugungen inhaftiert wird und vor der Wahl steht, ein erzwungenes Geständnis abzulegen – oder eingesperrt zu bleiben. Sabine Lidl porträtiert „Siri Hustvedt“ auf ihrem Weg vom ersten Roman zu einer der prägendsten Stimmen der Gegenwartsliteratur – ein Film über feministische Perspektiven und über Hustvedts Seelenmenschen Paul Auster. Ganz oben auf meiner Liste steht „The Moment“ von Aidan Zamiri: eine Mockumentary über und mit Charli xcx, das globale Phänomen „Brat Summer“, den Druck der Musikindustrie und den Preis des Erfolgs. Die Ukrainerinnen Alisa Kovalenko und Marysia Nikitiuk zeigen mit „Traces“ einen berührenden Film über den Widerstand ukrainischer Frauen* und ihren Kampf gegen Schweigen und Stigmatisierung. Wem das umfangreiche Programm mit zahlreichen Weltpremieren noch nicht genügt, der findet in der Retrospektive eine Wiederbegegnung mit bekannten Klassikern von Spike Jonze, Werner Herzog, Tom Tykwer, Jean-Luc Godard und Krzysztof Kieślowski. Die 76. Berlinale beweist einmal mehr, dass Kino nicht nur unterhält, sondern herausfordert, berührt und politische Wirklichkeit sichtbar macht – auf der großen Leinwand ebenso wie im Gespräch danach.

Text: Milena Kalojanov / Stills: No Good Men, Virginie Surdej; Allegro Pastell, Felix Pflieger; Blutgräfin, Amour Fou Vienna, Amour Fou Luxembourg, Heimatfilm, P. Domenigg

76. Berlinale 12.–22.02.2026 

Das komplette Berlinale Programm gibt’s hier. Ab dem 09.02.2026 kannst Du Tickets für die Vorstellungen online kaufen.

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