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ADRENALIN FÜR ALLE: EIN WOCHENENDE VOLLER GEBOTE IM AUKTIONSHAUS AM GRUNEWALD

ADRENALIN FÜR ALLE: EIN WOCHENENDE VOLLER GEBOTE IM AUKTIONSHAUS AM GRUNEWALD

Wer bei Auktionen sofort an Sotheby’s, elitäre Kreise und fünfstellige Rekordsummen denkt, war noch nicht im Auktionshaus am Grunewald. Vom 18. bis 20. September 2026 verwandelt sich das Haus wieder in einen Ort, an dem Kunstgeschichte kein Vermögen kosten muss und Auktionen Spaß machen. Mitsteigern kann hier jede und jeder – schon mit ein paar hundert Euro bist Du dabei. Am Freitag (18.09. ab 18 Uhr) startet die Versteigerung mit rund 230 Losen, bevor am Samstag und Sonntag jeweils ab 12 Uhr mittags Hunderte weitere Werke unter den Hammer kommen. 

Das Ausstellungsplakat „Still Life with Book“ von David Hockney geht mit einer Schätzung zwischen 100 und 200 Euro an den Start. Wer nach etwas Ausgefallenerem Ausschau hält, bietet auf eine Textilarbeit von Rosemarie Trockel: Das Seidentuch „Ohne Titel“, im Originalumschlag, liegt aktuell bei 220 Euro und macht sich perfekt um den Hals – oder als Wandornament. Von Yoko Ono werden mehrere Pins aufgerufen, die man mit Trockels Tuch kombiniert an die Jacke steckt oder als Miniskulpturen arrangiert (Schätzpreis 200-300 Euro). An Entdeckungen unter 500 Euro mangelt es nicht: etwa ein Schwarzweißdruck von Félix González-Torres mit einem Startpreis von 200 Euro und ein signierter Druck von Andreas Gursky, der aktuell bei 360 Euro liegt. Oder vielleicht doch ein Wandobjekt aus Holz von Imi Knoebel im selben Preissegment? 

Der unbezahlbare Adrenalinschub kommt dann beim Bieten selbst: der Moment, in dem Du die Hand hebst, das kurze Zögern, ob Dir jemand das Werk vor der Nase wegschnappt – und schließlich das Glücksgefühl, wenn Du ein echtes Kunstwerk mit nach Hause nehmen kannst. Genau deshalb ist eine Auktion wohl eine der unterschätztesten Wochenendaktivitäten Berlins: spannender als Kino, günstiger als gedacht. Am besten schaust Du Dir die Werke vorher live an und notierst schon mal die Losnummern. Die öffentliche Vorbesichtigung läuft bereits ab morgen (11.09.) – und das Team rund um Lena Winter und Sebastian Greber verrät noch mehr über die geheimen Favoriten.

Text: Laura Storfner / Fotos: Alexander Anufriev

Auktionshaus am Grunewald, Lise-Meitner-Str.7-9, 10589 Berlin-Charlottenburg; Stadtplan

Alle Termine zur Vorbesichtigung und Auktion findest Du hier. 

@aagrunewald

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20 JAHRE RADIALSYSTEM — EIN WOCHENENDE FÜR ALLE(S)

20 JAHRE RADIALSYSTEM — EIN WOCHENENDE FÜR ALLE(S)

Wer sich in diesem September zwischen Berlin Art Week, Street Festivals und Saisonwechsel-Trubel noch ein Wochenende freihält, um auf einen Geburtstag zu gehen, wird beim Open House des Radialsystems erfreut feststellen, dass dort ein geballtes Kulturprogramm an ein und demselben Ort stattfindet.

Ganze 20 Jahre nach seiner Eröffnung feiert das Radialsystem seinen Geburtstag mit einem langen Wochenende für alle. Dem Anlass gebührend gibt es Konzerte, Workshops, Lesungen, Tanz und Musik. Am Freitag (11.09.2026) beginnt das Programm bereits am Nachmittag und bietet Workshops, Lesungen und Screenings. Den Auftakt macht das große Konzert des mehrfach ausgezeichneten Andromeda Mega Express Orchestras.

Am Samstag (12.09.) geht’s bereits um 11 Uhr mit Renae Shadlers „Schrumpf! Greyline“ auf der Wiese und Terrasse los. Die Performance verbindet Tanz mit großen, vom Wind bewegten Skulpturen und ist besonders für Kinder und Familien gedacht. Das Radialsystem öffnet gleichzeitig seine Türen für ein Open House mit Picknick an der Spree, Workshops und musikalischen Interventionen. Wer selbst aktiv werden möchte, kann um 12 Uhr beim Tanz- und Malworkshop für Kinder und Familien von Sasha Waltz & Guests mitmachen. Um 13:30 Uhr folgt mit „Whats That Noise?“ eine Listening Party von Sandhya Daemgen. Ab 14 Uhr wird das Radialsystem im Rahmen von Unexpected Lessons 4: Decolonizing the Body in Dance zum Ort für verschiedene Perspektiven auf Körper, Tanz und Wissen. Im Kubus, mit Blick auf die Spree, lädt La Palabre Space bis 21 Uhr zum Verweilen, Lesen, Tee trinken und Austausch ein.

Von 16 bis 18 Uhr folgen im Saal zwei Lecture-Performances: In „Amazonia 20240“ beschäftigt sich Martha Hincapié Charry mit dem Körper als öko-feministischem Territorium. „The Cosmic Body“ von Dr. Rajyashree Ramesh betrachtet den Körper als Teil kosmischer Ordnungen und setzt sich mit indischen performativen Traditionen auseinander. Ebenfalls im Zuge der Unexpected Lessons folgt die Performance „On Unarriving“ von Sage Ni’Ja Whitson. Mit dem In C-Workshop von Sasha Waltz & Guests wird es am Nachmittag nochmal tanzpraktisch: Ab 13 Jahren können Teilnehmende das Bewegungsmaterial von Terry Riley’s „In C“ kennenlernen und ausprobieren, was hinter dem Konzept der getanzten Demokratie steckt. Am Abend folgt in der Halle die In C – special Performance von Sasha Waltz & Guests, in der Terry Rileys „In C“ auf die musikalischen Interpretationen von Acid Pauli, Rodney Barreto, Regis Molina, Daniel Allen Oberto und Karl Ivar Refseth trifft. 

Wer nicht genug davon bekommt, Tanz einfach auf sich wirken zu lassen, kann auf dem Deck bei „Temporary Title, 2026 – In the Middle, Somewhat Rehearsed“ von Xavier Le Roy vorbeischauen. In dem öffentlich zugänglichen Probenprozess arbeiten vierzehn Performer:innen mit Sound, Bewegung und Skulpturen und gewähren Dir Einblicke in die Entstehung ihrer neuen Arbeit. Und weil zum 20. Geburtstag niemand um 22 Uhr ins Bett geht, wird auf der After Party ab 23 Uhr mit Acid Pauli und Shirin weitergefeiert. Wir gratulieren zum 20–jährigen Bestehen einer unabdingbaren Berliner Kulturinstitution und wünschen Dir viel Spaß!

Text: Jessica Röhr / Fotos: Giulia Bruno, Yanina Isla, Grafik: Studio Landenberger Lee

Radialsystem, Holzmarktstr.33, 10243 Berlin–Friedrichshain; Stadtplan

20 Jahre: Radialsystem für Alle 09.–12.09.2026. Das komplette Programm findest Du hier.

@radialsystem_berlin

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WIE KLINGT ZEIT? RYUICHI SAKAMOTO IM HAMBURGER BAHNHOF

WIE KLINGT ZEIT? RYUICHI SAKAMOTO IM HAMBURGER BAHNHOF

Was hat Musik in einem Kunstmuseum zu suchen? Das ist eine der Fragen mit denen Co-Kuratorin Sachiko Namba die Ausstellung „Ryuichi Sakamoto | seeing sound, hearing time“ einleitet. Es ist die erste große Retrospektive des japanischen Künstlers und Komponisten in Europa. Heute Abend eröffnet sie in den Rieckhallen des Hamburger Bahnhof.

Zwischen Umweltschutz und Aktivismus, Film, Performance, elektronischer Musik und Pop – es ist schwierig, den Finger genau darauf zu legen, was Sakamoto ausmachte. Ende der 70er wurde er als Mitbegründer des Yellow Magic Orchestra in Tokio international bekannt. Die Gruppe verband elektronische Musik, Synthesizer-Technologien und digitale Produktionsweisen, lange bevor „Ambient“ und „Techno“ gängige Begriffe wurden. Ab Mitte der 2000er begann er damit, Musik im Raum zu installieren. Musik sei eine Kunstform, die nur in der Zeit existiert, sagte Sakamoto. Die Arbeit mit Klang als räumliche und visuelle Kunstform rückte zunehmend ins Zentrum seines Schaffens. Er entwickelte dreidimensionale Klangräume und arbeitete dabei eng mit Künstler:innen und Filmemacher:innen zusammen. 

Seine Installationen beschäftigen sich mit Wahrnehmung, Zeit, Natur, Technologie und Vergänglichkeit. Zusammenarbeit war dabei ein grundlegendes Prinzip seiner Kunst. Allen Kollaborateur:innen voran steht wahrscheinlich alva noto, oder Carsten Nicolai, mit dem er etwa die Filmmusik für „The Revenant“ (2015), einige Alben co-produzierte und mit dem ihn eine enge Freundschaft verband. Ein Raum wurde von ihm jetzt, dreieinhalb Jahre nach Sakamotos Tod, in der Ausstellung gestaltet: zwei Filmprojekte unterlegt von Tracks aus Sakamotos letztem Album „12“ werden dort gezeigt. Fünf große schwarz-tapezierte Installationsräume wurden insgesamt für die Schau geschaffen, allesamt geprägt von den unverkennbaren Texturen, Kratzern und Klängen des Meisters.

Man könnte Tage in dieser Ausstellung verbringen und jegliches Gefühl von Zeit vergessen, oder vielleicht vielmehr alle Zustände der Zeit durchleben und sich darin verlieren. Wie verändert Musik unsere Wahrnehmung von Zeit? Wie schafft sie Räume, in denen verschiedene Zeitebenen gleichzeitig stattfinden können? Wo kommen darin Umwelt und Kunst zusammen? Und welche Verantwortung tragen wir? Große Fragen, denen sich Sakamoto stellt, und wir uns spätestens beim Betreten der Ausstellung. Aber man solle es einfach halten zwischen all den Fragen, endet Sachiko Namba ihre Einführung. Ihr Rat: „Just enjoy the show“.

Text: Inga Krumme / Credits: Ryuichi Sakamoto „seeing sound, hearing time“, Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart, abgebildete Werke: async-immersion, 2023, TIME, TIME, 2024, Ryuichi Sakamoto + Shiro Takatani & IS YOUR TIME, 2017/24, Ryuichi Sakamoto mit Shiro Takatani © The Estate of Ryuichi Sakamoto / KAB Inc.

Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart, Invalidenstr.50, 10557  Berlin–Mitte; Stadtplan

Ryuichi Sakamoto „seeing sound, hearing time“ 11.09.2026 – 20.06.2027

@hamburger_bahnhof

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15 JAHRE BERLIN ART WEEK: ALLE WEGE FÜHREN ZUR KUNST

15 JAHRE BERLIN ART WEEK: ALLE WEGE FÜHREN ZUR KUNST

Fünfzehn Jahre nach ihrer Gründung ist die Berlin Art Week zum saisonalen Fixpunkt geworden – ein Gradmesser dafür, wie eng sich Berlins Institutionen, Galerien und Off-Spaces mittlerweile verzahnen. Sichtbarstes Zeichen ist der Berlin Art Week Garten, der zum Jubiläum am Kulturforum campiert: fünf Tage Workshops, Gespräche und Filmabende kostenlos und unter freiem Himmel. Nebenan macht „Perform!“ die Neue Nationalgalerie zur Bühne, während Ersan Mondtag und Nadim Samman ihre Kulissen am Berliner Ensemble gegen die Gemäldegalerie eintauschen: Zwischen Cranach und Rembrandt schieben sich lebende Performer:innen wie Wiedergänger durch die Säle, eine Inszenierung über Verfall und Fortdauer. 

In Mitte setzt Mondtag bei Dittrich & Schlechtriem mit seiner ersten Galerie-Einzelausstellung einen drauf. Malerei der Gegenwart erzählt bei dieser Art Week von Zwischentönen, die den Alltag aus dem Gleichgewicht bringen. Zur Gallery Night am 10.09.2026 von 18 bis 22 Uhr, wenn rund 50 Berliner Galerien ihre Türen öffnen, hängt Aubrey Levinthal bei Haverkampf Leistenschneider in Charlottenburg ihre Interieurs – Frauen beim Yoga, am Frühstückstisch, im Halbschlaf – neben Werke von Tal R und Biala. Soy Capitán in Kreuzberg und Max Hetzler in Charlottenburg zeigen Grace Weavers kantig-kubische junge Frauen beim Scrollen, Schminken, Autofahren. Es sind Sinnbilder einer selbstbewussten Generation zwischen Burn- und Boreout. 

Bei Sprüth Magers in Mitte leuchten unterdessen die fast naiv verklärten italienischen LSD-Landschaften des 2015 verstorbenen Sizilianers Salvo. Veränderte Bewusstseinszustände erforscht ein paar Straßen weiter auch Jeremy Shaw bei Galerie Neu. In der Passage am Hermannplatz in Neukölln lässt Carsten Höller eine Fliege, berauscht von Pilzen, taumeln und wieder abheben. In Mitte verwandelt Cevdet Erek bei neugerriemschneider Stadionarchitektur in Klangkörper, Lucia Koch testet bei Carlier Gebauer Licht- und Raumgrenzen aus, während Michael Sailstorfer uns bei Judin gleich komplett den Boden unter den Füßen wegzieht.

Am Samstag (12.09.), spricht Carrie Mae Weems im C/O über ihre „Kitchen Table Series“, mit der sie das häusliche Leben Schwarzer Frauen zur politischen Bühne machte. Von Weems Küchentisch in Massachusetts geht es im Hamburger Bahnhof mit Ryuichi Sakamoto Richtung Japan: Die erste große Europa-Retrospektive des Komponisten besteht aus sieben raumgreifende Klanginstallationen, darunter ein vom Tsunami zerstörtes Klavier, das Erdbebendaten in Echtzeit vertont. Musik, ursprünglich für den Vatikan-Pavillon der Biennale Venedig komponiert, erklingt im Reethaus an der Rummelsburger Bucht. Wie es dazu kam, erzählen die Kuratoren Hans Ulrich Obrist und Ben Vickers am Sonntag (13.09.). 

In Kreuzberg zeigt Rachel Seidu bei Between Bridges queere Intimität in Nigeria, während Jeewi Lee mit „Residual Memories“, einer Arbeit über Spuren und Verlust, für den Gasag Kunstpreis in der Berlinischen Galerie nominiert ist. Bei Esther Schipper lässt David Claerbouts die Zeit fast stillstehen, in Kreuzberg öffnet Theresa Reiwer im HAU3 ihre begehbare Netz-Utopie „Internet Explorer“. Auf 9.000 Quadratmetern präsentiert das Festival Hallen 07 in einer stillgelegten Eisengießerei in Reinickendorf Werke von über 50 Künstler:innen — darunter Ryan Gander und Christian Jankowski.

Museumsdirektorinnen stehen neben Studierenden in Warteschlangen, Sammler:innen fahren mit dem Fahrrad von Vernissage zu Vernissage. Für fünf Tage gerät die ganze Stadt in einen Ausnahmezustand. Genau darin liegt die eigentliche Leistung der Berlin Art Week auch nach fünfzehn Jahren noch: Sie bringt Menschen in Bewegung, die sich sonst nicht begegnen würden – und erinnert daran, dass Kunst nicht nur betrachtet, sondern gemeinsam erlebt werden will.

Text: Laura Storfner / Credits: Berliner Ensemble x Gemäldegalerie, Ersan Mondtag & Nadim Samman, Alternde Meister, Foto: Kathrin Hammer, ©Staatliche Museen zu Berlin; C/O Berlin, Carrie Mae Weems, Welcome Home, 1978-84. Courtesy the artist & Gladstone Gallery New York, Fraenkel Gallery San Francisco; Joan Jonas, Mirror Piece I & II (1969/2025), Neue Nationalgalerie, Berlin Art Week 2025, ©Linus Muellerschoen.

Berlin Art Week 2026
09.–13.09.2026. Das komplette Programm findest Du hier.

@berlinartweek

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THIS IS EVERYBODY: EINE SCHAU IM GEORG KOLBE MUSEUM

THIS IS EVERYBODY: EINE SCHAU IM GEORG KOLBE MUSEUM

Unsere Körper sind geprägt. Soziale Strukturen, historische Normen, politische Prozesse werden an ihnen ausgehandelt, ausgetragen, ausgelebt. Niemals sind Körper frei davon. Dem haben sich viele Kunstbewegungen des letzten und aktuellen Jahrhunderts entgegengesetzt und es zum Thema gemacht. Eine Ausstellung im Georg Kolbe Museum knüpft daran an: „everybody“ stellt Körper in ihrer Gesamtheit, mit all den Geschichten, die sie beinhalten und erzählen, ins Zentrum.

Den Titel leiht sich die Schau von Olivia Laings Buch „Everybody – A Book About Freedom„. Mit besorgtem Blick richtet sich der Fokus auf das Politikum Körper und all das, was dieser über die eigenen Funktionen hinaus leisten muss. Dabei wagt Laing den mutigen Vorstoß in die Vorstellung, wie es wäre, „to inhabit a body without fear“. Gefordert werden körperliche Freiheit und Unversehrtheit – im Bewusstsein der Ironie, dass ein jeder Körper, der die eigene Freiheit fordert, unweigerlich geprägt wird vom Kampf um ebenjene.

Hier setzt die Ausstellung an: Kuratorin Eva de Silva Antunes Alves (unter der Leitung von Kathleen Reinhardt) versammelt Arbeiten von Künstler:innen wie Pauline Boudry und Renate Lorenz, Eva & Adele, Carolyn Lazard, Monilola Olayemi Ilupeju und vielen mehr. Im Garten grüßen wie gehabt Kolbes Skulpturen, ein Wink auf alles Korporale, was drinnen wartet. Künstlerin Monilola Olayemi Ilupeju greift Kolbes Arbeiten auf, umhüllt sie mit Lederresten und bestückt sie mit Strass, um sie zu neuen, fragilen Hüllen zu formen. Renate Lorenz und Pauline Boudrys Sound- und Videoinstallation „All the Things She Said“ zeigt Whistleblowerin Chelsea Manning bei einer Rede- und DJ-Performance in Berlins queerer Institution Schwuz. Der Club musste im vergangenen Winter schließen. Was passiert, wenn Safe Spaces verschwinden? Wenn Orte schließen, an denen Körper der Illusion von Freiheit am nächsten kommen?

Neben großen Fragen wie diesen stehen einige Werke: die Gemälde von Luís Lázaro Matos, in denen Menschen und Belugawale fabelhaft miteinander verschmelzen und alternative Szenarien des Zusammenlebens abbilden. Nebenan: Eine großflächige Papierarbeit und diskursfordernd gegenübergestellt ein pelzbesetztes Stuhlpublikum von Ikonen Eva & Adele. Von der Decke hängt Lauryn Youdens „siège d’amour“, ein Daybed, dem die Künstlerin eine pastellrosa Corsage verpasst hat. Sie setzt sich in ihrer Arbeit mit den Entwürfen von Eileen Gray auseinander – und inszeniert sie durch Verschmücken in Momente queerer Verletzlichkeit und rosig-verschnürte Fragen nach Barrierefreiheit.

Am 13. September wird die Schau im Rahmen der Art Week durch ein gleichnamiges eintägiges Performance Festival ergänzt. Monilola Olayemi Ilupeju, Janne Kummer und Lauryn Youden zeigen Arbeiten, die den Körper in seinen Möglichkeiten und Wahrnehmungen diskutieren. Und zwischen radikaler Verletzlichkeit, Verbundenheit, Autonomie und Widerstand wird das Georg Kolbe Museum zu einem offenen Raum der Verhandlung, in dem Körper herausgefordert und gefeiert werden. Eine Show für every body.

Text: Inga Krumme / Credits: Ausstellungsansichten everybody, Georg Kolbe Museum, 2026, Fotos: Jens Ziehe; Monilola Olayemi Ilupeju, „My Mourning Routine I AD“, 2019. Foto: Robert Rieger.

Georg Kolbe Museum, Sensburger Allee 25, 14055 Berlin–Westend; Stadtplan

everybody bis 29.11.2026
everybody. Performance Festival 13.09.2026 14–17h

@georgkolbemuseum

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