Manchmal braucht es keinen neuen Ort, sondern einen frischen Blick auf einen alten. Das Georg Kolbe Museum feiert 75 Jahre – und zeigt, warum dieser Ort noch immer gut in Bewegung ist. Ursprünglich mal das Atelierhaus des Bildhauers Georg Kolbe, wurde das heutige Museum in den 1920er Jahren als radikal modernes Wohn- und Arbeitsensemble gebaut. 1950 öffnete das Georg Kolbe Museum als erste museale Neugründung im Nachkriegs-West-Berlin seine Türen. Heute ist es ein Ort, der nicht nur Skulpturgeschichte erzählt, sondern aktuelle Kunst in Beziehung zu Körper, Raum und Natur setzt. Zum Geburtstag gibt’s ein volles Programm: Mit Tea and Dry Buiscuits wird auf den Geburtstag angestoßen und ans Erinnern erinnert – mit Künstler:innen wie zum Beispiel Álvaro Urbano, Cao Fei, Laure Prouvost, Danh Vo, Ruth Wolf-Rehfeldt und natürlich Georg Kolbe. Die Ausstellung schaut dabei (nicht nur) zurück und hinterfragt: Wie wurde Geschichte erzählt? Und von wem? Zwischen persönlichen Banden, die das Haus geprägt haben, und musealen Routinen des Bewahrens und Kuratierens entsteht eine kritische Auseinandersetzung mit Erinnerung. Im Garten steht dieses Jahr eine Arbeit von David Hartt. Er spielt in seinem Schaffen mit Architektur, urbaner Entwicklung und der Frage, wie Räume unsere Identität prägen. Seine Videoarbeit hat er Metabolic Rift genannt, als kritische Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Mensch, Körper und Natur im Kapitalismus. Und ob nun für Kapitalismuskritik, trockene Kekse oder doch lieber ein Stück Aprikosenkuchen im Café Benjamine – es gibt genug Gründe, dem Georg Kolbe Museum einen Besuch abzustatten.
Text: Inga Krumme / Fotos: Enric Duch & Nicolas Brasseur / Credit: VG Bild-Kunst; Georg Kolbe Museum
Georg-Kolbe-Museum, Sensburger Allee 25, 14055 Berlin–Westend; Stadtplan
Tea and Dry Biscuits. An Anniversary Exhibition (bis 28.09.2025)
David Hartt. Metabolic Rift (bis 28.09.2025)
@georgkolbemuseum


