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VOM RAPPER ZUM WEINKENNER: TONY D UND SEINE WEINHANDLUNG WINE DAMAGER

VOM RAPPER ZUM WEINKENNER: TONY D UND SEINE WEINHANDLUNG WINE DAMAGER

Gute Weinhandlungen gibt es in Berlin nicht wenige. So sympathisch wie im Wine Damager, einem kleinen Laden in der Nähe des Rosenthaler Platzes, geht es aber vermutlich in keiner zu. Das liegt nicht nur an der persönlichen Auswahl, sondern vor allem am herzlichen Besitzer: Tony D, der mit bürgerlichem Namen Mohamed Ayad heißt – ein Mann, den viele vermutlich aus einem anderen Kontext kennen dürften. Denn der gebürtige Kreuzberger war in den Nullerjahren Teil von Aggro Berlin und hat mit Songs wie „Wo sind die Gegnaz“ eine ganze Generation zum Mitbrüllen gebracht. Später orientierte sich Tony neu, arbeitete in der Berliner Gastroszene und entdeckte seine Liebe zum Wein: Er taucht in die Szene ein, freundet sich mit Winzer:innen an und entdeckt Weine, die ihn begeistern. 2019 schließt er schließlich die Sommelierschule in Koblenz mit Auszeichnung ab und gründet 2020 den Wine Damager – zunächst als Pop-up-Shop. „Ich hab großen Gefallen gefunden am Weinhandel und allem, was damit zusammenhängt,“ erzählt er. Seine Leidenschaft teilt er mittlerweile permanent auf der Brunnenstraße.

Orange strahlt hier der Ladenschriftzug auf den Asphalt und zieht einen hinein in Tonys Welt, in der man neben Klassikern auch viele Naturweine findet. Sein Herz schlägt für Weingüter aus Baden, man findet aber auch sehr viele Neuentdeckungen aus anderen Regionen in seinen Regalen. Seit letzter Woche bietet Tony exklusiv in Berlin die Weine von Lukas Hammelmann aus der Pfalz an, der hervorragenden Riesling, Spätburgunder und Rosé produziert. Während man sich – begeistert von der Zusammenstellung – durch den Laden treiben lässt, läuft im Hintergrund natürlich Hip Hop. Denn Tony bleibt, egal, in welcher Welt er unterwegs ist, eben Tony D, der Damager. Dass er gut vernetzt ist im Kiez, zeigen auch die Veranstaltungen, die er regelmäßig mit benachbarten Bars und Läden wie dem Volk auf die Beine stellt. Also Augen aufhalten: Denn das nächste Event kommt bestimmt. Spätestens, wenn Tony im August das zweijährige Jubiläum seines Ladens feiert!

Text: Laura Storfner / Fotos: Savannah van der Niet

Wine Damager, Brunnenstr.7, 10119 Berlin–Mitte; Stadtplan
Di–Fr 13–20h, Sa 11–19h

@wine.damager

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MON DIEU, STUDIO MONDIAL! EIN FIKTIVES KUNSTHAUS AM KU’DAMM, LIEBENSWERTE KREATUREN & EIN GARTENFEST

MON DIEU, STUDIO MONDIAL! EIN FIKTIVES KUNSTHAUS AM KU’DAMM, LIEBENSWERTE KREATUREN & EIN GARTENFEST

Was wäre, wenn der Ku’damm ein Kunsthaus hätte? Eins zum Flanieren und Träumen. Die Kirsche der Kultur auf dem Boulevard des Luxus. Zumindest des Vergangenen – blättert doch das Gold schon seit Jahren vom konsumistisch-nostalgischen Symbol des alten und neuen West-Berlins, stehen doch immer wieder Flächen leer, wechseln die Mieter:innen oft und nicht zum Besten. Die Entwicklung der Gegend und die Utopie der Kunst stehen unter anderem im Mittelpunkt der Ausstellung „Kunsthaus“ im Studio Mondial am Kurfürstendamm 47, die morgen (14.07.2023) mit großem Gartenfest im ehemaligen Hotel Mondial eröffnet. Die teils parallel gezeigten Solopräsentationen finden ihre Überschneidungen in verspielter Poesie und Konzept, die Kuration der umtriebigen Berliner Kulturschaffenden Lutz Henke und Vlado Velkov zeigt einen sympathischen Sinn für Augenzwinkern und Verschmitztes. So reckt sich eine riesige Textilinstallation von Dafna Maimon in Form einer gelangweilten Zunge schlapp und sockengleich auf den Asphalt, wahnsinnig ästhetisch und voller Humor lugt sie aus dem Eingang, hängt einfach so ab, vollkommen sympathisch, ohne Anspruch jeglicher Deutungshoheit. Auch die Arbeiten des Schweizer Künstler Reto Pulfer arbeiten mit Textil. Ortspezifische Fundstücke verwandeln den Raum, das Ganze wirkt nahbar, beobachtend, transformierend und verspielt.‘

Transformation und Spiel gelingen hier überhaupt sehr gut, auf jeden Fall in Gedanken. Was-wäre-wenn-Spiele zum Beispiel: Was wäre, wenn die Welt anders wäre? Ohne Krieg und Inflation und Pandemien? Was wäre, wenn die Stadt für ihre Bewohner:innen genug Raum zur Verfügung hätte? Was wäre, wenn die Kunst für alle da wäre? Und der Ku’damm? Was wäre, wenn das Hotel Mondial noch einmal fantastische Zeitgenoss:innen beherbergen würde? Zumindest die letzte Frage kann man sich ganz konkret beantworten. Weitere künstlich-stille Bewohner:innen aus den Händen, Köpfen und Studios von Fernando Sánchez Castillo, Jimmie Durham, Philipp Eyrich, Inge Mahn, Benedikt Terwiel und vielen andere sind zu entdecken und bewundern. Was wäre, wenn der Ku’damm ein Kunsthaus hätte? Wahrscheinlich wäre das ziemlich schön.

Text: Hilka Dirks / Credit: Dafna Maimon, Mutating Mary, 2019. Ausstellungsansicht, Studio Mondial Berlin, 2023; Reto Pulfer, Simulat, 2023. Ausstellungsansicht, Studio Mondial Berlin, 2023 / Fotos: Studio Mondial

Studio Mondial, Kurfürstendamm 47, 10707 Berlin–Charlottenburg; Stadtplan
Mi–Sa 12–18h, Eintritt frei. 

Gartenfest und Eröffnung: 14.07.2023 17–22h. Wer zum Gartenfest noch was im Sinne der Schrebergartenromantik mitbringt, von Gartenzwerg bis Rasenmäher, bekommt einen Drink aufs Haus.

@studio_mondial

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OPEN-AIR-MUSIKREIHE, DIE GENRES UND KONTINENTE UMFASST — LIVE-KONZERTE & DJ-SETS IM INNENHOF DES HUMBOLDT FORUMS

OPEN-AIR-MUSIKREIHE, DIE GENRES UND KONTINENTE UMFASST — LIVE-KONZERTE & DJ-SETS IM INNENHOF DES HUMBOLDT FORUMS

Mit einem Drink in der Hand, umgeben von barocker Architektur, lehnst Du Dich zurück und genießt ein Open-Air-Konzert, während sich ein weiterer lauer Sommerabend dem Ende zuneigt. Nein, Du bist nicht in Noto auf Sizilien oder Cordoba in Südspanien: Du bist in Berlin, im Nordosten Deutschlands – genauer gesagt im Schlüterhof am Humboldt Forum in Mitte. In diesem neoklassizistischen Innenhof findet in den nächsten vier Donnerstagen, Freitagen und Samstagen (13.07-05.08.2023) „Durchlüften“ statt, ein Programm mit kostenlosen Konzerten und DJ-Sets im Freien. Das Festival, das bereits zum dritten Mal stattfindet, bringt Musiker:innen aus verschiedenen Kontinenten für ein 12-tägiges Programm zusammen. Zu den Höhepunkten gehören Hip-Hop aus Simbabwe von AWA Khiwe (African Women Arise)(heute Abend, 13.07. 20h30), Stripped-Back-Soul von der puertoricanisch-amerikanischen Künstlerin Duendita (22.07. 20h30) und anatolisch angehauchte Klänge von Merve Salgar und Anil Eraslan, die, die Tanbur, eine Langhalslaute mit bis zu 48 Bünden, spielen (28.07. 19h). Du kannst die Musik in den bereitgestellten Liegestühlen genießen, aber wenn Du Lust auf ein wenig Bewegung hast, wird Dich das lebhafte DJ-Programm auf Trab bringen. Sehenswert ist der afrikanisch inspirierte Tanz von Maryisonacid und Dauwd (aka African Acid Is The Future), die heute Abend (13.07.) ab 22 Uhr das Programm abschließen. Ein Aperitif bei Sonnenuntergang mit Freund:innen, begleitet von einer Serenade unter freiem Himmel? Ja, Berlin kann das auch!

Text: Benji Haughton / Fotos: Stefanie Loos & Xander Heinl

Schlüterhof Humboldt Forum, Schlossplatz, 10178 Berlin–Mitte; Stadtplan

Durchlüften findet jeden Donnerstag, Freitag und Samstag bis zum 05.08.2023 ab 19h statt. Der Eintritt ist frei.

@humboldtforum

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LITERATUR MIT MINIGOLF, TECHNO IM MUSEUM & STERNSCHNUPPEN NACH TORSCHLUSS — DIE BESTEN KOMBIS DES KULTURSOMMERFESTIVALS

LITERATUR MIT MINIGOLF, TECHNO IM MUSEUM & STERNSCHNUPPEN NACH TORSCHLUSS — DIE BESTEN KOMBIS DES KULTURSOMMERFESTIVALS

Das Kultursommerfestival läuft seit 18 Tagen. Das Programm in diesem Jahr ist divers, hochwertig, bunt, laut, subtil, von ausgesprochen hoher Qualität und dabei so voll, dass es leicht fällt, die besten Dinge zu verpassen. Damit das nicht passieren kann, haben wir schon mal einige Trüffel für Dich erschnüffelt: Für Literaturgebeisterte ist das Neuköllner Event Megagolf von einem unserer liebsten Labels für junge Literaturvermittlung Kabeljau und Dorsch nicht zu verpassen. Auf dem pittoresken Minigolfplatz Hertzberg, der aussieht wie aus einem Wes Anderson Film gefallen, wird am Mittwoch (19.07.2023 von 18—23h) gelesen. Auf Deutsch und Englisch mit Bier und Bratwurst kann man der tastend-beeindruckenden Sprache Lin Hierses und a.Montis lauschen, den neuen Worten Roman Ehrlichs und den Klängen der Wien-Berliner Indie-Band Vague. Gleich am nächsten Tag geht es weiter. Vom gemütlichen Kiez ab in den Hamburger Bahnhof: Ab 16 Uhr ist der Eintritt in die aktuelle Ausstellung „Devouring Lovers“ von Eva Fàbregas frei, unter dem Motto „Ask me“ finden Gespräche, Fragen, Führungen und Konversation über und inmitten der Kunst statt, das Ganze auf diversen Sprachen.

Zusätzlich feiert Künstlerin, Aktivistin und DJ Venetta die elektronische Musik und verwebt ihre Sounds zwischen Techno, Elektro, Global Club und Rap im Rahmen von Berlin Beats. Wem das alles schon zu viel ist; zu viel Berlin, zu viel Kunst, zu viel cool und wer sich stattdessen lieber mit den Sternen und der Natur beschäftigt, der sollte sich in jedem Fall die zehnte Lange Nacht der Astronomie der Stiftung Planetarium (12.08.) auf dem Tempelhofer Feld nicht entgehen lassen. Im Perseiden-Meteorstrom (genau Sternschnuppen!) lernt man den Unterschied zwischen Sternen, Planeten und Satelliten. Mit Teleskopen kann man den Himmel beobachten und wird zwischen Sternbildern umher geführt. Oh Kultursommerfestival – wie schön, dass es dich gibt!

Text: Hilka Dirks / Fotos: Alexander Rentsch & Marcus Glahn

Kultursommerfestival

Megagolf bei Hertzberg Golf, Sonnenallee 165, 12059 Berlin–Neukölln; Stadtplan
19.07.2023 18–23h

Berlin Beats & Venetta im Hamburger Bahnhof, Invalidenstr.50-51, 10557 Berlin–Moabit; Stadtplan
20.07.2023 16–22h

10. Lange Nacht der Astronomie auf dem Tempelhofer Feld, Eingang Tor West / Tempelhofer Damm 12101 Berlin–Tempelhof; Stadtplan
12.08.2023 17–01h

@kultursommerfestival.berlin

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DREI GEBURTSTAGE & EIN ADIEU: DAS WETTER X BLOCK X DIE EPILOG LADEN ZUM JUBILÄUM INS BRECHT-HAUS

DREI GEBURTSTAGE & EIN ADIEU: DAS WETTER X BLOCK X DIE EPILOG LADEN ZUM JUBILÄUM INS BRECHT-HAUS

Sicher, sicher, alles ist digital, jederzeit können wir alles auf unseren kleinen Bildschirmen lesen, kommentieren und versenden. Und trotzdem ist da ja noch Print. Immer weniger, aber es gibt ihn noch. Ich liebe ihn sehr, besonders Magazine. Das Blättern, die gewellten Seiten vom Kaffee-, Badewannen-, Prinzenbadwasser, die großen Fotos, die analog irgendwie echter, wirklicher sind, die klugen Gedanken, deren Autorität im Druck größer erscheint, die Möglichkeit die Seiten auszureißen, abzureißen, zu versenden, an die Wand zu hängen oder um Geschenke zu wickeln. Das Objekt. Der Fetisch. Alles. Drei besonders kluge und gute Exemplare sind (oder teilweise – leider — waren) die unabhängigen Berliner Zeitschriften Das WetterDie Epilog und Theresia Enzensbergers Block. Seit mehr oder weniger zehn Jahren liegen sie in Regalen, Wohnzimmern und WG-Klos der Stadt herum. Und das zu Recht: Literatur, Kunst, Musik, Poesie, Hoch- und Popkultur, jede Menge Fotografie, das alles mit Witz, Zeitgeist, Gefühl und Durchhaltevermögen.

Es wird also Zeit, zehn Jahre gerissene und eingehaltene Deadlines ordentlich zu feiern. Heute Abend (13.07.2023) im Literaturforum im Brecht-Haus, laden die drei Redaktionen zum Fest. Es ist ein Geburtstag und ein Abschied — zumindest für Die Epilog, deren allerallerletzte Ausgabe „Kraft“ leider schon 2021 erschien. Das Programm ist wild, es wird natürlich gelesen: unter anderem von Jakob Nolte und Teresa Guggenberger, Lynn Takeo Musiol, Paulina Czienskowski und Rudi Nuss, dazu noch Spezialgäste des Metamorphosenmagazins. Getrunken wird natürlich auch, hinter der Bar stehen Verleger:innen und Autor:innen selbst, es gibt Livemusik und DJ-Sets, einen Räumungsverkauf der Verlagsbestände, Nostalgia und ganz bestimmt viel, viel Konversation. Sicher, sicher, alles ist digital. Aber so richtig gute Literaturpartys, die gibt’s halt auch nur in echt.

Text: Hilka Dirks / Fotos: Urs Mader & Literaturforum

Literaturforum im Brecht–Haus, Chausseestr.125, 10115 Berlin–Mitte; Stadtplan
Druckabgabe 13.07.2023 ab 19h & Party ab 23h.

@wetteristimmer
@dieepilog
@lfbrecht

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