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RASENDE DIALOGE UNTER DEM FEUERBALL — KINDER DER SONNE IM BERLINER ENSEMBLE

RASENDE DIALOGE UNTER DEM FEUERBALL — KINDER DER SONNE IM BERLINER ENSEMBLE

Regisseurin Laura Linnenbaum inszeniert Jakob Noltes Gegenwartsfassung von Maxim Gorkis „Kinder der Sonne“ als zweieinhalb Stunden dichte Milieustudie einer bürgerlichen Gesellschaft im Leerlauf und trifft damit erschreckend nah die Gegenwart. Zuerst fällt einem der Boden auf: Klebrig-glitzernd-schwarz bedeckt er die gesamte Bühne des Neuen Hauses. Er kriecht an Laternenpfählen hoch und verwandelt den Garten einer Villa am Stadtrand in einen Ort, den man eigentlich nicht berühren möchte – irgendwo zwischen Ölpest, seltener Erde oder verbranntem Asphalt. Was auch immer der Bühnenbildner Daniel Roskamp dort verlegt hat, es zwingt die Figuren des Stückes zur permanenten Bewegung, als wäre das Stillstehen auf dieser feindseligen Oberfläche schmerzhaft, ständig rutschen die Protagonist:innen runter und ab, so wie die Worte, die ungebremst aus ihrem Mund herausfallen. Drei Intellektuelle – ein Literaturwissenschaftler, seine Frau und seine traumatisierte Schwester – leben in einem Haus mit ständig kaputtem Gartentor. Umworben werden sie von einer Unternehmerin, einem Maler und einem Tierarzt, während die Haushälterin, ein Handwerker und der Vermieter am Rand stehen, oft wortwörtlich. Alle reden, miteinander, gegeneinander, meist aneinander vorbei. Niemand ist sympathisch, alle sind Antihelden. Und trotzdem fiebert man ungewollt mit, wenn sich das Drama der Bedeutungslosigkeit entfaltet. Sich ganz in das Stück fallen zu lassen, gelingt nicht sofort, die doppelte Unerträglichkeit von gespielter und realer Realität sitzt eng. Wenn man sich jedoch darauf einlässt, ist man plötzlich mittendrin, in diesem rasenden, sprachlichen Mahlstrom über die Relevanzen und Nichtigkeiten des Bildungsbürgertums, gestern wie heute. Was bleibt, ist eine ausgesprochen kluge Charakterstudie der studierten Gesellschaft, ganz ohne Moral.

Text: Hilka Dirks / Fotos: Gianmarco Bresadola

Berliner Ensemble, Bertolt-Brecht-Platz 1, 10117 Berlin–Mitte; Stadtplan

Kinder der Sonne bis 26.04.2026

@blnensemble

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TO STREAM, OR NOT TO STREAM: GRAND THEFT HAMLET PREMIERE MIT MUBI IM HAU

TO STREAM, OR NOT TO STREAM: GRAND THEFT HAMLET PREMIERE MIT MUBI IM HAU

Wie so ziemlich alle Millennials habe ich meine Jugend mit Videospielen verbracht. Auf Zelda folgten Singstar, Sims und Skyrim und irgendwann, niemand kam dran vorbei, GTA, kurz für Grand Theft Auto. Autos klauen, Helikopter fliegen, Verbrechen begehen, kurzum: Gangster sein. Perfekt geeignet für die Zerstreuung der Identitätskrisen und Probleme des Alltags. Diese Zerstreuung bietet es auch für die beiden Schauspieler Sam Crane und Mark Trost, die sich im Januar 2021 in London im mittlerweile dritten COVID-Lockdown befinden und nicht wissen wohin mit sich. Isoliert und voll mit Zukunftsängsten treffen sie sich in Grand Theft Auto online. Nach einer Verfolgungsjagd mit der Polizei landen sie zufällig in einem Theater der Videospielwelt Los Santos. Und stellen sich auf der Bühne die – erst scherzhafte, recht schnell aber ernstgemeinte – Frage, ob es nicht möglich wäre, Hamlet in der virtuellen Umgebung aufzuführen. Gemeinsam mit Sams Frau Pinny Grylls fangen sie an, Mitspieler:innen zu casten (kein einfaches Unterfangen in einem Spiel, in dem man dauernd erschossen wird), Locations zu suchen und ein Skript zu verfassen. Die Avatare proben vor dem Hintergrund der oft dramatischen Stadtlandschaften von Los Santos ein Stück über Rache und Wahnsinn; in einer fiktiven Welt, in der Tod und Zerstörung die Norm sind. Zwischen den absurden Szenen von Proben, die in Schlägereien und anderen versehentlichen Todesfällen enden („The thing is you can’t stop production just because somebody died“), passieren rührende zwischenmenschliche Momente der Cast-Mitglieder.

Denn während der gesamte Film und das Stück in einer fiktiven Welt spielt, sitzen doch alle zu Hause an ihrem Computer oder ihrer Playstation, konfrontiert mit den realen Problemen und Ängsten, die sie erwarten, wenn sie das Headset abnehmen. Ich hätte nie gedacht, dass mich mal ein Videospiel-Stream zu Tränen rührt. Noch weniger hätte ich gedacht, dass das besagte Videospiel GTA sein wird. Es war sozusagen eine Premiere. Und die kannst auch Du nächste Woche (26.02.2025) erleben: Der mittlerweile mehrfach ausgezeichnete Film Grand Theft Hamlet feiert im HAU zusammen mit Mubi die Premiere auf der Streaming Plattform. Im Anschluss gibt’s ein Q&A mit den Regisseur:innen Pinny Grylls und Sam Crane und dem Animator, visuellen Künstler und Software-Entwickler Friedrich Kirschner. Und das, wie könnte es anders sein, natürlich virtuell.

Text: Inga Krumme / Stills: Grand Theft Hamlet

HAU2, Hallesches Ufer 34, 10963 Berlin–Kreuzberg; Stadtplan
Grand Theft Hamlet 26.02.2025 20h, kostenloser Eintritt (mit Ticket).

@hauberlin 
@mubideutschland

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DEIN OFFICE IM CEE CEE STUDIO: EIN RAUM INKLUSIVE EIGENEM MEETING RAUM FREI AB JANUAR

DEIN OFFICE IM CEE CEE STUDIO: EIN RAUM INKLUSIVE EIGENEM MEETING RAUM FREI AB JANUAR

Alles neu macht der Januar: Wir räumen um und denken unseren Space neu. Daher haben wir nicht nur freie Büroplätze (siehe auch Beitrag hier), sondern ggf. auch einen ganzen Raum für eine kleine Firma. Im unteren Teil unseres Studios gibt’s nämlich ab sofort auch freie Plätze. Der helle Raum mit bodentiefen Fenstern verfügt über einen eigenen Eingang und hat Zugang straßenseitig – das heißt, Du könntest auch einen kleinen Showroom einrichten. Auf Wunsch mit eigenem Meetingraum. Telefonkabinen und Küche teilst Du Dir mit dem Rest des Studios. Und analoge Annehmlichkeiten wie Third Wave Coffee, Leogant-gefiltertes Wasser, Drucker und Schneidetisch gibt’s dazu. Digitales selbstverständlich auch, wie ein Meeting Room Buchungssystem, ein digitales Schloss am Haupteingang und klar: gutes Internet. Wir suchen für den hellen Raum an der Charlottenstraße ein Unternehmen bis acht Personen oder zwei kleine Gruppen/Kollektive/Firmen. Wenn das spannend klingt, dann melde Dich gerne bei uns per E-Mail. Und mit etwas Glück sind auch noch Einzelplätze im Cee Cee Studio zu haben. Besichtigungen sind jederzeit möglich – Cee Cee you later.

Text: Nina Trippel / Fotos: Robyn Steffen

Cee Cee Studio, Charlottenstr.1, 10969 Berlin–Kreuzberg; Stadtplan

Kosten für einen Einzelplatz: 380€/pP. Kosten für den Einzelraum inkl. Meeting Raum: 3500€/Monat

@ceeceecreative
@ceeceeberlin

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MON DIEU, STUDIO MONDIAL! EIN FIKTIVES KUNSTHAUS AM KU’DAMM, LIEBENSWERTE KREATUREN & EIN GARTENFEST

MON DIEU, STUDIO MONDIAL! EIN FIKTIVES KUNSTHAUS AM KU’DAMM, LIEBENSWERTE KREATUREN & EIN GARTENFEST

Was wäre, wenn der Ku’damm ein Kunsthaus hätte? Eins zum Flanieren und Träumen. Die Kirsche der Kultur auf dem Boulevard des Luxus. Zumindest des Vergangenen – blättert doch das Gold schon seit Jahren vom konsumistisch-nostalgischen Symbol des alten und neuen West-Berlins, stehen doch immer wieder Flächen leer, wechseln die Mieter:innen oft und nicht zum Besten. Die Entwicklung der Gegend und die Utopie der Kunst stehen unter anderem im Mittelpunkt der Ausstellung „Kunsthaus“ im Studio Mondial am Kurfürstendamm 47, die morgen (14.07.2023) mit großem Gartenfest im ehemaligen Hotel Mondial eröffnet. Die teils parallel gezeigten Solopräsentationen finden ihre Überschneidungen in verspielter Poesie und Konzept, die Kuration der umtriebigen Berliner Kulturschaffenden Lutz Henke und Vlado Velkov zeigt einen sympathischen Sinn für Augenzwinkern und Verschmitztes. So reckt sich eine riesige Textilinstallation von Dafna Maimon in Form einer gelangweilten Zunge schlapp und sockengleich auf den Asphalt, wahnsinnig ästhetisch und voller Humor lugt sie aus dem Eingang, hängt einfach so ab, vollkommen sympathisch, ohne Anspruch jeglicher Deutungshoheit. Auch die Arbeiten des Schweizer Künstler Reto Pulfer arbeiten mit Textil. Ortspezifische Fundstücke verwandeln den Raum, das Ganze wirkt nahbar, beobachtend, transformierend und verspielt.‘

Transformation und Spiel gelingen hier überhaupt sehr gut, auf jeden Fall in Gedanken. Was-wäre-wenn-Spiele zum Beispiel: Was wäre, wenn die Welt anders wäre? Ohne Krieg und Inflation und Pandemien? Was wäre, wenn die Stadt für ihre Bewohner:innen genug Raum zur Verfügung hätte? Was wäre, wenn die Kunst für alle da wäre? Und der Ku’damm? Was wäre, wenn das Hotel Mondial noch einmal fantastische Zeitgenoss:innen beherbergen würde? Zumindest die letzte Frage kann man sich ganz konkret beantworten. Weitere künstlich-stille Bewohner:innen aus den Händen, Köpfen und Studios von Fernando Sánchez Castillo, Jimmie Durham, Philipp Eyrich, Inge Mahn, Benedikt Terwiel und vielen andere sind zu entdecken und bewundern. Was wäre, wenn der Ku’damm ein Kunsthaus hätte? Wahrscheinlich wäre das ziemlich schön.

Text: Hilka Dirks / Credit: Dafna Maimon, Mutating Mary, 2019. Ausstellungsansicht, Studio Mondial Berlin, 2023; Reto Pulfer, Simulat, 2023. Ausstellungsansicht, Studio Mondial Berlin, 2023 / Fotos: Studio Mondial

Studio Mondial, Kurfürstendamm 47, 10707 Berlin–Charlottenburg; Stadtplan
Mi–Sa 12–18h, Eintritt frei. 

Gartenfest und Eröffnung: 14.07.2023 17–22h. Wer zum Gartenfest noch was im Sinne der Schrebergartenromantik mitbringt, von Gartenzwerg bis Rasenmäher, bekommt einen Drink aufs Haus.

@studio_mondial

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LAST-MINUTE-GESCHENKE: UNSERE BUCH-TIPPS VON ROMANEN BIS KOCHBÜCHER

LAST-MINUTE-GESCHENKE: UNSERE BUCH-TIPPS VON ROMANEN BIS KOCHBÜCHER

Du bist noch auf der Suche nach belletristischen Weihnachtsgeschenken oder wünscht Dir Leseempfehlungen für die Feiertage? Wir haben die schönsten Bücher des Jahres aus den zwei Kategorien zusammengestellt, die das Cee-Cee-Universum ausmachen: Kitchen und Fiktion – also Romane und alles rund um gutes Essen. Wenn es um neue Rezepte geht, war das Magazin Bon Appétit lange Zeit die beste Adresse: Auf YouTube hatte das Team der BA-Testkitchen eine treue Fangemeinde. Weil es hinter den Kulissen nicht immer so harmonisch zuging, wandten sich viele Mitarbeiter:innen eigenen Projekten zu. So erschien 2022 „The Cook You Want to Be“ von Andy Baraghani, der nicht nur erzählt, wie seine persischen Wurzeln seine Rezepte beeinflussen, sondern auch seinen Werdegang als Koch Revue passieren lässt – angefangen bei der Zeit, als er als Teenager im Kultrestaurant Chez Panisse Zwiebeln schälte. Claire Saffitz, eine weitere BA-Alumna und bekannt für ihre Kuchenkreationen, liefert mit „What’s for Dessert“ Inspiration für Nachspeisen: vom Cobbler bis zu Karamell-Erdnuss-Popcorn-Riegeln. Als Kompilation begreift sich das Charitykochbuch „Turn the Tables“ mit Rezepten von DJs wie dem Duo Marvin & Valentino aka Public Possession.

In Berlin haben unterdessen Gülsüm Güler und Inci Güler vom Supper Club TDD ihr erstes eigenes Buch herausgebracht, das Rezepte und Geschichten aus 15 Jahren Dinnererfahrung zusammenbringt. An der Grenze zwischen Kitchen und Fiktion bewegt sich das Cake Zine, das in diesem Jahr mit zwei Ausgaben voller Rezepte, Essays, Gedichten und Fotografien rund um Kuchen an den Start ging. In seinem Debütroman „Hund, Wolf, Schakal“ begleitet Behzad Karim Khani zwei Brüder, die aus dem Iran fliehen mussten, durch die Straßen von Neukölln. Vom Ankommen in Berlin berichtet auch Musa Okwonga in „Es ging immer nur um Liebe„: Er beschreibt, wie es ist, als Person of Colour nach einem Gefühl von Zuhause zu suchen. Eine der fantastischen Liebesgeschichten kommt in diesem Jahr von Sheila Heti, die mit „Pure Colour“ von einer jungen Frau erzählt, die sich in das Blatt eines Baums verwandelt. Utopisch wirkt auch Theresia Enzensbergers Roman „Auf See„, der der 17-jährigen Yada folgt, die in einer schwimmenden Stadt in der Ostsee lebt. Eine Hommage an das Schreiben und Geschichtenerzählen an sich ist Claire-Louise Bennetts Roman „Checkout 19„. Viel Spaß beim Lesen!

Text: Laura Storfner / Fotos: Savannah van der Niet, Cottonbro & Samson Katt

The Cook You Want to Be“ von Andy Baraghani (2022, Lorena Jones Books, 336 Seiten)

What’s for Dessert“ von Claire Saffitz (2022, Clarkson Potter, 368 Seiten)

Turn the Tables“ von Eira Haul (2021)

Flavours & Friends“ von TDD Bon Appétit (2022, Gülsüm Güler 480 Seiten)

Cake Zine

Hund, Wolf, Schakal“ von Behzad Karim Khani (2022, Hanser Berlin, 288 Seiten)

In the End, it Was All About Love“ von Musa Okwonga (2021, Rough Trade Books, 132 Seiten)

Pure Colour“ von Sheila Heti (2022, Harvill Secker, 224 Seiten)

Auf See“ von Theresia Enzensberger (2022, Hanser, 272 Seiten)

Checkout 19“ von Claire-Louise Bennett (2021, Jonathan Cape, 224 Seiten)

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