Selbst kreativ werden und Erfahrungen mit anderen teilen: Die aktuelle Ausstellung von Oscar Murillo im Minsk in Potsdam ist mehr als eine reine Kunstschau. Murillo, 1986 in Kolumbien geboren, war mit Anfang zwanzig der Liebling des Kunstmarkts. Doch heute will der Turner-Preisträger weniger die Auktionssäle und Feuilletons mit Rekorden, als vielmehr die Menschen mit seiner Mitmachmalerei bewegen. Seine mitreißende Durchlässigkeit ist noch bis 09. August 2026 im Potsdamer Minsk zu erleben. „Kollektive Osmose“ heißt der Titel der jüngsten Ausstellung. Murillo verwendet den Begriff der Osmose, der in der Naturwissenschaft beschreibt, wie Flüssigkeit durch eine Membran wandern kann, um Gleichgewicht herzustellen – als Metapher für das, was Kunst im besten Fall erreicht: Grenzen zwischen Innen und Außen, zwischen Institution und Stadt sowie zwischen Menschen aufzuweichen. Murillos neue abstrakte Gemälde aus den Serien „Surge“, „Scarred Spirits“ und „Disrupted Frequencies“ treffen dabei auf einen unerwarteten Dialogpartner: den französischen Impressionisten Claude Monet. Der litt im Alter an schwerem Grauen Star, der ihn neunzig Prozent seiner Sehkraft kostete. Murillo deutet Monets Krankheit und die Veränderungen in dessen Spätwerk als Sinnbild für gesellschaftliche Leerstellen. In Potsdam stellt er die Frage, wie man diese heute kollektiv überwinden kann.
Und das nicht nur im Minsk, sondern auch auf der anderen Seite der Havel im Museum Barberini. So wird der Austausch grenz- und institutionsübergreifend gedacht. Für die Ausstellung hat Murillo neue Gemälde geschaffen, die an beiden Orten gezeigt werden. Erstmals sind außerdem Schlüsselwerke von Claude Monet im Minsk ausgestellt. Am 04. Juli gibt es sogar eine Kombiführung „Murillo meets Monet“, die beide Adressen verbindet. Das Schöne an der Sache? Die Ausstellung will sich bewusst auch außerhalb der Theorie und philosophischen Gedankenwelt bewegen. Mitmachen ist ausdrücklich erwünscht: Täglich außer dienstags kann man beim kostenlosen Collective Painting auf der Terrasse im Minsk selbst zum Pinsel greifen und Teil eines wachsenden Gemeinschaftswerks werden. Dafür wurden Leinwände an Institutionen in ganz Deutschland verschickt, die an Murillos „Social Mapping“-Projekt teilnehmen. Die Leinwände kehren nun, mit Zeichnungen versehen, in die Ausstellung zurück. Kunst als Kreislauf, nicht als Einbahnstraße. Wer den letzten Sonntag im Monat erwischt, kommt beim „Minskday“ sogar kostenlos ins Museum. Und jeden Samstag gibt es frische Pizza aus der Ofen-Skulptur „Brenda“ des Künstlers Gabriel Chaile, während die Cafébar Hedwig mit einem neuen kulinarischen Konzept wartet. Auch das passt: Zusammenkommen, essen, reden. Austausch findet hier eben, ganz im Sinne von Murillo, auf allen Ebenen statt.
Text: Laura Storfner / Fotos: Clemens Poloczek, Linus Müllerschön
Das Minsk, Max-Planck-Str.17, 14473 Potsdam; Stadtplan
Oscar Murillo – Kollektive Osmose bis 09.08.2026
@dasminsk
@museumbarberini
@lacachepli


