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KULTUR IM ROHBAU: TAG DER OFFENEN BAUSTELLE BEIM BERLIN MODERN

KULTUR IM ROHBAU: TAG DER OFFENEN BAUSTELLE BEIM BERLIN MODERN

Weiter geht’s mit Berlins Baustellen: Am Kulturforum wächst etwas Großes: „berlin modern„, der neue Bau für Kunst des 20. Jahrhunderts, nimmt Gestalt an. Mitten im Spannungsfeld aus Philharmonie, Staatsbibliothek und Neuer Nationalgalerie wird bald die Sammlung der Neuen Nationalgalerie ein Zuhause finden – in einem Entwurf von Herzog & de Meuron. Bevor die Wände getüncht und die Kunst gehängt wird, öffnet sich der Rohbau zum ersten Mal für die Öffentlichkeit. Am nächsten Wochenende (18.–19.10.2025) laden die Stiftung Preußischer Kulturbesitz und die Neue Nationalgalerie zu den Tagen der offenen Baustelle ein. Zwischen Beton, Stahl und Licht kann man das Volumen des zukünftigen Museums erleben, das schon jetzt ahnen lässt, wie modern „berlin modern“ werden will. Vor Ort gibt’s Kunst, Infos und Gespräche mit Vermittler:innen, um mehr übers Konzept zu erfahren. Und, in mittlerweile etablierter Biesenbach-Manier, die Performance „Mirror Piece I & II“ der Künstlerin Joan Jonas, die an beiden Tagen im Eingangsbereich des Gebäudes stattfindet. Ob Architekturfans, Kunstliebhaber:innen oder einfach Neugierige – wer sehen will, wie Zukunft gebaut wird, sollte vorbeischauen.

Text: Leo Sandmann / Fotos: Alexander Ludwig Obst & Marion Schmieding

Scharounplatz / Ecke Potsdamer Str., 10785 Berlin–Tiergarten; Stadtplan

Tage der offenen Baustelle 18.10.2025 10–18h, 19.10.2025 10-16h.
Performance jeweils um 12 & 14h. Zeitfenstertickets (Kapazität begrenzt) sind nur online im Vorverkauf erhältlich.

@berlinmodern

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BÄDER WERDEN ZUR KULISSE — STADTBAD RELOADED FÜLLT LEERE BECKEN MIT LICHT UND KLANG

BÄDER WERDEN ZUR KULISSE — STADTBAD RELOADED FÜLLT LEERE BECKEN MIT LICHT UND KLANG

„Overthinking“ und „Overwhelming“ gehören zu den zentralen Themen der Ausstellung Stadtbad Reloaded: Beyond(11.10.2025–31.01.2026). Gefühle, die wir alle zu gut kennen. Zum Glück lädt die Ausstellung – in den bröckelnden, stillgelegten Schwimmbädern des Stadtbads Lichtenberg – dazu ein, sich in deutlich ruhigere emotionale Strömungen zu begeben: „Loslassen, Träumen und Erwachen“, vereint in einer 200 Quadratmeter großen Deckenprojektion mit dem Titel „Beyond“. Wie ein Baldachin hypnotischer Formen wechselt sie zwischen kaleidoskopischen Wirbeln, kosmischen Landschaften und Farbexplosionen, die an Mandalas erinnern. An anderer Stelle erzeugt eine audio-visuelle Installation mit 63.000 LEDs Neonformen in einem der alten Schwimmbecken. Neben den großformatigen Arbeiten läuft Videokunst auf 150 Mini-Bildschirmen, die in den verlassenen Räumen des Stadtbads verteilt sind – von den alten Duschbereichen und bröckelnden Fluren bis hin zu den alten Umkleiden. Ein visuelles Erlebnis – und die Gelegenheit, eines der weniger bekannten verlorenen Wahrzeichen der Stadt zu entdecken.

Text: Benji Haughton / Credit: Alycia Rainaud; Arthur Galdin; FutureMaster7

Stadtbad Lichtenberg, Hubertusstr.47, 10365 Berlin–Lichtenberg; Stadtplan

Stadtbad Reloaded: Beyond ab 11.10.2025 (an Wochenenden geöffnet). Tickets bekommst Du hier.

@stadtbad.reloaded

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KONZEPT UND DISKURS IN LICHTENBERG: DIE ERSTE CONCEPTUAL BIENNALE

KONZEPT UND DISKURS IN LICHTENBERG: DIE ERSTE CONCEPTUAL BIENNALE

Es lohnt sich immer, den Weg in die Vulkanstraße nach Lichtenberg zu wagen. Ob für die ultimative Vietnamese-Shopping-Experience und ein sehr gutes Bánh Mì im Dong Xuan Center, oder einen Blick auf den grauen Elfenbeinturm vom Architekturbüro b+. Der öffnet jetzt seine Türen, Anlass: Die first-ever Conceptual Biennale. Klingt erstmal abstrakt, ist es aber (eigentlich) nicht. Es geht um Kreativpraxis im weitesten Sinne. Gegründet von Designerin Tina Roeder (sie führt schon länger halbwegs regelmäßig Conceptual Conversations), Anton Rahlwes (kennt man von the thing und form) und Architekt Thilo Reich hat die Conceptual Biennale den Anspruch „die erste transdisziplinäre Plattform (…), die zeitgenössische konzeptuelle Praktiken in Design, Architektur und Kunst in den Mittelpunkt stellt“ zu sein. Eingeladen wurde gezielt und auch mit einem Open Call, mittlerweile stehen viele Namen auf der Webseite. Herausgekommen  ist ein guter Mix: Mit dabei sind aus dem Design z.B. Soft BaroqueMonika oder Pegasus Product, daneben Künstler:innen wie Tra My Nguyen und Billie Clarken, und Architektur-Silberrücken wie Le Corbusier (schafft’s leider nicht zum Opening). Die Liste ist lang – und wird bis nächste Woche wohl noch länger.

Donnerstag (09.10.) wird offiziell eröffnet, dann folgt das Programm mit Namen aus der Bubble: Am Conceptual Roundtable von Nina Sieverding (die andere Hälfte von the thing), „Towards a Symposium“, wird an zwei Tagen über Themen wie Formate, Macht und Geld diskutiert. Das Studio for Immediate Spaces bringt partizipative Formate wie den „Vicinity Walk“ und die „Postdisciplinary Soup“ (bring your own bowl and spoon). Also: Wer wissen will, wie sich kritische Reflexion, konzeptuelle Strenge und mehr oder weniger barrierefreier Diskurs in einer Biennale bündeln lassen, sollte sich die 199 Treppenstufen nach oben trauen. Der Eintritt ist frei für alle – Tickets mit Time Slots gibt’s seit gestern hier.

Text: Inga Krumme / Fotos: Conceptual Biennale, Pia Henkel, Robert Świerczyński

Am Wasserwerk 22F, 10365 Berlin–Lichtenberg; Stadtplan
Conceptual Biennale 09.–11.10.2025 10–19h. Eintritt frei, hier kannst Du Deinen Time Slot buchen. 

@conceptualbiennale

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„MILIEUDINGE“ IM WERKBUNDARCHIV — MUSEUM DER DINGE: EINE SCHAU ÜBER KLASSENBEWUSSTSEIN UND ÄSTHETIKEN

„MILIEUDINGE“ IM WERKBUNDARCHIV — MUSEUM DER DINGE: EINE SCHAU ÜBER KLASSENBEWUSSTSEIN UND ÄSTHETIKEN

Im Museum der Dinge lassen sich im Rahmen der Ausstellung „Milieudinge“ (noch bis 02.03.2026) ganz wundervolle Ding-Metaphern als Auskünfte über Klasse und Geschmack entdecken. An der langen Leipziger Straße liegt das Museum der Dinge des Werkbundarchivs. Es ist eins der wohl am häufigsten übersehenen Kultur-Häuser der Stadt: Ganz offen und genau an der Ecke und doch irgendwie versteckt, stellt es Dinge aus. Die, die wir im Alltag nutzen und denen wir doch selten Aufmerksamkeit widmen. Wertlose und wertvolle, schöne, glatte, krumme, schmutzige, weggeworfene und feinsäuberlich gesammelte gibt es dort zu bestaunen. Von der Porzellansicherung bis zum Spielzeughund, von der Kosmetikum-Flasche bis zum Serviettenhalter wird hier alles ausgestellt, was die Menschheit schon so hervorgebracht hat. Und alle Objekte eint die Tatsache: Sie wurden designt, gestaltet, entworfen. Was das nicht nur für die Nutzung und Funktion der Dinge bedeutet, sondern auch für ihre kulturelle und materielle Dimension, zeigt aktuell die temporäre Schau „Milieudinge“ – ergänzend zur pittoresken und bisweilen kuriosen Dauerausstellung.

Unter dem Titel, der sich selbstverständlich auf die Theorien Pierre Bourdieus bezieht, erzählen uns allerlei Gegenstände von Klasse, Geschmack und dem Zusammenhang. Ob Balanciaga oder DHL macht nämlich doch einen großen Unterschied. Sich diesen bewusst zu machen, helfen neben den tollsten Exponaten vorzüglich verständlich geschriebene Texte und allen Besuchenden sei hiermit versprochen: Man kann viel lernen in dieser Ausstellung. Über Schönheit, die Welt, Design, Klassenzugehörigkeiten und ganz bestimmt sich selbst. Egal, wie viel man schon über all diese Dinge weiß. 

Text: Hilka Dirks / Credits: Armin Herrmann; „Gesellschaft beim Kartenspiel“ 1757, Daniel Chodowiecki (1726–1801), Öl auf Leinwand, Stadtmuseum Berlin, Reproduktion: Christel Lehmann

Werkbundarchiv – Museum der Dinge, Leipziger Str.54, 10117 Berlin–Mitte; Stadtplan
Milieudinge bis 02.03.2026

@museumderdinge

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WER TRÄGT DIE SCHULD, WENN KEINER MEHR ZUHÖRT? KINOPREMIERE VON KONTINENTAL ’25

WER TRÄGT DIE SCHULD, WENN KEINER MEHR ZUHÖRT? KINOPREMIERE VON KONTINENTAL ’25

Ein Kellerraum irgendwo in Cluj in Rumänien: für einen obdachlosen Mann ist er letzter Rückzugsort. Als er von dort vertrieben wird, sieht er keinen anderen Ausweg mehr und nimmt sich das Leben. Zurück bleibt Orsolya, die Gerichtsvollzieherin, die diese Räumung durchgesetzt hat. Der Film „Kontinental ’25“ setzt dort an, wo andere Erzählungen aufhören. Regisseur und Drehbuchautor Radu Jude, der 2021 auf der Berlinale überraschend den Goldenen Bären für die Komödie „Bad Luck Banging or Loony Porn“ gewann, erzählt nun eine vielschichtige Geschichte über Schuld, moralische Orientierungslosigkeit und das verzweifelte Bedürfnis nach Bestätigung. Am 09.10.2025 um 20 Uhr, feiert der Film Kinopremiere bei fsk in Kreuzberg. Leise, ohne die Gesten einer klassischen Täter-Opfer-Erzählung zu reproduzieren, bewegt sich „Kontinental ’25“ an den sozialen und politischen Bruchlinien einer Gesellschaft im Übergang: Wohnungsnot, wirtschaftliche Fragilität in der postsowjetischen Realität, nationalistisches Denken und nicht zuletzt die Rolle der Sprache als unsichtbare Grenze, die Status, Zugehörigkeit und Macht definiert, sind seine Leitmotive.

Dabei gelingt es Radu Jude und Eszter Tompa all diesen Themen mit einem absurden, präzisen Humor zu begegnen. Formal erinnert die Erzählweise nicht nur wegen der thematischen Parallelen, sondern auch aufgrund der bewusst schlicht gehaltenen Low-Budget-Produktion an Rossellinis „Europa ’51“. Orsolyas Versuch, auf Sinn und Erlösung in Gesprächen, Ritualen und Selbstbefragungen zu stoßen, scheitert immer wieder an ihrer Umwelt, die für Empathie keinen Platz hat. Orsolyas moralischer Relativismus ist unbequem – gerade weil er uns so vertraut vorkommt. Jude ist ein eindringlicher Film gelungen, der keine einfachen Antworten gibt, aber genau hinsieht und gerade deswegen bewegt.

Text: Laura Storfner / Credits: Grandfilm

fsk Kino, Segitzdamm 2, 10969 Berlin–Kreuzberg; Stadtplan
Kontinental ’25Kinopremiere 09.10.2025 20h

Der Film ist ab dem 09.10. in folgenden Berliner Kinos zu sehen: fsk, Filmrauschpalast, Il Kino, Kino Krokodil, Tilsiter Lichtspiele und Wolf Kino.

@grandfilm_verleih

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