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UND DIE FARBEN KNALLEN IN DER FANTASIE — FRÜHE SCHWARZ-WEISS FOTOS VON MARTIN PARR BEI F3

UND DIE FARBEN KNALLEN IN DER FANTASIE — FRÜHE SCHWARZ-WEISS FOTOS VON MARTIN PARR BEI F3

Ein Blick auf Martin Parrs frühe Arbeiten im f3 – Freiraum für Fotografie zeigt den Ursprung seines scharfen Humors und seiner unbestechlichen Beobachtungsgabe. Es sind die Farben, die knalligen und dabei doch merkwürdig müden Töne, die einem zuerst in den Sinn kommen, denkt man an die fantastischen Aufnahmen Martin Parrs, die gleichermaßen humorvoll und sezierend die britische Gesellschaft in den Blick nehmen. Gebräunte Haut, pinkes Plastik, angeblitztes Himmelblau. Umso spannender ist es, nun bei f3, dem Freiraum für Fotografie, die „Early Works“, die frühen Bilder des 1952 geborenen britischen Dokumentarfotografen und Fotojournalisten und Magnum-Mitglieds zu sehen. Und diese sind schwarz-weiß – und selten gezeigt. Urlaubsreisen in die schottischen Highlands, Fußballspiele in der Provinz, Vogelklub-Treffen im englischen Surrey, weitere traditionelle Dorf-Veranstaltungen oder Pilgerfahrten zum Papst in Irland – schon der junge Martin Parr ist offensichtlich neugierig und begeistert für die teils schrulligen Aktivitäten seiner Landsleute. Auch die für ihn typische Übertreibung – diese fast zu präzise Beobachtung, die stets an der Grenze des Vorführenden kratzt, ohne sie jedoch jemals zu überschreiten – es ist alles schon da. Parrs „Early Works“ ist eine jener stillen, feinen Berliner Herbstausstellungen, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Und wer genau hinschaut, merkt vielleicht, dass diese frühen Schwarz-Weiß-Bilder nicht nur einen Fotografen im Werden zeigen, sondern auch die eigene Sicht auf Leben, Gesellschaft und Menschen im Allgemeinen ein Stück weit verschieben können.

Text: Hilka Dirks / Fotos: Martin Parr / Credit: Magnum Photos

f³ – Freiraum für Fotografie, Prinzessinnenstr.30, 10969 Berlin–Kreuzberg; Stadtplan
Martin Parr „Early Works“ bis 30.11.2025

@fhochdrei

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LESEN UND LAUSCHEN: MIT DEN PREISTRÄGER:INNEN DES KULTURKREISES DER DEUTSCHEN WIRTSCHAFT

LESEN UND LAUSCHEN: MIT DEN PREISTRÄGER:INNEN DES KULTURKREISES DER DEUTSCHEN WIRTSCHAFT

Während der letzten Monate gab es bei jeder Ausstellungseröffnung ein Thema, um das man trotz Openinglaune nicht herumkam: die geplanten Kultur-Etatkürzungen des Berliner Senats. Private Förderverbände können die Lücken nicht füllen, aber wichtig sind sie in diesen Zeiten umso mehr. Eine Organisation, die sich seit 1951 für die Künste in allen Disziplinen einsetzt, ist der Kulturkreis der deutschen Wirtschaft. Die Mitglieder – darunter führende Unternehmer:innen, Wirtschaftsverbände und Stiftungen Deutschlands – fördern Künstler:innen, die in Architektur, Bildender Kunst, Literatur und Musik noch am Anfang ihrer Karriere stehen. So vergibt der Kulturkreis unter anderem jedes Jahr den „ars viva-Preis“. Mehr als 350 Künstler:innen wurden bereits ausgezeichnet, darunter Größen wie Candida Höfer und Wolfgang Tillmans. Während der Kulturkreis im Lauf des Jahres exklusive Veranstaltungen für seine Mitglieder:innen ausrichtet, öffnet er im Rahmen seiner Jahrestagung nun auch der Öffentlichkeit die Türen.

Am 10.10.2025 findet im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie vormittags eine szenische Lesung des diesjährigen Literaturpreisträgers Yevgeniy Breyger gemeinsam mit Schauspieler:innen des Berliner Ensembles und Musik von Ganna Gryniva  statt. Der Lyriker liest aus seinem Gedichtband „Frieden ohne Krieg“. In Gedichtform blickt er auf die Krisenherde und Konflikte der Vergangenheit und Gegenwart. Wie seine Biografie in das Werk Einzug gefunden hat, bespricht er im Anschluss mit dem Moderator Jörg Thadeusz. Nachmittags folgt ein Konzert des diesjährigen Musikpreisträgers Jonas Müller. Der Bariton verbindet Welten und Epochen, indem er Stücke von Händel, Bach, Mozart und Mahler performt. Weiterhin wird ein Stück der jungen Komponistin Zara Ali von der Kammerakademie gespielt – klassische Werke treffen so auf zeitgenössische neue Musik. Warum Müller den Musikpreis 2025 und Ali den Kompositionsauftrag des Kulturkreises erhalten haben, zeigt sich in diesem Konzert ganz klar. Tief in ihren Disziplinen und nah an der politischen Gegenwart bewegen sich alle Preisträger:innen. Vor allem aber zeigen sie, dass Kunst und Kultur als Basis für unser gesellschaftliches Miteinander unverzichtbar sind, auch wenn man bei ihnen in Krisenzeiten als Erstes spart. Ohne die Künste — und ohne diejenigen, die sie fördern — wäre die Zukunft weniger hell, weniger vielfältig.

Text: Laura Storfner / Fotos: Camilo Jimenez, Leander Rambichler-Praxmarer, Beate Wätzel

Philharmonie Berlin, Kammermusiksaal, Herbert-von-Karajan-Str.1, 10785 Berlin–Tiergarten; Stadtplan

Der Kulturkreis der deutschen Wirtschaft lädt am 10.10.2025 ein: Yevgeniy Breygers Szenische Lesung „Frieden ohne Krieg“ um 10h. Preisträgerkonzert mit Jonas Müller & Zara Ali um 17h.

Die Konzerte und Lesungen des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft werden ermöglicht durch die freundliche Unterstützung des G. Henle Verlags und der Deutsche Bank Stiftung.

@kulturkreis_eu
@kammerakademie.potsdam
@yevgeniycc
@jonasmueller.baritone
@z__a__r__a.wav
@jthadeusz

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ЯE:IMAGINE: THE RED HOUSE — DER 7. BERLINER HERBSTSALON STARTET

ЯE:IMAGINE: THE RED HOUSE — DER 7. BERLINER HERBSTSALON STARTET

Der Berliner Herbstsalon ist zurück – und mit ihm laute Fragen, die es auszudiskutieren gilt. Seit 2013 lädt das Festival des Maxim Gorki Theaters Künstler:innen, Denker:innen und Publikum ein, Gegenwart neu zu verhandeln. Die 7. Ausgabe trägt den Titel Яe:Imagine: The Red House – und macht aus dem Gorki ein offenes Haus für Debatte, Kunst und Utopien. Das Programm ist so divers wie intensiv: Theaterpremieren treffen auf Performances, Tanz, Musik. Zum Auftakt feiert Namensgeber Das Rote Haus von Ersan Mondtag & Till Briegleb Premiere – inspiriert von den Geschichten der Bewohnerinnen der Stresemannstraße 30 und Texten von Emine Sevgi Özdamar. Dazu Arbeiten wie Androgynous. Portrait of a Naked Dancer (Lola Arias & River Roux) über Grenzgänger:innen zwischen den 1920ern und heute, To be in a Time of War (Murat Dikenci) mit der Poesie von Etel Adnan. Außerdem Orit Nahmias’ radikal ehrliches Make Love Not War, und Yoldas. Frauen, die einander halten (Nihan Devecioğlu), eine poetisch-musikalische Collage über Arbeiter:innenrealitäten in den 70er Jahren und Selbstermächtigung. Mit Todesfuge macht Nazanin Noori Paul Celans gleichnamiges literarisches Erbe zu einer Spoken-Word-Oper. So wechseln auch Formate die Ebenen: Mal ist der Herbstsalon Konzertsaal, mal Lesebühne, mal Clubnacht. Ein künstlerischer Parcours, der politische Fragen auflädt, statt sie zu übergehen. Das Gorki bleibt damit, was es immer war: ein Ort für Stimmen, die oft keinen Platz bekommen – divers, laut, widerständig. Der Herbstsalon zeigt, wie Kunst Gesellschaft nicht nur spiegelt, sondern verändert.

Text: Inga Krumme / Credit: Ima Li Snijega?, Danica Dakić, 2024, VG Bild-Kunst, Bonn; Esra Rotthoff

Maxim Gorki Theater, Am Festungsgraben 2, 10117 Berlin–Mitte; Stadtplan

@maxim_gorki_theater

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ES WIRD EIN MUBI FEST: DREI TAGE GROSSARTIGES FILMPROGRAMM IM SILENT GREEN

ES WIRD EIN MUBI FEST: DREI TAGE GROSSARTIGES FILMPROGRAMM IM SILENT GREEN

Wir lieben Mubi! Wer unseren Streaming-Liebling kennt, weiß: Mubi macht viele Sachen richtig und viele richtig gut. Und so geht es auch weiter: Im Oktober findet in Berlin zum ersten Mal das Mubi Fest statt. Wer diesen Newsletter aufmerksam liest, weiß um das kulturelle Programm von Mubi, vor allem um die Wichtigkeit des Kinos und der großen Leinwand. Das Mubi Fest Berlin legt jetzt eine Schippe drauf: Drei Tage, die zeigen, was passiert, wenn Film-Favoriten mal wieder eine Leinwand bekommen – und das Publikum gleich mit. Das Programm ist vielfältig, hier eine Auswahl: Twin Peaks: Fire Walk With Me ist das Neo-Noir Prequel zur Kultserie und beleuchtet Laura Palmers letzte Tage. Für alle Lynch-Hardliner und Fiebertraum-Film-Fans. Auch nichts für schwache Nerven: April von Regisseurin Dea Kulumbegashvili. Der Film handelt von Nina, einer Gynäkologin in der georgischen Provinz und ihren Herausforderungen. Ein düsteres Werk, das von der Härte patriarchaler Ordnung erzählt und vor wenig zurückschreckt. Gezeigt wird der Film in Originalvertonung (Georgisch) mit Untertiteln, im Anschluss gibt es ein Gespräch mit der Regisseurin. Weniger düster, aber dafür eigenwillig, widersprüchlich-schön und mindestens gut gekleidet kommen die Women’s Tales daher – eine seit 2011 fortlaufende Kurzfilmserie der Marke Miu Miu mit Geschichten von und über Frauen im 21. Jahrhundert.

Das Mubi Fest zeigt zwei Werke dieser Reihe als Double Feature: „Autobiografia Di Una Borsetta“, von Joanna Hogg und „Fragments For Venus“, von Alice Diop. Kleines Großes Kino. Um Geschichten geht es auch beim Panel von Notebook, dem Print- und Online-Magazin, das Mubi seit 2007 rausbringt. Film-Diskurs in guter Form und wie das geht, besprechen Managing Editor Matt Turner und Design Manager Tom Lobo Brennan und geben Einblicke in Prozesse, Vision und Design. Ob jetzt also gut erzählter Fashion-Film, Kult-Klassiker oder Design-Diskurs: Das Mubi Fest bringt das Streaming zurück ins echte Leben. Und uns ins Silent Green.

Text: Inga Krumme / Credits: Mubi

silent green Kulturquartier, Gerichtstr.35, 13347 Berlin–Wedding; Stadtplan
Mubi Fest: Das ganze Programm gibt’s hier.

Auswahl:
Twin Peaks: Fire Walk With Me (OmU)
05.10.2025 11h, Betonhalle Saal 1

Miu Miu Women’s Tales (Kurzfilm) (OmeU)
05.10.2025 12h15, Kuppelhalle

April (OmeU)
04.10.2025 11h30, Betonhalle Saal 1
Mit anschließendem Gespräch mit der Regisseurin.

Creating a new Kind of Film magazine
04.10.2025 ab 12h. Das Gespräch wird auf Englisch geführt und findet in der Kuppelhalle statt.

@mubideutschland
@silent.green

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UNFERTIG, ABER OFFEN: DAS BAUHAUS-ARCHIV FEIERT SEINE BAUSTELLE

UNFERTIG, ABER OFFEN: DAS BAUHAUS-ARCHIV FEIERT SEINE BAUSTELLE

Alle lieben Baustellen. Solange es nicht die eigenen vier Wände betrifft, freut sich jede und jeder über Gerüste, Bagger, Kräne. Das Bauhaus-Archiv lädt jetzt nach langer Umbaupause auf die eigene Baustelle – ein Vorgeschmack auf das, was noch kommt. Vom 19. bis 21. September 2025 lädt das Festival „Kommt auf die Baustelle!“ in den Erweiterungsbau von Staab Architekten ein – in das Haus, das in Zukunft die weltweit größte Bauhaus-Sammlung beherbergt. Drei Tage lang wird die Baustelle zum Festivalgelände: Es gibt Installationen und Performances, Führungen durch Architektur und Bauprozess und eine Bauhaus-Werkstatt, für alle, die lieber selbst anfassen wollen. Dazu ein Programm von Filmvorführungen und Talks, etwa mit Museumsdirektorin Dr. Annemarie Jaeggi und Architekt Prof. Volker Staab. Die werfen gemeinsam einen Blick auf Vergangenheit und Gegenwart des Hauses. Und eben auf das, was noch kommt. Und weil passenderweise am gleichen Wochenende das Musikfest Berlin stattfindet, gibt es auch Konzerte. Am Sonntag (21.09.) moderiert Kai Hinrich Müller das Kammerkonzert From Bauhaus to Broadway in der Philharmonie. Und, Bauhaus-Galore: die kubistische Oper Parabola und Circula (1929/30) von Marc Blitzstein feiert fast 100 Jahre nach ihrer Entstehung Weltpremiere, dirigiert von Karl-Heinz Steffens mit dem Norrköping Symphony Orchestra. Statt Absperrband gibt’s also Kulturprogramm: Die Baustelle als wohl schönste Zwischenlösung der Stadt.

Text: Inga Krumme / Fotos: Arnaud Ele, Catrin Schmitt, Marcus Ebener 

Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung, Klingelhöferstr.14, 10785 Berlin–Tiergarten, Stadtplan
Der Eintritt ist frei, mit Buchung vorab (zu ausgewählten Programmen oder Zeitfensterticket).

@bauhaus_archiv

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