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AUF INS UNBEKANNTE: KUNST UND KÜNSTLER:INNEN DER 13. BERLIN BIENNALE ENTDECKEN

AUF INS UNBEKANNTE: KUNST UND KÜNSTLER:INNEN DER 13. BERLIN BIENNALE ENTDECKEN

Die 13. Berlin Biennale nimmt die Berliner:innen mit an bekannte und neue Orte und zeigt ein vielfältiges Programm mit ungesehenen und künstlerischen Positionen aus allen Winkeln der Welt. Den Stadtfuchs hat die Kuratorin Zasha Colah zum Vorbild der aktuellen Berlin Biennale erklärt. So wie er durch die Straßen streunt und dabei nicht immer ein gern gesehener Gast ist, eignen sich die Künstler:innen und Kollektive die Ausstellungsorte der diesjährigen Ausgabe an. Manche der ausgestellten Werke bleiben auch auf den zweiten Blick nicht einfach zugänglich. Es wird das Widerständige ausgestellt: Kunst, die nicht selten in Konfliktgebieten entsteht oder deren Geschichten erzählt. So tragen die Gemälde des burmesischen Künstlers Htein Lin die Spuren seiner Haft: Nachdem er 1988 Teil einer Protestbewegung war, die sich gegen die in Myanmar herrschende politische Partei richtete, verurteilte ihn das Militärregime zu sieben Jahren Gefängnis. In der Zelle malte er mit allem, was er in die Hände bekommen konnte: Bettlaken funktionierte er zur Leinwand um, Seifenreste zu Utensilien.

Ausgestellt werden die „Prison Paintings“ nun im ehemaligen Gerichtsgebäude, gleich neben dem einstigen Gefängnis in der Lehrter Straße. Kuratorin Colah reflektiert hier auch die Geschichte des Backsteinbaus, der erstmals seit mehr als zehn Jahren für die Öffentlichkeit zugänglich ist: Wo einst der Kriegsgegner und sozialistische Vordenker Karl Liebknecht verhaftet wurde, hinterfragen Künstler:innen nun, was in Unrechtssystemen als Gesetz ausgelegt wird. Die 13. Berlin Biennale bringt also viel Kontext mit – und das aus aller Welt. Beleuchtet werden nicht nur Regionen und Themen, die im Zentrum der allgemeinen Medienaufmerksamkeit liegen. Jane Jin Kaisen zeigt im Hamburger Bahnhof eine multimediale Arbeit über die Geschichte der südkoreanischen Insel Jeju, in der sich Kolonialismus, Trauma und Widerstand verschränken. In den Sophiensælen treffen Performance, Körper und Narration aufeinander. Überhaupt bewegt sich das Programm an den Rändern institutioneller Praxis. Viele der teilnehmenden Künstler:innen arbeiten in und mit Communities, häufig in Regionen, die in der westlichen Kunstwelt kaum präsent sind. Ein gutes Format für alle, die Fragen haben: die Fokus-Touren, bei denen Vermittler:innen gemeinsam mit den Besucher:innen einzelne Perspektiven vertiefen. Statt schneller Durchläufe geht es hier ums Innehalten und Besprechen – ein dialogischer Zugang zu einer vielschichtigen Biennale. (Der nächste Termin: am 09. August 2025 mit Thesea Rigou, einer zypriotischen Künstler:in, Pädagog:in und Gärtner:in.) Wie der Stadtfuchs bewegt sich auch die 13. Berlin Biennale durch urbane Zwischenräume – neugierig, wachsam, manchmal unsichtbar, aber immer da. Wer ihr folgt, entdeckt vielleicht nicht sofort Antworten, aber auf jeden Fall neue Perspektiven.

Text: Laura Storfner & Nina Trippel / Fotos: Marvin Systermans, Eberle & Eisfeld / Credit: Han Bing & Kashmiri Cabbage Walker; Helena Uambembe; Jane Jin Kaisen, VG Bild-Kunst, Bonn 2025

13. Berlin Biennale bis 14.09.2025.

Das ganze Programm gibt’s hier. Die nächste Fokus Tour ist am 09.08.2025 von 16–17h im KW.

@berlinbiennale

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IMMER EINEN AUSFLUG WERT: ZWISCHEN GARTEN, KUNST UND KEKSEN — DAS GEORG KOLBE MUSEUM WIRD 75

IMMER EINEN AUSFLUG WERT: ZWISCHEN GARTEN, KUNST UND KEKSEN — DAS GEORG KOLBE MUSEUM WIRD 75

Manchmal braucht es keinen neuen Ort, sondern einen frischen Blick auf einen alten. Das Georg Kolbe Museum feiert 75 Jahre – und zeigt, warum dieser Ort noch immer gut in Bewegung ist. Ursprünglich mal das Atelierhaus des Bildhauers Georg Kolbe, wurde das heutige Museum in den 1920er Jahren als radikal modernes Wohn- und Arbeitsensemble gebaut. 1950 öffnete das Georg Kolbe Museum als erste museale Neugründung im Nachkriegs-West-Berlin seine Türen. Heute ist es ein Ort, der nicht nur Skulpturgeschichte erzählt, sondern aktuelle Kunst in Beziehung zu Körper, Raum und Natur setzt. Zum Geburtstag gibt’s ein volles Programm: Mit Tea and Dry Buiscuits wird auf den Geburtstag angestoßen und ans Erinnern erinnert – mit Künstler:innen wie zum Beispiel Álvaro Urbano, Cao Fei, Laure Prouvost, Danh Vo, Ruth Wolf-Rehfeldt und natürlich Georg Kolbe. Die Ausstellung schaut dabei (nicht nur) zurück und hinterfragt: Wie wurde Geschichte erzählt? Und von wem? Zwischen persönlichen Banden, die das Haus geprägt haben, und musealen Routinen des Bewahrens und Kuratierens entsteht eine kritische Auseinandersetzung mit Erinnerung. Im Garten steht dieses Jahr eine Arbeit von David Hartt. Er spielt in seinem Schaffen mit Architektur, urbaner Entwicklung und der Frage, wie Räume unsere Identität prägen. Seine Videoarbeit hat er Metabolic Rift genannt, als kritische Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Mensch, Körper und Natur im Kapitalismus. Und ob nun für Kapitalismuskritik, trockene Kekse oder doch lieber ein Stück Aprikosenkuchen im Café Benjamine – es gibt genug Gründe, dem Georg Kolbe Museum einen Besuch abzustatten.

Text: Inga Krumme / Fotos: Enric Duch & Nicolas Brasseur / Credit: VG Bild-Kunst; Georg Kolbe Museum

Georg-Kolbe-Museum, Sensburger Allee 25, 14055 Berlin–Westend; Stadtplan

Tea and Dry Biscuits. An Anniversary Exhibition (bis 28.09.2025)

David Hartt. Metabolic Rift (bis 28.09.2025)

@georgkolbemuseum

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THE SOUNDS OF SUMMER — YOUNG EURO CLASSIC BRINGT AUFSTREBENDE MUSIKER:INNEN UND DIE WELTBESTEN JUGENDORCHESTER INS KONZERTHAUS BERLIN

THE SOUNDS OF SUMMER — YOUNG EURO CLASSIC BRINGT AUFSTREBENDE MUSIKER:INNEN UND DIE WELTBESTEN JUGENDORCHESTER INS KONZERTHAUS BERLIN

Indigene skandinavische Joik-Sänger:innen und preisgekrönte Beatboxer:innen – eine Kombi, die Du normalerweise nicht zwischen den Säulen des prächtigen Portikus vom Konzerthaus Berlin erwarten würdest. Aber genau das kannst Du neben klassischen Orchester-Aufführungen beim Young Euro Classic Festival erleben, das morgen (01.–17.08.2025) beginnt. Die Reihe lädt Jugendorchester aus ganz Europa ein, Werke von Mozart und Mahler aufzuführen, begleitet von Musik aus Bolivien, Gambia, Indien und weiteren Ländern. Zu den Höhepunkten des Programms gehört das Duo Ale, Ale!, das Joik-Gesänge der indigenen Sámen mit elektronischen Sounds und Gitarrenklängen kombiniert. Ihre meditativen Klanglandschaften werden am Sonntag (03.08.) den Werner-Otto-Saal erfüllen. Es lohnt sich, für das Hauptkonzert am Abend zu bleiben: eine Feier der andalusischen Kultur, bei der das spanische Jugendorchester Isaac Albéniz‘ Suite „Iberia“ im Hauptsaal des Konzerthauses aufführt. Im Anschluss folgt eines der größten Klassik-Highlights aller Zeiten: Stravinskys „Le Sacre du printemps“ (03.08.).

Wenn Du bis zum 17.08. vorspulst, kannst Du eine genreübergreifende Mischung aus westafrikanischer Griot-Erzählkunst und Jazz vom The Gambiana Trio erleben – bekannt für ihre mitreißende Energie, die Dich mindestens mit den Füßen mitwippen lässt. Den Höhepunkt des Festivalprogramms bildet der Auftritt einer Gruppe von Musiker:innen aus einem Land, in dem Musik inzwischen vollständig verboten ist: das Afghan Youth Orchestra, das ein volles Sinfoniekonzert mit einer Mischung aus afghanischen Instrumenten und westlicher Orchestrierung präsentiert (17.08.). Die jungen Musiker:innen, die 2021 in ihrer Heimat zum Schweigen gebracht wurden, leben im Exil in Portugal, wo sie ihre Arbeit seitdem fortsetzen. Eine echte Ode an die Freude…

Text: Benji Haughton / Fotos: Kai Bienert, Tom Schweers

Konzerthaus Berlin, Gendarmenmarkt 2, 10117 Berlin–Mitte; Stadtplan
Young Euro Classic 01–17.08.2025. Tickets für das Festival gibt’s hier.

@youngeuroclassic
@konzerthausberlin

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LAKOU, ZEMI UND DAS WEITERWIRKEN VON GESCHICHTE — BWA KAYIMAN IM HKW

LAKOU, ZEMI UND DAS WEITERWIRKEN VON GESCHICHTE — BWA KAYIMAN IM HKW

Lakou ist haitianisches Kreolisch und meint ein Stück Land. Oder einen kleinen Hof, vor allem aber einen Ort, an dem alle wichtigen Aspekte des Zusammenlebens passieren. Und es ist in seinem Wortursprung der Untertitel vom diesjährigen Bwa Kayiman Festival im Haus der Kulturen der Welt. Das Festival passiert dieses Jahr schon in seiner dritten Auflage, wieder mit einem dichten Programm aus Performance, Ritualen, Gesprächen, Poesie, Musik, Essen, Film und installativen Arbeiten. Es geht um Souveränität: als bewusste Auseinandersetzung mit Formen von Widerstand, Zugehörigkeit, Erinnerung und Weitergabe. Dazu zählen etwa Performances wie „Plidetwal – Rain of Stars„, einer „poetic assembly“ auf haitianischem Kreolisch und Französisch (teilweise wird simultan übersetzt). Oder „Tongue and Throat Memories„, Teil einer laufenden Serie im HKW, die Essen, Erinnerung und Identität verknüpft. Morgen (01.08.) lädt Chef Craig Wong mit „Patois Gathering from Asia to the Caribbean“ zu „Food Offerings“ in den Lili Elbe Garden – und schafft dabei eine kulinarische Verbindung seiner jamaikanisch-chinesischen Herkunft. Überhaupt sind alle Beiträge nicht auf eine Bühne konzentriert, sondern über das Haus verteilt und bewusst offen angelegt. Zemí ist ein Wort aus der Taíno-Sprache und beschreibt eine Form spiritueller Präsenz, die sich in Objekten, Landschaften, Ahn:innen oder Gesten zeigen kann. Genau das will Bwa Kayiman: Geschichte als etwas begreifen, das nicht abgeschlossen ist, sondern im Alltag weiterwirkt.

Text: Inga Krumme / Credits: Vibrations, Translations, Slim Soledad, 2023, Foto: Mayra Wallraff; Patois Toronto; Studio Bowe

Haus der Kulturen der Welt (HKW), John-Foster-Dulles-Allee 10, 10557 Berlin–Tiergarten; Stadtplan
Bwa Kayiman – Lakouzémi 01.–03.08.2025. Alle Termine findest Du hier.

@hkw_berlin

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ZWÖLF NÄCHTE ZUM DURCHTANZEN — „DURCHLÜFTEN“ BRINGT FRISCHEN MUSIKALISCHEN WIND INS HUMBOLDT FORUM

ZWÖLF NÄCHTE ZUM DURCHTANZEN — „DURCHLÜFTEN“ BRINGT FRISCHEN MUSIKALISCHEN WIND INS HUMBOLDT FORUM

Was 2021 begann, ist längst fester Bestandteil des Mitte-Sommers: Durchlüften, das Open-Air-Musikfestival im Schlüterhof des Humboldt Forums, geht in die fünfte Runde – und bringt auch in diesem Jahr wieder frische Luft und neuen Sound in die Mitte der Stadt. An vier Wochenenden (17.07.–09.08.2025), jeweils donnerstags bis samstags, verwandeln 24 Live-Acts und 12 DJs aus aller Welt den historischen Innenhof in einen global vibrierenden Klangraum. Das musikalische Programm ist ein genreübergreifendes Fest – gut tanzbar, tief verwurzelt und offen für alle. Der Eintritt? Frei. Kuratiert wird das Festival von Musikexpertin Melissa Perales, die auch in diesem Jahr wieder eine Bühne für Künstler:innen aus Afrika, Südamerika und Asien schafft – und für Sounds, die von Identität, Exil, Dekolonisierung, kultureller Weitergabe und Community erzählen. So trifft etwa bei Odd Okoddo (Kenia/Deutschland) der „Dodo Blues“ auf die Rhythmen von Sven Kacirek, und Jeano Elong (Kamerun/Deutschland) bringt den Tanz der Mkoum auf die Bühne, als Teil seiner musikalischen Fluchtgeschichte.

Mehr Highlights: Die Minyo Crusaders (Japan/Kolumbien) fusionieren japanische Volkslieder mit Cumbia. Charif Megarbane lässt seinen Sound zwischen Beirut, Nairobi und Lissabon wandern. Und das Duo Ibelisse Guardia Ferragutti & Frank Rosaly bringt brasilianische, bolivianische und puerto-ricanische Einflüsse zu einer musikalischen Erfahrung zwischen Widerstand und Ritual zusammen. Durchlüften schafft Raum – für Begegnungen, für Austausch, für Geschichten. Für Musik, die aus den Realitäten ihrer Macher:innen wächst. Und für Klänge, die nicht nur Ohr, sondern auch Herz und Körper bewegen. Also: Vorbeikommen, zuhören, durchtanzen. Es gibt frischen Wind auf die Ohren.

Text: Leo Sandmann / Fotos: Frank Sperling, Lucho Vildales, Yukitaka Amemiya

Schlüterhof des Humboldt Forums, Schloßplatz, 10178 Berlin–Mitte; Stadtplan
Durchlüften 17.07.–09.08.2025, immer donnerstags–samstags (kostenloser Eintritt).

@humboldtforum

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