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DAS FENSTER IN DEN HOF — DURCHLÜFTEN IM HUMBOLDT FORUM

DAS FENSTER IN DEN HOF — DURCHLÜFTEN IM HUMBOLDT FORUM

Fenster auf und Durchzug. Im Schlüterhof des Humboldt Forums wird dieser Vorgang bereits zum sechsten Mal zum Namen eines Festivals, das Hörgewohnheiten erfrischt: Es heißt Durchlüften – Open Air im Schlüterhof (09.07.–01.08.2026) und ist für alle kostenlos. Kuratorin Melissa Perales beschreibt diesen Ort als einen, an dem sich unterschiedliche musikalische und biografische Linien kreuzen, geprägt von Migration, Vielfalt und der Frage, wie sich Traditionen verändern, wenn sie weitergetragen werden. In dieser Bewegung liegt für sie der Ausgangspunkt des Programms. Unter dem Motto „Living Archives: Cultures in Sound“ füllen 24 Live-Acts und 12 DJs an vier Wochenenden das Programm und den Innenhof. So begegnen sich mauretanischer Wüstenblues und elektronische Sounds, kurdische Poesie trifft auf Clubmusik oder afro-kolumbianische Rhythmen auf Bassmusik der Gegenwart. Besonders neugierig sind wir auf die Seppuku Pistols aus Japan, deren Taiko-Punk aus einer ganz eigenen Geschichte entstanden ist. Auch Nana Benz du Togo stehen im Programm – benannt nach einer Gruppe von Frauen in Togo, die einst mit dem Import von Mercedes-Benz-Fahrzeugen wirtschaftliche Netzwerke aufgebaut haben. Die Band greift diesen Namen auf und verbindet ihn mit Soul. Dann ist da Noura Mint Seymali aus Mauretanien, die den Wüstenblues ihrer Heimat ins Heute transportiert, als Mischung aus elektronischen Elementen und traditionellen Spielweisen. 100lbs of Summer aus Berlin arbeiten mit Reggae-Grooves und Charlotte Colace verbindet Vintage Soul mit ihren französisch-kubanischen Einflüssen. Wir sehen uns im Juli im Schlüterhof, der sich füllt, als wären kurz die Fenster aufgerissen worden.

Text: Emma Zylla / Fotos: Marlon Hambrusch, Frank Sperling, Tonje

Humboldt Forum, Schloßplatz, 10178 Berlin–Mitte; Stadtplan
Durchlüften – Open Air im Schlüterhof 09.07.–01.08.2026. 

@humboldtforum

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DIE SCHUTZZONE, DIE KEINE WAR: ERINNERUNG AN SREBRENICA

DIE SCHUTZZONE, DIE KEINE WAR: ERINNERUNG AN SREBRENICA

Es gibt Daten, die sich tief in das europäische Gedächtnis eingebrannt haben: Der 11. Juli 1995 gehört dazu. Die bosnische Stadt Srebrenica wurde an jenem Tag zum Schauplatz eines Völkermords: Rund 8.000 muslimische Männer und Jungen wurden in der Nacht und den folgenden Tagen von bosnisch-serbischen Truppen unter dem Kommando von Ratko Mladić systematisch getötet. Es ist das schwerste Kriegsverbrechen, das Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs gesehen hat – verübt unter den Augen der internationalen Gemeinschaft, die Sicherheit versprochen, aber nicht geleistet hatte. Denn Srebrenica war von den Vereinten Nationen eigentlich zur Schutzzone erklärt worden. Am 31. Jahrestag des Völkermords bringen der Fotograf Armin Smailovic, der regelmäßig für das ZEIT-Magazin fotografiert, und der Regisseur Branko Šimić diese Geschichte als musikalisch-szenische Lesung (11.07.2026) auf die Bühne des Dokumentationszentrums Flucht, Vertreibung, Versöhnung.

Über 15 Jahre Recherche liegen ihrem Projekt zugrunde: Das Ausgangsmaterial bilden Gespräche mit einem der wenigen Überlebenden auf der einen und mit einem niederländischen UN-Soldaten, dessen Aussagen später zentral für das Tribunal in Den Haag wurden, auf der anderen Seite. Aus diesen Interviews entstand zunächst ein Theaterstück für das Thalia Theater in Hamburg, dann ein Hörspiel für den Deutschlandfunk – und nun diese Lesung, die insgesamt drei Perspektiven nebeneinanderstellt: die der Opfer, Täter und Beobachter. Jens Harzer, Schauspieler am  Berliner Ensemble, und Vernesa Berbo, bekannt aus dem Gorki Theater, tragen die Texte vor. Amira Berbo begleitet die beiden musikalisch. Was entsteht, ist eine dichter Klangteppich aus Sprache, Dokumentarmaterial und Fotografie, der weniger erklären als erfahrbar machen will, was Erinnerung an einen Genozid bedeuten kann.

Text: Laura Storfner / Fotos: Sandra Kühnapfel, Armin Smailovic

Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung, Stresemannstr.90, 10963 Berlin–Kreuzberg; Stadtplan

Srebrenica: Musikalisch-szenische Lesung 11.07.2026. Im Anschluss an die Lesung sprechen die Künstlerinnen und Künstler mit Dr. Kathrin Jurkat über die Arbeit an dem Stoff.

@flucht_vertreibung_versoehnung

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GNAWA, FLAMENCO, DESERT BLUES: DAS SONIC PLURIVERSE FESTIVAL STARTET IN DEN SOMMER

GNAWA, FLAMENCO, DESERT BLUES: DAS SONIC PLURIVERSE FESTIVAL STARTET IN DEN SOMMER

Wenn Ende Juni auf dem Dach des HKW die ersten Qraqeb erklingen, beginnt das Sonic Pluriverse Festival. Dieses Jahr widmet sich das Programm den Traditionen der Gnawa – einer Musik- und Ritualpraxis mit Wurzeln in der westafrikanischen Migrationsgeschichte. Über fünf Wochenenden hinweg treffen Gnawa-Ensembles auf Desert Blues, Flamenco, Tarantella und andere Klangwelten. Mit dabei sind unter anderem Vieux Farka Touré, Baaba Maal & Daande Leñol, Asmaa Hamzaoui & Bnat Timbouktou, Bab L’Bluz und das Garifuna Collective. Dazwischen öffnen Workshops und Gespräche Perspektiven: auf die Verbindungen zwischen Gnawa- und Yoruba-Traditionen, auf transatlantische Religions- und Musikpraktiken oder auf die Frage, weshalb repetitive Rhythmen Menschen in Trance versetzen können. Besonders spannend: die nächtliche Lila-Zeremonie Mitte Juli bei Savvy Contemporary, bei der Musik, Ritual und gemeinschaftliche Erfahrung bis in den frühen Morgen ineinandergreifen. Wer lieber tanzend einsteigt, kommt schon zum Auftakt mit der Gnawa-Parade über das HKW-Gelände oder später bei den DJ-Sets von Kabylie Minogue, Kawtar Sadik, Zine & Siroko auf seine Kosten.

Text: Inga Krumme / Fotos: Lais Pereira, Jeremy Lewis, Mathias Voelzke

Haus der Kulturen der Welt (HKW), John-Foster-Dulles-Allee 10, 10557 Berlin–Tiergarten; Stadtplan
Sonic Pluriverse Festival 06.–08.2026. Das komplette Programm zur Ausstellung findest Du hier.

@hkw_berlin

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DAS MUSEUM ALS DURCHLÄSSIGE MEMBRAN: OSCAR MURILLO IM MINSK

DAS MUSEUM ALS DURCHLÄSSIGE MEMBRAN: OSCAR MURILLO IM MINSK

Selbst kreativ werden und Erfahrungen mit anderen teilen: Die aktuelle Ausstellung von Oscar Murillo im Minsk in Potsdam ist mehr als eine reine Kunstschau. Murillo, 1986 in Kolumbien geboren, war mit Anfang zwanzig der Liebling des Kunstmarkts. Doch heute will der Turner-Preisträger weniger die Auktionssäle und Feuilletons mit Rekorden, als vielmehr die Menschen mit seiner Mitmachmalerei bewegen. Seine mitreißende Durchlässigkeit ist noch bis 09. August 2026 im Potsdamer Minsk zu erleben. „Kollektive Osmose“ heißt der Titel der jüngsten Ausstellung. Murillo verwendet den Begriff der Osmose, der in der Naturwissenschaft beschreibt, wie Flüssigkeit durch eine Membran wandern kann, um Gleichgewicht herzustellen – als Metapher für das, was Kunst im besten Fall erreicht: Grenzen zwischen Innen und Außen, zwischen Institution und Stadt sowie zwischen Menschen aufzuweichen. Murillos neue abstrakte Gemälde aus den Serien „Surge“, „Scarred Spirits“ und „Disrupted Frequencies“ treffen dabei auf einen unerwarteten Dialogpartner: den französischen Impressionisten Claude Monet. Der litt im Alter an schwerem Grauen Star, der ihn neunzig Prozent seiner Sehkraft kostete. Murillo deutet Monets Krankheit und die Veränderungen in dessen Spätwerk als Sinnbild für gesellschaftliche Leerstellen. In Potsdam stellt er die Frage, wie man diese heute kollektiv überwinden kann.

Und das nicht nur im Minsk, sondern auch auf der anderen Seite der Havel im Museum Barberini. So wird der Austausch grenz- und institutionsübergreifend gedacht. Für die Ausstellung hat Murillo neue Gemälde geschaffen, die an beiden Orten gezeigt werden. Erstmals sind außerdem Schlüsselwerke von Claude Monet im Minsk ausgestellt. Am 04. Juli gibt es sogar eine Kombiführung „Murillo meets Monet“, die beide Adressen verbindet. Das Schöne an der Sache? Die Ausstellung will sich bewusst auch außerhalb der Theorie und philosophischen Gedankenwelt bewegen. Mitmachen ist ausdrücklich erwünscht: Täglich außer dienstags kann man beim kostenlosen Collective Painting auf der Terrasse im Minsk selbst zum Pinsel greifen und Teil eines wachsenden Gemeinschaftswerks werden. Dafür wurden Leinwände an Institutionen in ganz Deutschland verschickt, die an Murillos „Social Mapping“-Projekt teilnehmen. Die Leinwände kehren nun, mit Zeichnungen versehen, in die Ausstellung zurück. Kunst als Kreislauf, nicht als Einbahnstraße. Wer den letzten Sonntag im Monat erwischt, kommt beim „Minskday“ sogar kostenlos ins Museum. Und jeden Samstag gibt es frische Pizza aus der Ofen-Skulptur „Brenda“ des Künstlers Gabriel Chaile, während die Cafébar Hedwig mit einem neuen kulinarischen Konzept wartet. Auch das passt: Zusammenkommen, essen, reden. Austausch findet hier eben, ganz im Sinne von Murillo, auf allen Ebenen statt.

Text: Laura Storfner / Fotos: Clemens Poloczek, Linus Müllerschön

Das Minsk, Max-Planck-Str.17, 14473 Potsdam; Stadtplan
Oscar Murillo – Kollektive Osmose bis 09.08.2026

@dasminsk
@museumbarberini
@lacachepli

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WO FARBEN UND FILME FLIMMERN: PAUL SIGNAC UND BARBERINI SOMMERKINO

WO FARBEN UND FILME FLIMMERN: PAUL SIGNAC UND BARBERINI SOMMERKINO

Erst sind da nur Punkte. Mit etwas Abstand betrachtet wird daraus Licht, das Himmel und Wasser und schließlich eine ganze Landschaft trägt. Im Museum Barberini widmet sich die Ausstellung „Symphonie der Farben. Paul Signac und der Neoimpressionismus“ (04.07.–11.10.2026) einem Künstler, der nicht nur malte, sondern auch Ideen für eine bessere Gesellschaft und ein harmonisches Zusammenleben hatte. Gemeinsam mit Georges Seurat entwickelte Signac Ende des 19. Jahrhunderts eine Technik, bei der sich Farben nicht schon auf der Palette vermischen sollten, sondern erst auf der Leinwand und im Auge des Betrachtenden. Klingt heute noch modern, war damals aber ein kühner Versuch, Wahrnehmung, Wissenschaft und Kunst miteinander zu verbinden. Die Schau verfolgt Signacs Weg von frühen Landschaften über Porträts bis zu den berühmten Ansichten der Côte d’Azur, deren Licht fast durch die Leinwand scheint. Dabei begegnet man nicht nur ihm, sondern einer ganzen Generation von Künstler:innen, die mit Farbe experimentierten und neue Wege suchten, die Welt zu sehen. Über 90 Werke kannst Du im Museum Barberini am Alten Markt entdecken, darunter Arbeiten von Henri-Edmond Cross, Camille Pissarro, Georges Seurat und Théo van Rysselberghe. Im August wandert das Licht dann bis in den Innenhof und füllt eine noch größere Leinwand: Beim Barberini Sommerkino laufen an drei Donnerstagen französische Klassiker unter freiem Himmel, begleitet von Popcorn, DJ-Sounds und Gesprächen zum Auftakt, moderiert von Knut Elstermann und Gesa Ufer. Auf dem Programm stehen Jacques Tatis wunderbar eigensinnige „Les Vacances de Monsieur Hulot“ (06.08.), Jean-Luc Godards „Le Mépris“ (13.08.) und „La Piscine“ mit Alain Delon und Romy Schneider (20.08.). Ein perfekter Augusttag? Erst durch die Ausstellung gehen, dann im Innenhof sitzen und an die französische Küste reisen, während es langsam dunkel wird.

Text: Emma Zylla / Credits: Paul Signac, Segel und Pinien, 1886, Privatsammlung; Maximilien Luce: Der Hafen von Saint-Tropez, 1893, Privatsammlung; Foto: Helge Mundt

Museum Barberini, Humboldtstr.5–6, 14467 Potsdam; Stadtplan 
Symphonie der Farben. Paul Signac und der Neoimpressionismus 04.07.–11.10.2026
Barberini Sommerkino 06., 13. & 20.08.2026

@museumbarberini

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