Der Berliner Herbstsalon ist zurück – und mit ihm laute Fragen, die es auszudiskutieren gilt. Seit 2013 lädt das Festival des Maxim Gorki Theaters Künstler:innen, Denker:innen und Publikum ein, Gegenwart neu zu verhandeln. Die 7. Ausgabe trägt den Titel Яe:Imagine: The Red House – und macht aus dem Gorki ein offenes Haus für Debatte, Kunst und Utopien. Das Programm ist so divers wie intensiv: Theaterpremieren treffen auf Performances, Tanz, Musik. Zum Auftakt feiert Namensgeber Das Rote Haus von Ersan Mondtag & Till Briegleb Premiere – inspiriert von den Geschichten der Bewohnerinnen der Stresemannstraße 30 und Texten von Emine Sevgi Özdamar. Dazu Arbeiten wie Androgynous. Portrait of a Naked Dancer (Lola Arias & River Roux) über Grenzgänger:innen zwischen den 1920ern und heute, To be in a Time of War (Murat Dikenci) mit der Poesie von Etel Adnan. Außerdem Orit Nahmias’ radikal ehrliches Make Love Not War, und Yoldas. Frauen, die einander halten (Nihan Devecioğlu), eine poetisch-musikalische Collage über Arbeiter:innenrealitäten in den 70er Jahren und Selbstermächtigung. Mit Todesfuge macht Nazanin Noori Paul Celans gleichnamiges literarisches Erbe zu einer Spoken-Word-Oper. So wechseln auch Formate die Ebenen: Mal ist der Herbstsalon Konzertsaal, mal Lesebühne, mal Clubnacht. Ein künstlerischer Parcours, der politische Fragen auflädt, statt sie zu übergehen. Das Gorki bleibt damit, was es immer war: ein Ort für Stimmen, die oft keinen Platz bekommen – divers, laut, widerständig. Der Herbstsalon zeigt, wie Kunst Gesellschaft nicht nur spiegelt, sondern verändert.
Text: Inga Krumme / Credit: Ima Li Snijega?, Danica Dakić, 2024, VG Bild-Kunst, Bonn; Esra Rotthoff
Maxim Gorki Theater, Am Festungsgraben 2, 10117 Berlin–Mitte; Stadtplan
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