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NEUE NATIONALGALERIE ALS RESONANZRAUM: MOOR MOTHER UND ENSEMBLE MOSAIK AUF ZEITREISE

NEUE NATIONALGALERIE ALS RESONANZRAUM: MOOR MOTHER UND ENSEMBLE MOSAIK AUF ZEITREISE

Vier Abende lang wird die Neue Nationalgalerie im Januar zur offenen Bühne für akustische Experimente, performative Momente und kollektives Zeitreisen im Hier und Jetzt. Die Poetin, Aktivistin und Musikerin Camae Ayewa alias Moor Mother und das Ensemble Mosaik laden aber nicht nur zum Zuhören ein: Als Teil von „Time Travel Hear Today“ entwickelt das Publikum eigene Tonspuren zwischen komponierten Strukturen, improvisierten Klängen und interaktiven Elementen. Die Glashalle des Mies van der Rohe Baus wird so zum Resonanzraum und Spielplatz, in dem Klang und Zeit verwoben und verschoben werden. Hip-Hop-Einflüsse, Free-Jazz-Spuren, elektronische Texturen und philosophische Impulse vermischen sich zu einer freien Komposition – genauso wie es Regisseur und Bühnenbildner Tilman Hecker für das Konzept „Time Travel Hear Today“ erdacht hat. Jede der vier Nächte setzt andere Akzente: Tagsüber finden vorbereitende Workshops statt, abends sind Zufallsbegegnungen Teil des freien Programms.

Spontane Einfälle und Auftritte sorgen dafür, dass kein Abend dem anderen gleicht. Parallel dazu läuft die Videoinstallation „The Clock“ von Christian Marclay. Die  Filmmontage collagiert ikonische Filmschnipsel von Uhren, Weckern und Zeitmessern zu einem 24-stündigen Loop in Echtzeit. „The Clock“ kann als experimentelle Annäherung an Vergänglichkeit gelesen werden und somit als mögliche Zusatzebene zu dem, was Moor Mother akustisch umsetzt. „Time Travel Hear Today“ will dabei mehr sein als eine Performance: Es ist ein Forum für Wahrnehmung, für das Denken in Schleifen und für das Erleben von Zeit als fließende, gestaltbare Dimension. Moor Mother spricht Neugierige, Klangliebhaber:innen und alle an, die Kunst als Möglichkeitsraum verstehen, in dem jede Minute ein Eigenleben hat. Denn Zuhören heißt: Mitreisen, Mitschwingen, Mitdenken.

Text: Laura Storfner / Fotos: Daniel Dittus, Ebru Yildiz, Ensemble Mosaik, Distruktur

Neue Nationalgalerie, Potsdamer Str.50, 10785 Berlin–Tiergarten; Stadtplan

Time Travel Hear Today – Moor Mother & Gäste, Ein Projekt von Tilman Hecker, 07.–10.01.2026. Tickets gibt’s hier.

@moormother
@ensemble_mosaik

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MIT KUNST DURCHS JAHR: WERDE MITGLIED BEI FOTOGRAFISKA

MIT KUNST DURCHS JAHR: WERDE MITGLIED BEI FOTOGRAFISKA

Es gibt Verlegenheitsgeschenke, die direkt in den Schrank wandern — und Geschenkideen, die ein ganzes Jahr lang nachwirken. Eine Jahreskarte für das Lieblingsmuseum gehört zur letztgenannten Kategorie und lässt sich für alle, die über Weihnachten in die Heimat fahren, platzsparend transportieren. Die Kulturinstitution Fotografiska in Mitte hat gleich drei verschiedene Mitgliedschaftsvarianten im Angebot: Als „Member“ erhält man für 79 Euro im Jahr uneingeschränkten Zugang zum Museum. Nicht nur in Berlin, sondern an allen Fotografiska-Standorten weltweit von Shanghai bis Stockholm. „Member“ genießen exklusive Previews und Führungen und dürfen sich über Rabatte im Store und in den hauseigenen Restaurants freuen. Als „Companion“ gelten die Vorteile nicht für Dich allein. Für 129 Euro im Jahr profitiert man stets zu zweit – die perfekte Mitgliedschaftskategorie für alle, die wissen, dass sie Kunst stets mit Plus Eins erleben wollen. Mit dieser Version schenkst Du nicht nur einen Ausstellungsbesuch, sondern auch gemeinsame Momente bei Eröffnungen, Events oder bei einem Drink nach dem Rundgang.

Als „Supporter“ tauchst Du noch tiefer ein: Diese Variante eignet sich für Familie, Freund:innengruppen und wahre Kunstliebhaber:innen, denn für 300 Euro im Jahr gelten die Vergünstigungen der Standard-Membership für Dich und drei Gäste. Als „Supporter“ bist Du Teil des inneren Zirkels und kannst am jährlichen Dinner mit den Fotografiska-Kurator:innen, einer Kunst-Exkursion sowie exklusiven Supporter-Events und Konferenzen teilnehmen. Egal, für welche Variante Du Dich entscheidest: Ein Standardgeschenk wird eine Mitgliedschaft ganz sicher nicht. Bis April 2026 lohnt sich der Besuch von Diana Markosians Ausstellung „Father„, während ab Ende Januar 2026 die Arbeiten des Fotojournalisten James Nachtwey zum Nachdenken über Moral und Menschlichkeit in Krisenzeiten anregen. Die Fotografiska-Mitgliedschaft ist als Geste zu verstehen, die verbindet — mit der Kunst, mit den Menschen und mit Momenten, die man nicht vergisst.

Text: Isabel Raab / Fotos: Fotografiska, Julia Schoierer

Fotografiska Berlin, Oranienburger Str.54, 10117 Berlin–Mitte; Stadtplan
Alle Informationen zur Mitgliedschaft.

@fotografiska.berlin

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DIGITALE KUNST, ENTWORFEN FÜR ALLE SINNE — TECHNO-PSYCHEDELISCHE VISUALS IN DER P61 GALLERY

DIGITALE KUNST, ENTWORFEN FÜR ALLE SINNE — TECHNO-PSYCHEDELISCHE VISUALS IN DER P61 GALLERY

„Immersiv“ ist ein Begriff, der häufiger im Kontext digitaler Kunst auftaucht. Doch Digital Dimensions in der P61 Gallery verdient diesen Begriff zu Recht – so hypnotisierend sind die ausgestellten Werke. Glänzend, synthetisch, wirbelnd und gesättigt – die Installationen geben sich nicht als naturalistisch, sondern sind präzise darauf ausgelegt, die Sinne zu stimulieren. Verteilt auf acht Räume eines nüchternen Nachkriegsbaus in Schöneberg, sind 300 Werke grob in drei Themenbereiche gegliedert: „Physic-Flow Art“, „Liquid Universes“ und „Rhythmic Math Art“. Ganz gleich, welches Thema behandelt wird, die Visuals wirken fließend und geometrisch zugleich und erzeugen so einen fast techno-psychedelischen Augenblick. Für die rechnergestützten Arbeiten, digitalen Objekte und Motion-Designs wurden insgesamt 40 Künstler:innen beauftragt, darunter auch der 3D-Künstler Vincent Schwenk. Die fast überirdische Atmosphäre der Werke und Soundlandschaften ist hypnotisierend – man wird hineingezogen und bleibt gefesselt, bis man plötzlich auf die Uhr blickt und merkt, dass bereits zwanzig Minuten vergangen sind. „Math Art“ ist offenbar mehr als die Summe ihrer Teile…

Text: Benji Haughton / Credits: P61 Gallery

P61 Gallery, Potsdamer Str.61, 10785 Berlin–Schöneberg; Stadtplan
Digital Dimensions. Tickets gibt’s online.

@p61gallery

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EINE AUSSTELLUNG GEGEN DAS WEGSEHEN: GLOBAL FASCISMS IM HKW

EINE AUSSTELLUNG GEGEN DAS WEGSEHEN: GLOBAL FASCISMS IM HKW

„You can say it, I don’t mind“, kommentiert der Präsident der USA die Frage einer Journalistin an den neuen New Yorker Bürgermeister, ob dieser Trump für einen Faschisten hält. Fast schon stolz scheint er auf das eigene Image zu sein. Weltweit ist eine Bewegung hin zur dunklen Seite der Macht zu beobachten; Faschismus wird mehr und mehr salonfähig. Trotzdem scheut man sich, über diesen Wandel zu reden. Ob nun Coping-Mechanismus oder Scheuklappen vor dem Unvermeidbaren – klar ist: Wir müssen uns mit dem Thema auseinandersetzen, um ihm uns entgegenzusetzen. Die Ausstellung „Global Fascisms“ im Haus der Kulturen der Welt macht einen Aufschlag. Aber wie visualisiert man Faschismus? Worin werden die Spuren von Machtstrukturen sichtbar? Wie viel Ästhetik liegt darin? Seit Anfang September 2025 zeigt die Gruppenausstellung diese Fragen auf und versammelt künstlerische Positionen, die den steigenden Autoritarismen unserer Zeit nachspüren: den Körpern, die sie formen, den Technologien, die sie antreiben, und den psychologischen Landschaften, die sie hinterlassen. Die Schau zeigt Werke von insgesamt 50 internationalen Künstler:innen, die sich mit dem wachsenden Einfluss faschistischer Denkweisen auseinandersetzen. Zeitgenössische Malerei, Film, Performance, Diskurs und digitale Kunst stehen neben historischen Arbeiten, die erschreckend ähnlich sind. Dabei immer wieder Thema: Die verführerische Ästhetik faschistischer Systeme und die Analyse der dahinterliegenden Logiken. Und die technischen und technologischen Fortschritte: Welche Rolle spielt etwa künstliche Intelligenz und das damit einhergehende (gerade ästhetische) Schubladendenken im Vormarsch des Faschismus?

Künstler Josh Kline zeigt, wie KI, Automatisierung und politischer Rechtsruck Arbeitswelten aushöhlen und Menschen ersetzbar machen. Jane Alexanders Skulpturen (Council with emblem) oszillieren zwischen Vertrautem und Bedrohlichem; sie suggerieren Autorität ohne klare Botschaft und fordern uns heraus, unsere Vorurteile zu hinterfragen. Eli Cortiñas seziert die Bildpolitik der Überwachungsgesellschaft und entwirft ein Gegenbild hybrider, widerständiger Körper. Hou Chun-Ming verwebt Queerness, Mythologie und politische Geschichte zu einem vielschichtigen Kommentar über Lust, Autorität und Repression. Anna Maria Maiolino zeigt, wie Migration, Militärdiktatur und Zensur künstlerische Sprache formen können, ohne an Klarheit oder Kraft zu verlieren. Und Fuyuhiko Tanaka macht mit „Japan Erection“ einen zotig-humorvollen wie schmerzhaften Kommentar zu Zerstörungswut und -potenzial patriarchaler Machtstrukturen. Zu sehen ist „Global Fascisms“ noch bis zum 07. Dezember 2025 – am letzten Ausstellungswochenende ist der Eintritt umsonst. Eine Einladung, nicht wegzusehen.

Text: Inga Krumme / Credits: Gülsün Karamustafa, Soldier (1976), Courtesy Gülsün Karamustafa,  BüroSarıgedik.Salt Research und Gülsün Karamustafa Archive; Jane Alexander, Council with emblem (2025), Monitor (2023), Representative in law enforcement jacket, (2006,14), Bird in Step Out tunic (2024), Beast (2003), Emblem (2025), Courtesy Jane Alexander; Ausstellungsansicht Global Fascisms, Haus der Kulturen der Welt (HKW), 2025, Foto: Hanna Wiedemann/HKW

Haus der Kulturen der Welt (HKW), John-Foster-Dulles-Allee 10, 10557 Berlin–Tiergarten; Stadtplan
Global Fascisms 13.09.–07.12.2025. Das komplette Programm zur Ausstellung findest Du hier.

@hkw_berlin

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24 STUNDEN IN DER NEUEN NATIONALGALERIE: MARCLAYS FILMMONTAGE „THE CLOCK“

24 STUNDEN IN DER NEUEN NATIONALGALERIE: MARCLAYS FILMMONTAGE „THE CLOCK“

Wie aufregend der gebannte Blick auf die Uhr sein kann, führte der Künstler Christian Marclay 2011 auf der Biennale in Venedig vor. Für „The Clock“ baute er aus filmischen Fragmenten, von Klassikern bis hin zu beinahe vergessenen Produktionen, eine 24-stündige Montage: Im Mittelpunkt steht jeweils eine andere Uhr, die tickt. Seine Idee war so einfach wie eingängig – und brachte ihm deswegen nicht nur den Goldenen Löwen der Biennale ein, sondern auch Faszination beim Publikum weltweit. Nun kann sich auch Berlin in den Bann seiner Zeit ziehen lassen: Neben Marclays Ausstellung zeigt die Neue Nationalgalerie „The Clock“ außerhalb der regulären Öffnungszeiten in voller Länge. Vom 05. auf 06. Dezember und 02. auf 03. Januar 2026 (jeweils von 20–10h) kannst Du mit Filmstars durch die Nacht gehen und Dich im Tempo, im Rhythmus, im Loop der Zeit verlieren.

So werden die Explosion von Big Ben aus „V for Vendetta“, die nächtliche Uhrenturmszene aus Orson Welles’ „The Stranger“ oder der legendäre Uhren-Monolog von Christopher Walken aus „Pulp Fiction“ zu den Zeigern in diesem filmischen Zeitkörper. Marclays Montage markiert nicht nur Minuten, sondern zeigt auch, wie stark unser Bildgedächtnis von diesen ikonischen Filmmomenten geprägt ist. Jahrelang durchforstete er die Archive der Filmgeschichte, um Hochkultur und Pop, Thriller und Drama, Blockbuster und Arthouse gleichberechtigt nebeneinanderzustellen. Das Werk steht dabei für den Sog des Kinos an sich: die Art, wie Spannung sich aufbaut, wie Erwartungen verschoben werden, wie Zeitlichkeit immer auch ein zentraler Träger filmischer Bedeutung ist. „The Clock“ ist keine schlichte Filmvorführung, sie ist eine Einladung, sich treiben zu lassen: in die Nacht hinein, in den frühen Morgen, bis die reale und die filmische Zeit ineinanderfallen. Zwischen Dunkelheit, Filmschnipseln und halbwachen Gedanken entsteht ein Moment, der fast meditativ ist: Man spürt, wie sich die Zeit dehnt — Minute um Minute, Szene um Szene.

Text: Laura Storfner / Credits: Christian Marclay, The Clock, Photo: White Cube (Ben Westoby), Courtesy White Cube, London

Neue Nationalgalerie, Potsdamer Str.50, 10785 Berlin–Tiergarten; Stadtplan

Christian Marclay. The Clock 29.11.25–25.01.2026
Zwei 24-Stunden-Screenings außerhalb der regulären Öffnungszeiten (kostenlos) am 05.–06.12.2025 & 02.–03.01.2026, 20–10h

@neuenationalgalerie

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