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EIN JAHRZEHNT GROSSER RÄUME UND WAGEMUTIGER KUNST: DAS KINDL FEIERT JUBILÄUM

EIN JAHRZEHNT GROSSER RÄUME UND WAGEMUTIGER KUNST: DAS KINDL FEIERT JUBILÄUM

Seit seiner Eröffnung vor zehn Jahren ist das kathedralenartige Kesselhaus im Kindl – Zentrum für zeitgenössische Kunstein Ort für Installationen, die dem Raum gewachsen sind. Von Mona Hatoums diagonalem Stahlrahmen bis zu Alfredo Jaars in rotes Licht getauchtem Metallkubus: Hier entstehen Kunstwerke, die Architektur, Maßstab und Atmosphäre des ehemaligen Industriebaus bewusst mitdenken. An diesem Samstag (18.07.2026) lässt sich das Kindl noch einmal als Ganzes erleben: als ehemalige Brauerei, als Ausstellungsort und als Raum, in dem Kunst, Architektur und Geschichte ziemlich direkt aufeinandertreffen. Zum zehnjährigen Jubiläum als Kunstort öffnet das Zentrum seine Ausstellungen bei freiem Eintritt und lädt zu Führungen, Workshops, Performances und Filmscreenings ein. Im Kesselhaus gibt es ein Open Studio, dazu eine fünfstündige Performance des in Montenegro geborenen Künstlers Dante Buu, dessen Praxis den Körper über seine Grenzen hinaus erweitert, sowie „Oral is Moral“ der Choreografin Ania Nowak, angekündigt als „offene Probe eines Striptease“.

Sound und Video haben im Kindl schon immer eine wichtige Rolle gespielt. Auch an diesem Samstag wird daran angeknüpft: Der Klangkünstler Daniel Meir arbeitet in einer Performance mit den Kupferbraukesseln, während der M1 VideoSpace wegweisende Videoarbeiten zeigt, die an den Wänden des ehemaligen Maschinenraums (heute Maschinenhaus M0) zu sehen sind. Danach geht es raus in Babette’s Garden, wo DJ Saint September den Abend musikalisch weiterführt. Ein guter Moment also, um auf zehn Jahre Kindl anzustoßen: auf große Räume, mutige Arbeiten und zeitgenössische Kunst, die hier nicht nur gezeigt wird, sondern den Ort selbst mitdenken darf.

Text: Benji Haughton / Fotos: Lekker Collective, Daniel Meir, Uczu

Kindl – Zentrum für zeitgenössische Kunst, Am Sudhaus 3, 12053 Berlin–Neukölln; Stadtplan

10 Jahre Kindl Jubiläumsfeier (18.07.2026): Die Ausstellungen sind ab 12h geöffnet und das Programm beginnt 16h.

@kindlberlin

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ANLEITUNG ZUM VERSCHWINDEN: DIE NEBELSKULPTUREN VON FUJIKO NAKAYA

ANLEITUNG ZUM VERSCHWINDEN: DIE NEBELSKULPTUREN VON FUJIKO NAKAYA

Fujiko Nakaya braucht keinen Ton für ihre Skulpturen. Sie haut sie weder aus Mamor, noch fräst sie sie aus Holz. Das wichtigste Material der 92-jährigen Künstlerin ist alltäglich und doch schwer zu greifen: der Nebel. „Die Atmosphäre ist die Form, der Wind ist der Meißel,“ sagt sie über ihre Arbeiten. Sie begreift sich als Formerin, aber modelliert nicht. Sie schafft lediglich die Bedingungen, damit die Natur sich ausdrücken kann. Als ich ihre Installation 2022 zum ersten Mal im Haus der Kunst in München sah, verbrachte ich, ohne es zu merken, fast einen ganzen Nachmittag im Museum. Ich folgte den Wolken vom Innenraum nach draußen, in den Englischen Garten. Mal hingen sie in dichten Schwaden, mal als feiner Schleier. Ich blieb still, als der Nebel langsam lichter wurde und sich auflöste, nur um sich unmittelbar hinter mir wieder zu formen. Seither hatte ich das Glück, Nakayas Arbeiten an unterschiedlichen Orten, in der Natur und inmitten von Architektur, zu erleben: in einem Park drei Stunden von Bangkok entfernt, in einem Museum in Tokyo und im Skulpturengarten der Neuen Nationalgalerie. In Mies van der Rohes Bau sind ihre flüchtige Nebelinstallationen – nach dem Erfolg im letzten Jahr – auch diesen Sommer wieder zu sehen.

In Kontrast zum Marmor, Stahl und Glas entsteht hier ein besonderer Zwischenmoment: Nakayas Nebel löst die strengen, eleganten Formen des Hauses auf. Zwischen 10 und 17 Uhr bleibt zur vollen und halben Stunde für knapp zehn Minuten lang die Zeit stehen: Dann gehört der Raum dem Nebel. Man kann sich in und mit ihm bewegen oder der Wolkenchoreografie durch die breite Glasfassade betrachten – ein Schauspiel auf einer 90 Meter breiten Leinwand. Die tonnenschweren Skulpturen von Henri Laurens und Wolfgang Mattheuer verlieren ihr Gewicht, sobald sie von den Wolken bedeckt liegen. Der Nebel umspielt ihre Konuturen sanft, entfaltet erst nach und nach seine stille Präsenz. In wenigen Minuten und ohne Anstrengung lässt Nakaya die massiven Skulpturen fast vollkommen verschwinden. Hier und da ist nur noch ein Sockel, ein Fragment, ein Stück Bronze oder Stein, zu sehen. Nach und nach tauchen sie dann wieder auf: Alicia Kwades Goldelse mit dem wehenden Rock sieht aus, als würde sie auf Wolken gehen. Immer donnerstags ist die Nebelinstallation sogar bis 19 Uhr zu sehen. Ein kurzer Moment zum Innehalten, Meditieren, Durchatmen nach der Arbeit. Besser kann man den Feierabend wohl nicht einläuten: Denn wie Nakayas Skulpturen lösen sich im Garten der Nationalgalerie dann auch die Gedanken ans Büro in Luft auf.

Text: Laura Storfner / Fotos: Neue Nationalgalerie, Stiftung Preußischer Kulturbesitz, David von Becker

Neue Nationalgalerie, Potsdamer Str.50, 10785 Berlin–Tiergarten; Stadtplan

Fujiko Nakaya: Nebelskulptur im Skulpturengarten der Neuen Nationalgalerie bis 25.10.2026. Die Skulptur startet zur vollen und halben Stunde zwischen 10 und 17h, am Donnerstag bis 19h.

@neuenationalgalerie

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MACHT DOCH MAL NE PAUSE — BEIM YOUNG BAUHAUS FESTIVAL

MACHT DOCH MAL NE PAUSE — BEIM YOUNG BAUHAUS FESTIVAL

Im Alltag zählt der kleine Luxus. Einer jener ist die Pause. Gerade so oder so ein topaktuelles Thema; die Schulen gehen in die Sommer-, die Theater der Stadt in die Spiel- und ich in die Mittagspause, wenn dieser Text gleich geschrieben ist. Laut Duden ist die Pause eine „kürzere Unterbrechung einer Tätigkeit, die der Erholung, Regenerierung o. Ä. dient“. Aber die Pause ist viel mehr. Was genau, erklärt ab morgen (17.07.2026) das Young Bauhaus Festival. „Moment Mal“ ist der Titel der ersten Ausgabe des dreitägigen Festivals. Das Programm besteht aus Musik, Workshops, Zeit zum Verweilen und der kollektiven Installation „Young Bauhaus Monument“. Am Bauhaus war die Pause wichtiger Zeit- und Treffpunkt für Sport, Musik und Austausch. Beziehungen, aus denen später namhafte Kollaborationen, und Ideen, aus denen bekannte Entwürfe wurden, schlugen ihre ersten Wurzeln in der Pause. Aber was macht die ideale Pause aus? Wann darf man Pause machen? Wann muss man? Und wer kann sich überhaupt eine Pause erlauben? Mit diesen und mehr Fragen hat sich die Gruppe junger Personen beschäftigt, die das Young Bauhaus dieses Jahr formen. Die 17 bis 23-Jährigen setzten sich ein Jahr lang mit dem selbst gewählten Thema auseinander, trafen sich wöchentlich im Projektraum des Bauhaus-Archivs, um über Architektur, Design und das Bauhaus zu sprechen und Kunst zu machen. Jetzt gibt’s am Wochenende Workshops mit Titeln wie „Wie riecht eine Erinnerung?“, „Bauhaus auf dem Teller“ oder „Djörnel-Säschn“. Wer wissen will, was das ist, kommt ab morgen ins Temporary Bauhaus-Archiv. Pause machen.

Text: Inga Krumme / Fotos: Janine Langer, Konrad Langer

The Temporary Bauhaus-Archiv, Knesebeckstr.1, 10623 Berlin–Charlottenburg; Stadtplan

Young Bauhaus Festival 17.–19.07.2026

@bauhaus_archiv

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KUNST UND KULINARIK IM MINSK IN POTSDAM

KUNST UND KULINARIK IM MINSK IN POTSDAM

Was ich an Kunstausstellungen so liebe? Sie schaffen es, einen wieder richtig im Moment existieren zu lassen, abseits von allem, was sich online abspielt. Obwohl man eine Ausstellung oft ganz für sich erlebt, entsteht dieses stille Miteinander. Berlin ist dabei bekannt für seine vielseitigen Ausstellungshäuser. Wenn Du aber mal Lust auf einen Ausflug nach Potsdam hast, lohnt sich ein Besuch bei Das Minsk – einem Ort, der Kunst, Geschichte und Kulinarik miteinander verbindet. Dabei sah es lange gar nicht danach aus: Das ehemalige DDR-Restaurant stand Mitte der 1990er-Jahre kurz vor dem Abriss, bevor sich die Potsdamer:innen für den Erhalt einsetzten. 2019 erwarb die Hasso-Plattner Foundation das Gebäude und machte den Wiederaufbau möglich. Heute ist daraus ein Kunsthaus geworden – und trotzdem ist etwas von seiner ursprünglichen Idee geblieben. Denn das Minsk ist nicht einfach nur ein Ausstellungshaus. Kulinarisch hat es einiges zu bieten: Besonders zu empfehlen ist das Kunstfrühstück. Was gibt es Besseres, als sich erst von Kunst inspirieren zu lassen und sich danach ein gutes Frühstück zu gönnen? Zuerst führen Guides durch die aktuelle Ausstellung und geben Hintergründe zu ausgewählten Werken. Bis zum 09.08.2026 ist die Ausstellung „Oscar Murillo. Kollektive Osmose“ zu sehen. Ab dem 05.09.2026 dann eine Retrospektive der Künstlerin Annemirl Bauer und eine Kabinettpräsentation mit Keramiken aus der Werkstatt von Wilfriede Maaß. Danach wartet das Frühstück der Cafébar Hedwig. Der Bartresen befindet sich noch an seinem ursprünglichen Platz, die neu angebrachten Fliesen stammen aus der Bauhaus-geprägten Manufaktur von Hedwig Bollhagen. Aber nicht nur deshalb lohnt sich ein Blick. Das Hedwig ist gleichzeitig Ausstellungsraum: An den Wänden finden sich Zeichnungen des rumänischen Künstlers Dan Perjovschi, die sich humorvoll auf die Geschichte des Minsk und den Kunstbetrieb beziehen.

In der Cafébar Hedwig finden außerdem Veranstaltungen statt, welche die Geschichte des Hauses als Terrassenrestaurant aufgreifen: am 08.08. kommen beispielsweise die Malerin und Autorin Ulla Walter, Patrick Schwatke aus dem Michelin Stern Restaurant „Alte Überfahrt“ in Werder und Autorin und Journalistin Anja Reich-Osang zu einem Podiumsgespräch mit Imbiss zusammen, um über die Facetten des Wandels der Kultur und Küche im Osten zu sprechen. Das Schöne daran ist, dass man nach der Ausstellung nicht einfach wieder nach Hause geht. Stattdessen sitzt man zusammen, spricht über die Werke und merkt, wie unterschiedlich sie auf Menschen wirken. Welche Gedanken hat ein Gemälde ausgelöst? Was hat es mit dir gemacht? Falls Frühstück nicht so Dein Ding ist, gibt es noch eine zweite Variante: Kunst & Aperitif. Auch hier startet alles mit einer Führung durch die jeweils aktuell zu sehende Ausstellung. Anschließend geht es auf die Terrasse im Obergeschoss, wo man Aperitivos in der Abendsonne genießen und mit Aussicht ins Wochenende starten kann. Mein persönliches Highlight ist aber, wie Kunst hier plötzlich mit mehreren Sinnen erlebbar wird. Aus elementaren Materialien hat der argentinische Künstler Gabriele Chaile die Skulptur „Brenda“ geschaffen. Auf den ersten Blick eine Lehmskulptur mit menschlichen Gesichtszügen. Während der Sommersaison 2026 wird sie samstags zu besonderen Anlässen allerdings zum Pizzaofen. Kunst und Pizza sind zwei Dinge, auf die ich nur ungern verzichten würde. Beides zusammen ist für mich ziemlich perfekt. Wie Du merkst, ist das Minsk mehr als nur ein Kunsthaus. Sicher ist: Du gehst mit neuen Eindrücken und einem zufriedenen Magen wieder nach Hause.

Text: Isabelle Marten / Fotos: Clemens Poloczek, Linus Müllerschön

Minsk, Max-Planck-Str.17, 14473 Potsdam; Stadtplan

Kunstfrühstück, 05.07., 19.07., 02.08.2026. Tickets findest Du hier.
Kunst & Aperitif, 10.07., 24.07., 07.08.2026
Pizza immer samstags und zu besonderen Anlässen im Sommer 2026.

@dasminsk
@lacachepli
@perjovschidan
@soychaile

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ERLEBE GROSSES KINO: JETZT IM MUBI SUMMER SALE

ERLEBE GROSSES KINO: JETZT IM MUBI SUMMER SALE

Es ist der heißeste Sommer seit jeher. Wer draußen keinen Platz im Schatten findet, bleibt besser drinnen vorm Ventilator, statt in der Schlange vorm Prinzenbad zu schmelzen. Und um die Zeit in der Horizontalen süßer werden zu lassen, gibt uns Mubi neben einem guten Filmprogramm auch ein sehr gutes Angebot. Wir stellen vor: Alle neuen Mubi-Abonnent:innen bekommen ab jetzt bis zum 6. Juli 2026 sechs Monate lang 70 Prozent Rabatt auf den Monatspreis. Großes Kino für 4.80€. Hier kommt eine Auswahl für sommerliche Unterhaltung: Eingeschmiert mit After Sun starten wir „Aftersun„. Ein etwas in die Jahre gekommenes Ferienhotel Ende der 90er, Pool, Karaoke und gemeinsame Ausflüge: Die elfjährige Sophie verbringt die Sommerferien mit ihrem Vater Calum. Jahre später versucht sie, die Erinnerungen an diese Reise mit dem Menschen zusammenzubringen, den sie als Kind nie ganz sehen konnte. Charlotte Wells erzählt diese Geschichte mit einer bemerkenswerten Ruhe – und macht so aus einem scheinbar gewöhnlichen Urlaub einen Film, der lange nachwirkt. Gegengewicht zur sommerlichen Leichtigkeit bringt „Sorry, Baby„: Literaturprofessorin Agnes ist etwas Schlimmes angetan worden, aber das Leben geht weiter – und zieht an ihr vorbei. Über mehrere Kapitel hinweg sucht sie den Weg zurück zu sich selbst. Ein Film, getragen von schwarzem Humor und der tröstlichen Kraft von Freundschaft. Wir machen weiter 1977 in Brasilien mit „The Secret Agent„.

Marcelo, gespielt von Wagner Moura, ist Anfang 40 und auf dem Weg von São Paulo nach Recife. Dort will er einen Neuanfang starten. Schnell holt ihn aber die Vergangenheit ein und verwickelt ihn in Intrigen, Korruption und allerlei Machtspiel. Ein reichhaltiger Film mit Zeitsprüngen, Haifischen als Beweismaterial, Cameo von Udo Kier und beruhigend beunruhigter Sozialkritik. Lebhaft und düster gehen hier Hand in Hand. Wer den Sommer lieber mit offenen Autofenstern verbringt, schaue Richard Linklaters „Dazed and Confused„. Am letzten Schultag des Jahres 1976 ziehen Jugendliche durch Austin, cruisen durch die Nacht, suchen die nächste Party und genießen den Augenblick zwischen Verpflichtung und Ferien. Große Handlung braucht der Film dafür nicht. Es geht ums Herumtreiben, ums Erwachsenwerden und um das Gefühl, dass ein endloser Sommer gerade erst anläuft. Wem das nicht genug Argument ist, sollte wenigstens für Matthew McConaugheys geföhnten Seitenscheitel reinschauen. Seit dieser Woche bei Mubi. Also: Vorhang zu, Ventilator an, ab vor den Screen. Der Mubi Sommer wartet.

Text: Inga Krumme / Stills: Aftersun, Sorry, Baby, The Secret Agent

Mubi Summer Sale

Das Angebot gilt bis zum 6. Juli 2026. Nur für Neukund:innen und ehemalige Mitglieder:innen gibt es sechs Monate lang 70 Prozent Rabatt monatlich, also 4.80 € pro Monat.

@mubideutschland

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