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DER LÜCKELADEN: EINE ZEITKAPSEL FÜR SCHATZSUCHENDE

DER LÜCKELADEN: EINE ZEITKAPSEL FÜR SCHATZSUCHENDE

Die Gegend rund um den Nordbahnhof in Mitte war früher ein Zentrum der Berliner Kunstszene. Heute erinnert nur noch wenig daran. Der Lückeladen entlang der Bernauer Straße ist eines der letzten verbliebenen Geschäfte, das diese Zeit sichtbar macht – nicht nur als Fenster in Berlins Vergangenheit, sondern als Ort, an dem Du auch Deine eigenen Erinnerungen wiederfinden kannst. Der winzige Raum mit gerade einmal 14 Quadratmetern liegt direkt am Eingang des Nordbahnhofs und wurde 2014 zur Restaurierung freigegeben. Gestaltet wurde er von den lokalen Künstler:innen Norbert und Alexandra Stück, die in West-Berlin Bildende Kunst studiert haben. Seit den frühen 2000er-Jahren haben Norbert und Alexandra zahlreiche interdisziplinäre Experimentierräume und Ausstellungen im Auftrag renommierter Institutionen realisiert. Der Lückeladen ist gefüllt mit nostalgischen Fundstücken, die Norbert und Alexandra über viele Jahre hinweg mit großer Hingabe zusammengetragen haben. Der Raum ist zugleich kulturelle Ausstellung und Laden – mit zeitlosen Designobjekten aus unterschiedlichsten Teilen der Welt. Beim Eintreten fiel mir als Erstes der View-Master ins Auge: ein rotes Stereoskop, mit dem man durch das Einlegen einer Bildscheibe dreidimensionale Bilder betrachten kann. So etwas habe ich seit meiner Kindheit nicht mehr gesehen.

Als Zweites bemerkte ich den Plattenspieler. Norbert legte eine Platte auf und erklärte, dass diese rechteckig waren und mit verschiedenen künstlerischen Drucken versehen wurden, um zu verschleiern, dass es sich um Schallplatten handelte. Sie wurden innerhalb der Community heimlich weitergegeben, als bestimmte Pop-Künstler:innen in Deutschland verboten waren. Der Lückeladen ist nur eines von vielen Projekten. Norbert und Alexandra haben das, was für manche vielleicht weniger wert ist, in einen Schatz verwandelt. Jedes Objekt trägt eine ganze Lebensgeschichte in sich – von Musik über Schmuckstücke, Postkarten, Kunst, Süßigkeitenautomaten, alte Verpackungen, Spielzeug, Schreibwaren bis hin zu Briefmarken. Norbert kennt sie alle.

Text & Fotos: Ruby Watt

Lückeladen, Invalidenstr.20, 10115 Berlin–Mitte; Stadtplan

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DUFT ALS PRAXIS — DIE RÄUCHERSTÄBCHEN VON SENLE INCENSE

DUFT ALS PRAXIS — DIE RÄUCHERSTÄBCHEN VON SENLE INCENSE

Die besten Entscheidungen beginnen aus einem Bauchgefühl. Auch Senlë Studio startete nicht mit einem klaren Konzept, sondern fast aus Versehen. Gründerin Faye ist seit Langem „incense-obsessed“, ihre Sammlung räucherbarer Raumdüfte im Freund:innenkreis bestens bekannt. Als sie sich eine Katze zulegte, begann sie, eigene Düfte zu mischen. Denn: Viele Räucherstäbchen sind für Tiere giftig. Senlë entwickelte schnell eine Eigendynamik. Im Sommer 2025 fand Faye kurzerhand einen eigenen Laden am Boxi. Seit Herbst gibt sie dort auch Workshops. Bei Senlë beginnt Lernen mit einem sogenannten Incense-Tasting. Unser Geruchssinn, geprägt von künstlichen Düften, muss Nuancen neu erlernen. Jede Person bringt ihr eigenes Duftgedächtnis mit, geformt durch Kultur, Erinnerungen und Erfahrungen. Die Zutaten erzählen ihre eigenen Geschichten: Weißes Sandelholz, weich und zurückhaltend, eher tragend als dominierend. Honig und Benzoe mit ihrer feinen Süße. Adlerholz aus Vietnam ist komplexer, tiefer; zunächst fruchtig, dann aprikosenartig. Manche Mischungen bewegen sich von frisch und fruchtig zu floral und holzig, andere tragen Drama in sich. Die Größe der Partikel, ihre Dichte und die Geschwindigkeit des Brennens bestimmen die Dramaturgie eines Räucherstäbchens.

Bei Senlë gibt es Kompositionen, die nach Winter schmecken: Feuerholz, ein Glas Rotwein, Datteln und Honig, deren Zutaten langsam in chinesischem Reiswein gekocht wurde. Gedämpft, gekocht, gerührt, für die beste Geruchspalette: Räucherstäbchen wie ein Gericht. Räucherwerk blickt auf eine über zweitausendjährige Geschichte zurück, mit Wurzeln in China, dann Japan und Indien und dem Nahen Osten. Jede Region entwickelte eigene Duftpaletten aus lokalen Kräutern und Materialien. In China war Räuchern lange eine gesundheitsbezogene Praxis der Oberschicht, die Gerüche bitter, krautig, fast herzhaft. Viele heutige Formen sind japanisch geprägt oder verbinden unterschiedliche Traditionen. Senlë knüpft daran an, ohne nostalgisch zu werden. What you see is what you smell. Kräuter, Blüten, Hölzer, Harze. Lernen bedeutet hier, synthetische Duftlogiken zu verlernen — und sich daran zu erinnern, dass Geruch Zeit braucht.

Text: Inga Krumme / Fotos: Inga Krumme, Mathilde Langevin

Senlë Studio, Gärtnerstr.10, 10245 Berlin–Friedrichshain; Stadtplan

@senle.incense

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PARFUMS LUBNER — EXKLUSIVE NISCHENDÜFTE FÜR ALLE, DIE NACH DEM BESONDEREN SUCHEN

PARFUMS LUBNER — EXKLUSIVE NISCHENDÜFTE FÜR ALLE, DIE NACH DEM BESONDEREN SUCHEN

Vor zwei Jahren reiste ich zum ersten Mal nach Japan. Was mich heute noch am stärksten in Erinnerungen schwelgen lässt, ist nicht etwa ein Foto, oder ein Souvenir, sondern der süße Duft von Osmanthus – er zieht im japanischen Spätsommer durch die Straßen und transportiert mich zurück an den ersten Morgen in meiner Unterkunft. Mit ihm verbinde ich heute noch das Gefühl des Ankommens, das meines ersten Spaziergangs durch die kleine Nachbarschaft, er erinnert mich an den Nachbarn, der den Tag jeden Morgen mit seiner Schildkröte vor der Haustür begann. Am Ende meiner Reise schenkten mir Freunde einen Osmanthus-Duft – nur selten trage ich ihn, so besonders ist er für mich. Denn er bringt mich zurück an diesen einen Moment – an den, wo Japan mir noch völlig fremd war. Ich denke, jede:r hat zu ganz unterschiedlichen Düften besondere Assoziationen, und manchmal fällt es einem schwer, sie zu beschreiben – ohne überhaupt zu wissen, nach was man genau sucht. Falls Du Dich auf die Suche begibst, kann ich Dir Parfums Lubner von Mathias Bauch aus tiefstem Herzen empfehlen: Hier findest Du über 50 exklusive Nischenlabels mit vielen außergewöhnlichen Düften, die nicht kreiert wurden, um jedem gefallen zu wollen, sondern vielmehr, um genau von denen entdeckt zu werden, die nach dem besonderen Etwas suchen. Manche der Düfte sind konzeptionell und denken die Duftwelt neu, andere pochen auf jahrzehntelange Tradition oder wollen mit Zeitlosigkeit überzeugen. Manche sind zurückhaltend, im Flaschendesign und deren Inhalt, andere sind bunt mit Strass und Stein verziert und verweisen auf Trends.

Vielen der Marken begegne ich zum ersten Mal, was den Besuch nicht unbedingt leichter macht. Dafür gibt es das wundervolle Team, das Dich kompetent bei jeder Frage und Suche unterstützt, ohne dabei aufdringlich zu sein. Du darfst Deine Geschichten erzählen, Deine Vorlieben erklären, darfst neue Düfte austesten und fühlst Dich nicht gezwungen, Dich sofort entscheiden zu müssen, solltest Du Dir unsicher sein. Du kannst das Sortiment aber auch für Dich selbst entdecken – dafür gibt es bei zahlreichen Parfums Kurzfassungen zu Gründer:innen, Duftnoten und Konzept der Düfte. Weißt Du erstmal, in welche Richtung es gehen soll, ist die Beratung für mich persönlich trotzdem ein Muss: Selten sind mir Menschen begegnet, die so viel Wissen und Leidenschaft zu dem Thema aufbringen können, wie das Team vor Ort. Sollte ich meinen Flakon aus Japan jemals aufbrauchen, weiß ich jedenfalls, wo ich mich auf die Suche nach einem neuen Duft mache, der mir möglichst vertraut erscheinen soll. 

Text & Fotos: Robyn Steffen

Parfums Lubner, Münzstr.16, 10178 Berlin–Mitte; Stadtplan

@parfums.lubner

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HANDGEMACHTES FÜR MEHR HAPPINESS: DIE CEE CEE CUPS AUS PORZELLAN MADE IN BERLIN

HANDGEMACHTES FÜR MEHR HAPPINESS: DIE CEE CEE CUPS AUS PORZELLAN MADE IN BERLIN

Sie sind rund und kommen ins Eckige – also Deinen Küchenschrank. Oder besser: auf das Regalbrett oder die Espressomaschine. Aber egal, wo Du sie platzierst, hauptsache griffbereit, denn die Cee Cee Cups wollen mit Dir einen Kaffee trinken. Da sie in Berlin von Hand gegossen werden, dauert der Prozess und die letzte Charge war schnell vergriffen. Aber pünktlich zu den Feiertagen sind sie wieder erhältlich: in allen Farben und Größen. Entwickelt von und mit Baristas sind die Cee Cee Cups nicht einfach banale Gefäße, sondern genau auf die perfekte Menge Flüssigkeit abgestimmte Cups – egal ob Du gerne Cappuccino und Flat White oder Latte trinkst. Die Größe der Espresso-Tasse ist so konzipiert, dass Du bei der Zugabe von Zucker den Inhalt einfach schwenken kannst und damit auch ohne Löffel auskommst. Soweit zum Prinzip von Größe folgt Funktion. Aber der Fun-Faktor ist auch nicht unwesentlich für uns, immerhin sind Kaffee-Momente kleine Highlights im Alltag. Der eingeprägte Smiley auf dem Boden der Cee Cee Cups ist daher von außen und innen zu sehen – und macht hoffentlich auch Dir gute Laune. Die Cups werden vom Produzent:innen-Team Berliner Grau in Berlin von Hand gegossen und sind nicht aus Keramik, sondern aus gefärbtem Porzellan. Die Wände sind relativ dick; die Tassen sind deshalb sehr haltbar. Wir verwenden sie im Office und sie wandern jeden Tag in die chaotische Spülmaschine und kommen immer tadellos wieder heraus – hier platzt nichts ab! Falls Du also noch nach dem kleinen Etwas suchst für nette Menschen, die Matcha, Tee oder andere Heißgetränke mögen, dann schau in unserem Webshop vorbei. Versendet werden die Cups bis zum 19. Dezember 2025 – aber Du kannst sie bis dahin auch jederzeit bei uns im Cee Cee Studio abholen. Sie kommen in schwarzen Verpackungen und lassen sich gut als Geschenk verpacken.

Text: Nina Trippel / Fotos: Robyn Steffen

Die Cee Cee Cups kannst Du hier bestellen.

@ceeceeberlin

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CHAPTERS — EIN LOKALER BUCHLADEN MIT GLOBALER PERSPEKTIVE

CHAPTERS — EIN LOKALER BUCHLADEN MIT GLOBALER PERSPEKTIVE

Während der Wedding seit Jahrzehnten als „the next big thing“ heraufbeschworen wird, hat Moabit es still und leise einfach getan: It’s the new place to be. Pittoreske Straßenzüge, Altbauten unter mächtigen Platanen, kleine Läden, Cafés – und mittendrin finde ich Chapters, den neuen englischsprachigen Buchladen der Verlegerin und Literaturagentin Sharmaine Lovegrove. In Berlin ist Sharmaine keine Unbekannte. Kennengelernt habe ich sie 2009, als die gebürtige Londonerin mit jamaikanischen Wurzeln ihren ersten Buchladen „Dialogue Books“ in Mitte gründete. Im Hinterraum eines Cafés in der Christinenstraße eröffnete ihre persönliche Buchwelt ganz neue Perspektiven auf internationale Literatur. Mit Chapters schlägt sie nun, 16 Jahre später, ein neues Kapitel auf: Hier treffen internationale Perspektiven auf die lokale Nachbarschaft. Chapters ist ein Buchladen, der genau das widerspiegelt, denn Berlin war und ist ein Ort für Neuanfänge und kreatives Risiko für seine Anwohner:innen und Zugezogene.

Die Idee ist einfach: Menschen zusammenzubringen und neugierig zu machen auf Geschichten, die sprachlich, gedanklich und geografisch Grenzen überwinden. Sharmaine sagt einfach: Come curious and leave with a discovery. Rund 3.200 ausgewählte, nach Themen sortierte Titel füllen den Laden und machen sofort Lust, tiefer einzutauchen: Lives & Times, Romance & Ruinous, Dreams & Disruption, Power & Resistance, Grow & Wonder und mehr. Jedes Themenfeld ist ein kleines kuratiertes Universum, das Klassiker und zeitgenössische Titel ins Gespräch bringt. Zukünftig finden bei Chapters literarische Salons mit internationalen Autor:innen, Buchpräsentationen und alle zwei Jahre ein Literaturfestival statt. Den Anfang machte ein Talk mit der antiguanisch-amerikanischen Schriftstellerin und Literaturprofessorin Jamaica Kincaid. Wir sind gespannt, was die nächsten Kapitel im Chapters für uns bereithalten.

Text: Milena Kalojanov / Fotos: Ruby Watt

Chapters, Wilsnackerstr.60, 10559 Berlin–Moabit; Stadtplan

Das kuratierte Programm findest Du hier. Im Dezember lädt Chapters zu „Gifts & Glühwein“ ein. Jeden Donnerstag gibt’s Glühwein und zehn Prozent auf alle Bücher.

@chapters_berlin

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