Es gibt Orte, die einem bereits an der Tür das Gefühl geben, im Urlaub zu sein. Für mich ist die französische Bäckerei La Miche in der Schöneberger Crellestraße ein solcher. Schon beim Eintreten mischt sich das herrliche Aroma von gemahlenem Mehl, geschmolzener Butter, Zucker und natürlich frisch gebackenem Brot – und für einen Moment ist der graue Berliner Morgen vergessen. Gegründet wurde die kleine Bäckerei in Schöneberg von Aurélie Guyon, die vor mehr als 15 Jahren aus Liebe zur Kunst aus der Bretagne nach Berlin zog, sich hier verliebte und blieb. Mittlerweile ist aus der studierten Kunsthistorikerin eine passionierte Bäckerin geworden: Das Handwerk lernte sie an der renommierten École internationale de boulangerie bei Marseille, wo die Kunst und Tradition des Sauerteigs gelehrt wird. Nach Zwischenstationen und Lehrjahren beim Domberger Brot-Werk und der Holzofenbäckerei Taktil eröffnete sie im Juli 2025 ihre eigene Mikrobäckerei La Miche; als Anwohnerin der Crellestraße hatte sie schon zuvor ein Auge auf das kleine Ladenlokal geworfen, und als die Fläche schließlich frei wurde, zog La Miche direkt ein. Bereits seit Tag eins ist die Bäckerei der neue Liebling im Kiez – alle kennen Aurélie und ihre Backwaren.
Die Französin ist kompromisslos, aber im besten Sinne: In ihrer offenen Backstube backt sie mit ihrem sympathischen Team nur das, was sie selbst am liebsten mag, und ihre Rezepte sind über viele Jahre hinweg entwickelt und perfektioniert worden. Verwendet werden ausschließlich Bio-Zutaten, wie z.B. Weizen- oder Roggenvollkornmehl von Rolle Mühle im Erzgebirge, etwa für das aromatische Landbrot „La Miche Nature à la coupe“, das klassische Baguette oder die Pompe à l’huile, eine provenzalische Spezialität mit viel Olivenöl. Wilmas Gärten liefern die Äpfel für die saftigen Chaussons aux pommes und saisonales Gemüse für salziges Gebäck. Mein persönliches Highlight ist der Far Breton – der berühmte bretonische Kuchen mit getrockneten Pflaumen. Schnell bestelle ich ein zweites Stück. Excellent! Pünktlich zum ersten Advent wird es weihnachtliche Spezialitäten geben: Pain d’épice (Honigbrot), Spekulatius und den berühmten Christstollen, nach einem abgewandelten Rezept mit ganzen Haselnüssen, Mandeln, Rosinen und getrockneten Feigen – das alles klingt einfach köstlich, und ich freue mich über ein kleines Stück Frankreich in meinem Alltag.
Text: Milena Kalojanov / Fotos: Robyn Steffen
La Miche, Crellestr.2, 10827 Berlin–Schöneberg; Stadtplan
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