Synthetische Stimmen. Von Algorithmen komponierte Songs. Neuronale Netze, die eine Stimme anhand von 30 Sekunden Audio klonen können. Wir erleben gerade, wie sich das Verständnis davon verschiebt, was als Musik gilt – und wie menschliche Musiker:innen dabei zunehmend an den Rand gedrängt werden. Dieser rasante Wandel bildet den Hintergrund für die diesjährige MaerzMusik (20.–29.03.2026), die – durchaus bewusst – die menschliche Stimme in den Mittelpunkt ihres Programms aus zeitgenössischen Konzerten und Performances stellt. Das zehntägige Festival bietet reichlich Gesang, nicht zuletzt von der zeitgenössischen klassischen Musikerin Juliet Fraser. Während synthetische Stimmen die Frage aufwerfen, was eine Stimme überhaupt ist, fragt Frasers Lament: a ritual of letting go, wozu sie dient (25.03., 20 Uhr). Die britische Sopranistin greift auf Gesangstraditionen von byzantinischen Hymnen bis hin zu korsischen Volksliedern zurück, um etwas wieder erfahrbar zu machen, das zunehmend selten wird: gemeinschaftliches Singen als Ritual. Neben dem Haus der Berliner Festspiele als zentralem Spielort zeigt auch das Radialsystem ein starkes Programm aus Performances, Gesprächen und Diskursformaten. Ein Highlight ist Cybernetic Entanglements der Komponist:innen Ken Ueno und Viola Yip, die ein tragbares Instrument entwickelt haben, das durch die unterschiedlichen Körper, Hintergründe und Perspektiven des Duos vielfältige Klänge hervorbringt (27.03., 18 Uhr). Den Abschluss bildet I Am All Ears (29.03., ab 15 Uhr), eine weitläufige Klanginstallation, die das Publikum durch Korridore und verborgene Räume führt. Das Theater selbst wird dabei, so die Organisator:innen, zu einem „hörenden Körper“. Eine Arbeit, die daran erinnert, was Musik und Performance sein können: gemeinschaftlich, körperlich, verkörpert.
Text: Benji Haughton / Fotos: Daniel Wolcke, John Edward Mason, Stephanie Berger
MaerzMusik (20–29.03.2026) – das gesamte Programm und Tickets findest Du hier.
@berlinerfestspiele


