Acht Stunden Theater? Ich rechne kurz nach und frage mich, wann ich das zuletzt gemacht habe. Nun ist „Peer Gynt“ zurück an der Volksbühne und Vegard Vinge, Ida Müller und Trond Reinholdtsen nehmen Ibsens Text auseinander und gleichzeitig sehr ernst. Und sie nehmen sich Zeit. Ein paar Tage vorher startet mit „Spooky Paradise“ eine Arbeit, die fast das Gegenteil vorschlägt: Philippe Quesne zeigt das Nachglühen nach dem Spektakel. Eine Gruppe ehemaliger Zirkusfiguren versucht dort, ohne große Nummern, einen Rest ihres früheren Betriebs weiterzutragen. Die Rückkehr von Peer Gynt oder auch: ein achtstündiger Sog aus Maskenspiel, grollendem Soundtrack, Video und Projektionen, der sich aus ganz unterschiedlichen Quellen speist – von norwegischen Landschaften bis zu Popkulturzitaten. Im Zentrum steht diese Figur Peer, der sich selbst erfindet, überhöht, verliert. Er steht mittendrin zwischen jugendlichem Größenwahn und kompletter Überforderung mit sich selbst. Alles Mögliche kippt hier ins Extreme – und genau darin liegt auch die eigentümliche Spannung dieses Abends, der sich nicht darum bemüht, es dem Publikum besonders leicht zu machen.
Ein paar Tage vorher startet „Spooky Paradise“ zum ersten Mal. Schon der Titel bleibt hängen, vor allem wenn er als Leuchtschrift auf so einem Gerüst steht, irgendwo im Nichts. Philippe Quesne baut hier keinen großen Apparat auf, sondern eher eine Situation. Menschen, die einmal Zirkus gemacht haben, stehen da, ohne Tiere, ohne große Tricks, und versuchen herauszufinden, wie es weitergeht. Es könnte ein verlassener Jahrmarkt sein, auf dem das mehrsprachige Ensemble aus Schauspieler:innen und Musiker:innen – darunter Kathrin Angerer, Martin Wuttke und Marie Rosa Tietjen – melancholisch herumwandelt. Kostümbildnerin Tabea Braun gibt dieser Zwischenwelt dabei eine eigene, im Gestern eingefrorene Erscheinung. Die Gruppe tastet sich voran entgegen der Möglichkeit, dass Hoffnung besteht, und Du mit ihr, wenn Du Dir im Mai einen Abend freihalten willst. Oder auch einen halben Tag.
Text: Emma Zylla / Fotos: Julian Röder, Philippe Quesne
Volksbühne, Linienstr.227, 10178 Berlin–Mitte; Stadtplan
Peer Gynt ab 15.05.2026. Alle Termine und Tickets gibt’s hier.
Spooky Paradise Uraufführung 30.04.2026. Weitere Termine und Tickets gibt’s hier.
@volksbuehne_berlin


