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VON GLÄSERN UND GLOCKEN: EIN FESTIVAL FÜR PERFORMANCE-ART IN DER NEUEN NATIONALGALERIE

VON GLÄSERN UND GLOCKEN: EIN FESTIVAL FÜR PERFORMANCE-ART IN DER NEUEN NATIONALGALERIE

Vor mehr als fünfzig Jahren führte Joan Jonas ihre „Mirror Pieces“ zum ersten Mal in einer Gruppe vor Publikum auf. Sie war damals Anfang 30 und auf der Suche nach Wegen, um den weiblichen Körper als umkämpftes Gebiet sichtbar zu machen und ihn gleichzeitig von Fremdzuschreibungen zu befreien. „Der Spiegel war für mich eine Metapher“, sagte sie einmal. „Ein Mittel, um das Bild zu verändern und die Betrachter:innen als Spiegelbild einzubeziehen, sodass sie sich unwohl fühlen, wenn sie sich in der Öffentlichkeit sehen.“ Im Rahmen von Perform!, der Festivalreihe in der Neue Nationalgalerie, wird ihr Stück von damals neu aufgelegt. Wie viel feministisches Potenzial bis heute in Spiegeln und Plexiglasscheiben liegt, zeigen die Performer:innen vom 10. bis 14.09.2025 nachmittags auf der Terrasse der Neuen Nationalgalerie. Um Spiegelungen geht es auch Corey Scott Gilbert aka vAL. Der Künstler, der seine Karriere als Solotänzer beim Lyon Opera Ballet begann, nutzt Spiegel nicht um den eigenen Körper in Fragmente zu zerlegen, sondern um die Zuschauer:innen zu beobachten. Für seine neue Arbeit „Bellied“ dreht er die Rolle von Performer:innen und Publikum um.

Aktiv dass Publikums einbinden will auch Isaac Chong Wai. Der Künstler war 2024 mit einer Video-Arbeit auf der Biennale vertreten, in der er Raumerfahrung choreografisch austestete. In „The horizon we can never touch“ sind Teilnehmer:innen gebeten, ihre Körpergröße so anzupassen, dass sie mit ihren Köpfen eine Gerade bilden. Manche gehen in die Knie, andere stellen sich auf Zehenspitzen. Entscheidend ist der Aushandlungsprozess, an dessen Ende die Horizontlinie steht. Wer folgt wem und wer gilt als Norm, wenn sich die Gruppe an der 50 Meter langen Glasfassade der Nationalgalerie aufreiht? Die Kraft des Kollektivs steht im Mittelpunkt von Yoko Onos Performance „Bells for Peace“. Der Titel ist Programm: Jeder, der mitmachen will, bringt ein Glöckchen mit (oder leiht sich, solange der Vorrat reicht, eins von der Nationalgalerie). Zum Festivalabschluss am Sonntag (07.09.), der gleichzeitig das Ende von Yoko Onos Ausstellung „Dream Together“ bildet, läuten alle gemeinsam für den Frieden. Yoko Ono führt vor, wie aus einem kleinen Instrument große Töne entstehen. Ob sie den Frieden beschleunigen, bleibt offen. Die Berliner Abendluft füllen sie aber in jedem Fall mit süßer Musik und Hoffnung.

Text: Laura Storfner / Photos: Florian Hetz, Joan Jonas, Iain Macmillan / Credit: Artists Rights Society (ARS), VG Bild + Kunst Bonn, 2025, New York, Courtesy of the artist and Gladstone; Yoko Ono

Neue Nationalgalerie, Potsdamer Str.50, 10785 Berlin–Tiergarten; Stadtplan

Perform! 2025 – Das vierte jährliche Performance-Festival zur Berlin Art Week mit Joan Jonas, Isaac Chong Wai und Corey Scott-Gilbert und einer Abschluss-Performance von Yoko Ono 10.–14.09.2025. Die Teilnahme an allen Veranstaltungen ist kostenfrei.

@neuenationalgalerie

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STILLSTAND GIBT ES NICHT — DIE GRUPPENAUSSTELLUNG STILL MOVING ERFASST BEWEGUNG IN ALL IHREN BEDEUTUNGEN DURCH KUNST AUS DEM SÜDLICHEN AFRIKA

STILLSTAND GIBT ES NICHT — DIE GRUPPENAUSSTELLUNG STILL MOVING ERFASST BEWEGUNG IN ALL IHREN BEDEUTUNGEN DURCH KUNST AUS DEM SÜDLICHEN AFRIKA

In der Gruppenausstellung bei Bode denken Stimmen aus dem südlichen Afrika Bewegung neu – politisch, poetisch, persönlich. Berlin ist im September immer ein bisschen im Ausnahmezustand. Volle Stadt, volle Straßen, volle Köpfe, Back to School – alles scheint in Bewegung. Passender könnte der Titel der Ausstellung, die morgen (05.09.2025) bei Bode eröffnet, also kaum sein: Still Moving. Und auch inhaltlich könnte es kaum einen besseren Zeitpunkt für die Schau geben, als gerade jetzt, wo sich doch alle ein bisschen um sich selbst zu drehen scheinen. Kuratiert von der Choreografin und interdisziplinären Künstlerin Jessica Nupen, versammelt die Gruppenschau Stimmen aus dem südlichen Afrika, die Bewegung nicht als bloßes physisches Phänomen, sondern als politische, poetische und persönliche Erfahrung begreifen. Die Werke reichen von Malerei über Skulptur bis hin zu installativen Arbeiten und eröffnen dabei einen Dialog zwischen Erinnerung, Widerstand und Ritual. Renommierte Künstler:innen wie William Kentridge, Sam Nhlengethwa und Misheck Masamvu treffen auf jüngere Positionen wie Boemo Diale, Nthabiseng Kekana, Frances Goodman und Rosie Mudge.

Die Kuration zeigt, wie unterschiedlich Bewegung gedacht und sichtbar gemacht werden kann. Kentridge, international bekannt für seine verspielten Bewegtbilder und dynamische Zeichnungen, spielt mit Auslöschungen und Widersprüchen der Geschichte; Nhlengethwa verwandelt Jazz in eine visuelle Sprache des Überlebens und Masamvu malt mit roher, rhythmischer Energie das fragile Terrain Simbabwes. Diale und Kekana wiederum begreifen den Körper als Archiv, Goodman als Schlachtfeld, Mudge als glänzende Oberfläche voller Widersprüche. Gemeinsam ergibt sich ein Panorama, das Bewegung als Choreografie von Identitäten, Erinnerungen und Räumen erfahrbar macht. Oder wie Nupen selbst sagt: „Die Ausstellung fordert uns heraus, unsere Vorstellungen von Bewegung neu zu denken“. Und vielleicht auch, sie neu zu fühlen: Bewegung als Transformation, als vorsichtige oder kraftvolle Geste, als etwas, das immer da ist und selbst in der Stille geschieht.

Text: Hilka Dirks / Credit: Boemo Diale; Misheck Masamvu; Sam Nhlengethwa; Bode

Bode, Karl-Marx-Allee 82, 10243 Berlin–Friedrichshain; Stadtplan

Still Moving bis 19.10.2025. Die Eröffnung ist am 05.09.2025. Live-Musikperformance von Bastian Duncker (Saxophon), Sebastian Böhlen (Gitarre) und Sidney Werner (Bass).

@bode.gallery

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GEH DOCH MAL VOR DIE TÜR: DREI TIPPS FÜR KUNST IM BERLINER UMLAND

GEH DOCH MAL VOR DIE TÜR: DREI TIPPS FÜR KUNST IM BERLINER UMLAND

Es ist die letzte Woche Art Biesenthal. Und, wie ich ungern feststellen muss (während ich die Übergangsjacken aus dem Schrank hole), auch eine der letzten Sommerwochen. Bevor der Herbst sich weiter an uns anpirscht, ohne dass wir die letzten warmen Tage zu schätzen wissen, sollten wir also dringend nochmal rausfahren: Raus in die Natur, raus ins Umland. Raus, um Kunst zu schauen. Immer ein guter Anlass. Hier sind ein paar Orte im Berliner Umland und das, was sie zu bieten haben: Wer es noch nicht geschafft hat, kann dieses Wochenende noch schnell die letzten Tage Art Biesenthal mitnehmen. „Some Degree of Friction“ geht am Samstag und Sonntag (30.–31.08.2025) ins Closing Weekend. Die Ausstellung zeigt Werke u. a. von Anne Imhof, Beatriz Morales, Precious Okoyomon und Rosa Barba. Begleitet wird das Closing von einem Musikprogramm, kuratiert von Radiance mit Acts wie Delta Rain, Viktor Sloth, Vlada und mehr. Außerdem gibt’s ein Finissage Dinner mit dem Remi: ein gemeinsames Essen im Feld zwischen Bäumen und Kunst. Burrata, Pfirsich, Kamille & Mandel, Meringue und mehr. Ein gemeinschaftlicher Abschluss, wie es zu Biesenthal passt. Pro Tipp: Mückenspray einpacken. Ländlich geht’s weiter in Schwante, wo der Skulpturenpark dieses Jahr die Ausstellung um neue Werke erweitert hat: Namen wie Esra Gülmen und Christian Jankowski reihen sich ein zwischen Jorinde Voigt, Jeewi Lee, Carsten Nicolai, Erwin Wurm und Hans Arp. Im Zentrum der aktuellen Schau: Selbstreflexion. Keine leichte Kost, definitiv leichter verdaulich, wenn man sie im Grünen einnimmt.

Wer genug vom Kunstschauen hat, legt eine Pause im Restaurant ein, schlürt durch den Hofladen oder schaut sich die Wagyu Rinder an, die im Schlossgut Schwante auf der Wiese stehen. Kunst gibt’s auch in Potsdam, wo die Villa Schöningen neben der aktuellen Ausstellung musikalisch wird: Am Samstag, (30.08.) um 17 Uhr gibt’s Jazz im Park. Im Garten der Villa geht es einem eigentlich immer gut, mit Musik bestimmt noch besser. Drinnen läuft noch bis nächste Woche die Ausstellung Stoff. Textil und der weibliche Akt II kuratiert von Pola van den Hövel. Keine Lust auf Musik oder Akt? Für alle Geschichtsfans wird am gleichen Tag eine historische Führung durch Gebäude und Garten angeboten. Also: Rein ins Gefährt, raus aus Berlin – und den Sommer mit Kunst verabschieden, bevor der Herbst uns endgültig einholt.

Text: Inga Krumme / Credits: Aimee Shirley, Connor Howieson, Schlossgut Schwante

Wehrmuehle, Wehrmühlenweg 8, 16359 Biesenthal; Stadtplan 
Art Biesenthal Closing Weekend 30.–31.08.2025. Tickets für das Finissage Dinner mit Remi gibt’s hier

@wehrmuehle
@radiance.de
@junoon.community

Schlossgut Schwante, Schloßplatz 1–3, 16727 Oberkrämer; Stadtplan

@schlossgut.schwante

Villa Schöningen, Berliner Str.86, 14467 Potsdam; Stadtplan
Stoff. Textil und der weibliche Akt II

@villa_schoeningen

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EIN BISSCHEN PUNK, EIN BISSCHEN POESIE: HELGA PARIS‘ BLICK AUF DIE DDR BEI FOTOGRAFISKA BERLIN

EIN BISSCHEN PUNK, EIN BISSCHEN POESIE: HELGA PARIS‘ BLICK AUF DIE DDR BEI FOTOGRAFISKA BERLIN

Menschen, die ganz bei sich sind. Weil sie in Kneipen oder an Bushaltestellen selbstvergessen vor sich hinschauen. Oder auf der Straße, von einem Termin zum anderen eilend, keine Zeit haben, zu prüfen, ob die Frisur und das Lächeln sitzen. Diese Menschen waren Helga Paris immer die liebsten. Die ungeschminkten, ehrlichen Begegnungen fing die Autodidaktin Zeit ihres Lebens in schwarz-weißen Schnappschüssen ein. Bis heute erzählen ihre ungestellten Serien mit Titeln wie „Berliner Jugendliche“, „Mein Alex“ und „Hellersdorf“ immer auch vom geteilten Deutschland, das sie ganz nebenbei seit den Achtzigerjahren porträtierte. Die Ausstellung „Für uns„, mit der Fotografiska der 2024 verstorbenen großen DDR-Fotokünstlerin gedenkt, beweist aber: Ihre Bilder von Nachbar:innen, Müllmännern, Bäckern, Kellnerinnen und Altenheimbewohner:innen sind überzeitlich.

Paris suchte in ihren Sujets stets das Alltägliche und Verbindende. Wenn man in die Gesichter der Ost-Berliner Punks und die müden Augen der Kellnerinnen schaut, meint man ihre Blicke so oder so ähnlich auch heute in Kreuzberg oder Wedding finden zu können. Paris schönte das Raue nicht. Sie fand in bröckelnden Fassaden Schönheit. Ausgehend von ihrer Wohnung im Prenzlauer Berg begegnete sie der Welt um sich herum mit einer ehrlichen Zärtlichkeit, die sie jedem und jeder ohne Vorbedingungen entgegenbrachte: Ihre Porträts sind mit Fragen nach Herkunft und Klasse imprägniert, doch Paris verhandelt sie weder oberlehrerhaft noch voyeuristisch. Vor ihrer Kamera waren alle auf Augenhöhe – unabhängig davon, ob Paris Kneipenbesitzer oder Arbeiterinnen in Kittelschürzen verewigte. Denn — das beweist die vom ehemaligen Direktor der Nationalgalerie Udo Kittelmann feinfühlig kuratierte Schau im Fotografiska sehr eindrücklich — Helga Paris sah zuallererst den Menschen. Sie interessierte sich für ihr Gegenüber. Für uns.

Text: Laura Storfner / Credits: Nachlass Estate Helga Paris 

Fotografiska Berlin, Oranienburger Str.54, 10117 Berlin–Mitte; Stadtplan

Helga Paris: für uns 06.09.2025–25.01.2026
Exhibition Takeover 06.09.2025 19–23h. Tickets gibt’s hier.

@fotografiska.berlin

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DIGITAL, IRL — DIE ERSTE AUSGABE DER BERLIN NEW MEDIA WEEK

DIGITAL, IRL — DIE ERSTE AUSGABE DER BERLIN NEW MEDIA WEEK

Wenn es eine Stadt gibt, die weiß, wie sie ihre kreative Community feiert, dann ist es Berlin. Die Liste der kulturellen Veranstaltungen ist lang. Aber wie sieht es mit digitaler Kreativität aus? Hier kommt die Berlin New Media Week ins Spiel, die Raum für digitale Künstler:innen, Kurator:innen und Technolog:innen schafft. Fünf Tage lang (03.–07.09.2025) verwandeln sich Berlins Galerien, Clubs und Kulturräume, um innovative digitale Kunst zu zeigen, die die Grenzen der Medienkunst und die der elektronischen Musik sprengen. Zu den Programm Highlights gehören unter anderem: „Artistic Interventions in History-telling“ im DOCK11, ein Workshop, der die Rolle der digitalen Kunst bei der Gestaltung und dem Verständnis von Geschichte untersucht; „Digital Nature“ in der 19 Meter hohen geodätischen Kuppel des B-Dome, eine immersive audiovisuelle Nacht; und „Intelligent Kin“ im MaHalla, eine Ausstellung mit Installationen, interaktiven Systemen und spekulativen KI-Kunstwerken. Und dann gibt es noch die Launch Party, die am Mittwoch (03.09.) um 19.30 Uhr die New Media Week einweiht. TRANSONIC, Ninon x Victor und Pauric Freeman treten mit drei zukunftsweisenden audiovisuelle Performances im Studio111 auf – Tickets gibt’s hier. Komm vorbei und feier die Kreativszene so, wie wir es aus Berlin kennen – bei der ersten Ausgabe der Berlin New Media Week.

Text: Evelyn Butcher / Credits: Hsiao Li Chi, Resonance in the Virtual Realm, C-LAB, Foto: Anpis Foto; Lake Heckaman, interactive installation; Nikita.

Berlin New Media Week
Das vollständige Programm findest Du hier.

@berlinnewmediaweek

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