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KLANGKUNST UND KUNSTKLANG IN DER NEUEN NATIONALGALERIE

KLANGKUNST UND KUNSTKLANG IN DER NEUEN NATIONALGALERIE

Der Sommer ist zurück und mit ihm die Dinge, die ihn zur besten Jahreszeit in Berlin machen: ein Abstecher ins Freibad in der Mittagspause, ein Eis um Mitternacht – oder ein Konzert unter freiem Himmel. Die perfekte Kulisse für die Open-Air-Sounderfahrung bietet von 27. bis 30.08.2025 die Neue Nationalgalerie. Dann finden im Rahmen der Eventreihe „Soundscapes in the Garden“ an drei Abenden Live-Konzerte statt, die Gregor Quack in Zusammenarbeit mit Tessa Nijdam und dem CTM-Festival kuratiert hat. Den Auftakt macht die Londoner Elektro-Künstlerin Loraine James zusammen mit Tänzer und Musiker Tom Heyes, besser bekannt als Blackhaine am Mittwoch (27.08).  Ein besonderes Highlight wird der Auftritt von Techno-Romantiker Pantha du Prince am Freitag (29.08). Passend zum Setting präsentiert er sein Album „Garden Gaia“, das Mensch und Natur musikalisch in den Mittelpunkt stellt.

Am selben Abend tritt auch Limpe Fuchs auf, die seit den 1970ern für ihren improvisierten Sound bekannt ist. Instrumente baut sie selbst, um Kompositionen zu entwickeln, die man so noch nie gehört hat. Die Nebelskulptur von Fujiko Nakaya (siehe auch unseren Beitrag dazu hier) im Garten der Neuen Nationalgalerie spielt zur Langen Nacht der Museen, am Samstag (30.08.) die Hauptrolle. Genauso sanft und wabernd wie sich ihre Dunstwolken im Garten ausbreiten, so bahnt sich der Sound der eingeladenen Musiker:innen seinen Weg in unsere Ohren. Zur vollen Stunde, wenn der Nebel in die Luft steigt, werden parallel Soundinstallationen abgespielt. Während der Pianist Ryuichi Sakamoto vor seinem Tod eigens für Nakaya komponierte, arbeiten Alva Noto — ein Pseudonym, hinter dem sich Künstler Carsten Nicolai verbirgt — und Gitarrist Stephen O’Malley Stücke um. So kreativ hat der Sommer lange nicht mehr geklungen!

Text: Laura Storfner / Fotos: Ivor Alice, Olivia Wunsche & David von Becker / Credit: Neue Nationalgalerie – Stiftung Preußischer Kulturbesitz

Kulturforum Berlin & Neue Nationalgalerie, Potsdamer Str.50, 10785 Berlin–Tiergarten; Stadtplan

Soundscapes in the Garden: Eine Veranstaltungsreihe der Neuen Nationalgalerie 27.–30.08.2025

@neuenationalgalerie

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FLASHBULB VIGNETTES: FOTOGRAF FENG LI BEI FOTOGRAFISKA BERLIN

FLASHBULB VIGNETTES: FOTOGRAF FENG LI BEI FOTOGRAFISKA BERLIN

Schaut man sich eine von Feng Lis Fotografien an – ein Mann, der seinen Kopf gegen eine Windschutzscheibe schlägt, eine Opernsängerin, die auf einem smogverhangenen Dach herumwirbelt –, empfindet man weder Wärme noch Zugehörigkeit. Was auch immer in den Bildern des in China geborenen Fotografen passiert, es geschieht nicht für Dich. Das ist das Faszinierende an seinen Fotos. Die Kamera fängt die Seltsamkeit des Vorhandenen ein, unter grellem, alles verflachendem Blitzlicht – nichts wird verschönert, nichts aufgeklärt. Feng Li hat zwei Jahrzehnte lang Straßenszenen in Städten wie Chengdu, Tokio und Berlin fotografiert und ein exzentrisches Werk geschaffen, das ab nächster Woche in der Ausstellung „White Nights in Wonderland“ im Fotografiska Berlin zu sehen ist. Anlässlich der Eröffnung hält Feng Li am 22. August einen Artist Talk mit der Kuratorin der Ausstellung Holly Roussell. Die Tickets beinhalten den Eintritt zum Talk, eine Signierstunde und einen ersten Blick auf die Ausstellung. Rund 150 Werke von Feng Li sind zu sehen, darunter viele, die noch nie zuvor in Berlin gezeigt wurden. Die Fotos sind klinisch und doch theatralisch und zeigen die Seltsamkeit des Alltags. Man könnte sie stundenlang betrachten.

Text: Benji Haughton / Credits: Feng Li

Fotografiska Berlin, Oranienburger Str.54, 10117 Berlin–Mitte; Stadtplan

White Nights in Wonderland (22.08–23.11.2025). Tickets für den Artist Talk am 22.08. findest Du online.

@fotografiska.berlin
@fenglee313

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AUF INS UNBEKANNTE: KUNST UND KÜNSTLER:INNEN DER 13. BERLIN BIENNALE ENTDECKEN

AUF INS UNBEKANNTE: KUNST UND KÜNSTLER:INNEN DER 13. BERLIN BIENNALE ENTDECKEN

Die 13. Berlin Biennale nimmt die Berliner:innen mit an bekannte und neue Orte und zeigt ein vielfältiges Programm mit ungesehenen und künstlerischen Positionen aus allen Winkeln der Welt. Den Stadtfuchs hat die Kuratorin Zasha Colah zum Vorbild der aktuellen Berlin Biennale erklärt. So wie er durch die Straßen streunt und dabei nicht immer ein gern gesehener Gast ist, eignen sich die Künstler:innen und Kollektive die Ausstellungsorte der diesjährigen Ausgabe an. Manche der ausgestellten Werke bleiben auch auf den zweiten Blick nicht einfach zugänglich. Es wird das Widerständige ausgestellt: Kunst, die nicht selten in Konfliktgebieten entsteht oder deren Geschichten erzählt. So tragen die Gemälde des burmesischen Künstlers Htein Lin die Spuren seiner Haft: Nachdem er 1988 Teil einer Protestbewegung war, die sich gegen die in Myanmar herrschende politische Partei richtete, verurteilte ihn das Militärregime zu sieben Jahren Gefängnis. In der Zelle malte er mit allem, was er in die Hände bekommen konnte: Bettlaken funktionierte er zur Leinwand um, Seifenreste zu Utensilien.

Ausgestellt werden die „Prison Paintings“ nun im ehemaligen Gerichtsgebäude, gleich neben dem einstigen Gefängnis in der Lehrter Straße. Kuratorin Colah reflektiert hier auch die Geschichte des Backsteinbaus, der erstmals seit mehr als zehn Jahren für die Öffentlichkeit zugänglich ist: Wo einst der Kriegsgegner und sozialistische Vordenker Karl Liebknecht verhaftet wurde, hinterfragen Künstler:innen nun, was in Unrechtssystemen als Gesetz ausgelegt wird. Die 13. Berlin Biennale bringt also viel Kontext mit – und das aus aller Welt. Beleuchtet werden nicht nur Regionen und Themen, die im Zentrum der allgemeinen Medienaufmerksamkeit liegen. Jane Jin Kaisen zeigt im Hamburger Bahnhof eine multimediale Arbeit über die Geschichte der südkoreanischen Insel Jeju, in der sich Kolonialismus, Trauma und Widerstand verschränken. In den Sophiensælen treffen Performance, Körper und Narration aufeinander. Überhaupt bewegt sich das Programm an den Rändern institutioneller Praxis. Viele der teilnehmenden Künstler:innen arbeiten in und mit Communities, häufig in Regionen, die in der westlichen Kunstwelt kaum präsent sind. Ein gutes Format für alle, die Fragen haben: die Fokus-Touren, bei denen Vermittler:innen gemeinsam mit den Besucher:innen einzelne Perspektiven vertiefen. Statt schneller Durchläufe geht es hier ums Innehalten und Besprechen – ein dialogischer Zugang zu einer vielschichtigen Biennale. (Der nächste Termin: am 09. August 2025 mit Thesea Rigou, einer zypriotischen Künstler:in, Pädagog:in und Gärtner:in.) Wie der Stadtfuchs bewegt sich auch die 13. Berlin Biennale durch urbane Zwischenräume – neugierig, wachsam, manchmal unsichtbar, aber immer da. Wer ihr folgt, entdeckt vielleicht nicht sofort Antworten, aber auf jeden Fall neue Perspektiven.

Text: Laura Storfner & Nina Trippel / Fotos: Marvin Systermans, Eberle & Eisfeld / Credit: Han Bing & Kashmiri Cabbage Walker; Helena Uambembe; Jane Jin Kaisen, VG Bild-Kunst, Bonn 2025

13. Berlin Biennale bis 14.09.2025.

Das ganze Programm gibt’s hier. Die nächste Fokus Tour ist am 09.08.2025 von 16–17h im KW.

@berlinbiennale

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IMMER EINEN AUSFLUG WERT: ZWISCHEN GARTEN, KUNST UND KEKSEN — DAS GEORG KOLBE MUSEUM WIRD 75

IMMER EINEN AUSFLUG WERT: ZWISCHEN GARTEN, KUNST UND KEKSEN — DAS GEORG KOLBE MUSEUM WIRD 75

Manchmal braucht es keinen neuen Ort, sondern einen frischen Blick auf einen alten. Das Georg Kolbe Museum feiert 75 Jahre – und zeigt, warum dieser Ort noch immer gut in Bewegung ist. Ursprünglich mal das Atelierhaus des Bildhauers Georg Kolbe, wurde das heutige Museum in den 1920er Jahren als radikal modernes Wohn- und Arbeitsensemble gebaut. 1950 öffnete das Georg Kolbe Museum als erste museale Neugründung im Nachkriegs-West-Berlin seine Türen. Heute ist es ein Ort, der nicht nur Skulpturgeschichte erzählt, sondern aktuelle Kunst in Beziehung zu Körper, Raum und Natur setzt. Zum Geburtstag gibt’s ein volles Programm: Mit Tea and Dry Buiscuits wird auf den Geburtstag angestoßen und ans Erinnern erinnert – mit Künstler:innen wie zum Beispiel Álvaro Urbano, Cao Fei, Laure Prouvost, Danh Vo, Ruth Wolf-Rehfeldt und natürlich Georg Kolbe. Die Ausstellung schaut dabei (nicht nur) zurück und hinterfragt: Wie wurde Geschichte erzählt? Und von wem? Zwischen persönlichen Banden, die das Haus geprägt haben, und musealen Routinen des Bewahrens und Kuratierens entsteht eine kritische Auseinandersetzung mit Erinnerung. Im Garten steht dieses Jahr eine Arbeit von David Hartt. Er spielt in seinem Schaffen mit Architektur, urbaner Entwicklung und der Frage, wie Räume unsere Identität prägen. Seine Videoarbeit hat er Metabolic Rift genannt, als kritische Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Mensch, Körper und Natur im Kapitalismus. Und ob nun für Kapitalismuskritik, trockene Kekse oder doch lieber ein Stück Aprikosenkuchen im Café Benjamine – es gibt genug Gründe, dem Georg Kolbe Museum einen Besuch abzustatten.

Text: Inga Krumme / Fotos: Enric Duch & Nicolas Brasseur / Credit: VG Bild-Kunst; Georg Kolbe Museum

Georg-Kolbe-Museum, Sensburger Allee 25, 14055 Berlin–Westend; Stadtplan

Tea and Dry Biscuits. An Anniversary Exhibition (bis 28.09.2025)

David Hartt. Metabolic Rift (bis 28.09.2025)

@georgkolbemuseum

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THE SOUNDS OF SUMMER — YOUNG EURO CLASSIC BRINGT AUFSTREBENDE MUSIKER:INNEN UND DIE WELTBESTEN JUGENDORCHESTER INS KONZERTHAUS BERLIN

THE SOUNDS OF SUMMER — YOUNG EURO CLASSIC BRINGT AUFSTREBENDE MUSIKER:INNEN UND DIE WELTBESTEN JUGENDORCHESTER INS KONZERTHAUS BERLIN

Indigene skandinavische Joik-Sänger:innen und preisgekrönte Beatboxer:innen – eine Kombi, die Du normalerweise nicht zwischen den Säulen des prächtigen Portikus vom Konzerthaus Berlin erwarten würdest. Aber genau das kannst Du neben klassischen Orchester-Aufführungen beim Young Euro Classic Festival erleben, das morgen (01.–17.08.2025) beginnt. Die Reihe lädt Jugendorchester aus ganz Europa ein, Werke von Mozart und Mahler aufzuführen, begleitet von Musik aus Bolivien, Gambia, Indien und weiteren Ländern. Zu den Höhepunkten des Programms gehört das Duo Ale, Ale!, das Joik-Gesänge der indigenen Sámen mit elektronischen Sounds und Gitarrenklängen kombiniert. Ihre meditativen Klanglandschaften werden am Sonntag (03.08.) den Werner-Otto-Saal erfüllen. Es lohnt sich, für das Hauptkonzert am Abend zu bleiben: eine Feier der andalusischen Kultur, bei der das spanische Jugendorchester Isaac Albéniz‘ Suite „Iberia“ im Hauptsaal des Konzerthauses aufführt. Im Anschluss folgt eines der größten Klassik-Highlights aller Zeiten: Stravinskys „Le Sacre du printemps“ (03.08.).

Wenn Du bis zum 17.08. vorspulst, kannst Du eine genreübergreifende Mischung aus westafrikanischer Griot-Erzählkunst und Jazz vom The Gambiana Trio erleben – bekannt für ihre mitreißende Energie, die Dich mindestens mit den Füßen mitwippen lässt. Den Höhepunkt des Festivalprogramms bildet der Auftritt einer Gruppe von Musiker:innen aus einem Land, in dem Musik inzwischen vollständig verboten ist: das Afghan Youth Orchestra, das ein volles Sinfoniekonzert mit einer Mischung aus afghanischen Instrumenten und westlicher Orchestrierung präsentiert (17.08.). Die jungen Musiker:innen, die 2021 in ihrer Heimat zum Schweigen gebracht wurden, leben im Exil in Portugal, wo sie ihre Arbeit seitdem fortsetzen. Eine echte Ode an die Freude…

Text: Benji Haughton / Fotos: Kai Bienert, Tom Schweers

Konzerthaus Berlin, Gendarmenmarkt 2, 10117 Berlin–Mitte; Stadtplan
Young Euro Classic 01–17.08.2025. Tickets für das Festival gibt’s hier.

@youngeuroclassic
@konzerthausberlin

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