Cee Cee Creative Newsletter Book Neighborhood Map Lessons
Stadtplan
Information
archive temp
loop temp
TREFFEN WIR UNS IN EINEM GARTEN: DER LITERATURABEND VON DELFI IN DER BERLINISCHEN GALERIE

TREFFEN WIR UNS IN EINEM GARTEN: DER LITERATURABEND VON DELFI IN DER BERLINISCHEN GALERIE

Im Sommer 2023 erschien die erste Ausgabe von Delfi, der Zeitschrift für neue Literatur: Seither versammeln die Herausgeber:innen Miryam Schellbach, Hengameh Yaghoobifarah, Enrico Ippolito und Fatma Aydemir zwei Mal im Jahr internationale und deutschsprachige Prosa und Dramatik, Gedichte, Essays und Comics, die sich pro Heft je einem Thema widmen. Am Mittwoch (02.07.2025) laden sie zu einem Leseabend anlässlich der vierten Ausgabe ein: In der neuesten Edition dreht sich alles um das Spiel — die Lust am Konstruieren und Zerstören von Welten, die Schreibende verbindet. Können wir Autor:innen vertrauen oder legen selbst die verlässlichsten Erzähler:innen Fallen für uns aus, in denen wir uns im Lesesog verheddern und bis zur letzten Seite gebannt gefangen bleiben? Auf dem Vorplatz der Berlinischen Galerie werden Jayrôme C. Robinet, Sandra Gugić und Stefanie De Velasco aus ihren Beiträgen lesen und gemeinsam diskutieren.

Auf die Suche nach neuen Wegen und Welten begeben sich alle drei immer wieder in ihrem Schreiben: Alternative Familien- und Geschlechterrollen beschäftigen Jayrôme C. Robinet und Stefanie De Velasco. Während Robinet davon in seinem Roman „Sonne in Scherben“ erzählt, fragt De Velasco in „Das Gras auf unserer Seite„, wie Mutterschaft heute aussehen kann. Eingebettet ist der Literaturabend in das „BG Sommer Festival“, mit dem die Berlinische Galerie ihr 50-jähriges Bestehen feiert. Bis September wird der Museumsplatz zum Begegnungsgarten: Inmitten der Gartenskulptur der Landschaftsarchitekt:innen von atelier le balto finden nun regelmäßig Performances, Konzerte und Lesungen statt.

Text: Laura Storfner / Fotos: URSUS, Eden Jetschmann, Thi Thuy Nhi Tran

BG Garten, Alte Jakobstr.124-128, 10969 Berlin–Kreuzberg; Stadtplan

Spiel – Ein Abend mit „Delfi Magazin für neue Literatur„, 02.07.2025 19-22h. Eintritt frei.

@delfi_mag
@berlinischegalerie

cee_cee_logo
VIER ORTE UND UNENDLICHE KUNST — AUF DER BERLIN BIENNALE DAS FLÜCHTIGE ENTDECKEN

VIER ORTE UND UNENDLICHE KUNST — AUF DER BERLIN BIENNALE DAS FLÜCHTIGE ENTDECKEN

Bei der aktuellen Berlin Biennale finden sich subtil-revolutionäre Arbeiten neben poetisch Eindeutigem. „das flüchtige weitergeben“ ist der Titel der 13. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst, die letzten Freitag (einem 13.) endlich eröffnete. Ein passender Titel für diese internationale, dreimonatige Ausstellung, die an vier Hauptorten und genauso vielen „Schwester“-Häusern in der ganzen Stadt stattfindet und Kunst in außergewöhnlich hoher politischer und poetischer Dichte zeigt. Fast alle ausgestellten Arbeiten eint die revolutionäre Neugier ohne Lärm. Kuratorin Zasha Colah orientierte sich am Stadtfuchs – ebenjenem Tier, das sich flüchtig durch Berlin bewegt. Genauso still und entschieden agieren viele der Arbeiten. In den Gebäuden der KW, der ehemaligen Margarinefabrik in der Augustraße, wird man hinabgeführt in einen Raum, in dem Sandsteinblöcke zu einer Treppe gestapelt sind. Margherita Moscardini nummeriert jeden Stein, versieht ihn mit einem Echtheitszertifikat – und stellt damit Eigentum als Konstruktion infrage. Ganz in der Nähe, in den Sophiensælen, schaben sich Kohlezeichnungen an die Geschichte des Ortes, während aus einem Radio von Amol K. Patil rechte Parolen tönen, bis sie sich lautlos in Rauch auflösen. Währenddessen hängen im Hamburger Bahnhof glimmende Kreidebilder von Larissa Araz, und ein feurig rotes Banner von Gabriel Alarcón wirft koloniale Machtverhältnisse auf die Gegenwart zurück.

Im leerstehenden Moabiter Gerichtsgebäude gibt es nicht nur die Kunst, sondern auch gleich den ungewöhnlichen Ausstellungsort zu entdecken. Dort flackert unter anderem ein sarkastisches Kochvideo von Helena Uambembe, das Schlamm statt Teig knetet und von Nation, Herkunft und Gedächtnis spricht. Vieles bleibt beiläufig. Die Ausstellung gewinnt die Herzen der Betrachter:innen durch sanfte Zurückhaltung. Ganz in diesem Sinne verzichtet die Kuratorin weitgehend auf große internationale Namen, stellt die Arbeiten selbst in den Vordergrund (auch wenn Kunstkenner:innen sicher viele ihnen bekannte Positionen finden werden, wie die Berliner:innen Hannah Höch oder Gernot Wieland und den preisgekrönten Weltstar Steve McQueen). Als Rahmenprogramm gibt es Lesungen, Spaziergänge und Diskussionsrunden, die die gesamte künstlerische Haltung ergänzen. Nichts will abgeschlossen sein. Es geht um das, was man mitnimmt. Oder weitersagt. Und das lohnt sich.

Text: Hilka Dirks / Credits: Anawana Haloba, Looking for Mukamusaba – An Experimental Opera, 2024/25, Installationsansicht, 13. Berlin Biennale, KW Institute for Contemporary Art, 2025. Courtesy Anawana Haloba, Sammlung / Collection Hartwig Art Foundation, Foto: Marvin Systermans; Fredj Moussa, بلاد البربر , 2025; Jane Jin Kaisen, Wreckage, 2024.

13. Berlin Biennale
14.06.–14.09.2025. Das ganze Programm gibt’s hier

KW Institute for Contemporary Art, Auguststr.69, 10117 Berlin–Mitte; Stadtplan

Sophiensæle, Sophienstr.18, 10178 Berlin–Mitte; Stadtplan

Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart, Invalidenstr.50, 10557 Berlin–Moabit; Stadtplan

Ehemaliges Gerichtsgebäude Lehrter Straße, Lehrter Str.60, 10557 Berlin–Moabit; Stadtplan

@berlinbiennale

cee_cee_logo
PAST MEETS PRESENT — KOSTENLOSE WORKSHOPS & FÜHRUNGEN DURCH DIE ARCHIVE IM DOKUMENTATIONSZENTRUM FLUCHT, VERTREIBUNG, VERSÖHNUNG

PAST MEETS PRESENT — KOSTENLOSE WORKSHOPS & FÜHRUNGEN DURCH DIE ARCHIVE IM DOKUMENTATIONSZENTRUM FLUCHT, VERTREIBUNG, VERSÖHNUNG

Besuche das Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung, und Du wirst aus erster Hand Zeugnisse der Zwangsmigrationen des 20. Jahrhunderts sehen. Doch gerade jetzt ist dies ein Thema, das nicht in die Geschichte verbannt werden kann. Zum Tag der offenen Tür des Dokumentationszentrums am Sonntag (22.06.2025) kannst Du die historischen Vorläufer des aktuellen Klimas entdecken, und auch wenn das Thema düster klingt, so ist es die Veranstaltung keineswegs: Das kostenlose Programm umfasst Mitmachaktionen, Live-Performances, nachdenkliche Vorträge und kindgerechte Unterhaltung zum Thema Bewegung und Wandel. Zu den Höhepunkten gehören ein Workshop zur Erforschung der eigenen Familiengeschichte, Bodypercussion-Kurse für die Kleinen und ein ukrainisches Folklore- und Jazzkonzert mit der ukrainischen Musikerin Ganna Gryniva. Außerdem gibt es die Möglichkeit, mit der Illustratorin Ami Bogin ein Comic-Heft zu gestalten (Drop-in).

Neben den Aktivitäten werden auch kostenlose Führungen durch die aktuellen Ausstellungen des Zentrums angeboten. Besonders sehenswert ist die Sammlung „Textile Memories“ mit Decken der in der Sowjetunion geborenen Künstlerin Varvara Keidan Shavrova, die Textilien als Spender von Wärme und Vertrautheit in Zeiten der Vertreibung präsentiert. Die Türen des Zentrums sind von 10 bis 18 Uhr geöffnet, und es gibt den ganzen Tag über Drinks und Essen von Kreuzberger Himmel, die veganes Kibbeh servieren. Die Mischung aus Archivzeugnissen und aktuellen Realitäten erinnert daran, dass die Auseinandersetzung mit der Vertreibung noch lange nicht abgeschlossen ist.

Text: Benji Haughton / Fotos: Juliane Eirich, Rory Grubb

Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung, Stresemannstr.90, 10963 Berlin–Kreuzberg; Stadtplan

Open House, 22.06.2025 10–18h (kein Ticket erforderlich)

@flucht_vertreibung_versoehnung

cee_cee_logo
VIELSTIMMIG UND NAH: STREICHQUARTETT NEU GEDACHT BEI „SOMEHOW WE CAN“

VIELSTIMMIG UND NAH: STREICHQUARTETT NEU GEDACHT BEI „SOMEHOW WE CAN“

Wie kann Nähe klingen? Und was entsteht, wenn Musik nicht nur gespielt, sondern geteilt wird – zwischen Musiker:innen und Publikum, zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Narrativen? Mit Somehow We Can öffnet das Solistenensemble Kaleidoskop im Radialsystem einen Raum für Verbindung. Kein klassisches Konzert; Kuratiert von Komponist Ethan Braun, versammelt das Projekt elf Kompositionen und zwölf Interpret:innen, die die Gattung der Streichquartette weiterentwickeln – als lebendiges Beziehungsgeflecht, als kollektiven Ausdruck von Kunst und Gesellschaft. Das Programm bewegt sich zwischen klanglicher Feinheit, formaler Dekonstruktion und politischer Relevanz. Es macht Stimmen hörbar, die im Kanon der Neuen Musik oft marginalisiert bleiben – etwa von BiPoC- und LGBTQ+-Komponist:innen – und zeigt das Quartett als Ort für Differenz, die nicht geglättet, sondern gefeiert wird. Alvin Singleton fragt nach Koexistenz ohne Harmonie-Zwang, Yuri Umemoto bringt popkulturelle Referenzen, und Sarah Davachi macht Mikrotonalität zur sinnlichen Erfahrung. Gemeinsam zeigen sie: Neue Musik kann vielstimmig, politisch und überraschend zugänglich sein. Hör hin, es klingt nach. Ein Möglichkeitsraum. Somehow, we can.

Text: Inga Krumme / Fotos: Julian Blum, Romanos Lioutas, Sonja Müller

Radialsystem, Holzmarktstr.33, 10243 Berlin–Friedrichshain; Stadtplan
Somehow We Can – 11 Streichquartette. Tickets (pay what you can) gibt’s hier.

@radialsystem_berlin
@solistenensemble.kaleidoskop

cee_cee_logo
NOCHMAL GORKI BITTE — DIE LETZTEN WOCHEN VOR DER SOMMERPAUSE

NOCHMAL GORKI BITTE — DIE LETZTEN WOCHEN VOR DER SOMMERPAUSE

Das Maxim Gorki Theater zeigt in den letzten Wochen vor der Sommerpause und dem bevorstehenden Abschied der Intendantin Shermin Langhoff noch einmal, wie lebendig und relevant Theater sein kann – mit aktuellen Themen und Inszenierungen. Trotz aller Kulturkürzungen rücken viele Berliner Bühnen wieder stärker in den Fokus. Vielleicht, weil wir sie nicht mehr als selbstverständlich sehen. Eine von ihnen ist das Gorki in Mitte – ein Haus, das sich in den letzten zehn Jahren unter Shermin Langhoff stark verändert hat. Nun geht ihre Intendanz zu Ende. Wer sich also noch einmal ein Bild von dieser besonderen Handschrift machen möchte, hat im Juni und Juli dazu Gelegenheit. Das Programm bleibt bis zum Schluss vielseitig. Klassiker wie Franz Kafkas „Der Prozess“ (Regie: Oliver Frljić, am 1. und 8. Juli 2025) treffen auf neue Arbeiten wie „KIM„, eine Solo-Performance von Nairi Hadodo über Popkultur, Identität und weibliche Selbstermächtigung – inspiriert von Kim Kardashian. Am 10. Juli feiert außerdem „Dschinns“ seine 50. Vorstellung. Die Inszenierung von NurkanErpulat basiert auf dem Roman von Fatma Aydemir und erzählt ein vielschichtiges Familiendrama zwischen Deutschland und der Türkei. Wer das Stück noch nicht gesehen hat, sollte die Gelegenheit nutzen. Auch im Studio R geht es weiter: Dort zeigt Lena Brasch ihr neues Stück „Brasch – Das Alte geht nicht und das Neue auch nicht„. Eine persönliche, musikalische Hommage an ihren Onkel Thomas Brasch – und ein kluger Kommentar zur aktuellen Lage der Kultur.

Text: Hilka Dirks / Fotos: Ute Langkafel Maifoto

Maxim Gorki Theater, Am Festungsgraben 2, 10117 Berlin–Mitte; Stadtplan

Das ganze Programm bis zur Sommerpause gibt’s hier.

@maxim_gorki_theater

cee_cee_logo