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LICHT, FARBE, SALON: LIEBERMANN UND DER AUFBRUCH ZUR MODERNE IM MUSEUM BARBERINI

LICHT, FARBE, SALON: LIEBERMANN UND DER AUFBRUCH ZUR MODERNE IM MUSEUM BARBERINI

Eine Villa am See, von Bäumen gesäumt, mit üppigen Blumen im Sonnenlicht. In „Mein Haus in Wannsee mit Garten“ (1926) hielt Max Liebermann nicht nur seinen Rückzugsort am Rand von Berlin fest – das Gemälde symbolisiert auch das Ankommen in einer eigenen Bildsprache. Im Museum Barberini kann man nun in seine Gemälde eintauchen und am 08.05.2026 im Barberini Salon die Brücken ins Jetzt schlagen. Max Liebermann hat sich frei gemalt. Inspiriert von der französischen Moderne ließ er die strengen Regeln seiner Zeit hinter sich: Am Ende seiner Karriere wurde sein Stil immer lockerer, das Spiel von Licht und Schatten immer wichtiger – manche Bilder wirken überraschend modern, fast abstrakt. Im Museum Barberini in Potsdam kann man seinen freien Pinselstrich als Vorboten einer Generation begreifen, die sich nach und nach von den Zwängen des Naturalismus loslöste. Liebermann war damit nicht allein – zusammen mit bekannten Künstlern wie Lovis Corinth, Lesser Ury und Max Slevogt sowie vielen neu zu entdeckenden Malerinnen wie Dora Hitz, Sabine Lepsius und Maria Slavona bereitete er den Weg für eine neue Generation, die Kunst anders dachte. Das Barberini führt an ihren Werken vor, dass der Impressionismus in Deutschland viel mehr war als eine bloße Nachahmung des französischen Vorbilds. Mit über 110 Werken aus mehr als 60 Sammlungen entfaltet die Schau ein großangelegtes Panorama der Kunst der 1880er bis 1930er Jahre: Leuchtende Stillleben von Maria Slavona treten neben Philipp Francks Segelschiffe und Gotthardt Kuehls ruhige Innenräume.

Am Freitag, den 08.05.2026, lohnt sich der Besuch ganz besonders. Dann ist die Ausstellung beim ersten Barberini Salon bis 22 Uhr geöffnet – perfekt für einen entspannten Abend im Museum. Das Barberini lädt zur späten Besichtigung, zu Gesprächen und Musik von Jazzvokalistin Enji ein. Inspiriert von den legendären Salons von Carl und Felicie Bernstein – engen Freunden und wichtigen Wegbegleitern Liebermanns – trifft hier Kunst auf Austausch: Moderatorin Shelly Kupferberg spricht ab 18 Uhr mit Jens Bisky, langjähriger Feuilletonredakteur der Süddeutschen Zeitung, und Künstler Christoph Niemann, dessen Illustationen regelmäßig die Titelseiten des New Yorker schmücken. Während Bisky die Brücken von Liebermanns Zeit in unsere Gegenwart in seinen Texten schlägt, nähert sich Niemann dem Maler visuell — etwa mit seinem bekannten Fliesenmosaik am Bahnhof Wannsee, nur wenige Minuten von Liebermanns Villa entfernt.

Text: Isabel Raab / Fotos: David von Becker / Credit: Max Liebermann, Kunsthaus Zürich

Museum Barberini, Humboldtstr. 5–6, Alter Markt, 14467 Potsdam; Stadtplan

Avantgarde. Max Liebermann und der Impressionismus in Deutschland bis 07.06.2026
Barberini Salon: 08.05.2026 18h. Tickets gibt’s hier

@museumbarberini

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DAS K STEHT FÜR KINDER: KIDS WEDNESDAY UND JEAN KATAMBAYI MUKENDI IN DEN KW

DAS K STEHT FÜR KINDER: KIDS WEDNESDAY UND JEAN KATAMBAYI MUKENDI IN DEN KW

Alle lieben Malbücher und KW hat’s erkannt. Zu der aktuellen Schau Ratio von Jean Katambayi Mukendi hat das Team der KW Institute for Contemporary Art in Mitte erstmals ein Malbuch herausgebracht. Darin: Kolorierbare Arbeiten aus der Ausstellung. Die perfekte Brücke zwischen der Kunst des Kongolesen (wer ganz genau hinschaut, findet nämlich auch kleine Arbeiten, die sein Sohn produziert hat) und dem Kindermittwoch, den die KW seit letztem Jahr anbieten. Zur Ausstellung: Im dritten Obergeschoss steht eine riesige Maschine aus Holz, Fahrradspeichen, Elektroteilen. Katambayi ist gelernter Elektriker, interessiert sich für Ingenieurwesen und Mathe, und das sieht man. Immer wieder entwirft er hybride Maschinen – imaginierte Konstruktionen, die Elemente von Vehikeln, landwirtschaftlichen Geräten oder technischen Anlagen verbinden. Die Ideen materialisieren sich in raumgreifenden Installationen wie der „Supermachine“, die er während seiner Residency bei den KW entwickelt hat. Denn statt weltweite Transporte zu finanzieren und Material aus der ganzen Welt zu beschaffen, haben die KW Katambayi vergangenes Jahr zu einer Residency eingeladen.

Das Material für seine Arbeiten suchte er sich also etwa im Lager der KW und auf den Recyclinghöfen der Stadt. Katambayi beschäftigt sich in seiner künstlerischen Praxis mit Technologie und den globalen Ungleichheiten rund um Ressourcen und Energie. So wird Kupfer aus der Demokratischen Republik Kongo weltweit für den Energietransport genutzt, während das Land selbst mit regelmäßigen Stromausfällen lebt. Versteckt in der Installation sind immer wieder Elemente wie Bewegungsmelder und andere interaktive Module auf niedriger Höhe, als Besucher:in merkt man, dass Kinder mitgedacht wurden. Die können im Anschluss direkt runter gehen in den Vermittlungsraum der KW, wo der Kindermittwoch stattfindet. Jede Woche ist er als Raum für Kinder von 0 bis 6 Jahren konzipiert, es kann gemalt, gebastelt, gespielt werden. Das Malbuch gibt’s übrigens für alle Kinder beim Besuch der interaktiven Ausstellung umsonst. Und für die Erwachsenen im Shop, denn wenn wir ehrlich sind: Ausmalen wollen alle gern. Nicht nur ein Grund, mal wieder bei den KW vorbeizuschauen.

Text: Inga Krumme / Fotos: Eva Luise Hoppe, Marina Hoppmann

KW Institute for Contemporary Art, Auguststr.69, 10117 Berlin–Mitte; Stadtplan

Das Malbuch gibt es für Kinder umsonst, Erwachsene können es für 5€ im Shop kaufen. Der Kindermittwoch findet jede Woche von 16–18h statt, für Kinder von 0–6 Jahren. Eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich – einfach an der Kasse Bescheid sagen.

@kwinstitutefcontemporaryart

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BRANCUSIS WEG ZUR MODERNEN SKULPTUR IN DER NEUEN NATIONALGALERIE

BRANCUSIS WEG ZUR MODERNEN SKULPTUR IN DER NEUEN NATIONALGALERIE

Einen Künstler lernt man am besten über sein Atelier kennen: Im Fall des Bildhauers Constantin Brancusi haben Berliner:innen nun erstmals und einmalig die Chance, sein Studio in einer Teilrekonstruktion zu besuchen. Denn knapp siebzig Jahre nach dem Tod des wegweisenden rumänischen Künstlers bringt die Neue Nationalgalerie das Werk nach Berlin. In Kooperation mit dem Pariser Centre Pompidou, das bis 2030 saniert wird, sind Hauptwerke, Möbel und Werkzeuge in der Überblicksschau zu sehen. 150 Werke des Künstlers führen in Berlin vor, wie er sich von der naturalistischen Form befreite und die Bildhauerei nach und nach in ein Spiel aus Licht und Bewegung verwandelte. Seine Anfänge machte Brancusi, der aus einem Dorf in der Nähe der rumänischen Karparten stammt, an der Kunstakademie in Bukarest. Anschließend gab es nur ein Ziel: das Zentrum der Avantgarde, Paris. Zu Fuß soll er sich aus Bukarest auf den Weg nach Montmartre gemacht haben, wo er Freundschaften mit einigen Stichwortgebern der Moderne, darunter Henri Matisse, Fernand Léger und Marcel Duchamp, schloss.

Auch beruflich ging es bergauf: Er ergatterte eine Position als Assistent des berühmtesten Bildhauers der Zeit – Auguste Rodin. Lange blieb er zwar nicht in dessen Studio, aber Rodin legte die Weichen für Brancusis abstrakten Durchbruch. Seine innovativen Techniken, Fragmentierung und Dynamik beeinflussten den jungen Rumänen. Einige seiner wichtigsten Arbeiten nehmen direkten Bezug auf den Mentor – darunter „Der Kuss“, der als direkte Referenz auf Rodins Marmorskulptur mit demselben Titel gilt. Brancusi entwickelte schnell seinen eigenen Stil, der von polierten Oberflächen, dem Sockel als Teil der Skulptur und reduzierten Formen bestimmt ist. Die Kunst wäre ohne Brancusi weniger schnell und weniger zielgerade dort angekommen, wo sie heute ist. Einflussreiche Minimalisten wie Isamu Noguchi, Donald Judd und Dan Flavin verdanken ihm viel. Aber auch für die Architektur und das Design setzte Brancusi neue Maßstäbe. Bei seinem ersten Besuch in New York 1926 soll er beim Anblick der Wolkenkratzer gerufen haben: „Das ist ja mein Atelier!“. Ganz unrecht hatte er nicht. Denn die in die Höhe geschraubten Gebäude haben bis heute etwas Skulpturales an sich. Norman Foster und Jean Nouvel stimmten ihm zu. Sie benannten einige ihrer berühmtestenen Bauprojekte als Hommage an den Künstler, der schon als junger Mann hoch hinaus wollte und ankam.

Text: Laura Storfner / Fotos: Constantin Brancusi, Sophie Doering / Credit: Centre Pompidou, MNAM-CCI/Dist. GrandPalaisRmn, Succession Brancusi, VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Neue Nationalgalerie, Potsdamer Str.50, 10785 Berlin–Tiergarten; Stadtplan
Brancusi 20.03.–09.08.2026

@neuenationalgalerie

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DER KÖRPER ALS INSTRUMENT — ZEHN TAGE STIMME, WEARABLE COMPOSITION & IMMERSIVE INSTALLATIONEN BEI DER MAERZMUSIK

DER KÖRPER ALS INSTRUMENT — ZEHN TAGE STIMME, WEARABLE COMPOSITION & IMMERSIVE INSTALLATIONEN BEI DER MAERZMUSIK

Synthetische Stimmen. Von Algorithmen komponierte Songs. Neuronale Netze, die eine Stimme anhand von 30 Sekunden Audio klonen können. Wir erleben gerade, wie sich das Verständnis davon verschiebt, was als Musik gilt – und wie menschliche Musiker:innen dabei zunehmend an den Rand gedrängt werden. Dieser rasante Wandel bildet den Hintergrund für die diesjährige MaerzMusik (20.–29.03.2026), die – durchaus bewusst – die menschliche Stimme in den Mittelpunkt ihres Programms aus zeitgenössischen Konzerten und Performances stellt. Das zehntägige Festival bietet reichlich Gesang, nicht zuletzt von der zeitgenössischen klassischen Musikerin Juliet Fraser. Während synthetische Stimmen die Frage aufwerfen, was eine Stimme überhaupt ist, fragt Frasers Lament: a ritual of letting go, wozu sie dient (25.03., 20 Uhr). Die britische Sopranistin greift auf Gesangstraditionen von byzantinischen Hymnen bis hin zu korsischen Volksliedern zurück, um etwas wieder erfahrbar zu machen, das zunehmend selten wird: gemeinschaftliches Singen als Ritual. Neben dem Haus der Berliner Festspiele als zentralem Spielort zeigt auch das Radialsystem ein starkes Programm aus Performances, Gesprächen und Diskursformaten. Ein Highlight ist Cybernetic Entanglements der Komponist:innen Ken Ueno und Viola Yip, die ein tragbares Instrument entwickelt haben, das durch die unterschiedlichen Körper, Hintergründe und Perspektiven des Duos vielfältige Klänge hervorbringt (27.03., 18 Uhr). Den Abschluss bildet I Am All Ears (29.03., ab 15 Uhr), eine weitläufige Klanginstallation, die das Publikum durch Korridore und verborgene Räume führt. Das Theater selbst wird dabei, so die Organisator:innen, zu einem „hörenden Körper“. Eine Arbeit, die daran erinnert, was Musik und Performance sein können: gemeinschaftlich, körperlich, verkörpert.

Text: Benji Haughton / Fotos: Daniel Wolcke, John Edward Mason, Stephanie Berger

MaerzMusik (20–29.03.2026) – das gesamte Programm und Tickets findest Du hier.

@berlinerfestspiele

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ZWISCHEN BETT, BROSCHE UND BILDERRAHMEN: DIE BRÜCKE ALS KUNSTHANDWERKER

ZWISCHEN BETT, BROSCHE UND BILDERRAHMEN: DIE BRÜCKE ALS KUNSTHANDWERKER

Wer die Brücke-Gruppe kennt, verbindet sie meist mit der Malerei. Die Gruppe, gegründet von den Architekturstudenten Ernst Ludwig Kirchner, Fritz Bleyl, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff, gilt heute als einer der Wegbereiter der Moderne und einer der wichtigeren Vertreter des Expressionismus. Weniger bekannt, aber nicht minder relevant, ist das Kunsthandwerk, was die Gruppe geschaffen hat. Das Brücke-Museum (wer sonst) will das wieder gut machen und hat letzte Woche (05.03.2026) die Ausstellung „Kunst Hand Werk Brücke“ eröffnet. Lange war ich in keiner Ausstellung, die so feinfühlig und rundum gestaltet ist. Das Brücke-Museum erzählt den Bezug der Künstler:innen zum Angewandten in drei Kapiteln, sortiert nach Material: Metall, Holz und Textil, mit kurzem Intro vorweg. Die Materialkapitel wurden von verschiedenen Kreativen gestaltet. Der Architekt Andrea Faraguna kuratiert die Metallarbeiten in papierenen Vitrinen und lud dafür den Künstler Vittorio ein, die Interieurs zu gestalten. Angesteckt an gefaltete Papierhemden, aufgebahrt auf abgetreppten Architekturen oder gebettet auf papierenen Kissen liegen die Schmuckstücke der Brücke darin. Ich bin mir nicht sicher, wo Kunst aufhört und Handwerk anfängt. Highlights in der Auslage: Ein Zigarettentöter für Hanna Bekker vom Rath nebst ungewohnt proportionierten Brieföffnern, und der Armreif aus gedrehten Silberstreifen von Karl Schmidt-Rottluff, den ich ganz gern selbst besitzen würde, genauso wie die sechs silbernen Teelöffel, die ihm gegenüber liegen. Weiter geht’s zum Holz, und aus den gelassenen Papierwelten stürzen Besucher:innen in eklektische Collagen von Jerszy Seymour, der dieses Ausstellungskapitel gestaltet hat – eine zeitgenössische Höhle, wie er sagt. Der in den Collagen auftretende Comic-Holzwurm ist roter Faden und Vorbote des Verfalls des Holzes und führt heiter durch die opulente Gestaltung. Man ist im besten Sinne reizüberflutet, spätestens von den Designs der Brücke: Ernst Ludwig Kirchners „Bett für Erna Schilling“ dominiert dabei den Raum, mit seinen geschnitzten Köpfen als Verbindungsstücken und all den anderen kleinen Wesen, die sich in Kopfteil und Füße schlingen und winden. Drumherum angeordnet: Gefäße, richtig gute Kästchen und natürlich Bilderrahmen.

Den abschließenden Abschnitt Textil gestaltete Künstlerin Kasia Fudakowski in Kollaboration mit dem Grafiker Santiago da Silva – und die beiden hängen die Arbeiten frei in den Raum. Centerpiece ist bestimmt die textile Gestaltung für Kirchners Atelier, gestickt von Erna Schilling nach Entwürfen des Künstlers. Autor:innenschaft, gerade an der Schnittstelle Kunst-Handwerk, ist ein großes Thema und wird von der Ausstellung auch als solches behandelt. Textilarbeiterinnen (hier muss in der Regel nicht gegendert werden) sind als Co-Autorinnen vermerkt. Die Farbpalette der Brücke ist überraschend zeitgenössisch und ihre Motive mitunter fast Camp – ich könnte stundenlang vor Erna Schillings „Sonntag in den Schweizer Bergen“ nach einem Entwurf von Ernst Ludwig Kirchner stehen und mir würde nie langweilig. Überhaupt wird in dieser Ausstellung niemandem langweilig, denke ich. Für die Schau und damit einhergehende Forschung haben sich die Kuratorinnen im vergangenen Jahr selbst als Kunsthandwerkerinnen erprobt: Eine von ihnen werkelte bei Schmuckdesignerin Elisabeth Schotte, eine beim Holzbildhauer Valentin José Kammel, und eine mit Textilkünstlerin Lisa Reichmann. Nur eines der vielen Details, die zeigen, wie viel Aufmerksamkeit in die Schau floss. Und weil im Brücke-Museum Kunst nicht ohne Handwerk gedacht wird, gibt es richtig viel Rahmenprogramm. Ab nach Dahlem zum Schnitzen, Schmelzen, Sticken. Die Brücke ruft.

Text: Inga Krumme / Fotos: Nick Ash / Credit: Karl Schmidt-Rottluff; Brücke-Museum; Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung; VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Brücke-Museum, Bussardsteig 9, 14195 Berlin–Dahlem; Stadtplan
Kunst Hand Werk Brücke bis 21.06.2026

@brueckemuseum

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